von  Gastautor  | |  Lesezeit: 7 Min
Roland Alpha Juno

Roland Alpha Juno  ·  Quelle: Adam Douglas

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Alle kennen den Hoover-Sound, aber nur wenige wissen, von welchem Synthesizer er ursprünglich stammt. Ist der oft unterschätzte Roland Alpha Juno vielleicht das bestgehütete Geheimnis unter den Vintage-Analogsynthesizern?

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Dieser Artikel von Adam Douglas erschien ursprünglich auf gearnews.com. Übersetzung: Lasse Eilers

 

Jeder kennt den Sound der TB-303, den Boom der TR-808 und die schneidenden, metallischen Hats der TR-909. Und auch den Hoover-Sound hat jeder schon einmal gehört – diesen heulenden Synth-Stab, der im Hardcore-Rave populär wurde und inzwischen auch im Mainstream-Pop allgegenwärtig ist. Trotzdem wissen viele nicht, aus welchem Synthesizer der Sound ursprünglich stammt. Die Rede ist natürlich vom Roland Alpha Juno.

In diesem Artikel widmen wir uns der Geschichte des Alpha Juno und seinem kulturellen Einfluss. Und wir gehen der Frage nach, warum er – anders als die anderen polyphonen Analogsynthesizer von Roland aus den 1980er-Jahren – nach wie vor vergleichsweise erschwinglich ist.

Die Geschichte des Alpha Juno

1985 ersetzte Roland den beliebten Juno-106 durch den Alpha Juno. Technisch verfügt der sechsstimmige Analogsynthesizer über ähnliche Merkmale wie die anderen Mitglieder der Juno-Familie. Wie seine Vorgänger bietet er pro Stimme einen DCO mit Sägezahn- und Rechteckschwingungen, einen Suboszillator und Noise. Hinzu kommen ein resonantes 24-dB-Tiefpassfilter, ein LFO und natürlich ein Chorus. Jedoch gibt es auch wesentliche Unterschiede, auf die wir gleich noch eingehen werden. Bei seinem Erscheinen war das Hauptverkaufsargument, dass es sich um einen polyphonen Synthesizer zu einem Preis von unter 1000 Dollar handelte.

Roland Alpha Juno
Roland Alpha Juno als MIDI-Controller · Quelle: Adam Douglas

Eigentlich waren es sogar zwei Synthesizer, denn der Alpha Juno war in zwei Versionen erhältlich: Neben dem Einstiegsmodell Alpha Juno-1 (oder JU-1) gab es den Alpha Juno-2 (oder JU-2), der mit einer 5-Oktaven-Tastatur mit Velocity und Aftertouch sowie mit einem Steckplatz für Patch-Speicherkarten aufwartete. Dieser kostete mit knapp 1.300 Dollar etwa 400 Dollar mehr als der Alpha Juno-1.

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Der größte Unterschied zu den Vorgängern 106 und 6/60 war das Fehlen jeglicher Bedienelemente, abgesehen von einigen Folientastern und dem neuen Alpha Dial zur Dateneingabe. Das Design orientierte sich eindeutig am Yamaha DX7 – dem Synthesizer, den damals jeder haben wollte und den alle anderen Hersteller versuchten zu kopieren. Wer absolut nicht auf Schieberegler verzichten mochte, konnte den optionalen PG-300 Programmer hinzufügen.

Der Sound des Alpha Juno

Obwohl der Alpha Juno auf dem Papier viele Gemeinsamkeiten mit seinen älteren Geschwistern hat, unterscheidet sich der Klang deutlich. Zum einen oszilliert das Filter nicht von selbst. Auch die Hüllkurven sind anders aufgebaut und bieten mehrstufige Kurven mit acht Parametern, darunter Level, Zeit und eine Key-Follow-Funktion. Man kann damit auch die Tonhöhe steuern, was für einen Juno neu war und im wohl berühmtesten Alpha-Juno-Preset prominent zum Einsatz kam.

Roland Alpha Juno
Pulsbreiten-Party · Quelle: Roland

Der größte Unterschied liegt jedoch im Oszillatorbereich. Anders als die Vorgänger bietet der Alpha Juno fünf verschiedene Sägezahn- und drei Rechteck-Varianten, von denen sich je eine in der Pulsbreite modulieren lässt (PWM). Hinzu kommen sechs Rechteck-Varianten für den Suboszillator, von denen vier eine Oktave und die beiden anderen zwei Oktaven tiefer als der Hauptoszillator klingen. Diese ungewöhnlichen Schwingungsformen verleihen dem Alpha Juno einen einzigartigen Klang, besonders wenn man die Sägezahn-PWM einsetzt.

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Erwähnenswert ist auch die Chorus-Schaltung, bei der man die Rate viel feiner einstellen kann als beim 6/60 und 106.

All dies sorgt für einen klaren und prägnanten Klang, der sich hervorragend für Synth-Pop eignet. Besonders gut gefallen mir die Strings und Pads des Alpha Juno.

Alpha-Varianten

Im Laufe seiner bis 1987 dauernden Produktionszeit war der Alpha Juno in fünf verschiedenen Varianten erhältlich. Die ersten beiden, die erwähnten JU-1 und JU-2, kamen zeitgleich auf den Markt. Interessanterweise gab es zu beiden Modellen Entsprechungen auf dem japanischen Heimatmarkt. Der HS-10 SynthPlus 10 sah aus wie ein JU-1, hatte jedoch eine Liste mit Presets in der oberen rechten Ecke anstelle der Schwingungsformtabelle und Hüllkurvengrafik des internationalen Modells. Der HS-80 SynthPlus 80 basierte auf dem JU-2, war mit seinem komplett schwarzen Gehäuse und den eingebauten Lautsprechern jedoch ein ziemliches Ungetüm.

