Unsere vier Lieblings-DAWs für Linux  ·  Quelle: gearnews

Linux ist allgemein bekannt als Betriebssystem für Computer-Nerds und Programmierer. Das es aber auch etwas in Sachen Audio und DAW zu bieten hat, ist noch nicht wirklich angekommen. Man hat nicht das Überangebot an Plug-ins, wie man es bei Windows oder OSX gewohnt ist, aber die DAWs sind ausgewachsen und stehen den bekannten DAWs in nichts nach. Die wichtigsten Plug-ins sind vorhanden, lediglich gute Klangerzeuger sind noch Mangelware. Ich hatte auch mal einen Selbsttest mit Linux gemacht – hier zum Nachlesen. Damit ihr keine grauen Haare bei der DAW-Wahl bekommt, haben wir mal unsere Lieblinge zusammengetragen. Die Reihenfolge ist wie immer keine Wertung.

Bitwig

OSX 10.11 El Capitan Bitwig Studio

Ein kleines Team aus Berlin hat diese DAW vor gar nicht mal so langer Zeit veröffentlicht und versorgt es seitdem aktiv mit neuen Features und Bug Fixes – davon könnte sich manch Platzhirsch mal ein paar Scheiben abschneiden. Es ist von der Bedienung vergleichbar mit Ableton Live (auch aus Berlin, kein Zufall) und mein persönlicher Favorit unter den Linux DAWs.

Bitwig Studio bringt eigene Effekte, Klangerzeuger und Samplepacks (auch von externen Firmen) mit. Damit ist man auf jeden Fall fit für elektronische Musik. Für „Rockmusik“ fehlen dann leider die Ampsimulationen. Auch die Community unterstützt sich rege gegenseitig mit Controller Scripten.

Die DAW unterstützt neben den eigenen auch 3rd Party LinuxVST Plug-ins. LV2 bzw. LADSPA Support gibt es (noch?) nicht. Schade, denn dadurch hätte man beispielsweise Zugriff auf das großartige Calf-Paket.

Bitwig sage ich durch – einige wollen es nicht hören – den Support von Microsoft mit dem Surface Tablet eine gute Zukunft voraus. Es ist die erste echte Desktop-Touch-DAW. Bitwig Studio kostet 299 Euro, dafür gibt’s eine Lizenz für Linux, OSX und Windows. Also, wer mal woanders weitermachen möchte, kann es hiermit problemlos tun. Leider gibt es Bitwig offiziell nur als .deb Paket für Distributionen mit Debian-Unterbau.

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Ardour

DAW Ardour 4.7 GUI Calf Plug-in Sprectrum Analysis

Quasi die DAW, wenn man von Linux und professionellem Audio spricht. Funktionstechnisch kenne ich keine echten Defizite gegenüber der den Major-DAWs: Ardour bietet MIDI, Audio, freies Routing, Support für LinuxVST, LV2 und LADSPA Plug-ins.

Optisch erinnert es an eine sehr altbackene Version von Pro Tools. Fancy Grafik gibt es absichtlich nicht, damit es auch mit alten Systemen, die unter Linuxern noch sehr verbreitet sind, auch flüssig läuft. Daran muss man sich gewöhnen. Leider verliere ich dadurch ziemlich oft die Übersicht im Mixer. Dennoch werden damit einige professionelle Produktionen gefahren und auch fürs Radio Beiträge geschnitten. Die Entwicklung schreitet aktuell ziemlich schnell voran, es gibt immer wieder neue Features. Deswegen wurde kürzlich auch die neue Version 5 veröffentlicht. Hier geht’s zum News-Artikel.

Ardour ist nicht direkt kostenlos, aber immer Open Source. Es gibt eine Demo, die sich nach 10 Minuten stumm schaltet. Man zahlt für die Vollversion entweder einmalig mindestens einen Euro oder eben monatlich ab einem Euro. Kostenlos geht aber auch: Man muss sich nur den Source Code selbst kompilieren. Das ist unter Linux einfacher, als unter Windows oder OSX. Als Installer gibt es eine .run Datei, die unabhängig von der Distribution alles an den richtigen Platz installiert. 10-15 Sekunden später kann man auch schon loslegen. Neben JACK wird mittlerweile auch ALSA unterstützt. Nicht perfekt, aber ein guter Schritt.

