Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten
Die besten Linux Synthesizer Plug-ins Teaser

 ·  Quelle: Wikimedia / ZynFusion

Die „Musik mit Linux“ Serie geht weiter. Ihr hattet euch neben Effekten und DAWs auch virtuelle Klangerzeuger gewünscht. Sprich: Synthesizer als Software. Natürlich hat Linux hier auch eine Reihe zu bieten. Auch wenn die Auswahl nicht so riesig wie mit macOS oder Windows ist, kannst du eigentlich alle Sounds auch mit dem freien Betriebssystem bekommen.

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Die besten Synthesizer für Linux

Um es gleich vorweg zu nehmen: Riesig ist die Auswahl für Linux nicht. Aber dennoch ausreichend und in letzter Zeit ist doch viel passiert und ein paar richtig schicke Projekte wurden ins Leben gerufen. Nicht alle hier vorgestellten, virtuellen Synthesizer sind Open Source oder kostenfrei. Finde ich persönlich nicht schlimm, schließlich wollen die Entwickelnden auch von etwas leben. Die meisten sind es aber doch.

Für alle hier gezeigten Software-Synthesizer brauchst du einen LinuxVST oder LV2-Host. Zum Beispiel eine Linux-DAW oder etwas wie Carla, das einfach nur Plug-ins in eine Art virtuelles Rack lädt. Außerdem ist JACK im Verbund ratsam, aber keine Pflicht.

Manche gibt es neben Plug-in-Versionen auch standalone – ratsam für den Einsatz bei schwächeren Computern im Raspberry PI.

Die Reihenfolge der Software Synthesizer für Linux ist beliebig und dient keiner Wertung.

Videos zum Reinhören sind für die Lesbarkeit zum Schluss verlinkt.


ZynFusion Synthesizer Linux GUI

ZynFusion (ZynAddSubFX)

Der wohl bekannteste Linux Synthesizer seit ich Linux kenne, ist ZynAddSubFX. Ein Soft-Synth nur für Linux. Das Gundpaket sieht allerdings grafisch zwischen altbacken, unbenutzbar umständlich und potthässlich aus. Zum Glück gibt es da mittlerweile ZynFusion als alternative, grafische Oberfläche. Das ist eine gut sturkturiertes 1-Fenster-GUI (statt 28!) mit modern-flachem Look und nach kurzer Eingewöhnung auch schnell gelernt. Klanglich ist ZynFusion über alle Zweifel erhaben, Zyn war klanglich schon immer ein herausragendes Projekt.

Alle Features hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Grundlegend bietet er 3 Synth Engines (Add, Sub, Pad), je 8 Oszillatoren, Modulatoren, Envelopes, Filtereffekten, Noise, Layer, Routing, Analog-Emu und über 1000 Presets.

ZynFusion kostet anders als der archaische Unterbau Geld: 45 USD oder mehr. Es gibt in verschiedenen Repos oder dem AUR aber auch dank Open Source kostenlos nutzbare Versionen. Ich empfehle aber, den Entwicklern etwas Geld zu geben.

Herstellerseite


Helm Synthesizer Linux GUI

Tytel Helm

Etwas kleiner, dafür aber keineswegs unbrauchbarer, ist Helm. Der Ein-Seiten-Synthesizer bietet zwei überblendbare Oszillatoren plus Sub und Noise, drei Envelopes, drei LFOs, Step-Sequencer, Filter und Effekte wie Stutter, Distortion, Formant, Reverb und Delay. Außerdem kann der „Mod“ vom Controller verschiedene Funktionen erfüllen. Den freien Synthesizer Helm gibt es nicht nur für Linux, sondern auch macOS und Windows in 32 und 64 Bit in den Formaten LV2, VST, VST3 und AU.

Auch hier gibt es den Installer ab 1 USD an den Hersteller. Über verschiedene Repos gibt es ihn auch kostenlos. Spendet dennoch, wenn ihr ihn nutzt.

Herstellerseite


Surge Synthesizer Linux GUISurge

Auch Surge ist ziemlich bekannt – spätestens seit Roger Linn ihn für die Demonstration mit seinem Linnstrument genutzt hat. Für Linux entstanden, ist er auch für Windows und macOS erhältlich und weiterhin Open Source.

