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 ·  Quelle: Claudius / Gearnews / Wikimedia

Linux wird in der Audiowelt oft belächelt, dabei ist das freie Betriebssystem nicht mehr nur etwas für Nerds und Programmierer. Spätestens seit Ende der Windows XP-Ära gibt es mit jedem Jahr mehr Aufwind für das Open Source OS, das bedeutet auch immer mehr und neue Produkte Audio und DAW. Und die stehen ihren Kollegen für Windows und macOS in nichts nach, sondern sind auch oft damit kompatibel.

Du kannst nicht glauben, dass Linux als DAW taugt? Dann empfehle ich dir nicht nur diese kurze Einführung, sondern auch mal meinen Selbsttest mit Ubuntu Studio 19.10. Um mit der richtigen DAW loszulegen, solltest du auch den Exkurs in die Linux Plug-in-Formate wagen, es lohnt sich!

In dieser Linux DAW Topliste ist übrigens die Reihenfolge nicht entscheidend.

Bitwig Studio 3.2

Bitwig Studio 3

Bitwig

Gutes kann so nah sein: Die DAW Bitwig Studio kommt aus Berlin und ist seit Beginn an nicht nur für Windows und macOS verfügbar, sondern auch für Linux. Und wenn dir die Oberfläche bekannt vorkommt: Es sind ehemalige Entwickler von Ableton Live mit im Boot. Daher ist auch die Bedienung ähnlich, wenngleich Bitwig Studio eigene Sachen mit reinbringt. Unter den Vertretern in dieser Liste ist es auch die wohl „kommerziellste“ und für viele optisch eingängigste DAW.

Mit im Paket sind nicht nur die live-taugliche Oberfläche, sondern auch Modulatoren, Effekte, Klangerzeuger (virtuelle Synthesizer) und Sample-Packs von Drittanbietern, mal in vollem Umfang, mal als Appetithappen. Ich würde sagen, dass die DAW eher für elektronische Musikproduktion und als Live-Umgebung programmiert wurde, aber natürlich lässt sich damit auch problemlos „Rockmusik“ aufnehmen und mischen. Zudem gibt es eine aktive Community und kurze Anbindung zu den Programmierenden, die Controller-Anbindung und Skripte entwickeln und austauschen.

Bitwitg Studio unterstützt neben nativen Plug-ins auch LinuxVST von Drittanbietern. Die unter Linux eher vorkommenden LV2 und LADSPA-Formate gibt es leider nicht, sind aber seit der ersten Version in Diskussion. Leider gab es auch mit Version 3 noch nicht den Support.

Die DAW Bitwig Studio kostet 379 Euro und wird dafür für ein Jahr mit Updates versorgt. Die kleinere Version Bitwig Studio 16-Track für 99 Euro ist auf die namensgebenden 16 Spuren begrenzt und richtet sich an Einsteiger. Nach den 12 Monaten behälst du immer den Ist-Stand, für Updates musst du dann ein erneutes 12-Monats-Ticket lösen, wie in einem Abo.

Für Linux gibt es offiziell nur ein .deb-Paket für Distributionen mit Debian-Unterbau, etwa alle Ubuntu-Formen oder Mint. Alle anderen sind auf Zuarbeit von fähigen Usern der jeweiligen Distribution angewiesen. Für Arch gibt es Bitwig auch im AUR.

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Ardour 6.0

Ardour 6.0

Ardour

Wenn du nach DER Linux-DAW suchst, kommst du mit Sicherheit an Ardour nicht vorbei. Es ist seit Jahren die Instanz unter den Linux-DAWs und hat erst kürzlich das Major-Update auf Version 6 bekommen. Ardour bietet alles von Audio über MIDI zu freiem Routing und Support für Plug-in-Formate wie LinuxVST, LV2 und LADSPA.

Optisch darf man sich nicht von der altbackenen, aus heutiger Sicht fast schon hässlichen Oberfläche (einige sagen „funktionell“) abschrecken lassen – es erinnert zwar etwas an alte Tage von Pro Tools, ist funktionstechnisch aber auf dem aktuellem Stand. Dafür läuft die DAW auch auf alter Hardware flüssig und wird nicht nur von Linux-Fricklern verwendet, sondern auch unter Windows oder macOS für Funk und Fernsehen.

Vorteil: Die Entwickler stehen in einem Forum jedem Problem zur Seite und der Bug Tracker lässt sie schnell auf Probleme reagieren. Das kenne ich so von kaum einer anderen DAW.

Ardour ist eine freie Open Source DAW. Frei wie in Freiheit, nicht wie in Freibier. Damit ist sie auch keine Freeware. Wer sich mit dem Source Code selbst ans Kompilieren machen will, bitteschön (es gibt eine Anleitung), wer wie ich einen Installer möchte, zahlt mindestens 1 Euro, kann auch als Subscriber die Entwicklung stetig unterstüzen. Die Installation braucht wenig Platz auf der Festplatte und dauert keine Minute.

Und die Neuerungen von Ardour 6 lohnen sich wirklich, mindestens 1,- Euro in die Hand zu nehmen und die Entwickler zu unterstützen. Übrigens könnt ihr neben JACK auch ALSA und Pulse Audio als Audioserver nutzen. Die .run-Datei kann auf jeder Distribution problemlos im Terminal installiert werden – „chmod +x“ fürs Ausführen nicht vergessen.

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Harrison Mixbus 6

Harrison Mixbus 6 MIxer

Mixbus

Mittlerweile gibt es schon Mixbus 6 – und die DAW richtet sich an alle, die lieber mit einem analogen Mixer arbeiten würden, auf die Vorzüge der digitalen Welt aber nicht verzichten möchten.

