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Electronic Music Producer: Die zehn besten Hardware-Effekte aus meinem Studio

Electronic Music Producer: Die zehn besten Hardware-Effekte aus meinem Studio  ·  Quelle: Gearnews, Marcus

Im dritten Teil der Electronic Music Producer Serie gebe ich euch einen weiteren Einblick hinter die Kulissen meiner Arbeitsweise in meinem Studio (hier geht es zu Teil 1 und Teil 2). Heute dreht sich alles um Hardware-Effekte. Und das bedeutet Mix, Mastering und Sounddesign mit kleinen experimentellen FX-Kistchen, bis hin zu blinkenden 19-Zoll Boliden in den Racks. Von API, Strymon, Universal Audio über Mäag und Smart Waves Audio ist alles dabei.

Schon wieder die Frage nach analog oder digital?

Ich kann diese Frage wirklich nicht mehr hören. In jeden meiner Workshops und Vorlesungen stehen diese Begriffe im Raum. Und am Ende geht es, wie immer, doch nur um das Endergebnis, also den Song, den Track oder das Musikstück. Und natürlich auch um den eigenen Workflow. Ich muss mich in meiner Umgebung wohl fühlen, gerade wenn die Arbeit eine Künstlerische ist. Der Kopf sollte bei jedem Electronic Music Producer (und natürlich auch in allen anderen Genres) frei sein und die Ideen direkt vom Kopf in die Maschinen wandern. Egal, ob es sich hier um einen Rechner mit Plug-ins handelt oder eben ein Zimmer voller Hardware.

Ich bin ein Musiker der letztgenannten Kategorie. Denn Hardware macht mir Spaß (Haptik), wirkt durch den Formfaktor limitierend (das führt in meinem Fall schneller zum Ergebnis) und ist eben „hands-on“. Ein weiterer „Vorteil“ ist, dass ich im Winter die Heizung nicht anschalten muss und trotzdem bei angenehmen 25-28 Grad Celsius im Studio sitze. Über die Sommerzeit brauche ich wohl hier nicht zu reden. Kurzum: Heute stelle ich euch meine Lieblings-Hardware aus meiner Klangküche vor.

Bodentreter als Tischeffekt mit viel „Oh-ja“!

Strymon BigSky

Strymon BigSky

Strymon BigSky

Reeeeeeeee-verb! Das braucht man doch immer und bei jeder Gelegenheit. Zumindest im heimischen Studio und in der Musik. Solch ein Effekt erzeugt Atmosphäre, Ambience und füllt den Song. Und das mit harmonisch stimmigen Anteilen der benutzten Instrumente, Aufnahmen und Klänge. Dazu entsteht ein Raum, was psychoakustisch auf den Höreindruck wirkt. So wird das Musikstück dreidimensionaler und klingt einfach besser (im Vergleich zu einem „trockenen“ Mix). Strymon ist hier einer meiner Lieblingshersteller in diesem Bereich. Und BigSky ein absolut empfehlenswertes und extrem vielseitiges Effektpedal für den Electronic Music Producer. Ein weiterer Vorteil solcher „Bodentreter“: Ihr könnt sie platzsparend in euren Rucksack packen und zu jeder Session mitnehmen. Dazu passen sie während einer Live Performance auf jeden Tisch in einem noch so kleinen Club. Und die Qualität? Die kann sich bei diesem blauen Mega-Verb wirklich hören lassen!

Strymon BigSky gibt es hier bei Thomann.de (Affiliate) für 486 Euro.

Hier findet ihr alles Weitere zu dem Effekt

Source Audio Ventris Dual Reverb

Source Audio Ventris

Source Audio Ventris

Ein weiteres Reverb in meiner Sammlung ist das Ventris Dual Reverb von Source Audio. Sehr interessant ist hier, dass ihr gleich zwei verschiedene Reverb-Prozessoren miteinander verketten könnt. Und noch besser ist die Möglichkeit, das über die USB-Verbindung und einer eigenen Software vorzunehmen. Hier lassen sich auch alle eigenen Einstellungen als Presets speichern und jederzeit wieder aufrufen. Meldet ihr euch in der kostenlosen SA Cloud an, könnt ihr diese Presets sogar mit anderen tauschen. Die Hallalgorithmen klingen alle sehr hochwertig. Das Shimmer Verb ist für mich einzigartig und liegt unter vielen meiner Synthesizer-Linien. Über die Software könnt ihr dieses Effektpedal sogar noch weiter verbiegen und Reverb-untypische Effekte erzeugen. Für Sounddesigner definitiv ein Highlight!

