Du willst deinen Synthesizer ersetzen – aber kann ein neuer wirklich besser sein?
Vom Minimoog bis zum DX7: Welche modernen Synthesizer, Nachbauten und Plugins können die legendären Originale wirklich ersetzen?
Kann man einen alten Synthesizer ersetzen, ohne auf seinen besonderen Sound verzichten zu müssen? In Zeiten, in denen KI, ROM-basierte Emulationen und Reverse Engineering immer mehr Synthesizern ein Gegenstück von heute bieten, ist das durchaus eine berechtigte Frage. Bei virtuell-analogen Synthesizern ist das sicherlich einfacher als bei aktuellen Geräten. Denn noch gibt es keinen Muse, Dmno oder Magnolia als Emulation. Wie kann man also vorgehen, wenn du einen bestimmten Synthesizer wirklich magst und ihn durch etwas Neueres ersetzen möchtest?
Synthesizer ersetzen: Originale, Nachbauten und ihre Alternativen
Synthesizer ersetzen: Wie nah kommen Nachbauten ans Original?
Gehen wir mal davon aus, dass du einen Synthesizer suchst, weil dir der Sound oder das Verhalten eines bestimmten Synthesizers sehr gut gefällt. Du kennst dich sehr gut aus und liebst einen aktuellen oder etwas älteren Synthesizer? Bisher musste man auf eine Wiederveröffentlichung warten oder einen wirklich coolen, lötkolbenverliebten Nerd finden, der nicht nur für sich eine Art Kopie oder Nachfolger baut. Ach ja, wenn es ein Klon oder Nachfolger ist, dann ändert sich meist ebenfalls der Sound.

Selbst ein Oberheim OB-X8 wurde so liebevoll rekonstruiert, dass Marcus Ryle tatsächlich die alten Codes von Disketten zusammengeholt hat, um die gleiche Verhaltensweise zu garantieren. Hätte er das mit dem Xpander gemacht, gäbe es sicherlich auch ausreichend viele Leute, die alles lieber viel schneller und moderner hätten. Dennoch entscheiden sich Hersteller bei so einem Ansatz oft dafür, „authentisch alt“ zu sein. Selbst die Nachteile werden mitkopiert. Der Vorteil ist, dass die alten Sounds beispielsweise auf dem OB-X8 gleich klingen.

Ha! Wirklich gleich? Natürlich sind zum Beispiel die nachgebauten Curtis-Chips geringfügig anders. Sogar abhängig von der verwendeten Serie und der Bauweise des neuen Synthesizers sind Abweichungen möglich. Egal, ob es eine so schöne und liebevolle Rekonstruktion ist oder ein eher auf günstige Nachbildung ausgelegtes Gerät. Selbst ein „neuer Minimoog“ ist ein wenig anders als sein Original.
Welcher moderne Synthesizer ersetzt einen Klassiker?
Wenn du mit den heutigen Nachbauten zufrieden bist, ist es auch leichter, einen Ersatz zu finden. Wenn du nun einen Synthesizer ersetzen willst, weil das Original fehlt, dann bleiben nach wie vor nur Warten und Hoffen oder der Gebrauchtmarkt. Teilweise sind die Synthesizer älter als „ich“. Willst du das? Oder doch lieber „neu“? Und was ist mit dem Service? Irgendwann geht auch ein neuer Synthesizer mal kaputt. Die Reparatur ist je nach Bauweise unterschiedlich gut umzusetzen.
Somit gilt beim Synthesizer-Ersetzen: Es ist nicht der Echte, aber vielleicht der einzig Wahre. Wenn du etwa einen Rhodes Chroma willst, dann gibt es aktuell einige Software-Simulationen, aber keinen 1:1-Nachbau. Noch?!
Die Antwort auf diese Frage ist einfach und schwer zugleich. Wenn du einen ganz bestimmten Synthesizer suchst, kannst du ihn eigentlich nicht ersetzen. Dann ist der nächstbeste eben der beste Ersatz. Den Minimoog oder den Prophet-5 gibt es heute wieder in so guter Form, dass man sie durchaus nehmen kann. Den Prophet gibt es sogar mit zehn Stimmen, den Minimoog weiterhin nur monophon. Für einen Roland Jupiter-4 muss man aktuell ein System-8 gebraucht kaufen oder die Software verwenden. Sie ist gut, aber nicht exakt dasselbe. Es gibt sogar Synthesizer, die in Teilen besser sind als das Original. Also der einzig Wahre, aber nicht der Echte?

Überrascht hat mich so ein Synthesizer wie der Sequential Fourm und auch der Prophet-5 in seiner neuen Version. Er klingt anders, aber er ist luftig. Die Idee hinter einem Prophet-6 geht sogar weiter. Er klingt natürlich anders, wurde aber auch „weiter gedacht“. Als Dave Smith noch lebte, sollte auch der Prophet-12 genau das sein: eine Weiterentwicklung. Ebenso wie der DSI Evolver, den es heute in keiner Form mehr gibt.

