Gitarren-Boutique: Wayne Charvel – Erfinder der Superstrat verstorben
In dieser Ausgabe der Gitarren-Boutique blicken wir auf das Vermächtnis von Wayne Charvel, dessen Instrumente den Sound und das Erscheinungsbild des Hard Rock und Heavy Metal nachhaltig geprägt haben. Außerdem werfen wir einen Blick auf Morleys Neuauflage des legendären Cliff Burton Power Wah Boost – ein Pedal, das für viele Bassisten und Metal-Fans Kultstatus genießt. Für etwas leichtere Unterhaltung sorgt schließlich William Shatner, der mit seinem skurrilen Tour-Rider zum Riot Fest einmal mehr beweist, dass Rock ’n’ Roll und Selbstironie hervorragend zusammenpassen.
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Wayne Charvel (01.07.1941 – 12.07.2026)
Mit Wayne Charvel verliert die Gitarrenwelt einen ihrer einflussreichsten Innovatoren. Der legendäre Gitarrenbauer und Gründer von Charvel Guitars, dessen kompromisslose Instrumente den Sound und die Optik von Hard Rock und Heavy Metal entscheidend geprägt haben, verstarb am 12. Juli 2026 im Alter von 85 Jahren.
Zu seinen Kunden zählte praktisch die komplette Gitarren-Elite der 1980er Jahre: Eddie Van Halen, Warren DeMartini, Jake E. Lee, Richie Sambora oder Paul Gilbert vertrauten auf seine Arbeit. Seine Instrumente waren auf den größten Bühnen der Welt ebenso präsent wie in unzähligen Musikvideos – und seine Designs genießen bis heute Kultstatus.

Die Geburt der Superstrat
Wayne Richard Charvel wurde am 1. Juli 1941 geboren und prägte über mehr als fünf Jahrzehnte die Entwicklung moderner E-Gitarren. Wie viele der großen Gitarrenbauer seiner Zeit begann er in den frühen 1970er Jahren als Reparateur und Instrumentenbauer in Südkalifornien. Schnell machte er sich einen Namen, indem er Fender-Gitarren für professionelle Musiker modifizierte und konsequent auf deren Bedürfnisse zuschnitt.
Seine Werkstatt entwickelte sich rasch zu einer festen Anlaufstelle für Gitarristen, die schnellere Halsprofile, auffällige Lackierungen, heiße Pickups und verbesserte Hardware suchten. Dort entstand die Grundlage für einen Gitarrentyp, der später als Superstrat Musikgeschichte schreiben sollte.
Bereits 1978 verkaufte Charvel seine Werkstatt an Grover Jackson. Sein Name blieb jedoch untrennbar mit hochwertigen High-Performance-Gitarren verbunden. Heute gehört Charvel Guitars zur Fender Musical Instruments Corporation (FMIC), die die Marke im Jahr 2002 übernahm.
Wayne Guitars
Auch nach dem Verkauf seiner Firma blieb Wayne Charvel seiner Leidenschaft treu. Bis ins hohe Alter baute er unter verschiedenen Namen – darunter WRC Guitars und später Wayne Guitars, gemeinsam mit seinem Sohn Michael – maßgefertigte Instrumente.
Seine Gitarren und seine Ideen beeinflussten Generationen von Musikern und fanden ihren Weg in die Hände zahlreicher legendärer Gitarristen – weit über den Rock-Boom der 1980er Jahre hinaus.
Neben seinem außergewöhnlichen handwerklichen Talent wurde Wayne Charvel vor allem für seine Persönlichkeit geschätzt. Wer ihm begegnete, sprach von einem bescheidenen, herzlichen und hilfsbereiten Menschen. Für viele Musiker war er weit mehr als ein Gitarrenbauer: Sie vertrauten darauf, dass er ihren Instrumenten genau das gewisse Etwas verleihen konnte.
Mit Wayne Charvel verliert die Musikwelt nicht nur einen brillanten Gitarrenbauer, sondern auch einen Menschen, der Generationen von Musikern inspiriert hat. Seine Ideen und Instrumente haben den modernen Gitarrenbau nachhaltig verändert – und werden auch künftig auf Bühnen und in Studios rund um den Globus weiterleben.
Morley Cliff Burton Power Wah Boost
Davon habe ich als Teenager geträumt! Morley lässt eines der legendärsten Bass-Effektpedale der Thrash-Metal-Geschichte wieder aufleben: das Cliff Burton Power Wah Boost. Ehrlich gesagt frage ich mich, warum das so lange gedauert hat. Das neue Modell aus der „Tel-Ray Revival“-Serie ist eine originalgetreue Neuauflage des Morley Power Wah Boost aus den 1970er Jahren – jenes Pedals, das der viel zu früh verstorbene Metallica-Bassist Cliff Burton berühmt machte.

