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Angecheckt: Behringer RD-9 Rhythm Designer

Angecheckt: Behringer RD-9 Rhythm Designer  ·  Quelle: Gearnews, Marcus

Endlich hat Behringer die langersehnte und schon vor Jahren vorgestellte Drum-Machine RD-9 veröffentlicht. Als Roland TR-909 Klon besitzt die neue Beat-Maschine natürlich die Fähigkeiten und kann die immer noch oft eingesetzten Sounds und Grooves erzeugen. Darüber hinaus wurden natürlich noch weitere Features integriert, die die Fähigkeiten des Drum-Synthesizer nochmals mehr erweitern. Und das haben wir hier im Angecheckt für euch im eigenen Studio getestet.

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Behringer RD-9 Rhythm Designer

Die RD-9 der Firma Behringer geisterte schon seit Langem durch das Internet, wurde zur Superbooth 2019 aus- und der Presse vorgestellt. Probleme mit der Firmware und sicher auch Lieferschwierigkeiten führten zur Verzögerung der Veröffentlichung. Jetzt ist es endlich soweit und die ersten Geräte werden durch Händler an ihre Kunden verschickt. Die Drum-Machine ist nicht nur optisch ein Klon der Roland TR-909. Auch soundtechnisch soll die Kiste die TR-909 ersetzen und sogar noch einen drauf setzen. Und das natürlich zum typischen Behringer Preis (im Vergleich zum Marktwert einer gebrauchten TR-909).

Ob die neue Rhythm-Machine die alte ersetzen kann, das konnten wir hier in unserem Angecheckt testen. Weiter geht’s zur Praxis.

Ausgepackt

Die RD-9 wirkt auf den ersten Blick rundum solide. Wie die TR-909 ist die äußere Hülle aus einem harten Kunststoff. Die Maschine hat mit 4 kg ein wirklich amtliches Gewicht und steht auch größenmäßig dem Vorbild in nichts nach. Lediglich die festsitzenden Drehregler sind an der RD-9 fast doppelt so hoch, aber ebenso leichtgängig und gut bedienbar. Die Kunststofftaster der 909 wurden durch gummierte und hintergrundbeleuchtete Buttons ersetzt. Und davon gibt es jetzt einige neue Funktionstaster mehr, die ihr direkt auf der Benutzeroberfläche bedienen könnt.

Die Trigger-Tasten des Sequencers, die sich auch für manche Einstellungsparameter nutzen lassen, sind leider nicht so C-64-ähnlich, wie bei der 909. Das coole Tippen und Klacken, wie auf der alten Drum-Machine vermisse ich ein wenig. Die neuen Tasten könnt ihr deswegen nicht so effektiv/schnell und haptisch angenehm bedienen. Aber das ist sicher Gewohnheitssache. (PS: ich habe mich nach einiger Zeit sehr gut an die neuen Taster gewöhnt!)

Neu und auffallend ist natürlich die neue Effektsektion (Wave Designer und Analog Filter), Step/Note Repeat und der Autofill Button. Und genau diese neuen Funktionen heben die RD-9 in eine andere Liga – bringen den Sound in eine andere Richtung. Und das, ohne den typischen 909-Charakter gänzlich zu verbiegen. Dazu später mehr.

Angecheckt: Behringer RD-9 Rhythm Designer

Behringer RD-9 Rhythm Designer – die Benutzeroberfläche

Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse sowie der An-/Ausschalter. Neben einem Kopfhörer-, Return-Anschluss und Monoausgang für die Summe gibt es dort zehn Einzelausgänge für jede Instrumentensektion. Darüber hinaus sitzt hinten das obligatorische MIDI-Trio, ein USB-Anschluss, drei Trigger-Outs (große Klinke) und ein Sync-In und -Out (Miniklinke). Die Ein externes Netzteil ist im Lieferumfang enthalten.

