von Jan Rotring | Geschätzte Lesezeit: 10 Minuten
Amerikanischer oder Britischer Sound

Amerikanischer oder Britischer Sound  ·  Quelle: Shutterstock / helloRuby

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Fachzeitschriften, Online-Foren und sogar wir bei GEARNEWS haben sie schon bemüht: Die Bezeichnungen „amerikanisch“ und „britisch“ sind aus Reviews und Beschreibungen von Ampsounds nicht wegzudenken und das aus gutem Grund. Wir verraten, was dahintersteckt – Playlist inklusive!

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Wie beschreibt man Sound?

Mal ganz ehrlich: Hast du dich nicht auch schon mal gefragt, warum bei bestimmten Verstärkern oder DAW-Plugins so oft mit geografischen Bezeichnungen gearbeitet wird? Grund genug, das Thema einmal aufzugreifen und die Herkunft dieser Bezeichnungen zu hinterfragen. Denn dahinter steht vor allem ein praktisches Problem, vor dem wir Musikerinnen und Musiker immer wieder stehen: das Beschreiben von Klang und der Wirkung von Musik.

Amerikanischer oder britischer Sound – historisch gesehen

Im Grunde ist es ganz einfach – die Verstärker der großen britischen Hersteller der 1960er-Jahre klingen anders als ihre amerikanischen Verwandten. Der Grund dafür wird jedoch noch heute leidenschaftlich diskutiert. Drei Faktoren werden dabei aber immer wieder angeführt:

  1. Die Hersteller der Amps verwendeten zu Zeiten der nur mühsam fortschreitenden Globalisierung ausschließlich Bauteile heimischer Zulieferer.
  2. Die Spielweise der Gitarristen unterschied sich stark voneinander.
  3. Die Hörgewohnheiten des einheimischen Publikums gingen mitunter auseinander.

Aber auch eher skurrile und vermutlich aus dem Reich der Legenden stammende Erzählungen werden brav weiterverbreitet: Demnach hängt etwa die amerikanische Leichtbau-Architektur der 1950er-Jahre mit einem etwas abgeschwächten Bassanteil im Sound der abgemischten Musik zusammen.

George Harrison als Urheber

Abbey Road in London

Abbey Road in London

Nachweislich hat der Unterschied zwischen „american“ und „british“ klingend Amps jedoch spätestens 1966 mit einem berühmten Pilzkopf seine sprachliche Entsprechung gefunden. George Harrison, bekennender Audiophiler und Gitarrist der Beatles, erkannte früh, dass die Aufnahmen US-amerikanischer Künstler einen eigenen Klang hatten. Er empfand den Sound demnach als „lebendiger“ und tauschte kurzerhand das Equipment seiner Band aus. Gretsch und Höfner wurden verbannt und durch heute ikonische Instrumente und Amps aus dem Portfolio von Rickenbacker, Gibson und Fender ersetzt. Ein besonders Instrument haben wir uns einmal näher angesehen: Fender George Harrison Rocky Strat: Endlich unter 2000 Euro.

Ob George Harrison nun Schuld an einer ewig währenden Auseinandersetzung zwischen Gitarristen weltweit trägt, sei an dieser Stelle dahingestellt. Wichtiger für uns Musiker ist doch: Wie klingt denn amerikanisch? Und wie britisch?

Amerikanischer oder britischer Sound im Überblick

Wir wollen nicht in die Verlegenheit geraten, Ampsounds zu blumig umschreiben zu müssen. Daher bedienen wir uns einiger berühmter Modelle und Hersteller, um die Charakteristiken im Klang der jeweiligen Verstärker-Fraktion zu beschreiben – Hausaufgaben am Ende des Artikels inklusive.