Er bietet verschiedene Synthese-Techniken, Schwingungsformen für die LFOs, eine Reihe Filter, Modulatoren, viele Effekte und Support für MPE und Microtuning. Daher auch die Verwendung mit dem Linnstrument.

Für Linux gibt es offiziell nur den Download als .deb-Paket, über die üblichen Repos wird er aber auch an alle anderen Systeme ausgeliefert. Ich habe ihn im AUR als LV2 und VST3 gefunden.

Herstellerseite


U-HE Dive Synth GUI

U-HE Diva

Sicherlich kennst du als Fan von virtuellen Synthesizern auch den (die?) Diva von U-HE aus Deutschland. Der Klangerzeuger ist seit Jahren einer der wohl am beliebtesten für DAWs mit dem authentischen Analogsound. Und neben Windows und macOS bereits seit 2014 für Linux erhältlich. 5 Oszillatoren, 5 Filter, viele, viele Regler, Unterseiten für Modification, Trimmer, Scope und Patches – und zwei frei wählbare und umfangreich einstellbaren Effekte. Hier brauchst du wohl ein paar Stunden, um alles gebührend zu testen. Oder du nutzt einen der 1200 Presets. Und das ist nur eines von mehreren virtuellen Synthesizer-VSTi von U-HE. Auch die anderen lohnen sich!

Disclaimer: Du brauchst einen starken CPU oder solltest dich mit der Freeze-Funktion deiner DAW auskennen. Just saying. ;)

Herstellerseite | Produktseite bei Thomann (Affiliate Link)


Vital Synthesizer Linux GUI

Vital

Vital ist wohl der neuste Synthesizer für Linux. Das sieht man ihm an. Die Oberfläche ist frisch und modern und schnell erlernbar. Dank Open Source Lizenz gibt es auch komplett freie Forks wie Vitalium – ich empfehle, beim Original zu bleiben. Die Syntheseart wird als „Spectral Warping Wavetable“ beschrieben und klingt und bedient sich demnach auch wie Wavetable. Besonderheiten sind wohl der eingbaute Wavetable-Editor und Wavetables aus Text.

Dazu kommen eingbaute Effekte, darunter auch Kompressor, Phaser und natürlich auch Delay oder Reverb. Dazu kommen Filter, verschiedene LFOs, ein Oszilloskop, Spektrogramm und entliche Funktionen mehr. Die Animation erfolgt über die Grafikkarte (OpenGL), was der CPU die volle Leistung zur Berechnung der Synthese lässt.

Du kannst ihn kostenlos herunterladen. Wenn du mehr Presets möchtest, spezielle Pakete wie Sounds oder Skins, Discord-Zugang und Support Prio stehen dir auch Bezahlpakete zur Verfügung.

Wie bei Surge gibt es Support für MPE und microtonale Geschichten.

Herstellerseite


Tracktion f em Synth GUI

Tracktion f’em

Einer der wohl neusten und umfangsreichsten FM-Synthesizern für deine DAW ist f’em von Tracktion. Die meisten haben die Firma eher für die DAW Waveform auf dem Schirm, die Klangerzeuger brauchen sich aber überhaupt nicht verstecken. Hier steckt FM-Synthese drin, 13 Operatoren (11 Oszillatoren + Noise + Filter), ADSR Kurven mit 32 Stufen und Loopfunktion, 2 Sampler, diverse LFOs, Multisampling … und durch die Oberfläche musst du auch erstmal durchsteigen.

Ich höre aus immer mehr Ecken, dass das wohl ein richtig krasser, virtueller Synthesizer sein soll. Ein Blick lohnt sich, zumal Tracktion seit jeher echtes Crossplattforming anbietet und eben auch Linux bedient. Unterstützenswert!

Herstellerseite


Dexed Yamaha DX-7 Synthesizer Linux GUI

Dexed

Du stehst auf den Yamaha DX 7? Dann ist der Dexed Synthesizer mit seiner FM-Synthese für dich gemacht. Er basiert auf der JUCE-Plattform und ist für die großen drei Betriebssysteme (Linux, macOS, Windows) gleichermaßen verfügbar. Der Fokus des Dexed steht auf dem Nachbau des Vorbilds, so gut es virtuell eben geht. Wenn man den Nutzern im Netz Glauben schenkt, dann kann der das sehr gut. Fans der 1980er Sounds sollten hier genau so reinschauen, wie auch Freunde von Dubstep oder anderen modernen Elektronikrichtungen.

