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Verpackung TB-03 TR-09

 ·  Quelle: gearnews

Schon seit einer Woche sind Leaks und erste Infos im Umlauf: Zum 30-jährigen Jubiläum der 909 wird über eine Wiederauflage des Roland TR-909 Rhythm Composers und der TB-303 Bassline gemunkelt. Die gute Nachricht vorab: Es wird sie geben! Anlässlich des „909-Days“ lüftete Roland das Geheimnis und stellte neben vielen anderen Produkten die TR-09 und die TB-03 vor. Auch hier kommt wieder die ACB-Technologie der Firma zum Einsatz, die das Verhalten der analogen Schaltungen komplett emulieren soll. Dass diese Technologie was kann, bewies sie schon in den Aira System-1 und TR-8 Rhythm Performer Produkten sowie den Synths der Boutique Serie.

Der Clou: Wir bekamen die Gelegenheit, uns einen ersten Eindruck dieser beiden Neuvorstellungen zu verschaffen! Wir hatten nicht viel Zeit, aber wir konnten es doch nicht lassen, mal einen kurzen Vergleich zwischen Originalen und Boutique-Versionen vorzunehmen. Dazu liehen wir uns eine TB-303 von Kai Tracid und eine TR-909 vom Synthesizer-Studio Hamburg (dankedankedanke! ).

Roland TR-09

Die neue TR-09 im Vergleich mit dem Original

Roland TR-09 Rhythm Performer

Schon die Optik verrät die Verwandtschaft zum Vorfahren: Die TR-09 wirkt wie eine eingelaufene TR-909 im Boutique Format. Wer eine 909 kennt, findet sich hier sofort zurecht. Es ist eigentlich alles an derselben Stelle wie beim Original, nur etwas kleiner und enger zusammen. Ein solides Metallgehäuse, inklusive Aufstellbügel zum Anschrägen, bietet den passenden Rahmen. Leider ist der wie bei den anderen Boutique-Geräten leider aus Plastik: Sollbruchstelle.

Unter der Bodenabdeckung ist auch der Deckel fürs Batteriefach, wo 4x 1,5 Volt AA Batterien für Strom sorgen. Dort ist auch ein kleiner Lautsprecher integriert (hmmm… wozu?). Leider gibt es Strom sonst nur über USB, wie bei den anderen Boutique-Modellen. Ein Netzteil ist weder im Lieferumfang enthalten noch anschließbar. Die Anschlüsse auf der Rückseite bieten USB, MIDI In und Out sowie 3,5 mm Buchsen jeweils für Mix In, Phones und Output. Einzelausgänge leider Fehlanzeige – und auch die Minibuchsen machen mich nicht wirklich glücklich. Mehr zu meckern habe ich dann aber nicht: Denn der Sound macht – zumindest mich – glücklich!

Die Mechanik zum Aufstellen ist in den Sockel gleich eingebaut.

Die Mechanik zum Aufstellen ist in den Sockel gleich eingebaut.

Wir haben die TR-09 mit dem gleichen Pattern programmiert wie die TR-909 und die TR-8 (die ja ebenfalls 909 Sounds bietet). Im direkten Vergleich nagelt für mich die 909 einfach immer noch am meisten: Die Snare und Claps setzen sich irgendwie noch optimaler gegen eine 4-On-The-Floor Kick Drum durch. Aber im Vergleich zum ersten Modeling-Wurf TR-8 scheint Roland noch einiges getunt zu haben: Bei der TR-09 gibt es die identischen Soundformungsparameter wie beim Original und es klingt auch auf Anhieb überzeugend. Die Maschine bringt auf Anhieb Spaß – und ich hätte gern mehr Zeit gehabt. Aber leider musste sie wieder zurück ins Paket und weiter zum Tester von bonedo.de, der sich das gute Stück noch einmal genauer ansehen wird.

Video: Roland TR-09 vs. Roland TR-909 vs. TR-8 im Vergleich

Unterm Strich ein sehr interessantes neues Produkt – ob es für mich als TR-8 Besitzer zusätzlich Sinn machen würde, kann ich noch nicht abschließend sagen. Ich würde mir bei der 909 Snare in der TR-8 noch eine Überarbeitung wünschen – da sieht man ja jetzt, dass es noch besser geht, aber ansonsten bin ich eigentlich zufrieden. Auch wenn ich dort mit der 808-Bedienung „leben“ muss… Hätte ich noch keine Roland Drum Machine, würde mich die TR-09 auf jeden Fall interessieren.