Sequential Fourm: Ein moderner Ersatz für den Pro-One?
Der Fourm hat ein kluges, speicherbares Routing, das aber nicht versucht, das alte, kluge Prinzip mit Gewalt schlecht neu zu erfinden. Die neuen Taster sind übersichtlich und eher noch schneller. Damit bieten der Live-Aspekt und der kompakte Formfaktor gegenüber einem alten Pro-One eine Menge Vorteile. Der Sound ist etwas anders, aber keineswegs so drastisch, dass man ihn nicht nutzen könnte.
Und ja, die Nachteile, den LFO auch als Clock nutzen zu müssen, sind nicht mehr vorhanden. Die Sounds klingen überzeugend und gut. Als Prophet-5 mit einer Stimme weniger ist er gut, als vierstimmiger Pro-One auch.
Es gibt noch immer Leute, die sich weiterhin einen echten Pro-One holen, um das letzte Schnappen der Hüllkurven so zu haben, wie es damals war. Wenn du dieser Typ bist, musst du das auch tun. Denn genau gleich ist nichts. Es wird nämlich leider immer so sein, dass sämtliche KORG MS-20, Oberheims, Rolands und so weiter nicht genau gleich sind. Auch untereinander. Aber eine gute neue Version kann durchaus ein guter Ersatz sein. Es kann sogar ein ganz anderer Synthesizer sein. Aber für Nerds und Leute wie dich vielleicht nicht.

Es gibt sogar neuere Synthesizer, die beispielsweise noch schnellere Hüllkurven haben können. Technisch ist das machbar. Bis vor einiger Zeit gab es beispielsweise keine Entsprechung zum KORG 700S. Heute gibt es sie.
Digitale Synthesizer ersetzen: DX7, Virus und Co.
Wenn sie digital sind, ist jedoch mehr möglich, oder? Einen volldigitalen Prophecy oder Z1 könnte man heute faktisch 1:1 nachstellen. Es gibt dennoch Leute, die auch bei einem DX7 von 1983 wegen der 12-Bit-Wandler und der alten Technik einen Unterschied zum DX7 II hören.

Nicht immer ist das „gut“, aber man kann all diese Eigenheiten vermissen oder gut finden. Und auch das ist es. Ein heutiger Klon wie Dexed, der kleine, günstige 70-Euro-Synth von M-Vave oder ein KORG volca fm ist tatsächlich nah dran. Aber selbst da gibt es noch Unterschiede. Ähnliche Veränderungen gibt es bei Rolands Rompler-Serien. Der JV-1080 klang anders als der spätere XV-3080.

Beim Virus gibt es ähnliche Aussagen. Ja, manchmal ist es nur ein Detail. Dennoch gibt es heute auch den Fantom und die Jupiter-X-Serie, die durchaus veritable Ersatzmaschinen sind und dazu noch deutlich mehr „können“.
Also, in dem Fall würde ich einen von denen nehmen. Aber es ist unwichtig, was ich tun würde. Vielleicht bist du dann doch so verliebt in diesen Sound, den auch Bands wie The Prodigy mehr genutzt haben als irgendwelche „Kultmaschinen“. Wenn du genau den willst, brauchst du ihn. Es gibt natürlich Software und Editoren, die sich sogar besser bedienen lassen.
Noch krasser wird es bei einer wirklich echten Kopie einer LinnDrum. In ihr stecken analoge Bauteile und VCAs. Samples werden mit besonderen Sampleraten über bestimmte Wandler abgespielt. Auch die Algorithmen und weitere Details spielen eine Rolle. Deshalb klingt nicht jeder Sampler wie ein Emulator II. Jeder liebt ihn, weil er nicht perfekt ist.

Technisch waren dessen Transposition und die Basistechnik dahinter zwar gut, aber nicht exakt das, was man heute entwickeln würde, um möglichst keinen Unterschied zu hören. Damals war das ein 28.000-DM-Gerät, was heute umgerechnet und inflationsbereinigt eher 31.500 Euro wären. Ein Autopreis. Finanzieller Horror. Die Technik war teuer. Der Aufwand, der damals betrieben wurde, kann heute nachgebaut werden. Er wäre auch mit einer Mischung aus Hardware und Software simulierbar. Und wer hätte gedacht, dass heute jeder ein Synclavier kaufen kann?

Synthesizer-Emulationen: Software oder Original?
Es gibt Emulatoren, einige besser, andere halbgut, einige kaum glaubwürdig, weil man „nur ein bisschen Bitcrushing“ einsetzt. Aber als Musiker darf man auch unperfekte Technik mögen, die schwer zu toppen ist. Noch besser ist es, etwas Heutiges zu finden, das vielleicht billiger oder erreichbar ist oder ursprünglich gar nicht dafür gedacht war. So kannst du heute einen DX7 technisch gesehen für superwenig Geld bekommen. Software, Hardware, es gibt sogar noch viel bessere „DX“-Synths wie den Leviasynth und den KORG opsix oder auch einen Kodamo Essence FM II.

Wenn du dich lösen kannst und deine Ideen sinngemäß mit einem anderen digitalen, hybriden oder auch analogen Synthesizer umsetzen kannst, oder eben mit Software, dann ist es einfacher. Nur ist genau das vielleicht schwerer. Herausfinden musst du es selbst, und dafür gibt es Foren! Da gibt es gutes Feedback. Aber du musst entscheiden.
Gerade die, die solche Geräte wie den Emulator II hatten, waren froh, dass sie überhaupt einen Sampler hatten. Heute ist die Auswahl viel, viel größer. Aber befriedigen wird dich das nicht, oder? Es gibt TAL und andere Angebote. Wenn du ihn liebst, brauchst du vielleicht ein Original? Oder es kommt irgendein krasser Entwickler und baut so etwas. Vielleicht ist es irgendwann auch einfach eine Funktion in einem Sampler, die sehr gut funktioniert. Suche! Vielleicht reicht irgendwann sogar ein „KI-Kommando“, um das in deinen Sampler zu bringen. Es kann aber auch ein findiger Entwickler sein. Aktuell gibt es massiv viele solcher Mods.
Wir sehen uns in 10 Jahren.

Kann man ältere Synthesizer ersetzen? Ja. Viele, immer mehr. Aber kann man exakt das ersetzen, was du als Liebhaber brauchst? Oft, aber nicht immer zu 100 Prozent.