Er ist kostenlos und komplett Open Source verfügbar.

Herstellerseite


OB-Xd Oberheim Synthesizer Linux GUI

DiscoDSP OB-Xd

Bei dem Namen kann es nur ein Vorbild geben: Oberheim OB-X. Der OB-Xd orientiert sich an der Bedienung und dem Sound des Vorbilds, hat laut Entwickelern aber ein paar kleine Zusätze und Veränderungen bekommen. Etwa ist das Multimode-Filter kontinuierlich überblendbar und es gibt ein paar eingebaute Effekte wie Chorus, Reverb, Delay und andere. Das zufällige Micro-Detuning vom Original ist übrigens mit drin.

Der OB-Xd ist Open Source und für alle Betriebssysteme verfügbar (es gibt sogar Builds für Apples neuen M1 Chip) – und kostenlos für unkommerzielle Projekte nutzbar. Eine Lizenz kostet in den anderen Fällen (und die AAX-Version) 49 USD.

Hersellerseite


Nekobi Roland 303 Synthesizer Linux GUI

Nekobi

Klein, aber fein und eine Ausnahme: Nekobi emuliert den Roland TB-303 und ist damit ein simpler Bass-Synthesizer. Neben zwei wählbaren Waveforms (Rechteck, Sägezahn) gibt es noch die Regler für Tuning, Cutoff, Resonance, Env Mod, Decay, Accent und Volume an die Hand. That’s it. Alles andere geschieht über den Controller oder die MIDI-Spur. Was braucht man auch an einer 303 mehr?

Herstellerseite


TAL Noisemaker Synthesizer Linux GUI

TAL Noisemaker

Der TAL Noisemaker schwimmt schon seit vielen Jahren (anno 2010?) durch die Welt der kostenlosen, virtuellen Synthesizer und ein eher rudimentärer, aber sehr gut klingender Synthesizer. Zwei Synth-Engines werden hier geboten, jeweils mit eigenem LFO, Filter, ADRS-Hüllkurve und zwei Oszillatoren mit verschiedenen Schwingungensformen. Dazu ein ausklappbarer Envelope-Editor. Dafür braucht man weder Handbuch, noch sonderlich viel Zeit zum Einarbeiten.

Einzig ein Host für VST und VST3 für Linux wird benötigt.

Herstellerseite


FluidSynth Synthesizer Linux GUI

FluidSynth

Jetzt wird es speziell. Fluid Synth ist der einzige Synthesizer in der Liste der besten Linux Synthesizer, die keine grafische Oberfläche haben. Es wird alles über Befehle im Terminal gesteuert und die Sounds stammen aus Soundfonts-Paketen von Samples, die über MIDI-Events je nach Velocity getriggert werden. Linux und Terminal – gehören für „die da draußen“ schließlich zusammen. Und kein Klischee ohne Basis. ;)

Dafür ist der Synthesizer in anderen Programmen ladbar und auch verschiedene Bastelprojekte auf Basis des Raspberry PI Computers nutzen ihn als Klangerzeuger. Aber auch als Plug-in oder Objekt ist er nutzbar.

Muss man Lust drauf haben. Ich habe es nicht. Aber ich habeSpaß anden Videos im Netz. :)

Herstellerseite


ALSAModularSynth Synthesizer Linux GUI

ALSA Modular Synth

Etwas umfangreicher, aber nicht minder speziell als der FluidSynth, ist der AlsaModularSynth. Es ist ein waschechter, modularer Synthesizer mit über JACK oder KAconnect verbindbaren Modulen auf LADSPA-Plug-in-Basis. Allein dass keine LV2 oder VSTs geladen werden können, sollte uns zeigen, dass er nicht mehr auf der Höhe der Zeit agiert. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es überhaupt noch Updates gibt. Trotzdem hat die Gemeinde anscheinend immer noch eine Menge Spaß mit der Frickelei, zumindest schawappen immer mal wieder neue Videos durchs Netz.

