von  Lasse Eilers  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 8 Min
Welcher Prophet ist der beste?

Welcher Prophet ist der beste?  ·  Quelle: Sequential

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Der Name „Sequential Prophet“ ist Musik in den Ohren aller Synthesizer-Fans. Aber welcher Prophet ist der beste – der Rev2, der Prophet-6 oder der neu aufgelegte Prophet-5?

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Der Name „Prophet“ gehört ohne Zweifel zu den klangvollsten der Synthesizer-Geschichte und ist untrennbar mit dem des legendären Pioniers Dave Smith verbunden. Seit Dave Anfang der 2000er Jahre wieder mit dem Bau von Synthesizern begann, klebte das Etikett auf einer ganzen Reihe von Instrumenten, zunächst unter der Marke Dave Smith Instruments, später von Sequential.

Wenn du dir und deinem Setup heute einen Prophet gönnen möchtest, hast du die Wahl zwischen drei Instrumenten: Prophet Rev2, Prophet-6 oder Prophet-5 Rev4 / Prophet-10. Alle sind (größtenteils) analog, alle sind polyphon, alle sind äußerst musikalisch und alle sind als Tastatur- und Desktop-Varianten erhältlich. Welcher Prophet ist also der beste? In diesem Artikel möchte ich ein paar Überlegungen zu diesem Thema anstellen.

Anmerkung: Seit der Wiederauferstehung von DSI/Sequential verwendete Dave Smith den Namen Prophet auch für einige Hybrid-Synthesizer, nämlich den Prophet-12 und den Prophet-X. Ich habe mich jedoch entschieden, diese in diesem Artikel auszulassen, da sie nicht mehr erhältlich sind und auch nicht das sind, woran Synthesizer-Fans typischerweise denken, wenn der Name Prophet fällt.

Prophet-6: Moderne Weiterentwicklung eines Klassikers

Welcher Prophet: Prophet-6
Welcher Prophet ist der beste? Prophet-6 · Quelle: Sequential

Als der Prophet-6 im Jahr 2015 auf den Markt kam, war er der erste Synthesizer seit Jahrzehnten, der den Namen Sequential trug, nachdem Dave Smith die Rechte von Yamaha zurückerhalten hatte. Der von Dave Smith als moderne Neuinterpretation des klassischen Prophet-5 konzipierte Synthesizer weist viele Ähnlichkeiten mit seinem berühmten Vorgänger auf, bietet aber auch einige bedeutende Ergänzungen und Verbesserungen. Und die zusätzliche Stimme ist dabei nur der Anfang.

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Im Gegensatz zu allen anderen Prophets (inklusive des Prophet-5) verfügt der Prophet-6 über diskret aufgebaute Oszillator- und Filterschaltungen. Die VCOs bieten zudem stufenlos variierbare Schwingungsformen. Neben dem Tiefpassfilter gibt es ein ausgesprochen nützliches resonantes Hochpassfilter. Die charakteristische Poly-Mod-Sektion ähnelt der des Prophet-5, bietet jedoch mehr Modulationsziele. Darüber hinaus verfügt der Prophet-6 über zwei digitale Multieffekte, einen Arpeggiator, einen polyphonen Step-Sequencer und den Parameter Oscillator Slop, mit dem man die Oszillatoren auf Wunsch ungenauer machen kann, als sie eigentlich sind.

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‌Vorteile

  • Diskrete VCOs und Filter
  • Stufenlos variierbare Schwingungsformen
  • Zwei Filter (Hochpass und Tiefpass)
  • Poly Mod
  • Oscillator Slop
  • Pan Spread
  • 2 digitale Multieffekte, analoge Distortion
  • Polyphoner Step-Sequencer

Nachteile

  • Wechsel der Programmbänke mit einer Hand schwierig bis unmöglich

Der Prophet-6 ist bei Thomann* erhältlich.

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Prophet Rev2: Prophet mit bis zu 16 Stimmen

Welcher Prophet: Prophet Rev2
Welcher Prophet ist der beste? Prophet Rev2 · Quelle: Sequential

Der Sequential Prophet Rev2 geht auf den Dave Smith Instruments Prophet ’08 zurück, der bereits 2007 auf den Markt kam. Zu dem Zeitpunkt (und noch für einige weitere Jahre) war er so ziemlich der einzige polyphone Analogsynthesizer eines namhaften Herstellers, den man überhaupt neu kaufen konnte – wie sich die Zeiten geändert haben!