Roland TB-03 Bassline

Die TB-303 ist sicher eines der prägendsten elektronischen Musikinstrumente: Von Acid bis Techno trägt der kleine silberne Bassautomat viele Songs. Einige Firmen haben sich an Klonen versucht, Roland selbst führte mit der Aira TB-3 eine moderne Variante mit Touchscreen-Bedienung ein. Mit der TB-03 kommt nun eine Rückbesinnung auf die originale Bedienung des Klassikers – ein Wunsch, der auch in vielen Foren geäußert wurde. Optik und Gehäuse gehen wieder sehr in Richtung des Originals, Anschlüsse wie bei der TR-09. Auch meine Kritik bleibt gleich (3,5 mm Anschlüsse, kein Netzteilanschluss, Plastikwinkel zum Aufstellen, Sinnhaftigkeit des Lautsprechers…hmmm). Das Metallgehäuse lässt die Wiederauflage dann aber fast wertiger als das Original erscheinen. Schön: Es gibt ein Tempo-Display und sogar Trigger In, CV- und Gate-Ausgänge. Das erleichtert die Integration in analoge Systeme.

roland_tb_03_gearnews

Fast wie das Original – aber mit Display!

Ich bin nun nicht der TB-Crack. Ich kenne den Sound und mag die charakteristischen Lines, die nicht zuletzt durch die eigenwillige Programmierung entstehen (man programmiert Pitch, Notenlänge und Accent und Slides im Step-Modus nacheinander). Aber selbst habe ich mich nie lange mit den Basslines beschäftigt. Mein Kollege Stefan brachte sie dann zum Klingen und schraubte an den Knöpfen. Das Original kam von Acidmeister Kai Tracid. Es hat also sicher eine Rolle bei einigen seiner Tracks gespielt und klingt auch genau so, wie man es im Idealfall von einer TB-303 erwartet.

Video: TB-03 und TB-303 im Vergleich

 

Wir haben beide synchron mit der gleichen Figur laufen lassen: Ohne A/B-Vergleich klingt es sehr überzeugend, im direkten Hörvergleich ist das Original einfach noch einen Hauch „mehr“ TB-303. Das Filter- und Resonanzverhalten kommt der echten schon sehr sehr nahe. Nur bei ganz wenigen Einstellungen mit Sägezahn klang die TB-03 für meine Ohren minimal „härter“ als die Alte. Hätte ich die Wahl zwischen 3.000 EUR für ein Original oder etwa um die 400 EUR für die Neue, würde ich mich ohne Skrupel für die Neue entscheiden. Dann vielleicht gleich zwei und eine TR-09 kaufen und vom Restgeld in den Urlaub fahren …

Auf der Unterseite finden sich Batteriefach, Lautsprecher und Aufstellbügel.

Auf der Unterseite finden sich Batteriefach, Lautsprecher und Aufstellbügel.

Roland hat das schon sehr gut hinbekommen! Eine würdige Art, den 30. Geburtstag der 909 zu feiern. Und typisch für die Firma, einen eigenen Weg zu gehen und nicht einfach die alten Geräte nachzubauen: Neue Technologie musste da schon mindestens rein. Ich bin vor allem auch noch auf den System-8 Synthesizer gespannt, der ja die doppelte Polyphonie der Boutique Synths bieten soll – und mehrere Plug-outs geladen haben kann. Dann hätte man den Jupiter wirklich wieder zum erschwinglichen Kurs im Arsenal. Ein gutes Jahr für Synth-Nerds. Von mir aus kann es gern so weiter gehen! 2016 ist ja noch nicht vorbei!

von ralf

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Ich gestehe, eine 303 vom Grossmeister im Hause zu haben…jetzt bin ich definitiv neidisch. Ich hätte das teil genommen und mich im Ausland abgesetzt. ;-)
Wer kann von sich behaupten eine echte 303 von Kai Tracid bekommen zu haben. Einfach WOW!

gearnews
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Vorteilhaft, wenn man sich kennt. ;)

Krypto
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Allerdings, da kann ich dir mur beipflichten.

DJ RS
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DJ RS

Kai Wer? Grossmeister ? Hahahah Ihr merkt eure Dummheit noch nicht mal!

gearnews
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gearnews

Und du stänkerst wen und warum so dünne an?

Krypto
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Krypto

Für das haben wir ja dich. Du bist intelligent und weil du ja begründest, warum das so ist.
Mag er für dich kein Grossmeister sein, kein Problem. Aber wegen dir werde ich garantiert nicht meine Meinung ändern. Dann bin ich gerne der Dumme. Du hingegen, wäre gut kriechst wieder unter den Stein, den du hervorgekrochen bist.