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Angecheckt: Softube Console 1 und Console 1 Fader

Angecheckt: Softube Console 1 und Console 1 Fader  ·  Quelle: Gearnews, Marcus

Ich hatte lange gezögert, mir das gemischte Doppel Console 1 und Console 1 Fader von Softube zuzulegen. Der doch recht kostspielige Preis von fast 1000 Euro für einen reinen Controller, der „nur“ für den Mix und das Mastering eingesetzt wird, musste gut überlegt werden. Jetzt bin ich mehr als glücklich über meine Entscheidung, da sich mein Workflow während der kreativen Phase, aber auch beim Finalisieren extrem verbessert hat. Dazu kommt der wirklich überzeugende Klang der mitgelieferten und auch kompatiblen Plug-ins. Und genau das möchte ich euch hier in Angecheckt vorstellen.

Console 1 und Console 1 Fader

Vorab: Ich arbeite im Studio mit einem iMac (5k aus dem Jahre 2015) und Ableton Live 10 (aktuelle Version). Ausgepackt wirken die beiden Controller richtig solide und fühlen sich sehr hochwertig an. Die Drehregler sind ebenso schick und einfach zu drehen. Dazu sind ist die Hardware nicht zu klein (also auch für große Hände gemacht), aber auch nicht zu groß. Sie passen eben auf jeden Tisch neben die Computer-Tastatur und auch zwischen Synthesizer und Effekte. Die mitgelieferten Gummifüße sorgen ebenso für einen rutschfesten wie sicheren Stand. So soll das auch sein.

Nichtsdestotrotz habe ich mir das Komplettpaket „gegönnt“. Hierfür musste auch ein anständiger Holzständer her, der beide Controller miteinander verbindet. Darüber hinaus soll auch die einwandfreie Bedienung gewährleistet werden. Hersteller solcher Ständer findet ihr über Google. Ich habe mich für die Firma Synths & Wood entschieden. Und das war auch eine gute Entscheidung. Mein Setup war in fünf Minuten aufgebaut und verschraubt. Jetzt kann es losgehen.

Angecheckt: Softube Console 1 und Console 1 Fader

Angecheckt: Softube Console 1 und Console 1 Fader

Einrichten der Controller

Die Installation funktioniert über die Software Softube Central. Aber ihr müsst euch hier vorher registrieren und die mitgelieferte Seriennummer der Controller in eurem Account hinterlegen. Danach wird alles automatisch installiert. Angeschlossen werden beide über USB. Jetzt bewegen sich nach der Initialisierung die Motor-Fader zum ersten Mal. Sehr cool.

Mit Console 1 erhaltet ihr den SSL 4000 E Channelstrip. Bei der Fader-Version liegen der Discrete und der Tube Channelstrip bei. Das reicht auch absolut für den Anfang. Somit kann ich eigentlich schon direkt loslegen, an meinen Spuren zu arbeiten. Um das Console 1 System zu aktivieren, muss ich in jede Spur das Console 1 Plug-in legen. Ganz wichtig ist für Ableton Live, dass ihr das VST3-Plug-in nutzt. Ansonsten funktioniert das Zusammenspiel nicht richtig. Am besten speichert ihr einen Layout-Song als Standard-Set ab. Bei jedem Neuanfang eines Songs sind so die Console 1 Plug-ins an der richtigen Stelle und ihr könnt sofort loslegen.

Angecheckt: Softube Console 1 und Console 1 Fader

Angecheckt: Softube Console 1 und Console 1 Fader übereinander im Holz-Case

Umgewöhnung in schnell

Natürlich war ich es nicht gewohnt, nach jahrelangem Befingern meines Trackpads zum Mischen meiner Songs jetzt auf einmal einen Controller zu nutzen. Aber ich muss sagen, dass ich ohne Probleme umgestiegen bin. Eigentlich kann ich es mir nach zwei Wochen Einsatz gar nicht mehr vorstellen, „back to the roots“ zu gehen. Die Fader lassen sich sehr einfach bewegen und verleiten sogar dazu schnell mal, hier und da zu mischen. Das hatte ich vorher immer auf „später“ vertagt.