Als Aufsatz von Ardour wird Mixbus von Harrison (ja, die Harrison Consoles) programmiert und wird in zwei Versionen angeboten: als normale Mixbus-Version und Mixbus 32C. Der Unterschied ist der Mixer, der zwar immer analogen Workflow mitbringt und auch so klingen soll, aber unterschiedlichen Konsolen entnommen wurde. Im Kanalzug ist immer ein Kompressor und ein 3-Band-EQ „fest verbaut“, dazu kommen 8 Mixbusse, die neben eigenem Kompressor, EQ und VU-Meter noch mal eine Sättigungsstufe haben. Im Master ist zudem noch ein Limiter verbaut.

Ein Knopf, eine Funktion – das ist hier die Devise. Im Editor bedient es sich Ardour sehr ähnlich, bringt auch die altbackene und nicht zum Mixer passende Optik mit. Wer damit kein Problem hat, bekommt hier eine extrem gut klingende und wie ich finde eine sehr gut bedienbare DAW. Plug-in-Support gibt es auch hier für LinuxVST, LV2 und LADSPA.

Harrison läst sich die DAW mit 79 USD für die kleine Version und 299 USD für die 32C Version vergleichsweise gering vergüten. Die Performance unter Linux ist übrigens wie bei Ardour deutlich besser als auf der gleichen Hardware unter Windows oder macOS, wo der Mixer schnell mal beim Scrollen ruckelt oder es bei mir beim Editing doch mal bei Tests abstürzte.

Wer kein super GUI braucht, aber einen schönen, schnell erschlossenen und gut klingenden (digitalen) Mixer mit analogem Flair haben möchte, ist hier genau richtig. Wie bei Ardour gibt es eine .run-Datei zum Ausführen im Terminal – bereits ab Download als „executable“ eingestellt.

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Tracktion Waveform 11

Tracktion Waveform 11

Waveform (ehemals Tracktion)

Seit Jahren gibt es Trackion mit einem ganz eigenständigem DAW-Konzept, das nicht nur für Einsteiger interessant ist. Mittlerweile wurde die DAW in Waveform umgenannt. Der Workflow ist sehr viel eingängiger und logischer dem Signalfluss nachempfunden, wer aber auf einer anderen DAW gelernt hat, wird sich nur schwer umgewöhnen können. Unser Autor hat sich die DAW mal näher angeschaut.

Sehr cool ist neben dem eigenen Ansatz, der nicht einmal ein Handbuch oder langer Einarbeitungszeit bedarf, dass es immer auch eine Linux-Version gibt. Und mit jedem Release wird eine alte Version (in der Regel zwei Versionsnummern davor) kostenlos.

Waveform unterstützt LinuxVST und wird als .deb-Paket bereitgestellt. Die Pro-Version mit Effekten, Klangerzeugern und Samples kostet zwischen 119 und 679 USD, je nach Umfang.

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Reaper 6 DAW GUI

Reaper 6

Inoffiziell: Reaper

Eigentlich zählt Reaper nicht so richtig als Linux DAW, da der Release auch mit Version 6 immer noch inoffiziell und als Alpha-Version deklariert ist. Dennoch läuft es mittlerweile einwandfrei und die Entwickler scheinen ihre Freude an der Umgebung und der produktiven Community gefunden zu haben. Echte Zahlen gibt es aber nicht, wie viele Linux-User es tatsächlich gibt und ob sich der Aufwand rentiert.

Das macht aber für unsere Topliste nichts. Reaper ist eine sagenhaft umfangreiche DAW, die nicht nur bis auf die mitgebrachten Plug-ins gut aussieht, sondern auch stark individualisierbar ist, mehr als jede andere DAW. Das ist Fluch und Segen zugleich, denn man wird vom Umfang fast erschlagen und braucht länger als bei anderen DAWs sich einzuarbeiten. Der Funktionsumfang ist mit den anderen OS-Versionen identisch.

Damit ist der ehemalige Winamp-Entwickler Justin Frankel mit seinem Team eigentlich das einzige Team, das nach Release für Winodws (und später macOS) von Grund auf eine Linux-Version anbietet, während andere DAW-Entwickler sich vor dem Schritt aufgrund der vielen Distributionen und der geringen Nutzerdichte (noch weniger im Audiobereich) scheuen. Daher Kudos – für mich auch der Grund, warum ich zukünftig auch keine Bedenken hätte, komplett auf Linux umzusteigen. Leider fehlt es an Support von LV2-Plug-ins, was viele Plug-ins einfach nicht verfügbar macht. Warum, wird hier im außerodentlich guten Forum erläutert.

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Ragnarclaudiusphxnkclaudiussdrum Recent comment authors
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sdrum
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Danke für die Übersicht! Was ist mit Rosegarden? Aus meiner Sicht ist das auch eine gute DAW für Linux.

phxnk
Gast

Mixbus ist mein absoluter Favorit was Mixing angeht, auch auf meinem Windows Rechner nutze ich ausschliesslich nur Mixbus fürs Mixing. Bitwig muss ich mal testen. Lohnt sich Bitwig fürs Mixing oder was meinst du / ihr dazu? Grüsse!

Ragnar
Gast

Danke für die Übersicht!
Wer Windows VST2 einbinden möchte, sollte sich yabridge (github) anschauen, damit habe ich eine Menge zum Laufen bekommen (Kontakt z.B. Chris Hein, Addictive Keys, EZdrummer Demo, Serum Demo ein paar D16 Sachen, andere wiederum nicht). Ist ja schon schön, wenn man seine alten Plugins (für den Mac gekauft, aber gibt es ja fast auch immer für Windows) weiterverwenden kann.
Zusätzlich ist der Programmierer am Ball, und fixt nach einem Tag alles was man ihm vor die Füße wirft, dafür auch mal einen Tip-To-The-Hat, Robbert!