Source Audio Ventris bekommt ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) zum Preis von 477 Euro.

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Teile Elektronik The KeineDelay – Teil1

Teile Elektronik KeineDelay Teil1

Teile Elektronik KeineDelay Teil1

Eigentlich wurde dieses Effektgerät von einem DJ für DJs entwickelt. Denn diese Szene nutzt schon etliche Jahre solche Bodentreter als i-Tüpfelchen für den eigenen „Signature Sound“ in der DJ-Kanzel. Das KeineDelay von Teile Elektronik ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein Delay-Effekt. Und das mit zwei unterschiedlichen Algorithmen. In der Hardware sitzen ein digitales und ein analoges Delay. Beide arbeiten natürlich sehr unterschiedlich und erzeugen einen sehr charakterlichen Klang. Und genau diese Klangfarbe mag ich sehr an dieser Hardware. Darüber hinaus könnt ihr an den wichtigen Parametern live schrauben und so den typisch coolen Delay Sound (im Analogen mit Pitch-Effekten) erzeugen. Sehr interessant für Live Acts ist auch der integrierte Looper, den ich im Studio eher weniger nutze.

Teile Elektronik The KeineDelay – Teil1 bekommt ihr hier auf der Website des Herstellers zum Preis von 319 Euro.

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Strymon TimeLine

Strymon TimeLine

Strymon TimeLine

Ein weiteres Highlight meiner Strymon Pedale (und ich habe einige in meiner Sammlung), ist der TimeLine Bodentreter. Wie ihr mittlerweile erkannt habt, nutze ich diese Effekte nicht, wie eigentlich gedacht, auf einem Pedalboard und mit einer Gitarre oder Bass. Hier in meinem Studio wird mit diesen kleinen „Tischboxen“ Sound designt, gemischt und sogar gemastert. Das große Delay des Herstellers gehört für mich eher in die Kategorie Klangerzeuger. Denn mit diesem Effekt fangen Sounds an zu fliegen. Etliche Klangcharakteristiken lassen sich über einen Regler auswählen. Daneben könnt ihr die wichtigsten Parameter einstellen. Ich synchronisiere das Pedal selten zum Songtempo meines Arrangements. Hier nutze ich eher den integrierten Tap Tempo Button. Das bringt das Delay minimal aus dem Timing, was aber wiederum Leben und Groove in den Song bringt.

Strymon Timeline erhaltet ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) zum Preis von 435 Euro.

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Mix und Mastering mit Hardware

Smart Research C2 Compressor

Smart Research C2

Smart Research C2

Der Glue-Faktor gehört zum SSL G-Bus Kompressor, wie die Faust aufs Auge. Und genau diesen Sound und Klangcharakter versuchen verschiedene Hersteller nachzuahmen. So auch der Entwickler Smart Research, der mit dem C2 Kompressor einen wirklich guten Job gemacht hat. Der Stereo-Dynamikprozessor ist aber weit mehr als ein normaler Kompressor im SSL G-Bus Comp Stil. Hier könnt ihr sogar noch durch den „Crush“ Button mehr Obertöne zu dem zu bearbeitenden Audiosignal addieren. Sehr interessant arbeitet die Hardware im nicht-gelinkten Modus (der linke und rechte Kanal arbeiten hier als zwei getrennte Monokompressoren). Das erzeugt mehr Stereobreite und das ohne die Transienten zu verlieren. Ich schleife den Kompressor sehr gerne als „Sidechain-Kompressor“ ein, der von meiner Kick Drum getriggert wird. Und genau das ist eine Komponente des Signature Sounds meines Electronic Music Producer Studios.

Smart Research C2 Compressor gibt es bei verschiedenen Händlern zu verschiedenen Preisen (zirka 1800 Euro).

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API 2500+

API 2500+ Stereo Bus Compressor

API 2500+ Stereo Bus Compressor

Ein weiterer Kompressor sitzt in meiner Mix- und Mastering-Kette. Und das ist der neue API 2500+. Das interessante an dieser „+“-Version ist die Möglichkeit den Kompressor parallel einzuschleifen. Und genau das brauche ich für meine Musik, in der ich ein lautes, recht dichtes (und trotzdem dynamisches) Ergebnis erzielen möchte, aber die Transienten nicht zerstört werden sollen. Dazu enthält dieser Kompressor mehrere Schaltungen verschiedener Kompressorarten. Und die könnt ihr auf Knopfdruck und so auch im A/B-Vergleich miteinander gegenhören. Darüber hinaus lassen sich die typischen Kompressorfunktionen bis ins kleinste Detail einstellen. Ein Dynamikprozessor für wirklich alle Gegebenheiten. Und das mit einem wirklich interessanten Klangcharakter.