Frühe Exemplare des Prophet ’08 waren mit Drehgebern ausgestattet, die sich schnell als sehr anfällig erwiesen. 2009 besserte der Hersteller nach und brachte die sogenannte Potentiometer-Edition (PE) des Prophet ’08 auf den Markt. Das solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du auf dem Gebrauchtmarkt auf Schnäppchenjagd bist.

Der Prophet ’08 bietet pro Stimme zwei digital gesteuerte analoge Oszillatoren (DCOs), ein Curtis-Tiefpassfilter und einen analogen VCA. Außerdem verfügt er über einen umfangreichen Modulationsbereich mit drei Hüllkurven, vier LFOs und einer Modulationsmatrix.

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Im Jahr 2017 ersetzte Sequential den Prophet ’08 durch den aktualisierten Rev2. Während die Synthese-Architektur weitgehend unverändert blieb, bietet der Prophet Rev2 die Möglichkeit zur Modulation der Schwingungsformen (eine Art PWM für alle Schwingungsformen), integrierte Effekte, einen Suboszillator, eine erweiterte Modulationsmatrix und einen polyphonen Sequencer. Ebenfalls neu war die 16-stimmige Variante, die bis heute meines Wissens der Analogsynthesizer mit der größten Stimmenzahl ist, gleichauf mit dem Behringer UB-Xa. Und weil der Rev2 bitimbral ist, kannst du diese Stimmen auch tatsächlich gebrauchen und zwei Programme gleichzeitig in Split- oder Layer-Konfigurationen oder über MIDI spielen.

Vorteile

  • Günstigster Prophet
  • Bis zu 16 Stimmen
  • Bitimbral
  • 3 Hüllkurven, 4 LFOs
  • Pan Spread

Nachteile

  • DCOs
  • Keine Poly-Mod-Sektion

Der Prophet Rev2 ist bei Thomann* erhältlich.

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Prophet-5 Rev4 / Prophet-10: der ewige Klassiker

Welcher Prophet: Prophet-5
Welcher Prophet ist der beste? Prophet-5 · Quelle: Sequential

Im Jahr 2020 war es dann so weit: Der Prophet-5 Rev4 markierte die triumphale Rückkehr des legendären Synthesizers, mit dem alles begonnen hatte. In den Jahren zuvor hatte Dave Smith lange gezögert, eine Neuauflage herauszubringen, da er dies eigentlich für einen Rückschritt hielt (schließlich hatte er mit dem Prophet-6 bereits seine Vision eines modernen Prophet präsentiert). Warum er seine Meinung änderte, ist nicht überliefert, aber man kann wohl davon ausgehen, dass zwei Faktoren zumindest dazu beitrugen: Zum einen hatten mehrere andere Hersteller bereits bewiesen, dass es funktionieren konnte (KORG MS-20, ARP Odyssey, Moog Minimoog), und zum anderen schickte Behringer sich gerade an, so ziemlich jeden analogen Synthesizer zu kopieren, der je gebaut wurde (obwohl der JT-16 sechs Jahre später immer noch nicht auf dem Markt ist …).

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Der beeindruckende Prophet-5 Rev4 ist genau das – ein Prophet-5. Bis auf einige subtile Verbesserungen und Anpassungen ist er eine exakte Kopie der Legende aus den 70er Jahren. Im Vergleich zum in vielen Bereichen erweiterten Prophet-6 ist die Klangerzeugung daher geradezu rudimentär. Jedoch verfügt der Prophet-5 Rev4 über beide Filterdesigns, die das Original im Laufe seiner Lebensdauer durchlief: das von Dave Rossum entworfene Filter des Rev1/2 und das von Doug Curtis entwickelte CEM-3320-Filter des Rev3. Außerdem hat er einen Vintage-Regler, um die subtilen Variationen der verschiedenen Prophet-5-Revisionen nachzubilden. Weitere Verbesserungen gegenüber dem Original sind Velocity, Channel Aftertouch und MIDI.

Sogar den 10-stimmigen Prophet-10 hat Sequential wieder aufgelegt, jedoch ohne das zweite Manual. Eine vernünftige Entscheidung, wie ich finde.

