Roland: Vom Ein-Mann-Betrieb zum Synthesizer-Giganten
Von monophon bis modular, von Juno bis Jupiter: Die über fünfzigjährige Geschichte von Roland ist gespickt mit unzähligen legendären Synthesizern und Drum-Machines.
Die Geschichte der Roland Synthesizer
Die Anfänge: Von Ace-Tone bis zur Gründung von Roland
Ikutaro Kakehashi, ein in Osaka lebender Uhrmacher, gründete im Jahr 1960 Ace-Tone. Und dieser Hersteller veröffentlichte 1964 mit dem R1 Rhythm Ace eine der ersten Drum-Machines überhaupt.
Nachdem Kakehashi die Firma mehrfach weiterverkaufte, um sie mit zusätzlichem Kapital auszustatten, stand er am Ende nur als Anteilseigner da. Er verließ Ace-Tone und gründete 1972 die Roland Corporation.
Der erste Synthesizer von Roland: SH-1000
Das erste Produkt, mit dem Roland auf sich aufmerksam machte, war auch der erste Synthesizer der neuen Firma. Der SH-1000 kam 1973 auf den Markt und begründete damit die bis heute andauernde SH-Serie. Wie viele andere japanische Synthesizer jener Zeit, war er kompakt gebaut, damit man ihn oben auf eine elektronische Orgel stellen konnte. Daher waren viele der Regler und Schalter links oder sogar vor bzw. unterhalb der Tastatur angeordnet. Der SH-1000 bot sowohl voreingestellte Sounds als auch einen Bereich zur Erstellung eigener Klänge.

Vielleicht war es genau dieser manuelle Bereich, der die Musiker jener Zeit überforderte und dem SH-1000 einen durchschlagenden Erfolg in seinem Heimatland verwehrte. Jedenfalls fiel er beim Nachfolger SH-2000 deutlich rudimentärer aus. Viele Musiker fremdelten damals noch mit dem neuartigen Instrument und waren vor allem an Presets interessiert, die sie verstehen und sofort nutzen konnten.
Wer abenteuerlustig genug war, um eigene Sounds zu erstellen, fand beim SH-1000 eine Oszillatorsektion mit Sägezahn- und Rechteckschwingungen in verschiedenen Fußlagen (dank Frequenzteilern), ein Moog-ähnliches Ladder-Filter, einen ADSR-Hüllkurvengenerator, zwei LFOs sowie rosa und weißes Rauschen vor. Hut ab vor Kakehashi, dass er so früh bereits so fortschrittlich gedacht hat.
System 100, 100m und 700: Die modulare Geschichte von Roland
Aber auch bei experimentelleren Synthesizern ließ Roland nicht lange auf sich warten. Nach den monophonen Synthesizern SH-3, SH-3A und SH-5 (1973 bis 1975) kamen 1976 zwei umfangreiche Modularsysteme auf den Markt; ein drittes folgte im Jahr 1979.
Das erste war das System-100, ein semi-modulares, monophones Synthesizer-System. Bei seinem Erscheinen bestand es aus dem Keyboard-Synthesizer Model 101, dem Expander Model 102, dem Mixer Model 103 mit eingebautem Federhall, dem Step-Sequencer Model 104 und den Lautsprechern Model 109. Komplett aufgebaut erinnerte das eindrucksvolle System an ein futuristisches Flugzeug-Cockpit und klang absolut gigantisch. Das System-100 war ein echter Meilenstein für Roland und für analoge Synthesizer im Allgemeinen.

Aber der japanische Hersteller hatte gerade erst angefangen. Denn im selben Jahr wurde auch das System-700 vorgestellt, ein vollwertiges modulares System. Ein komplettes System-700 umfasste neun Oszillatoren, vier Filter, fünf VCAs, vier Hüllkurven, drei LFOs, einen Mixer, einen Sequencer sowie Delay und Phaser. Preislich lag das System-700 jedoch gleichauf mit einer Luxuslimousine, weshalb nur wenige Exemplare verkauft wurden.
Mit dem System-100M folgte 1979 ein etwas erschwinglicheres (aber beim besten Willen nicht billiges) Modularsystem mit einer Vielzahl an verfügbaren Modulen. Dazu gehörten die Standardmodule 112 mit zwei Oszillatoren, 121 mit zwei Filtern, 130 mit zwei VCAs, 140 mit zwei Hüllkurven und LFOs und 150 mit Ringmod, Rauschen und S&H. Außerdem gab es das 110, eine Kombination aus VCO, VCF und VCA. Bis 1983 brachte Roland neue Module für das System-100M heraus. Auch Tastaturen und Aktivboxen waren erhältlich. Das System-100M ist dank seines hervorragenden Klangs und seiner Funktionalität auch heute noch sehr gefragt.

