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Daft Punk Synths und Sounds

Daft Punk: Die wichtigsten Synths und Sounds  ·  Quelle: Shutterstock / Von: Andrea Raffin

Vor Kurzem gaben Daft Punk ihre Auflösung bekannt. Bestimmt war diese Nachricht nicht nur für mich ein Grund, die legendären Alben des Duos noch einmal auf Heavy-Rotation laufen zu lassen. Wie erschufen Daft Punk den Sound, der zu ihrem unverkennbaren Markenzeichen wurde und welches Equipment kam dabei zum Einsatz?

Mit „Da Funk“, „Around The World“, „One More Time“, “Harder, Better, Faster, Stronger“ und „Get Lucky“ erschufen Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter Dancefloor-Hymnen, die eine ganze Generation prägten. Ihr unverwechselbarer Sound machte Daft Punk zu einer der einflussreichsten Formationen in der Geschichte der elektronischen Musik, die von unzähligen anderen Musikern als Inspiration und Einfluss genannt wird.

Dabei zeigten die beiden Franzosen nicht nur ihre eigenen Gesichter höchst selten öffentlich – auch in Sachen Equipment ließen sie sich nur sporadisch in die Karten schauen. Ein paar Geheimnisse drangen im Laufe der fast 30-jährigen Geschichte aber doch nach draußen. Wir nehmen das zum Anlass, einige Synths, Effekte und weitere Gerätschaften vorzustellen, die euch dem Daft-Punk-Sound näherbringen.

Sampler: E-mu SP 1200, Akai S01, Ensoniq ASR-10, Roland S-760

Noch vor bestimmten Synths, Drummachines und anderen Gerätschaften waren es Sampler, die für den charakteristischen Sound des Duos verantwortlich waren. Daft Punk nutzten Geräte verschiedener Hersteller, wie den legendären E-mu SP 1200, AKAI S01, Ensoniq ASR-10 und Roland S-760. In einem 1997 in Japan erschienenen Feature gaben sie zudem einen Einblick in ihre Arbeitsweise: Die Signale der Synths und Effektgeräte wurden zunächst auf DAT aufgenommen. Dann wurde das Signal gesampelt und im Sampler bearbeitet, geschnitten und im Sequencer neu zusammengestellt. Das Ergebnis landete dann erneut auf DAT.

Anders als Vintage-Synthesizer und der legendäre SP 1200 sind viele Sampler der 1990er wie der SP-760 noch recht günstig zu bekommen, obwohl auch hier die Preise wieder anziehen. Hier geht es eher darum, ob man noch funktionierende Speichermodule und Laufwerke bekommt – und um die Frage, ob das klangliche Ergebnis den Aufwand rechtfertigt, sich mit der oft kryptischen Bedienung alter Sampler und den diversen Kompatibilitätsproblemen herumzuschlagen. Fest steht, dass Daft Punk bestimmte Sampler wegen eines bestimmten Sounds nutzten. Heute kann man sich dem Sound älterer Digitalgeräte zum Beispiel mit einem hochwertigen Bitcrusher wie dem D16 Decimort 2 nähern.

Der 12-Bit-Sampler E-mu SP 1200 allerdings gehört wegen seiner Verdienste um die Geschichte des Hip Hop zu den wenigen Digitalgeräten, für die heute astronomische Preise aufgerufen werden. Wer kein Original ergattern kann, kann sich mit dem Plug-in waveTracing SP950 behelfen. Außerdem gibt es mit dem Isla Instruments S2400 seit Kurzem eine Sampling-Groovebox, die stark vom SP 1200 inspiriert ist und über einen 12-Bit-Modus verfügt.

Roland Variphrase VP-9000

Auf „Discovery“ prägte dann der Roland Variphrase VP-9000 den Sound des Duos, besonders die Vocals. Was heute selbstverständlich erscheint, nämlich das freie Manipulieren von Audio-Aufnahmen hinsichtlich Abspielgeschwindigkeit, Tonhöhe und Formanten, war damals eine Revolution. Das Gerät wurde Daft Punk von Roland noch vor dem eigentlichen Erscheinungstermin zur Verfügung gestellt und ist seitdem untrennbar mit dem Daft-Punk-Sound verbunden – eine frühe Form des viralen Marketings.

Heute sind wir es gewohnt, Audio auf alle erdenklichen Weisen verbiegen zu können. Das Besondere liegt also weniger darin, was der VP-9000 konnte (das gibt’s heute überall, in viel besserer Qualität), sondern eher in der speziellen Arbeitsweise mit dem Gerät. Wer die möchte, kommt nicht umhin, sich einen echten VP-9000 zu besorgen. Einen ganz ordentlichen Daft-Punk-Vocalsound bekommt ihr aber wahrscheinlich auch mit einem Vocal-Prozessor wie dem Roland VT-4 hin.