Auch das effektive Muten und Solo-Schalten funktioniert tadellos und hilft ungemein. Jetzt kommen wir aber zum eigentlichen Pro der beiden Hardware-gesteuerten Software-Maschinen: Mix und Mastering. Denn genau deswegen wurden die beiden Metallkisten angeschafft. Darüber hinaus fahren die motorisierten Fader immer an die Stelle, die ich eingestellt hatte.

Mischen und Mastern per Fernbedienung

Und das geht, ihr hättet es sicher nicht anders erwartet, ebenso einfach und intuitiv von der Hand. Einfach den Funktionsumfang-Button klicken (Input Gain, Low Cut, High Cut, Send, Volume, Drive, Charakter) und schon verwandeln sich die Fader in den angewählten Controller. Einstellen, Button wieder loslassen und weiter geht es.

Zehn Kanäle könnt ihr auf einmal bearbeiten. Ist euer Song (wie meistens) größer, könnt ihr über die „Page“-Taste weiterspringen. Natürlich aktiviert auch ein Mausklick auf die Spur in Ableton Live den korrespondierenden Track in Console 1 (und umgekehrt). Der Drehregler von der „Fader“-Version fungiert als Panorama oder (mit Shift) als Bearbeitungs-Tool für die Stereobreite. Das ist sehr hilfreich.

Genauso funktioniert die Channelstrip-Hardware des Console 1 Systems. Hier könnt ihr aber nur die ausgewählte Spur bearbeiten. Und das mit einem Low- und High-Cut, Shaper, Equalizer, Kompressor und der Master-Sektion (Volume, Drive, Charakter, Panorama). Hier könnt ihr sogar die einzelnen Bereiche mit anderen Plug-ins bestücken (falls ihr im Besitz weiterer Channelstrips, Softube oder UAD-Plug-ins seid).

Die grafische Benutzeroberfläche

Um alle Feinheiten, Parameter und Einstellungen zu sehen, wird bei Berührung eines Controllers sofort in das GUI eingeblendet. Und das im absoluten Vordergrund über alle geöffneten Fenster. Diese Oberfläche könnt ihr in der Größe frei bestimmen und auch die Zeit zum Verschwinden einstellen. Manchmal nervt mich dieses Fenster, da ich es ohne Klick auf einen Button nicht schnell ausschalten kann. Aber meisten möchte ich auch den integrierten Analyzer sehen oder auch meine Einstellungen. Und nach einer Einarbeitungsphase hat man sich auch schnell daran gewöhnt. Oder sogar eine akzeptable „aktive“ Zeit gefunden.

Über dieses Interface könnt ihr euch in größeren Projekten besser zurechtfinden. Wer ohne visuelle Hilfsmittel mischen möchte, kann die Oberfläche auch deaktivieren und manuell zuschalten. Hierfür gibt es einen extra Button an der Hardware. Ihr müsst auch keine Mixing- und Mastering-Profis sein, um mit diesen Controllern zu arbeiten. Im Gegenteil: Ich bin davon überzeugt, dass sie euch helfen, intuitiver zum Ziel zu gelangen.

Angecheckt: Softube Console 1 und Console 1 Fader

Angecheckt: Console 1 GUI

Fazit und was noch fehlt

Wie schon einleitend geschrieben, ist die neue Kombination nicht mehr aus meinem Workflow wegzudenken. Als UAD-Nutzer kann ich sogar meine UAD-Plug-ins in meinen Channelstrip integrieren und mit Console 1 fernsteuern. Während der Songerstellungsphase nutze ich die Controller zum schnellen Anheben und Absenken der Lautstärke. Aber auch Mute und Solo kann ich so sehr effektiv einsetzen. Dazu kommt das Beschneiden der tiefen Frequenzen zum Ausdünnen. Während des Mixens und beim Mastern hilft die Hardware-Oberfläche natürlich noch besser und vor allem schneller.