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Britischer Sound

Britischer Sound für E-Gitarre

Britischer Sound für E-Gitarre

Großbritannien ist vor allem dank zweier Phänomene der frühen 1960er aus der modernen Musik nicht mehr wegzudenken. Aber auch abseits von Rolling Stones und Beatles ist der Einfluss des Vereinigten Königreichs auf die Musik unserer Zeit nicht abzustreiten. Die immer größere Beliebtheit der E-Gitarre führte dann auch zum Aufstieg der drei bekanntesten Amp-Hersteller aus UK: Vox, Orange und natürlich Marshall gelten heute als der Inbegriff der britischen Verstärkerkunst.

Stilprägend ist bei dem, was wir heute als britischen Sound beschreiben, eine weich auflösende und übersteuernde Endstufe: EL84 oder EL34 heißen die am meisten eingesetzten Röhren, die für den komprimierten, tighten Klang sorgen. Dabei sind britische Amps in der Regel keine „Gain-Monster“, stattdessen zeichnen sich die Amps durch eine Wärme im Sound aus, die sich perfekt mit dem dreckigen Ton der verwendeten Endstufenröhren versteht.

Marshall

Der Name Marshall ist derart eng mit Rock- und Gitarrensound verknüpft, dass er auch bei Nicht-Gitarristen gut bekannt ist. Großartiges Design und ein brachialer Klang haben zudem dafür gesorgt, dass viele Bühnenbilder nicht mehr ohne riesige (Spoiler: meist leere) Marshall-Cabinets auskommen.
Die bekanntesten Modelle wie DSL, JVM oder JCM werden auch heute noch verehrt. Aber auch ein traditioneller Hersteller wie Marshall verschließt sich nicht der modernen Technik: Modeling-Amps, Transistor- und Hybridverstärker und sogar HiFi-Equipment werden heute unter dem Firmennamen vertrieben. Klanglich besticht der „typische“ Marshall-Sound durch einen höheren Grad an Kompression und das sehr musikalische Aufbrechen der Endstufen bei hoher Lautstärke.

Marshall DSL40CR
Marshall DSL40CR
Kundenbewertung:
(105)
Marshall JVM410H
Marshall JVM410H
Kundenbewertung:
(188)

Vox

Vox hat sich vor allem mit den Verstärkern der AC30 Familie ins Herz der Gitarristen weltweit gespielt. Klare und sehr ausdrucksstarke Höhen harmonieren dank eines Quartetts von EL84 Endstufenröhren perfekt mit weichen, musikalischen Mitten. Doch ein guter Vox kann auch dreckig: Als perfekte Pedal-Plattform liefern AC30 und Co. reichlich Raum für Overdrive und Zerre, wie ihr in unserem Vergleich weiter unten hören werdet! Heute hat sich das Portfolio von Vox stark erweitert und neben den traditionellen Röhrenverstärkern stehen allerhand digitale Modeling- und Hybrid-Amps im Katalog des Herstellers.

Vox AC30 C2X Blue Bulldog
Vox AC30 C2X Blue Bulldog
Kundenbewertung:
(28)
Vox AC15H
Vox AC15H
Kundenbewertung:
(15)

Orange

Orange Verstärker sind seit 1968 aus der britischen Verstärkerlandschaft nicht mehr wegzudenken. Die Amps der Firma sind heute hauptsächlich mit härteren Musikstilen assoziiert, wurden aber auch abseits von Rock und Metal vielfach eingesetzt. Die Firmengeschichte von Orange dreht sich dabei eng um den Gründer Cliff Cooper, der es bis heute geschafft hat, Orange Amps zu einer der wichtigsten Marken des britischen Verstärkermarktes zu machen.

Der Weg des Unternehmens machte einen kurzen Zwischenstopp, als es Anfang der 90er-Jahre von Gibson übernommen wurde. Mangelnder Erfolg machte den Deal jedoch rückgängig und heute baut Orange wieder Amps unter eigenem Namen – Röhren, Transistoren und moderne Modeler gibt es von Orange zu kaufen.