Angecheckt: Behringer RD-9 Rhythm Designer

Behringer RD-9 – Anschlüsse

Der Sound

Da ich hier im Studio eine Roland TR-909 (und eine Jomox AiRBase 99) besitze, kann ich die neue Hardware sehr schön mit den alten Kisten vergleichen. Von rechts nach links (also von Ride bis Bass-Drum gesprochen), gibt es teilweise keine Unterschiede, teilweise extreme Abweichungen und mehr Möglichkeiten in dem „Klon“. Zusammengefasst kann ich sagen, dass die RD-9 im Vergleich mit der 909 wesentlich mehr Punch und mehr Attack bietet. Die Sounds meiner 909 wirken insgesamt gedämpfter, ein wenig dreckiger, aber trotzdem ausgewogen im Klangbild. Die RD-9 liefert brillantere, crispere Drum-Sounds – teilweise zu sauber, aber wirklich druckvoll.

Sehr schön ist die Möglichkeit, die HiHats zu tunen (endlich!). Das vermisse ich an der 909. Schade aber, dass Claps keine weiteren Parameter erhalten hat. Hier fehlt mir unter anderem ein Noise-Decay, wie bei dem Drum-Synthesizer Vermona DRM1. Jetzt aber zu einem der für mich wichtigsten Sektionen: die Kick.

Hier muss ich sagen, dass ich hier sehr viele Probleme hatte, den Klang an den Sound der TR-909 anzugleichen. Die 909 hat Wumms, „Grittiness“, Punch, Dreck, aber ist rund und warm. Die RD-9 kann das auch, aber ohne Schmutz. Und irgendwie anders. Aber davon eine Menge mehr! Denn mit den neuen Parametern „P. Depth“ (P = Pitch) und Pitch lassen sich nochmals mehr andere Klangformungen für die Bass-Drum vornehmen. Sehr stark! Auch der Decay-Bereich wurde nochmals erweitert, so dass ihr sogar 808-ähnliche Kicks erzeugen könnt.

Aber schaltet man die Effektsektion, also das Analog Filter und den Wave Designer (Transient Designer), dazu, fängt die RD-9 an zu leben und zu atmen. Und das so richtig. Wie in der RD-8 können einzelne Instrumentenbereiche optional durch die Effekte geroutet werden. Der Wave Designer besteht aus einem Attack– und einem Sustain-Regler zum Anheben und Absenken der Transienten und dem Nachklang. Zum Formen von einem Drum-Loop ist das ein wirklich wichtiges Tool.

Das Filter (Hochpass oder Tiefpass) mit einem Cutoff– oder Resonance-Regler könnt ihr natürlich „DJ like“ anwenden, um in Breaks den Bass zu entfernen und zum Drop wieder einsetzen zu lassen oder den kompletten Loop resonant à la French House zu filtern. Setzt man das Filter aber zum Mixen ein, könnt ihr zum Beispiel aus der Kick so einiges mehr herausholen. Hier einfach das HPF aktivieren, Resonance auf 12 Uhr und Cutoff von links nach rechts aufdrehen, bis ihr den Subbass spürt. Sehr cool!

Durch das Durchleiten mehrerer Drum-Sektionen durch den integrierten „Kompressor“ (Wave Designer) entsteht ein homogener Drum-Loop. Die Klänge interagieren hörbar im Gesamtbild. Das macht es absolut spannend und hebt die RD-9 für mich auf eine andere Stufe. Für meine TR-909 benötige ich immer externe Effekte, um den Loop gut in den Mix zu bekommen. Ein klares Plus für die neue Version.

In Aktion

Der integrierte Sequencer funktioniert wie erwartet und ähnlich zur 909. Neue Funktionen, wie Step/Note Repeat sowie Autofill sind eine Bereicherung für Live-Performer. Aber auch das schnelle Muten einzelner Sounds ist grandios im Vergleich. Denn das funktioniert sogar für MIDI-In Events (also Noten, die von der DAW in die Drum-Machine geschickt werden). Bis zu 16 Songs und 256 Patterns lassen sich in der Kiste speichern. Über die Synth Tribe Software könnt ihr den Sequencer sogar mit eurer Maus programmieren.