Roland Juno-106

Der Juno-106 gehört zu den populärsten Analogsynthesizern aller Zeiten und wurde von Daft Punk nach eigenen Angaben auf dem Debutalbum „Homework“ benutzt. Wie auch viele andere Vintage-Synthesizer ist der Juno sehr teuer geworden, wenngleich er immer noch deutlich günstiger zu haben ist als zum Beispiel ein Jupiter-8. Außerdem gibt es einige gut klingende, moderne Alternativen. Neben Rolands eigenen, virtuell-analogen Nachbildungen in Form des JU-06A und den Juno-Emulationen in der Roland Cloud und den Zen-Core-Synthesizern wäre hier beispielsweise auch der analoge Behringer DeepMind zu nennen, der vom Juno inspiriert ist und für den es sogar einen Software-Editor im Juno-Design und entsprechende Decal-Folien gibt. Außerdem gibt es diverse Software-Synths, die sich den Juno zum Vorbild nehmen, etwa von TAL, Cherry Audio und sogar im Browser.

Roland MKS-80

Auch der Roland MKS-80 steht auf der Liste der Synths, die auf „Homework“ zu hören sind. Die Rackversion des Jupiter-8 ist leider ebenfalls nur noch zu extrem hohen Preisen zu haben. Wer sich den Sound günstig ins Studio holen möchte, sollte also nach einer Jupiter-8-Emulation Ausschau halten. Auch hier hat Roland selbst vorgesorgt. Neben Rolands eigener gibt es Software-Emulationen von Arturia, TAL, UVI und anderen.

Roland MC-202/TB-303

Ebenfalls nicht fehlen dürfen natürlich die Roland TB-303 und ihre Weiterentwicklung MC-202 – eine Kombination aus 303-Sequencer und der Klangerzeugung des SH-101. Die Berühmtheit der TB-303 hat dafür gesorgt, dass es heute diverse digitale und analoge Alternativen von Herstellern wie Roland, Behringer, Cyclone Analogic und anderen gibt. Auch zum SH-101 hat Behringer mit dem MS-1 eine erschwingliche Alternative im Programm.

Sequential Circuits Prophet VS

Ein spannender Eintrag in der Liste der Synthesizer, die Daft Punk auf Homework einsetzten, ist der Sequential Circuits Prophet VS. Der Hybridsynth mit digitalen Oszillatoren und analogen Filtern markierte Mitte der 1980er das Ende der ersten Sequential-Ära. Heute sind hybride Synthesizer wieder modern und auch Konzepte wie die Vektorsynthese des Prophet VS, Wavetables und Wave Sequencing erleben ein Comeback. Zwar ist keiner dieser Synths ein direkter Klon des Prophet VS, aber ähnliche Ideen finden sich zum Beispiel im Korg Wavestate, Modal Electronics Argon8, ASM Hydrasynth und Novation Peak/Summit.


Drummachines: TR-707, TR-808, TR-909, Linndrum

In Sachen Drummachines setzten Daft Punk vor allem auf die Klassiker der Roland TR-Serie. Auch die Linndrum taucht auf der Liste auf. Vor allem für die Sounds der TR-808 und TR-909 gibt es heute wieder diverse Optionen, u.a. in Form der Roland TR-8S, TR-08 und der Behringer RD-8 – die RD-9 lässt bekanntlich noch immer noch auf sich warten. In der TR-8S bekommt man auch die Sounds der samplebasierten TR-707 und kann eigene Samples laden – zum Beispiel die der Linndrum. Eine Übersicht über aktuelle Drummachines bekommt ihr hier.

Effekte: Compressor, Phaser, Vocoder etc.

Kaum ein Sound, der bei Daft Punk nicht den einen oder anderen Effekt durchlief. Das Duo war dafür bekannt, diverse Gitarreneffektgeräte wie Phaser, Distortion etc. für ihre Synthesizer und Drummachines zu verwenden. Hier ist die Auswahl natürlich riesig und es lässt sich auch kaum ergründen, welche Bodentreter genau verwendet wurden. Oft genannt wird der Mu-Tron Bi-Phase, der u.a. von Arturia als Plug-in emuliert wurde. Auch das 90er-Multieffektgerät Ensoniq DP/4 prägte den Sound, ebenso verschiedene Effekte zum Verfremden von Stimmen, wie eine Talkbox und ein Vocoder. Zudem nutzten Daft Punk in frühen Jahren diverse günstige Rackeffekte von Behringer und Alesis, beispielsweise den Alesis 3630 Compressor.