Wenn du da Lust darauf hast: Go for it. Ich bin nicht der Modular-Typ, daher wage ich mich da nicht heran und in der Topliste der Linux Synthesizer ist es eher als Gimmick zu sehen.

Überhaupt: Nutzt den noch jemand? :D

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VCV Rack

VCV Rack

Die meisten haben es gar nicht auf dem Schirm, aber auch die Modular-Rack-Emulation VCV Rack ist für Linux erhältlich. Eine umfassendere Auswahl an virtuellen Modulen jedweder Gattung wirst du wohl nicht finden. Über 2500 Module gibt es mittlerweile – ich denke, hier muss nicht mehr gesagt werden. Wir berichten auch immer wieder mit eigenen News über das Projekt.

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DIN is Noise Synthesizer Linux GUI

DIN is Noise

Noch einer dieser ganz speziellen Synthesizer. DIN is Noise sieht aus wie Terminal, es ist aber weitaus komplexer. Mit Grafik und so – optional neben Linux auch für Windows und macOS erhältlich. Und eine (Lifetime-) Lizenz ist mit 149 USD gar nicht mal so preiswert – er bezeichnet sich aber selbst als „günstigster und am meisten“advanced“ Software-Synthesizer der Welt.“ Betrachtet man die Zeitspanne seit Release 2006 bis jetzt (kontinuierlich weiterentwickelt), könnte das sogar hinkommen.

Er beherrscht die üblichen Schwingungsformen ebenso wie abgedrehte Varianten, die man so nicht an Umfang darin vermuten würde. Ich empfehle dafür einfach mal die 132 Screenshots auf der Hompage für den gesamten Umfang einzusehen. Einfach nur üppig.

Die Bedienung ist auch eine Sache für sich. Ganz unten findest du ein Videobeispiel.


Alles bereit?

Eigentlich brauchst du nur deinen Computer mit Linux, ein kompatibles Interface, ggf. mit MIDI, etwa das Focusrite Scarlett 4i4*, zwei solide Monitorboxen, ich empfehle gern die Presonus Eris 5* als Budget-Paar und einen Controller wie das Nektar Impact LX49+*, das neben den für Synthesizer benötigten Klaviatur-Tasten auch PADs, Fader und Regler mitbringt und nebenbei nicht so teuer. (* = Affiliate Links)

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7 Antworten zu “Linux Synthesizer können dicke mit macOS und Windows mithalten!”

  1. MaLu sagt:

    …wusste gar nicht, dass die 303 inzwischen zur Drummachine erklärt wurde – ist dann wohl die melodischste ihrer Art und das mit nur einem Kanal/ Part ;-)

    • claudius sagt:

      Haha, da musste ich gerade selbst laut loslachen. Danke für den Hinweis, ist gefixt.
      (Ps: Du brauchst nur genug „Pluck“, dann klappts auch mit den Kicks) xD

  2. Marcus sagt:

    Es gibt graphische Oberflächen für FluidSynth, die bekannteste ist sicherlich QSynth. Außerdem gibt es diverse Projekte, die FluidSynth als Plugin (mit Controls) zur Verfügung stellen.

    • claudius sagt:

      Ai na schau. Mir waren zwar Bastelprojekte auf ARM-Basis bekannt, die einen fertigen FluidSynth mit Hardware kombiniert verkaufen, aber keine GUI. QSynth schau ich mir auf jeden Fall einmal an. Ich bau es auch gleich mal in die Liste ein. Danke :)

  3. Spurk sagt:

    Oh je, ich dachte das sei ein Bericht von vor 10 Jahren. Alsa Modular Synth?? Ja, hat bestimmt noch seine Nutzer… Unerwähnt blieb allerdings dass praktisch alle Plugins von U-he, Tracktion, TAL und Discodsp auch für Linux erhältlich sind.

    • claudius sagt:

      Der Alsa Modular ist nur mit einem Augenzwinkern, daher auch der Text dazu.
      U-HE hatte ich verdrängt, aber schon mehrfach bei Gearnews darüer berichtet. Auch Tracktion haben wir schon öfter hier gehabt.
      Der DiscoDSP OB-Xd ist allerdings drin?

      In der Liste fehlen beide allerdings, danke für den Input. :)

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