Orange Rockerverb 50 Neo MKIII
Orange Rockerverb 50 Neo MKIII Bisher keine Kundenbewertung verfügbar
Orange TH30H
Orange TH30H
Kundenbewertung:
(138)

Amerikanischer Sound

Amerikanischer Sound für E-Gitarre

Amerikanischer Sound für E-Gitarre

Die Wurzeln der modernen westlichen Musik liegen zu sehr großen Teilen in den USA. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert nahm die Gitarre in den USA immer mehr an Bedeutung zu, so dass mit dem Auftreten von Fender und der Produktion immer neuer Verstärker eine neue Ära anbrach.

Die Amps, deren Sound als amerikanisch beschrieben wird, kommen in der Regel mit etwas mehr Leistungsreserven daher: Endstufenröhren vom Typ 6L6 liefern mehr Schärfe und bilden einen, im Vergleich zu britischen Amps, kühlen Sound ab. Der definierte Klang macht sich besonders in höheren Gain-Bereichen bemerkbar – klare, abgegrenzte Klänge verhindern Mulmen und Matschen und lassen den amerikanischen Amp analytischer und härter klingen.

Fender

Nicht nur Telecaster und Strat haben Fender weltweit berühmt gemacht, gerade die legendären Amps haben ihren festen Platz in der Musikgeschichte: Tweed, Twin Reverb oder Princeton heißen sie und wir haben sie alle schon tausendfach gehört. Die Besonderheit der Fender Amps ist der große Headroom, also die Fähigkeit der Amps, sehr laut noch einigermaßen unverzerrt zu klingen. Das macht sie zur idealen Pedal-Plattform. Aber Fender Amps können auch dreckig: Durch den vergleichsweise spät einsetzenden Overdrive liefert klare Höhen und Mitten, während der Bassanteil ordentlich angehoben wird.

Fender Hot Rod Deluxe IV
Fender Hot Rod Deluxe IV
Kundenbewertung:
(45)
Fender 64 Custom Princeton Reverb
Fender 64 Custom Princeton Reverb
Kundenbewertung:
(11)

Mesa Boogie

Die ersten Amps von Mesa/Boogie waren echte Boutique-Verstärker, die auf die speziellen Wünsche einzelner Künstler entworfen wurden. Einer der ersten und bekanntesten User war Carlos Santana, der auf der Suche nach seinem Sound über die kleine Firma aus den USA stolperte. Mesa/Boogie Amps sind vor allem im Metal heute nicht mehr wegzudenken: Große Gain-Reserven und eine gewisse (Grund-) Aggressivität im Sound waren bereits für den Metal-Sound der 1980er- und 1990er-Jahre prägend. Besonders Metallica werden stark mit den Amps der Firma und dem amerikanischen Ampsound verbunden – wir haben den Metallica Sound hier einmal unter die Lupe genommen: Sound-a-like: METALLICA – Master of Puppets

Peavey

Bereits 1965 gegründet, gelangten die Amps von Peavey erst relativ spät zu großem Ruhm. Ausschlaggebend für den späteren Erfolg der Verstärkerserien war die Zusammenarbeit mit keinem geringeren als Eddie Van Halen, der auf der Suche nach einem kompromisslosen Verstärker für seine Art des Gitarrenspiels war. Ergebnis dieser Kollaboration war der legendäre 5150, ein Vollröhrenverstärker, der auf 6L6 Endstufenröhren und schier unendliche Gain-Tiefen setzte.

Nach Auflösung der Zusammenarbeit in 2004 nahm Eddie die Bezeichnung „5150“ zwar mit, Aufbau und Schaltplan leben aber im Peavey 6505 weiter. Heute ist die Produktion von Peavey zu großen Teilen nach Fernost gewandert, doch abseits von modernen Transistorverstärkern und Modeling-Amps der Vypyr-Serie werden nach wie vor auch klassische Vollröhren hergestellt.

Achtung: Hausaufgaben!

