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Magenta Studio

Magenta Studio  ·  Quelle: Magenta

KI, AI, Deep Learning, Machine Learning: Das sind die Buzzwords unserer Zeit. „Künstliche Intelligenz“ scheint überall schwer angesagt zu sein, natürlich auch im Bereich der Musikproduktion. Egal ob intelligente EQ– und Mastering-Plug-ins oder Kompositionshilfen – überall steckt „AI“ drin. Magenta Studio ist ein aktuelles Projekt von der Unternehmung Magenta, die für Google vor nicht langer Zeit mal den ebenfalls „intelligenten“ Nsynth entwickelt haben. Dieser war allerdings mit Ausnahme einer Portierung für Max for Live nicht wirklich für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Magenta Studio lässt euch nun umsonst an der „KI-Forschung“ teilhaben, entweder als Stand-alone-Software oder in Form einer Integration für Ableton Live.

Magenta Studio – Machine Learning für Musiker

In erster Line beinhalten die in Magenta Studio enthaltenen Tools verschiedene Module, die MIDI-Daten verarbeiten. Das geschieht entweder über die Clips in der Session View von Live oder in Dateiordnern auf eurem Rechner. Die Technik, die Magenta unter anderem für die Verarbeitung und Ausgabe der MIDI-Information benutzt, wird „Machine Learning“ oder auf deutsch „Maschinelles Lernen“ genannt. Im Prinzip analysiert die Software große Mengen von Daten und verallgemeinert diese dann.

Insgesamt gibt es fünf Tools: Continue, Groove, Generate, Drumify, Interpolate. Diese nehmen sich bei der Version für Ableton Live die Infos aus euren MIDI-Spuren und versuchen, daraus etwas Neues zu basteln.

Continue erzeugt aus eurem „Input“ quasi neue Variationen. Die erzeugten Clips schreibt das Werkzeug in die leeren Slots der Session View. Continue basiert auf einem RNN: Recurent Neural Network.

Generate erzeugt ganz ohne vorherigen Dateninput neue musikalische Phrasen. Nutzer dürfen ein paar Parameter einstellen, zum Beispiel die „Temperatur“. Nach dem Maus-Klick generiert das Tool dann neue MIDI-Clips. Dahinter steckt ein „VAE“ (Variational Autoencoder), der mit Millionen von Rhythmen und Melodien trainiert wurde.

Interpolate ist auch sehr interessant. Hier wird aus zwei Clips – egal ob Melodie oder Rhythmus – ein einzelner neuer Clip gemacht. Dieser vereint quasi die Qualitäten aus dem Ausgangsmaterial. Basiert auf der gleichen Technik wie das Generate-Modul.

Groove soll das Feeling eines Drummers auf einen Clip zaubern. Das geschieht (ihr ahnt es) über das Verändern des Timings und der Velocity. Kennen wir aus diversen „Humanize“-Funktionen in Plug-ins oder DAWs – soll hier aber ganz anders gemacht werden. Dafür haben die Forscher 15 Stunden lang verschiedene Drummer an MIDI-Drum-Kits aufgenommen, die aufgezeichneten Spuren dann aber wieder quantisiert und von jeglichem Groove und Velocities befreit. Dann wurde mit diesen Daten ein neurales Netzwerk so lange trainiert, bis die Ergebnisse wieder wie richtige Schlagzeuger klangen. In der Praxis benutzt das Modul einen existierenden Clip und produziert wieder einen neuen. Und der hat dann quasi ‘nen „menschlichen“ Groove.

Zuletzt gibt es noch Drumify. Das wurde auch mit Hilfe eines neuralen Netzwerks trainiert, allerdings genau in die andere Richtung. Gefüttert wird dies mit eurer Aufnahme (also den MIDI-Daten) einer Performance. Als Ergebnis generiert Drumify eine Schlagzeugspur, die im passenden Groove zu der Performance spielt. Das Demovideo hat mich schon sehr beeindruckt, wie ich gestehen muss.

Probieren geht über studieren

Wenn ihr jetzt nur die Hälfte verstanden habt, geht es euch eigentlich genau so wie mir. Auch wenn ich weiß, dass da diese oder jene Technik drin steckt, habe ich keinen blassen Schimmer, wie genau das funktioniert. Da ich kein Informatiker bin, ist das wie eine Black Box für mich. Oder wie Schwarze Magie. Trotzdem finde ich das Ganze extrem spannend. Die Videos zeigen, dass die einzelnen Tools auch ohne das Verständnis von Raketentechnik zu bedienen sind und meiner Meinung nach auch teilweise sehr interessante Ergebnisse liefern. Da Magenta Studio kostenlos ist, spricht eigentlich nichts dagegen, es einfach mal selbst auszuprobieren.

Spezifikation und Preis

Wie gesagt kostenlos – bis jetzt läuft Magenta Studio nur auf macOS, Windows soll aber auch bald unterstützt werden. Egal ob stand-alone oder für Ableton Live: Der Download ist knapp 870 MB groß. Unser Leser „Da Schmock“ hat zurecht auf den Umstand hingewiesen, dass auch noch Max/MSP +8.0.3 notwendig ist. Grund ist der aktuell mangelnde Support für node.script, das in der Anwendung gebraucht wird.

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Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass Live 10 mit Max4Live alleine nicht ausreicht. Auf der Hersteller-Seite wird zusätzlich Max/MSP +8.0.3 als Voraussetzung angegeben.