API 2500+ könnt ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) zum Preis von 3509 Euro kaufen.

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API 5500 Dual Equalizer

API 5500 Equalizer

API 5500 Equalizer

Wer Sound möchte, ist bei API genau richtig. Und dazu liefert der Hersteller Hardware mit einer Bedienoberfläche, die wirklich intuitiv, einfach und vor allem schnell und effektiv bedienbar ist. Diesen Satz habt ihr sicherlich hier in diesem Artikel schon häufiger gelesen. Und genau das ist der Grund, warum ich externe Hardware hier in meinem Studio einsetze. Zurück zum Equalizer, der aus zwei Monobereichen besteht, die ihr separat bearbeiten könnt. Vier Bänder lassen sich in verschiedenen abgestimmten Frequenzbereichen verschieben und anheben beziehungsweise absenken. In der Mitte sitzt nochmals eine Art „Abschwächer“, mit dem ihr die Effektintensität in drei Stufen auf das Audiosignal anwenden könnt. Das Ergebnis erhält den typischen API Sound und dazu (wer es so mag, wie ich) ein gutes Pfund im Bassbereich. Deswegen für mich: nie mehr ohne meine APIs.

API 5500 bekommt ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) für 3315 Euro.

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Mäag EQ4M

Mäag EQ4M

Mäag EQ4M

Der EQ4M Equalizer von Mäag Audio besitzt das gewisse Etwas. Und das heißt „Air Band“. Diese patentierte Funktion hebt den oberen Frequenzbereich an, ohne dass dieser anfängt schlecht zu klingen. Ok – das ist tatsächlich so in der Praxis. In der Theorie ist diese Technologie nicht ganz so einfach zu erklären und führt hier definitiv zu weit. Wir wollen anwenden, das Ergebnis für gut erklären und unser Werk im Anschluss genießen. Und das ist hier definitiv der Fall. Die einzelnen Frequenzbänder des EQs sind fixiert (sechs Bänder), aber es fehlt mir persönlich kein weiteres Band. Ich wollte die separaten Frequenzbereiche noch nicht einmal verschieben. Die Regler zu diesen Bändern könnt ihr anheben oder absenken. Das war es auch schon.

Ich selbst setze den Equalizer im Mid/Side-Modus ein. Hierfür nutze ich ein Plug-in, das das Audiosignal in Mitten- und Seitensignale wandelt und schicke es dann wieder zum EQ. Dort bearbeite ich links Mid und rechts Side. Das Air Band macht sich sehr gut auf den Seiten und verbreitert das Audiosignal im Stereofeld angenehm. Danach läuft das Signal in ein Plug-in, das es wieder in ein „normales“ Stereosignal wandelt. Ein sehr cooles Effektgerät für alle möglichen Instrumente, Gruppen und die Summe. Übrigens: wer erstmal sparen möchte, kann sich auch hier die kostenlose Software-Emulation des EQs herunterladen.

Mäag EQ4M bekommt ihr bei ausgewählten Händlern für zirka 2700 Euro.

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Universal Audio Apollo X8 und X16 Audiointerfaces

Universal Audio Apollo X6, X8, X8p und X16 ist da!

Universal Audio Apollo X6, X8, X8p und X16

Diese Audiointerfaces von Universal Audio passen auf jeden Fall in diese Liste. Und sie sind mir, trotz ihrer Aktualität, jetzt schon extrem ans Herz gewachsen. Mein Setup besteht aus drei Apollo X8 und einer Apollo X16. Somit kann ich so gut wie alle externen Geräte mit meinem Rechner audiotechnisch verbinden und Klänge perfekt von A nach B routen. Darüber hinaus setze ich diese Interfaces natürlich auch als „externe Effektgeräte“ ein. Und genau das ist ihre Stärke. Alle UAD Plug-ins lassen sich in jeden Audiokanal einbinden und somit in Echtzeit direkt in die DAW leiten. Somit kann ich vorab dem einen Synthesizer schon die fehlenden Frequenzen addieren (EQ), die Dynamik bearbeiten (Kompressor) oder mehr Obertöne verleihen (Saturator).