Ride the Lightning!
Bekanntlich nutzte Burton gleich zwei originale Morley Power Wah Boosts, um seinen einzigartigen Lead-Bass-Sound zu formen. In Kombination mit einem Aria Pro II SB – oder dem späteren Signature-Modell SB-CLB – kommt man den legendären Sounds von „Kill ‚Em All“ und „Ride the Lightning“ super nah.
Ich weiß noch genau, wie ich als Teenager zum ersten Mal „Anaesthesia (Pulling Teeth)“ hörte und das Solo unbedingt nachspielen wollte. Im Italienurlaub Ende der 1990er bettelte ich meine Eltern um ein BOSS ODB-3 und irgendein Gitarren-Wah-Pedal an. Das Ergebnis? Es klang einfach nie so wie auf der Platte.
Retro-Look, moderne Features
Klanglich orientiert sich das Pedal eng am Vintage-Original, technisch wurde es jedoch sinnvoll modernisiert. Die auffälligste Neuerung sind zwei voneinander unabhängige Fußschalter. Während sich beim Original Wah und Boost nur gemeinsam aktivieren ließen, können beide Schaltungen jetzt einzeln oder kombiniert genutzt werden.
Der zuschaltbare Boost liefert bis zu 40 dB Clean-Boost. Damit lässt sich ein Röhrenverstärker mühelos in die Sättigung fahren, das Sustain für Soli verlängern oder einer Basslinie genügend Durchsetzungskraft verleihen, um sich selbst in dichten Arrangements klar zu behaupten.

Tel-Ray Revival
Dank der bewährten elektrooptischen Morley-Technologie arbeitet das Pedal außerdem deutlich zuverlässiger als sein historisches Vorbild. Da keine Potentiometer zum Einsatz kommen, gehören kratzende Regelwege und mechanischer Verschleiß der Vergangenheit an. Das sorgt für eine gleichmäßige Ansprache und einen konstanten Regelweg – Probe für Probe und Gig für Gig. Auch optisch bleibt Morley den Wurzeln treu. Ein Gehäuse aus kaltgewalztem Stahl, das markante verchromte Pedal, klassische Tel-Ray-Grafiken und ein im Dunkeln leuchtendes Logo versprühen echtes Vintage-Flair.
Obwohl das Cliff Burton Power Wah Boost speziell auf die tiefen Frequenzen eines E-Basses abgestimmt wurde, macht es auch an der Gitarre oder an Keyboards eine überzeugende Figur. Und das Beste: Diese Neuauflage verzichtet endlich auf das fest montierte Netzkabel des Originals und dürfte deutlich zuverlässiger sein als ein inzwischen rund 50 Jahre altes Vintage-Pedal.
- Preis: 325 Euro
- Website des Herstellers
William Shatners skurrile Vertragsbedingungen für das Riot Fest
William Shatner (besser bekannt als Captain Kirk) wird im September dieses Jahres offiziell das Heavy Metal zum Riot Fest in Chicago bringen – und mit ihm eine astronomisch lange Liste von Backstage-Forderungen. Als ich die Rider-Liste am Wochenende sah, dachte ich eigentlich, das wäre erfunden, aber anscheinend ist sie absolut echt (Shatner, du Legende!). „Nachdem wir jahrelang beharrlich – und vielleicht auch etwas nervig – Briefe an William Shatner geschrieben haben, damit er beim Riot Fest auftritt, scheint er nun endlich eingewichen zu sein“, sagte Mike Petryshyn, Mitbegründer des Riot Fest. „Ich jedenfalls kann es kaum erwarten, Shatner richtig abrocken zu sehen. Aber dieser Shatner-Rider … damit hatte ich heute nicht gerechnet.“
Shatner’s Shag Shack
Die inzwischen 95-jährige Kultfigur, die am 20. September als Headliner des Sonntagsprogramms des Festivals auftreten wird – begleitet von einer Metal-Band mit Mitgliedern von Nuclear Messiah –, hat einen Tour-Rider eingereicht, der selbst die Exzesse des Classic Rock in den Schatten stellt.
Zu den außergewöhnlichsten Forderungen auf der Liste des legendären Schauspielers gehören:
- Die Umbenennung eines Bootes zu seinen Ehren, damit er als Kapitän ein Schiff steuern kann
- eine Einladung, bei einem Spiel der Chicago Cubs „Take Me Out to the Ballgame“ zu singen.
- Die Beförderung über das Festivalgelände in einem DeLorean statt in einem gewöhnlichen Golfwagen, begleitet von einem exklusiven Bühnen-Intro-Video, das von den Schock-Rockern GWAR erstellt wurde.
- Eine Garderobe, die offiziell als „Shatner’s Shag Shack“ ausgewiesen ist, bestückt mit vier Fuß polnischer Wurst, acht Paletten Faygo (die ausdrücklich nicht mit Insane Clown Posse geteilt werden dürfen), einem von John Stamos signierten Eishockey-Trikot der Montreal Canadiens und einer Auswahl an zur Adoption stehenden Welpen.

Rob Halford & Mikkey Dee
Shatners Auftritt findet statt, während er weiterhin an einem neuen Heavy-Metal-Album für Cleopatra Records arbeitet, auf dem hochkarätige Kollaborationen mit Metal-Größen wie Rob Halford von Judas Priest und dem Scorpions-/Motörhead-Schlagzeuger Mikkey Dee zu hören sind. Das Debüt seiner neuen Band findet beim Riot Fest statt, und sie heißen – man höre und staune – The *uckers. Eine leichte stilistische Abkehr von seinem klassischen Cover von „Lucy in the Sky with Diamonds“.
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