Noch lange könnten wir über die besonderen Eigenschaften der großen Verstärkermodelle vergangener Jahrzehnte sprechen – so richtig aufschlussreich ist das letztlich aber nur in der Theorie. Als (zumindest eingebildete) Praktiker haben wir uns daher entschlossen, euch nun mit ein paar Hausaufgaben aus diesem Artikel zu entlassen. Im folgenden Teil findet ihr 20 bekannte und weniger bekannte Songs aus etwa 60 Jahren Musikgeschichte. Wir haben die Playlist unterteilt in typisch amerikanische und britische Sounds – Informationen zum Gitarristen und zum verwendeten Amp findet ihr hinter dem jeweiligen Titel.

Also: Kaffee oder Kaltgetränk eurer Wahl bereitstellen, Boxen aufreißen, Kopfhörer auf die Ohren und mal ganz genau hinhören!

Amerikanischer oder britischer Sound – die Gearnews.de Playlist

Einfach mal hören - Unterschiede im Sound entdecken

Einfach mal hören – Unterschiede im Sound entdecken

Amerikanischer Sound:

The Clash – London Calling (Joe Strummer, Fender Twin Reverb & Mick Jones, Mesa-Boogie Mark I + II)
Dick Dale – Miserlou (Dick Dale, Fender Showman)
Neil Young – Like A Hurricane (Neil Young, Fender Tweed Deluxe)
Dream Theatre – Pull Me Under (John Petrucci, Mesa/Boogie Quad Preamp)
Journey – Topaz (Neal Schon, Fender Deluxe)
Rollins Band – Fall Guy (Chris Haskett, Mesa/Boogie Dual Rectifier)
Weezer – Hash Pipe (Brian Bell, Mesa/Boogie Dual Rectifier)
Metallica – Master Of Puppets (James Hetfield, Kirk Hammet, Mesa/Boogie Mark IIC)
The Brian Setzer Orchestra – Rock This Town (Brian Setzer, Fender Bassman)
Roy Buchanan – Sweet Dreams (Roy Buchanan, Fender Deluxe Reverb)

Britischer Sound:

Oasis – Stand By Me (Noel Gallagher, Orange Amps)
Led Zeppelin – Kashmir, Live 2012 (Jimmy Page, Orange AD30HTC)
Cream – Crossroads Live (Eric Clapton, Marshall Bluesbreaker)
Eric Johnson – Cliffs Of Dover (Eric Johnson, Marshall Super Lead 100 Watt)
U2 – One Tree Hill (The Edge, Vox AC30TB)
Joe Bonamassa – Walk In My Shadow (Joe Bonamassa, Marshall Plexi)
Queen – Fat Bottom Girls (Brian May, Vox AC30)
The Beatles – A Hard Day‘s Night (George Harrison, Vox AC30)
AC/DC – High Voltage (Angus and Malcolm Young, Marshall JMP)
The Rolling Stones – Sympathy For The Devil (Keith Richards, Vox AC30 – im Solo-Part)

Fazit

Ob amerikanischer Sound à la Fender oder britisch wie beim Marshall Plexi – die großen Namen in der Welt der Gitarrenverstärker haben es längst verstanden, ihre Nischen zu auszufüllen. Und dennoch: Die Unterscheidung der Sounds in „britisch“ und „amerikanisch“ kann dabei helfen, den eigenen Klang zu definieren oder einen gesuchten Ton zu beschreiben. Für uns haben beide Amp-Familien ihren festen Platz in der Musikgeschichte – wie unsere Playlist hoffentlich gezeigt hat!

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Eure Meinung

Was ist mit euch, wie definiert ihr für euch amerikanische und britische Sounds? Welche Songs haben euch besonders gefallen oder zeigen den Unterschied sogar noch deutlicher und fehlen in der Playlist? Und welchem Sound-Typus hängt ihr nach? Schreibt uns in die Kommentare, was euch zum Thema einfällt!

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Bildquellen:
  • Abbey Road in London: Shutterstock / berm_teerawat
  • Britischer Sound für E-Gitarre: Shutterstock / George Dolgikh
  • Amerikanischer Sound für E-Gitarre: Shutterstock / George Dolgikh
  • Einfach mal hören - Unterschiede im Sound entdecken: Shutterstock / Tomertu
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