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Mixbus

Harrison_Mixbus_3_Mixer

Mittlerweile schon als Version 3 vorhanden und auf straffem Wege Richtung Version 4. Es handelt sich dabei um eine DAW, die von Harrison Consoles entwickelt wird. Sie basiert auf Ardour (die Programmierer arbeiten zusammen und stecken sich Features zu), hat aber im Vergleich zu Ardour einen anderen Mixer. Jeder Kanal hat einen 3-Band-EQ und einen Kompressor eingebaut – es wird auf acht Mixbusse mit eingebauten EQ, Kompressor und Bandsättigung geroutet.

Seit Kurzem gibt es auch Mixbus32C. Es ist eine parallele Entwicklung mit einem veränderten Mixer, dessen parametrische 4-Band-EQ Sektion den einer Harrison Konsole sehr genau emulieren soll. Die Anzahl der fixen Mixbusse wurde auf 12 erhöht. Beide Versionen unterstützen zusätzlich die Plug-in Formate LinuxVST, LV2 und LADSPA. Abgesehen vom Mixer ist Mixbus bis auf Kleinigkeiten aber ein Ardour. Harrison bietet nebenbei auch noch eigene Effekte an. Man kann sie über den Mixer als Insert kostenlos nutzen, denn sie werden immer mitinstalliert, aber wer eine GUI braucht, muss dafür im Store zahlen.

Ich persönlich liebe den Mixflow in Mixbus. Ganz im Stile eines Mischpults – zwar limitiert, aber dadurch nicht schlechter. Ich persönlich brauche manchmal diese „nicht unendlichen Möglichkeiten“, um zum Ziel zu kommen. Leider läuft Mixbus nicht super stabil bei mir, weswegen ich es öfter mal frustriert schließe. Aber bei anderen soll es nie abgestürzt sein. Könnte an der Distribution liegen?!

Mixbus 3 kostet 79 USD, Mixbus 32C 299 USD. Außerdem steht auch eine Subscriber Version zur Verfügung, mit der man eher an Updates kommt. Der Installer ist wie bei Ardour eine .run Datei, die man einfach aus dem Terminal ausführt. Die Installation dauert keine 15 Sekunden. Auch hier kann man neben JACK auf ALSA als Audioengine setzten.

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Tracktion

Tracktion 7 Update GUI

Ebenfalls eine unterschätzte DAW: Tracktion. Mittlerweile sind die Entwickler bei Version 7 angekommen, Version 5 ist erst vor Kurzem kostenlos geworden. Die GUI ist etwas anders, als man es von den Platzhirsch-DAWs kennt. Man sieht zwar die übliche Zeitleiste, aber einen Mixer gibt es nicht. Alles wird rund um die Zeitleiste mit Audio- und MIDI-Clips gemischt. Und das ist so intuitiv, dass ich damit ohne Handbuch klar komme. Ich würde es auch jederzeit als Einsteiger-DAW empfehlen, die bis auf Profilevel reichen kann.

Tracktion kann mit LinuxVST umgehen, steht aber nur als .deb Paket ab Debian 6 und Ubuntu 12.04 zur Verfügung. Damit wird ein nicht zu verachtender Teil der ohnehin schon recht kleinen Linux-Community nicht erreicht. Schade.

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Zukunftsmusik: Reaper

Reaper DAW Linux ARM GUI Sequencer MIxer

Ich hatte zuletzt mal über Reaper berichtet. Eigentlich gibt es die Major-DAW nur für Windows und OSX, aber die Entwickler haben wohl Blut geleckt und sich an eine Linuxversion gesetzt. Aktuell noch grottenhässlich und nicht im Ansatz den anderen Versionen ebenbürtig, aber ein Zeichen. Der Hauptentwickler Justin Frankel (Erfinder von Winamp) will sich nach dem nächsten Nachkomma Update der OSX und Windows wieder aktiver der Linuxversion widmen. Das könnte gut werden – Linux braucht in Sachen Audio viel mehr Unterstützung!

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