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Angecheckt: Korg opsix FM-Synthesizer und mehr

Angecheckt: Korg opsix FM-Synthesizer und mehr  ·  Quelle: Gearnews, Marcus

Der Korg opsix ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein FM-Synthesizer mit sechs Operatoren. Aber das stimmt nur bedingt. Denn der moderne Klangerzeuger kann natürlich noch vieles mehr. Mit diesem „Sounddesign-Monster“ könnt ihr wirklich fast jeden Klang kreieren. Und das wirklich hochwertig – aber eben digital. Wer auf der Suche nach einem vielseitigen Synthesizer unter 1000 Euro ist, wird hier definitiv fündig. Und genau das wollen wir euch hier im Angecheckt vorstellen.

Korg opsix FM-Synthesizer

FM-Synthese ist recht komplex und eigentlich für Einsteiger ein No-Go. Ein bekannter Synthesizer der Musikgeschichte, der mit dieser Syntheseart ausgestattet wurde ist sicherlich der Yamaha DX7. Weiteres hierzu hatten wir in diesem Gearnews-Artikel besprochen. Software-seitige Emulationen gab es ebenso in rauen Mengen (Native Instruments FM8, Arturia DX7 V, Ableton Operator, Asb2m10 Dexed, Apple EFM1 und mehr). Natürlich verfügen viele VSTis und auch Hardware Synthesizer über FM-Synthese-Sektionen.

Jetzt möchte Korg mit dem Hardware Synthesizer opsix den FM-Markt erobern. Und das zu recht! Denn sie versuchen mit Übersicht und einfacher Herangehensweise auch nicht so versierten FM-Künstlern diese Syntheseart näher zu bringen. Dazu ist der Synthesizer mit etlichen weiteren Funktionen ausgestattet worden, mit denen er sicherlich auch mit anderen Synthesizern konkurrieren kann.

Korg opsix ist da - ein erweiterter FM-Synthesizer und mehr

Korg opsix ist da – ein erweiterter FM-Synthesizer und mehr

In der Praxis

Das Paket, in dem der opsix geliefert wurde, ist mit knapp drei Kilogramm ein wirkliches Leichtgewicht. Ein Kunststoffgehäuse und ein paar wenige Prozessoren im Inneren – mehr braucht es eben nicht für einen digitalen Synthesizer. Und das Design? Das ist natürlich auch eher retro – was sonst! Trotzdem wirkt es ebenso modern und lädt auf jeden Fall zum arbeiten an Sounds ein. Die Drei-Oktaven-Klaviatur wirkt nicht sehr hochwertig und wird sogar ohne Aftertouch ausgeliefert. Letzteres ist natürlich gerade bei FM mit den Modulationsmöglichkeiten nicht sehr vorteilhaft. Aber wer setzt nicht sowieso schon ein Masterkeyboard ein? Oder Korg liefert vielleicht zusätzlich eine Desktop-Version?

Nach dem ersten Anschließen hatte ich Probleme mit der USB-Verbindung zu meinem iMac. Der opsix wollte sich absolut nicht mit meinem macOS verbinden, so dass ich, wie oftmals bei USB-Problemen (USB-Geräusche, keine Verbindung), auf die „altmodische“ MIDI-Verbindung zurückgreifen musste. Und das lief natürlich einwandfrei. Zwischenzeitlich hatte ich Kontakt mit dem Korg Support, die mir die perfekte Lösung vorschlugen. Ich sollte mit diesem De-installer den „alten“ Korg USB-MIDI-Treiber von meinem System entfernen (siehe Punkt 2). Nach einem Neustart lief die Kommunikation über USB. So soll das auch sein!

Korg opsix: Anschlüsse

Korg opsix: Anschlüsse

Jetzt möchte ich aber mal den Klang hören, fühlen und auch ein wenig an der Kiste herumspielen.

Der Sound

Die mitgelieferten 250 Presets (500 können gespeichert werden) sind eher „Standard“ und werden moderne Sound-Frickler eher weniger hungrig machen. Aber lasst euch hier absolut nicht täuschen! Denn in der Kiste steckt weitaus mehr, als das, was die Werks-Presets zu bieten haben (zumindest finde ich die ersten 80 bis 100 Patches für mich langweilig). Für Sounddesigner und Electronic Music Producer lohnt sich bei uninteressanten Presets ein Griff an die sechs Fader, die die Modulationsintensität (oder das Level) des jeweiligen Operators verändern. Und voila: der Sound fängt an spannend zu werden!

Angecheckt: Korg opsix FM-Synthesizer und mehr

Ratio und Level der sechs Operatoren

Über jedem Fader befindet sich der jeweilige Ratio-Regler für den Operatoren. Wie der Name opsix schon impliziert: der Synthesizer besitzt sechs Operatoren. Schon beim ersten Bedienen merkt man, dass das Konzept eben anders ist, als das Arbeiten mit analogen Synthesizern, die mit subtraktiver, additiver oder Wavetable Synthese ausgestattet sind. Der opsix geht aber über die klassische FM-Synthese hinaus und bietet, neben dem üblichen Sinus, auch virtuell analoge und additiv erzeugte Schwingungsformen. Darüber hinaus integriert Korg pro Operator ein für FM untypisches Filter. Das bedeutet, dass der opsix durchaus zu einem VA-Synthesizer mit sechs Oszillatoren mutieren kann. Wow!