Bass: Yamaha TRB

Mit „Get Lucky“ landeten Daft Punk zusammen mit Nile Rodgers und Pharrell Williams einen Riesenhit. Neben der funky Gitarre von Nile Rodgers war es vor allem auch die von Nathan East eingespielte Bassline, die den Song so unwiderstehlich machte. Dazu habe ich mir Rat von unserem Bass-Redakteur Stephan eingeholt. Er meint dazu:

„Die Chance ist groß, dass ihr Bassist Nathan East durch seine Zusammenarbeit mit Phil Collins, Whitney Houston, Michael Jackson, Eric Clapton, Beyonce und viele weitere mehr bereits zuvor gehört habt. Wer mit 16 Jahren sein erstes großes Engagement mit Barry White hatte, wonach direkt Quincy Jones anrief, war längst zu großen Dingen bestimmt.

Nathan ist jahrzehntelanger Nutzer aktiver Yamaha-Bässe. Und auch, wenn ich keine genauen Angaben zum verwendeten Equipment finden konnte, so bin ich mir ziemlich sicher, dass er entweder seinen Signature Nathan East Signature BBNE-2 oder einen anderen mindestens fünfsaitigen Yamaha TRB Bass benutzt hat. Für seine Solo-CD nahm er seine Bässe über eine Radial Engineering “Firefly” Tube DI auf, was jedoch nicht bedeutet, dass die bei Daft Punk genutzt wurde.“

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11 Antworten zu “Daft Punk: Die wichtigsten Synths, Sounds und Effekte”

  1. Klaus sagt:

    Ich fand daft punk stinke langweilig, 0,0000000 punk und einfach schlecht. Bin ich uncool?

    • Hagbard23 sagt:

      Aus der Underground Tekno-Szene (8ung: nicht Techno!) sind sicherlich mitreißendere Trax erschienen, wobei ursprünglich D.P. eigentlich auch aus dem Eck kommt.
      Nichts desto trotz haben D.P. mit ihren Trax viele Leute erreicht und ob irgendein Klaus daran gefallen findet oder nicht, interessiert keine Sau!

  2. Sin Tesizer sagt:

    Habt ihr nicht irgendwie den Korg MS-20 vergessen???

    • Dirk B. sagt:

      Ich habe auch immer gedacht, dass der MS-20 bei Homework zum Einsatz kam. War aber anscheinend nicht so:

      https://i.redd.it/te31d8kbt2e11.jpg

      • Henry sagt:

        Der Lead Sound bei Da Funk ist auf jeden Fall ein MS-20. Da kann es keinen Zweifel geben.

      • Sin Tesizer sagt:

        Ich hab auch immer angenommen, dass es ein MS-20 ist, auch weil ich den Sound selbst schon an einem MS-20 eines Freundes nachschrauben konnte. Andererseits hab ich es auch schon ein paar mal erlebt, dass man Sounds die eigentlich sehr charakteristisch für einen bestimmten Synth sind und von dem man annimmt, dass sie auch nur auf diesem exakt so klingen können, dann doch mit einem (nicht jedem) anderen Synth sehr authentisch reproduzierbar sind. Nun, dann danke für die Aufklärung! Wieder eine gesellschaftlich akzeptierte Falschaussage weniger in meinem Kopf :D

        • Dirk B. sagt:

          Vielleicht war es ja wirklich ein MS-20 und die haben das nie irgendwo preisgegeben. Irgendwann haben die mal über das Equipment von Discovery geredet und der Roland VP-9000 wurde mit keiner Silbe erwähnt.

  3. Edgar Marton sagt:

    Roland S-760. Der einzige Sampler denn ich auch nach 25 Jahren produktiv einsetze. Software-Sampler sagen mir nichts. Im Gegensatz zum Akai S1100 war das schon eine enorme Verbesserung im Workflow mit Maus und Monitor. Gleich mit Erweiterungsboard OP-760-1 gekauft. Digital SPDIF out über MissionAudio DA-Wandler ins Pult, RAM Vollausbau, Samples via TOS-LINK optisch über TOS-LINK CD-Player oder via SCSI (HD, ZIP,CD), Monitor Anschluss über selbstgelöteten SVHS-SCART Adapter (kleiner Fernseher als Monitor), über 4.000 DM damals auf den Tisch des Hauses gelegt – hat sich inzwischen mehr als 10fach amortisiert. Kann ich nur weiterempfehlen – Filter nicht auf Emax Niveau (Resonanz nicht bis zur Selbstosz.) aber brauchbar. Schnell und keine Nebengeräusche. Logische Menüführung. Zum Artikel: Kompartibiltätsprobleme sind mir nicht bekannt (Libraries gibts umsonst im Netz). RAM ist noch gut zu bekommen, auch alte SCSI Drives sind gar kein Problem – also auch heute noch eine gute Empfehlung. Würde ich immer gegen AKAI-S-Serie vorziehen.

  4. Schubidu sagt:

    „Die Rackversion des Jupiter-8“, sry das stimmt einfach nicht. Der Mks80 ist eher ein JP6 ohne die ganzen Extras.
    CEM OSC CEM VCA. Der JP8 hat da ganz andere Bausteine.
    Lass dich nicht vom Bergriff SuperJupiter irreführen.

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