Dazu könnt ihr aus dem Softube eigenen Fundus den Klangcharakter des Kanalzuges durch weitere Channelstrips erweitern. Hier stehen euch Emulationen bekannter Konsolen zur Verfügung, die ihr als SSL XL 9000 K-Series, British Class A, American Class A, Summit Audio Grand Channel, Chandler Limiter Zener-Bender und Weiss Gambit Series.

Schade, dass keine abgewinkelten USB-Kabel beiliegen. Denn die mitgelieferten Kabel stehen ziemlich weit hinter der Hardware ab. Das sieht nicht so toll aus und ich kann nichts hinter die Console 1 stellen, ohne dass das Kabel geknickt wird. Ich hoffe auch, dass es in einem Update möglich sein wird, die doppelt belegten Regler neu zu konfigurieren. Dieses „Problem“ besitzt ihr aber nur mit beiden Controllern.

Die CPU-Belastung hat sich bei mir sogar durch den Einsatz der Console 1 reduziert. Vielleicht setze ich jetzt nicht mehr so viele unterschiedliche Plug-ins ein. Trotzdem finde ich das Klangergebnis sehr gut (teilweise besser als vorher). Das kann natürlich auch durch die bessere Haptik gekommen sein. Falls ihr an einem ähnlichen Entscheidungspunkt steht wie ich vor 3-4 Wochen, kann ich euch nur zu diesem Schritt raten: Console 1 und Console 1 Fader bleiben definitiv an meiner Seite!

Weitere interessante Produkte unserer „Angecheckt“-Reihe findet ihr hier. Ihr habt Vorschläge? Dann her damit!

Preise und Zubehör

Softube Console 1 erhaltet ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) zu einem Preis von 398 Euro.

Softube Console 1 Fader erhaltet ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) zu einem Preis von 555 Euro.

Weitere Channelstrips Lizenzen könnt ihr bis zum 30. Juni 2020 mit Rabatt hier bei Thomann.de (Affiliate) erwerben. Die Holzverkleidung (inklusive Ständer und Schrauben) habe ich bei hier bei Synths & Wood bestellt. Dort findet ihr auch wirklich cool designte Ständer für viele andere Desktop-Controller und Synthesizer. Die Kosten lagen hier bei zirka 95 Britische Pfund (zuzüglich Versandkosten).

Update: Jetzt gibt es auch Frames von der Firma Zaor, die zusammen mit Audiowerk für die Console 1 Reihe entwickelt wurden. Hier in den Worten des Vertriebs: „Die Besonderheit an unseren Frames ist, dass sie aus einer Basisstation bestehen, die man auch einzeln nutzen und dann das Add-On anbauen kann, wenn man beide benutzt. Das Topteil wird einfach angedockt. Theoretisch können auch zwei Basisstationen an ein Topteil andocken, falls jemand mit zwei Fader-Units und einer Console 1 arbeiten möchte.“ Dieses Zubehör gibt es bei Thomann.de (Affiliate) in zwei verschiedenen Ausführungen. „Black Base“ bekommt ihr hier für 95 Euro und das dazugehörige Top kostet 125 Euro.

In der Ausführung „Oak“ kostet die Base ebenso 95 Euro und für das Top-Teil müsst ihr in dieser Farbvariante 125 Euro hinlegen.

Die dazugehörige Software und die Plug-ins laufen auf Mac OSX 10.12 oder höher und Windows 7 oder höher als VST, VST3, AU und AAX. Zur Autorisierung benötigt ihr einen kostenlosen iLok Account (oder Dongle).

Falls ihr es noch nicht getan habt, könnt ihr hier an unserem Softube Gewinnspiel teilnehmen (Gewinn: Softube Volume 4 Bundle). Fast alle Plug-ins dieses Pakets lassen sich über die Console 1 fernsteuern und in einen Channelstrip einbauen. Das Spiel endet am Montag, 15. Juni 2020 um 23:59:59 Uhr.

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