Vorteile

  • Neuauflage des legendären Synthesizers, mit dem alles begann
  • Gleichzeitig nutzbare Schwingungsformen
  • Wählbare Filterdesigns (SSM oder Curtis)
  • Poly Mod
  • Vintage-Regler

Nachteile

  • Teuerster Prophet
  • Kein Suboszillator
  • Keine LFO-Synchronisation
  • Keine Effekte
  • Kein Arpeggiator / Sequencer

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Welcher Prophet ist also der beste?

Alle modernen Prophets haben ihre Vor- und Nachteile. Und alle sind eine stattliche Investition – unabhängig davon, für welchen Prophet du dich entscheidest, zahlst du auf jeden Fall auch für den Namen. Welcher Prophet ist also der beste? Letztendlich hängt das natürlich von deinen persönlichen Anforderungen und Vorlieben ab, weshalb es keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage geben kann. Daher werde ich auch nicht behaupten zu wissen, welcher Prophet am besten in dein Setup passt. Aber ich kann dir sagen, für welchen ich mich entschieden habe und warum.

Mein persönlicher Favorit unter den modernen Prophets ist ganz klar der Prophet-6. Während der neu aufgelegte Prophet-5 ohne Zweifel eindrucksvoll ist und in Sachen Nostalgie und Prestige punktet, läuft der -6 ihm bei der Flexibilität seiner Klangerzeugung mühelos den Rang ab. Und das ist kein Zufall: Der Prophet-6 ist der Synthesizer, den Dave Smith als modernisierte Weiterentwicklung des ursprünglichen Designs konzipiert hat, und nicht als bloße Neuauflage. Zwar liegen der Prophet-6 und der Prophet-5 Rev4 mittlerweile in einer ähnlichen Preisklasse, doch habe ich den Eindruck, dass das Geld beim -6 in musikalisch sinnvolle Features und Weiterentwicklungen geflossen ist, während es beim -5 vor allem um Prestige und Authentizität geht. Ich weiß nicht, was du bevorzugst, aber meine Entscheidung ist klar.

  • Welcher Prophet ist der beste?
  • Welcher Prophet ist der beste?
  • Welcher Prophet ist der beste?

Der Prophet-6 ist nicht nur der einzige Prophet mit diskreten VCOs und Filtern, sondern auch der einzige mit stufenlos einstellbaren Schwingungsformen. Hinzu kommen der Suboszillator, die hervorragende Filtersektion mit resonanten Hoch- und Tiefpassfiltern, die vielseitigen Effekte und der polyphone Sequencer. Zusammen ergibt das einen Synthesizer, der den Prophet-5 in Sachen Flexibilität weit übertrifft.

Ganz zu schweigen davon, dass sechs statt fünf Stimmen in der musikalischen Praxis einen größeren Unterschied machen, als man vielleicht denkt: So kann man nicht nur 3-stimmige Akkorde mit beiden Händen spielen; auch bei einer Folge von Dreiklängen mit einer etwas längeren Release-Zeit werden keine Stimmen abgeschnitten. Beides kommt im musikalischen Alltag nicht selten vor – umso wertvoller ist die sechste Stimme.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich jedoch auch am Prophet-6: Das Verfahren zur Programmauswahl ist nicht optimal für den Einsatz auf der Bühne. Da man zum Wechseln der Bänke die Bank- bzw. Tens-Taster gedrückt halten muss, während man gleichzeitig eine der Programmtasten drückt, ist es unmöglich, die höheren Bänke mit einer Hand zu erreichen. Wenn die andere Hand gerade damit beschäftigt ist, ein anderes Instrument zu spielen, hat man Pech gehabt (es sei denn, man hat Hände wie Rachmaninoff). Der Prophet-5 hingegen schaltet bei jedem Drücken des jeweiligen Tasters eine Bank bzw. Gruppe weiter, was zwar auch nicht ideal ist, aber immerhin mit einer Hand erledigt werden kann.

Während der Prophet-6 eindeutig meine erste Wahl für Sounddesign und den Studioeinsatz ist, würde ich mich wahrscheinlich für den Rev2 entscheiden, wenn ich einen vielseitigen polyphonen Analogsynthesizer für Live-Auftritte bräuchte. Die Möglichkeit, zwei Sounds zu splitten oder zu layern, kommt dabei sehr gelegen, und weil es den Rev2 mit 16 Stimmen gibt, geht ihm auch bei solchen bi-timbralen Konfigurationen nicht die Puste aus. Integrierte Effekte mit Tap Tempo sind auf der Bühne ebenfalls sehr praktisch (obwohl der Prophet-6 diese ebenfalls bietet).

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