Das ist immer noch nicht das Ende der Möglichkeiten: Neben FM bietet der Klangerzeuger Ringmodulation, Filter-FM und einen Wavefolder-Modus. Ihr seht, hier geht einiges! Und das merkt man auch, wenn man über das kleine OLED-Display doch recht übersichtlich durch die Menüs steppt. Einige Parameter lassen sich nach ein wenig Eingewöhnungszeit mit der Shift-Taste einfach ansteuern. Dort könnt ihr unter anderem die drei ADSR-Hüllkurvengeneratoren und drei LFOs einstellen.

Angecheckt: Korg opsix FM-Synthesizer und mehr

Angecheckt: Korg opsix FM-Synthesizer und mehr

Wie jeder moderne Synthesizer verfügt opsix natürlich auch über eine große Effektsektion. Drei Effekttypen mit insgesamt 30 (!) Effekten könnt ihr hinter euren Sound packen. Und der aus dem Minilogue bekannte mehrstimmige (sechsfach polyphon) Sequencer und Arpeggiator ist ebenfalls mit dabei. Somit können auch Live Performer diesen leichten Synthesizer getrost mit auf die Bühne nehmen und ihn ihr Setup einbinden.

Angecheckt: Korg opsix FM-Synthesizer und mehr

Parameterregler und Menütasten

Sounddesign par excellence

Hierzu ist eigentlich schon wirklich alles gesagt. Aber ich muss wieder betonen, dass ich bis jetzt wirklich jeden Sound, den ich mir vorgestellt habe nachbauen konnte. Und das sehr intuitiv und vor allem schnell und klanglich gut. So soll das auch sein. Die Hardware macht richtig Spaß. Ich denke, ein externer Software-Editor würde dem ganzen noch die Krone aufsetzen. Ihr müsst von FM-Synthese nicht viel verstehen. Aber nach einer Woche Arbeit mit dem opsix verspreche ich euch, dass FM kein Fremdwort für euch sein wird!

Bässe, Leads, Pads, Effektklänge, Drones, Orgeln, Glocken, Percussions, Drums, Pianos, Ambiences und mehr befinden sich im Repertoire des Klangerzeugers. In Verbindung mit der Effektsektion benötigt ihr tatsächlich keinen weiteren Synthesizer, um komplette Songs zu produzieren.

Fazit

Für mich ist der opsix ein großes Highlight des Jahres 2020. Und es ist kein Klon, sondern bringt neuen Schwung ins Studio. Ich habe schon lange nicht mehr solch einen Synthesizer im Studio gehabt, der mich von Anfang an motivierte Sounds zu schrauben. Von dem leichten Gehäuse, dem nicht so hochwertigen Keyboard und den mitgelieferten Presets dürft ihr euch nicht täuschen lassen. Am Ende zählt das Klangergebnis: Und das kann definitiv überzeugen. Der Preis ist ebenso gerechtfertigt. Ein toller Synthesizer für jedes Musikgenre. Sehr gut Korg!

Weitere interessante Produkte unserer „Angecheckt“-Reihe findet ihr hier. Ihr habt Vorschläge? Dann her damit!

Preise und Zubehör

Korg opsix könnt ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) zum Preis von 759 Euro bestellen. In dem Paket enthalten ist ein 12 Volt Netzteil, eine Kurzanleitung und ein großes Software-Paket (Korg eigene Produkte sowie Reason Lite). Weitere Spezifikationen findet ihr hier.

Mehr Infos

Video

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Eine Antwort zu “Angecheckt: Korg opsix FM-Synthesizer und mehr”

  1. Daniel II sagt:

    Ob Unison möglich ist hätte ich noch gerne gewusst. :-)

    -> Laut Anleitung ist das möglich.

    Was mich ansonsten noch interessieren würde, wäre die Qualität der Effekte (Yep, richtig gelesen :-)). Bei Software Synthesizer hat sich in der Richtung eine Menge getan, die sind mittlerweile richtig brauchbar und qualitativ. Mit Quantität allein, wird heute niemand mehr hinter dem Ofen hervorgelockt.

    Habe mir die Frage gestellt, ob ich den OPsix kaufen würde, gäbe es ihn als Software Synthesizer. Vermutlich nicht. Die Synthese Möglichkeiten sind umfangreich genug, um innerhalb eines Patches unterschiedliche Klangfarben zu erstellen und die dann zu stacken und zu mischen. Das find ich gut, nichtsdestotrotz fehlt mir das Highlight. Irgendwas on-top, was den Sound auch nochmal abrundet. Beispielsweise ein ausgesprochen gut klingendes Filter mit Filter Drive, womit man den Klang am Ende nochmal shapen und etwas andicken kann.

    Wie dem auch sei, danke für die kurze Review. Ich hätte mich mit dem Gerät vermutlich sonst nicht beschäftigt.

    P.S.: Im Thomann Video gefallen mir die rhythmischen Sachen gegen Ende (ab ca. 27:00) mit am besten. Der OPsix hat Drummachine Qualitäten. :-)

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