Über USB angeschlossen, könnt ihr die RD-9 als externes MIDI-Gerät in eure DAW einbinden. Noten inklusive Velocity und Automationsdaten der Effektsektion lassen sich fernsteuern. Ansonsten liebe ich die „Arbeit“ an der Hardware und nehme sowieso meist analoge Steuerung der Parameter live als Audio auf. Deswegen stört es mich überhaupt nicht, dass man die einzelnen Einstellungen der Sounds nicht automatisieren kann.

Fazit

Mit der RD-9 ist Behringer ein wirklich interessanter Drum-Machine „Klon“ der TR-909 geglückt. Die Sounds klingen nach 909, könnt ihr aber auch durch neue Parameter sowie die integrierte Effektsektion in eine andere Richtung drehen. Ich hätte mir hier und da noch ein paar mehr Sound-Parameter für manche Instrumente gewünscht. Aber das hätte sicherlich irgendwann den Preis weiter nach oben geschraubt. Neben meiner TR-909 sowie der AiRBase 99 ist die RD-9 ein absoluter Zugewinn in meinem Studio. Und das wegen dem Sound und auch der schnellen Zugriffsmöglichkeiten zum Klangdesign (von House, Techno, Deep House, Breaks, Drum-and-Bass, Hip-Hop, Downbeat bis hin zu Pop und Electronica).

Preise und Zubehör der Behringer RD-9

Die Behringer RD-9 könnt ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) zum Preis von 349 Euro bestellen.

In dem Paket enthalten ist die Drum-Machine, ein Netzteil und ein Handbuch. Die Software Synth Tribe für Firmware Updates, zum Einstellen verschiedener Parameter und zum einfacheren Programmieren des Sequencers findet ihr als Download auf der Website des Herstellers.

Mehr Infos zu Behringer

Videos zur RD-9

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8 Antworten zu “Angecheckt: Behringer RD-9 Rhythm Designer”

  1. Bernie sagt:

    Ui! Das klingt ja als ob man zuschlagen müsste! Allerdings bin ich mit hervorragenden Samples und guten Plugins überversorgt. Ich sample aber gerne Sounds aus Videos die neues Gear präsentieren. :)

  2. Sonja Dammriss sagt:

    Ja, aber kann man auch sowas machen? https://www.youtube.com/watch?v=eU-UsvYbIV0 :)

  3. Daniel Mathys sagt:

    Nach der heutige Ankündigung warte jetzt auf die RD-9 MK II …

  4. Knuspi sagt:

    Hallo :)

    Schöner Text, liest sich sehr gut. Mich würden noch ein aar Details interessieren und zwar steht im Text dass es „teilweise extreme Abweichungen “ gibt. Da würde mich interessieren wo genau bzw. bei welchen Instrumenten. In den Videos online hört sich alles sehr authentisch an soweit man das beurteilen kann ohne je eine echte 909 besessen zu haben.
    Und was genau ist damit gemeint dass die Sounds der Kick zu sauber sind? Bedeutet das es ist weniger Rauschen im Signal? Habe vorbestellt und warte jetzt mega gespannt auf die Lieferung von Thomann :) die TD 3 hat mich absolut begeistert und ich hatte selten so viel Spaß mit einem so simplen Gerät.

    • marcus sagt:

      Hi! Check mal mein Video hier unten (Direktvergleich der ganzen 909-Kisten). Hier erkläre ich jeden Sound mit dem Original und auch was mit der RD-9 alles noch zusätzlich möglich ist.

  5. Bernie sagt:

    Warum ist noch kein Acid Fieber ausgebrochen?? Offenbar spiegeln die Instrumente nicht den Musikgenuss wider. Suche gleich mal danach…..

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