Rolands eigene Nachbauten der Komponenten des System-100M, die in Zusammenarbeit mit Malekko Heavy Industries entwickelt wurden und 2016 unter dem Namen System-500 auf den Markt kamen, sind leider nicht mehr erhältlich. Mehrere andere Hersteller bieten Nachbauten der Module im Eurorack-Format an, darunter AMSynths und Behringer. Letztere heißen verwirrenderweise „System 100“ und sind bei Thomann* erhältlich.
Vom Jupiter-4 zum Alpha 1: Jupiters und Junos
Ende der 1970er-Jahre war die Synthesizer-Welt im Wandel. Nach dem sensationellen Erfolg des Sequential Circuits Prophet-5 wünschten viele Musiker sich Synthesizer, die zwei Kriterien erfüllten: Sie sollten zum einen polyphon sein und zum anderen Speicherplätze für Sounds bieten. Und auch Roland ging mit der Zeit und begann mit der Entwicklung polyphoner Synthesizer.
Rolands erster „richtiger“ Polysynth (sieht man mal von den String Machines ab) war der vierstimmige Jupiter-4 (auch bekannt als JP-4) aus dem Jahr 1978. Benannt nach dem König der römischen Götter, begründete er eine Serie, deren Name bis heute Musik in den Ohren aller Synthesizer-Fans ist. Allerdings konnte der JP-4 mit nur einem Oszillator pro Stimme, einer kurz geratenen Vier-Oktaven-Tastatur und seinem Design, das erneut für die Nutzung oben auf einer Orgel optimiert war, noch nicht wirklich mit der prominenten Konkurrenz aus den USA mithalten.
Der Jupiter im Aufwind
Der Nachfolger Jupiter-8 hingegen spielte in einer ganz anderen Liga. Der 1981 vorgestellte achtstimmige Bolide hatte alles, was der anspruchsvolle Synthesizer-Fan sich wünschte. So brachte der JP-8 zwei Oszillatoren pro Stimme, ein zwischen 12 dB/Okt. und 24 dB/Okt. umschaltbares Filter, Oszillator-Synchronisation und Cross-Modulation mit. Außerdem konnte man die Tastatur splitten und den oberen und unteren Bereichen unterschiedliche Patches zuweisen – ein großartiges Feature für Live-Performances. Aber der JP-8 war nicht nur für seine technischen Daten, sondern auch für seinen Klang bekannt – er klang einfach fast immer gut. In den Folgejahren gehörte er zur Standardausstattung der besten Studios der Welt und landete auf unzähligen berühmten Aufnahmen.

Anschließend wurde Jupiter-Reihe mit dem Jupiter-6 fortgesetzt, einem „erschwinglichen“ Jupiter. Dieser war in späteren Jahren bei Produzenten elektronischer Tanzmusik äußerst beliebt. Dazu kam das Rackmodul MKS-80 Super Jupiter. Kombiniert mit dem optionalen MPG-80 Programmer hatte man hier einen analogen Polysynth im Rackgehäuse, was eine echte Besonderheit war.
Heute gehören alle vier Mitglieder der klassischen Jupiter-Familie zu den beliebtesten und teuersten Vintage-Synthesizern und haben zahlreiche Nachbauten und Emulationen inspiriert. Behringers JT-16 lässt noch auf sich warten, weshalb der großartige ISE-NIN der ebenfalls aus Japan stammenden Black Corporation bislang der einzige in Serie gefertigte analoge Hardware-Klon ist. Software-Emulationen gibt es von Arturia, Cherry Audio (Jupiter-4, Jupiter-6 und Jupiter-8), Acustica Audio, TAL und von Roland selbst in der Roland Cloud. Und nicht zuletzt findet man Emulationen in einigen aktuellen Hardware-Synthesizern von Roland wie der FANTOM-Serie und dem Jupiter-X und Xm. Die meisten davon sind bei Thomann* erhältlich.