Sehr cool ist die Möglichkeit einen Klangcharakter von einer bekannten Mixkonsolen-Emulation auf gewünschte Kanäle zu legen. Dazu lassen sich auch komplette Mix und Mastering Channelstrips, bestehend aus UAD Plug-ins, mit meinem Hardware Setup A/B-mäßig vergleichen. Und diese Funktionen sind nur ein Bruchteil von dem, was möglich ist. Eine Geheimwaffe für den Electronic Music Producer.

UA Apollo X8 erhaltet ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) für 2442 Euro. Die UA Apollo X16 gibt es hier bei Thomann.de (Affiliate) für 3244 Euro.

Hier findet ihr alles Weitere zu den Audiointerfaces

Waves Audio MaxxBCL

Waves Audio MaxxBCL

Waves Audio MaxxBCL

Was? Werden einige von euch sicher hier denken. Denn diese Hardware (ja – Waves Audio entwickelt nicht nur Plug-ins) besteht eigentlich aus Plug-ins, in einer Metallschale. Und das stimmt in etwa schon. Denn der Hersteller hat hier mit dem MaxxBCL den Code seiner Bestseller-Software-Effekte Renaissance Comp, MaxxBasss und L2 in ein 19-Zoll-Gehäuse gepackt. Übersichtlich, effektiv, einfach und intuitiv bedienbar und klanglich auf den Punkt. Mehr gibt es hier nicht zu sagen. Aber das ist wirklich nicht alles. Denn dieser digitale Prozessor muss vor dem eigentlichen Arbeitsprozess das analoge Audiosignal wandeln. Und genau hier entsteht Charakter. Die entstehende Klangfarbe mag ich an der schon in die Jahre gekommenen Kiste. Obwohl ich hier lediglich nur den L2 Limiter nutze. Auch hier sei gesagt, dass man digital (mit einem Plug-in) sicherlich heutzutage zu „besseren“ (mehr Lautheit trotz weniger Verzerrung, True Peak Limiting) Ergebnissen kommen kann. Es fehlt dann aber mein heißgeliebter Mojo-Effekt.

Waves MaxxBCL wird leider nicht mehr hergestellt. Ab und zu bietet sich die Möglichkeit ein Gerät auf dem Gebrauchtmarkt zum Preis von zirka 2000 Euro zu ergattern.

Hier findet ihr alles Weitere zu dem Effekt

Weitere Effektgeräte …

Wie immer bei diesen „Top 10“-Listen fehlen einige tolle und interessante Produkte. Alle können wir hier nicht besprechen. Dazu kann jeder Song, jede kreative Idee und jeder Sound bei jedem Neustart aus einer anderen Zusammensetzung an Effekten bestehen. Gerade der Markt der Bodentreter ist gewaltig groß und enthält für jeden das richtige Tool. Ich bin gespannt, welche Effekte ihr in eurer Topliste bevorzugt. Ihr könnt uns gerne in den Kommentaren eure Lieblinge nennen. In den nächsten Folgen geht es weiter mit meinen Lieblings-(MIDI-)Controllern und meinem Modular System für den Electronic Music Producer. Ihr wollt noch mehr erfahren? Dann stellt mit/uns hier unten eine Frage.

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5 Antworten zu “Electronic Music Producer: Die zehn besten Hardware-Effekte aus meinem Studio”

  1. Hansi Pop sagt:

    Danke für die Einblicke in dein Studio und deine Arbeitsweise.
    Mich würde speziel das Thema UAD in deinem Studio viel genauer interessieren.
    Wie ist was eingebunden/verkabelt, welche Möglichkeiten ergeben sich daraus?
    Warum hast du dich für drei x8 anstatt x8p und ein x16 entschieden?
    Welches Interface (x8,x16) erfüllt welchen Zweck?
    Wo entstehen Latenzprobleme wenn es welche gibt und wie gehst du damit um?

    Da ich mich ebenfalls für electronische Music interessiere und auch Hardware süchtig bin
    würde mich so ein Aufbau doch sehr interessieren.

  2. Green Dino sagt:

    Wenn du zum Teil1 Delay schreibst:
    „In der Hardware sitzen ein digitales und ein analoges Delay.“
    Dann klingt das so als wäre da 1x DSP und 1x analoge Schaltung drin.

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