Für diejenigen, die Synthesizer im Rackformat bevorzugten, wurde der Alpha Juno als MKS-50 in Rolands MKS-Reihe aufgenommen. Die zweijährige Verzögerung zwischen der Markteinführung des Alpha Juno und dem Erscheinen des MKS-50 gab Rolands Ingenieuren Zeit, 16 programmierbare Akkord-Speicherplätze und die Möglichkeit zum Speichern von Performance-Parametern pro Patch hinzuzufügen.

Alpha Hoover: Wanna Kiss Myself

Genug der Theorie – kommen wir endlich zu dem Alpha-Juno-Sound schlechthin. 1991 veröffentlichte die New Yorker Künstler Mundo Muzique und Joey Beltram unter dem Namen Second Phase bei R&S Records eine Platte namens „Mentasm“. Sie wurde ein riesiger Hit auf den europäischen Dancefloors – wohl auch, weil das Duo den Alpha Juno an prominenter Stelle eingesetzt hatte. Die Rede ist natürlich von Factory-Preset Nummer 86, genannt „What the“.

Roland Alpha Juno
Patch-Liste des Alpha Juno 2 · Quelle: Roland

Das legendäre Preset, programmiert von niemand Geringerem als Eric Persing, macht sowohl von der Sägezahn-PWM als auch von der Pitch-Hüllkurve Gebrauch, wodurch dieser bizarre Klang entsteht. Anstatt ihn direkt vom Juno abzuspielen, sampelten Second Phase den Sound auf Beltrams Casio FZ-1, was „Mentasm“ sein einzigartiges Feeling verleiht.

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Es war jedoch der Track „Dominator“ von Human Resource, der den Sound endgültig zum Massenphänomen machte. „What the“ ist am Anfang des Titels isoliert zu hören – perfektes Futter für Sampler. In der Folge wurde der Hoover-Sound (wie er nun genannt wurde) von so ziemlich allen gesampelt, darunter The Prodigy („Charly“), T99 („Anasthasia“) und Underground Resistance („Fury“), bevor er den Sprung in andere Genres wie Drum and Bass und sogar Pop schaffte und schließlich in Tracks von Rihanna, Justice und Lady Gaga auftauchte.

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Meine Erfahrungen mit dem Alpha Juno

Als Ex-Raver bin ich sozusagen mit dem Hoover aufgewachsen. Meine Lieblingsversion von „Dominator“ war immer der Remix von Joey Beltram (dicht gefolgt von Frank De Wulfs Version), aber eigentlich war jeder Dominator ein guter Dominator. Ich wollte schon immer einen Alpha Juno haben, aber wie es der Zufall so wollte, landete ich zuerst bei einem HS-80.

Roland Alpha Juno
Roland Alpha Juno 2 · Quelle: Adam Douglas

Der hatte zwar den Sound, den ich wollte, aber nicht die Optik, weshalb ich ihn schließlich gegen einen echten Alpha Juno-2 eintauschte. Im Laufe der Jahre traten einige Probleme auf, darunter die übliche leere Batterie. Auch musste ich das LC-Display durch eine moderne OLED-Variante ersetzen, da das Original zu einem nervigen Pfeifgeräusch neigt. Und seit Neuestem geben einige der Tasten keine Töne mehr von sich. Wahrscheinlich müsste man die Kontakte nur gründlich reinigen, aber da der Display-Tausch eine ziemliche Bastelarbeit war, schiebe ich es nun schon seit einer ganzen Weile vor mir her, den Synthesizer erneut zu öffnen. Allerdings muss ich die Batterie sowieso erneut austauschen, also wird es nun wirklich Zeit. Übrigens nutze ich den Alpha Juno auch gerne als MIDI-Keyboard, da ich das Spielgefühl der Tastatur sehr mag.

Roland Alpha Juno
Batterie des Alpha Juno 2 · Quelle: Adam Douglas

Hol dir den Alpha

Wenn du dir selbst einen Alpha Juno zulegen möchtest, hast du Glück, denn auf dem Gebrauchtmarkt sind sie deutlich günstiger zu haben als die früheren Junos. Auf den ersten Blick wirkt der JU-2 vielleicht wie die attraktivste Variante. Allerdings solltest du dir bewusst sein, dass der Aftertouch irgendwann kaputtgehen wird. Wenn du ein Exemplar findest, bei dem er noch funktioniert, ist er wahrscheinlich schwach. Es gibt zwar ein paar Ersatzteile von Drittanbietern, aber die sind nicht gerade billig. Wahrscheinlich wirst du irgendwann auch das Display austauschen wollen. Oder du vermeidest den Ärger mit diesen beiden Problemen von vornherein und holst dir einen MKS-50.

DTronics DT300
DTronics DT-300 · Quelle: DTronics

So oder so wirst du wahrscheinlich einen Controller benötigen. Das Original (PG-300) ist selten und daher teuer. Alternativen gibt es von zwei Herstellern: DTronics bietet den DT-300 an (hier bei Thomann*), während Retroaktiv den MPG-50 im Programm hat.

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Dtronics DT-300 V2
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TAL TAL-Pha
TAL TAL-Pha · Quelle: TAL

Was Software angeht, gibt es meines Wissens zwei Emulationen. Die erste, die auf den Markt kam, war ReDominator von Audio Realism, der als Plugin oder Reason Rack Extension erhältlich ist. Außerdem gibt es den TAL-Pha von TAL (hier bei Plugin Boutique*), der SysEx-Daten der Originale lesen und auch als Editor fungieren kann.

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TAL-Pha
TAL-Pha

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