Die Juno-Serie
In der römischen Mythologie ist Juno die Gattin Jupiters und somit die Königin der Götter. Die drei sechsstimmigen Polysynths der Juno-Serie sind fast so berühmt wie die Jupiters, aber dank des niedrigeren Preises weiter verbreitet. Die Serie begann 1982 mit dem Juno-6. Noch im selben Jahr folgte der Juno-60, der identisch aufgebaut war, aber im Gegensatz zum Juno-6 mit speicherbaren Presets aufwartete. Der Signalweg war Roland-Schnörkellosigkeit in Perfektion: ein Oszillator (allerdings mit gleichzeitig nutzbaren Schwingungsformen), ein resonanzfreies Hochpass-Filter, gefolgt von einem sanften 24 dB/Okt. Tiefpass-Filter, eine Hüllkurve und ein LFO. Dazu gab es einen üppigen Chorus, der mit seiner Cremigkeit entscheidend dazu beitrug, dass der Sound des Juno irgendwie immer passte.

Beim Oszillator gab es jedoch eine echte Besonderheit: Hier waren keine VCOs, sondern DCOs verbaut. Anders als manchmal behauptet wird, bedeutet das nicht, dass der Juno digitale Oszillatoren hat. Jedoch waren in die analogen Oszillatorschaltkreise Chips eingebaut, die deren Frequenz präzise steuerten, was in einem vergleichsweise sauberen und extrem stabilen Klang resultierte.
In der Folge brachte Roland in den 80er-Jahren weitere Instrumente mit dem Namen Juno heraus. Auf den MIDI-fähigen Juno-106 folgten die für ihr Rauschen berüchtigten Alpha Juno 1 und 2 (beide 1985) und schließlich das MKS-7 Super Quartet (1986). Letzteres enthielt drei Juno-106-ähnliche Synthesizer-Sektionen und zusätzlich Drum-Sounds aus der TR-707.
Wie die Jupiter-Serie gehören die Junos zu den am häufigsten nachgebauten und emulierten Vintage-Synthesizern. Hardwareseitig gibt es den analogen Behringer JN-80, den winzigen, aber digitalen JU-06A aus der Boutique-Serie und den noch kleineren J-6. Auch der Behringer DeepMind ist mit dem Juno verwandt. Software-Emulationen sind unter anderem von Arturia, Softube, Cherry Audio, TAL, AudioThing und von Roland selbst erhältlich. Die meisten davon bekommst du bei Thomann*.
SH-101, MC-202, TB-303: Die Synthesizer der X0X-Serie
Kaum ein Kürzel lässt die Herzen von Electronic Music Producern höher schlagen als „X0X“ – die legendäre Serie, die Roland in den 1980er-Jahren herausbrachte. Da wir uns in diesem Artikel aber auf Synthesizer und nicht auf Drum-Machines konzentrieren, überspringen wir ausnahmsweise die höheren Zahlen (606, 707, 808 und 909) und gehen direkt zum SH-101.
Das SH-Kürzel geht auf den allerersten Synthesizer von Roland zurück und hat bis heute Bestand. Der wohl berühmteste Vertreter ist jedoch der SH-101, ein monophoner Synthesizer aus dem Jahr 1982, der zunächst bei Synth-Pop-Fans und später auch bei Techno-Heads beliebt war. Der SH-101 ist klein und aus Plastik, erschien in einer Reihe von lustigen Farben und man konnte ihn sich sogar umhängen – eben ein echter Punk-Synthesizer. Und er klingt viel besser, als er aussieht. Die Einfachheit des Signalwegs (ein VCO, ein einfaches Filter, ein VCA, eine Hüllkurve und ein LFO) kommt ihm zugute. Sie sorgt nicht nur für einen sauberen und kraftvollen Sound, sondern auch für eine einfache Bedienung. Dank seines Suboszillators hat sich der SH-101 einen Namen als Bass-Synthesizer gemacht, brilliert aber auch bei Leads. Stichwort Sequenzen: Der integrierte digitale Sequencer trägt entscheidend zum Charakter des Synthesizers bei.
Apropos Sequencer: 1983 schnitt Roland die Tasten des SH-101 ab, fügte einige Casio-ähnliche Buttons hinzu und nannte ihn MC-202. Dieser war zwar nicht so populär wie der 101, genießt heute aber einen hervorragenden Ruf als Acid-Box und flexiblere Alternative zur TB-303.
Den SH-101 gibt es als Nachbau von Behringer (MS-1 MKII); auch im Roland SH-01A und im SH-4d lebt er als Emulation weiter. Plugins gibt es u.a. von Roland, Softube, D16 Group und TAL Software. Die meisten sind bei Thomann* erhältlich.
Jeder braucht eine 303
Apropos Acid. Nur wenige Misserfolge in der Welt der Synthesizer waren so erfolgreich wie die TB-303. Dieser 1981 erstmals ausgelieferte und wenige Jahre später schon wieder eingestellte Mini-Synthesizer mit Sequencer war eigentlich als Bassline-Begleitung für Gitarristen gedacht (idealerweise in Kombination mit der ähnlich aussehenden TR-606 Drum-Machine).

Das funktionierte bekanntlich nicht so gut. Berühmt wurde die TB-303 erst, als sie von Techno-Produzenten in Chicago wiederentdeckt wurde, die auf der Suche nach billigem Equipment waren. Neben dem charakteristischen Sound mit dem pfeifenden Filter war es vor allem die seltsame Bedienung des Sequencers mit seinen Slides und Accents, die den Synthesizer zum perfekten psychedelischen Bassline-Generator machten. Kaum ein Synthesizer ist so sehr für die sprichwörtlichen „happy accidents“ berühmt wie die TB-303.
Da verwundert es nicht, dass der unscheinbare Bassline-Synthesizer zu den am häufigsten kopierten und emulierten Vintage-Gerätschaften gehört. Hardware gibt es von Roland, Behringer, Cyclone Analogic, Erica Synths und mehreren Indie-Herstellern. Software-Emulationen sind von Roland, Arturia, D16 Group, AudioRealism und weiteren Entwicklern erhältlich. Die meisten bekommst du bei Thomann*.
D-50 und JD-800: Die LA-Synthese-Ära
Um es frei nach Olivia Newton-John zu sagen: „Let’s get digital.“ Als Yamaha 1983 den DX7 auf den Markt warf, war plötzlich alles anders. Andere Hersteller mussten ganze Entwicklungsabteilungen aus dem Boden stampfen, um etwas zu finden, das auch nur ansatzweise konkurrieren konnte. Für Roland lag die Antwort auf einem anderen digitalen Weg als für Yamaha: Sampling.
Sampling an sich war in den späten 80er-Jahren nichts Neues – schon der 1979 erschienene Fairlight CMI hatte den Weg geebnet. Auch Roland selbst hatte 1986 seinen ersten Sampler, den S-50, vorgestellt. Basierend auf diesem Know-how entwickelte der Hersteller die LA-Synthese („Linear Arithmetic“). Der erste Synthesizer, der sich die neue Technik zunutze machte, war der 1987 erschienene D-50. Da Speicher noch sehr teuer war, wurde nur die Attack-Phase des Klangs mit kurzen PCM-Samples erzeugt. Den Rest übernahm dann digitale Synthese. So erzeugte der D-50 vollkommen neue und ungehörte Klänge mit erstaunlichem Realismus. Er wurde ein Riesenerfolg – wohl auch, weil er über einige der berühmtesten Presets aller Zeiten verfügte.
Den Roland D-50 gibt es als Emulation in der Roland Cloud (hier bei Thomann*).
Roland verfeinerte die LA-Synthese in den nächsten Jahren weiter, wobei der JD-800 hier den Höhepunkt darstellte. Anders als sein Vorgänger bot der JD-800 mit unzähligen Schiebereglern eine umfassende Echtzeit-Steuerung. Der Synthesizer arbeitete komplett digital und bot eine dem D-50 ähnliche Kombination aus Transienten-Samples und Synthese. Man konnte einzelne Sounds in bis zu vier Layern stapeln (oder auch separat über MIDI abspielen). Außerdem verfügte der JD-800 über eine für die damalige Zeit recht umfangreiche Multieffekt-Sektion.
2021 brachte Roland eine Emulation des JD-800 in Form des JD-08 in der Boutique-Serie heraus. Und natürlich gibt es auch diesen Synthesizer in der Roland Cloud. Beide Versionen bekommst du bei Thomann*.
JP-8000: „No one SAW it coming“
Die 1990er waren die Blütezeit der samplebasierten Workstations. Rolands „Cash Cow“ waren zu jener Zeit die Synthesizer der JV- und XV-Serien, die wegen ihres guten Sounds und ihrer Erweiterbarkeit geschätzt wurden und in unzähligen Studios und Live-Rigs zu finden waren. Zwei der beliebtesten Vertreter, den JV-1080 und den XV-5080, gibt es inzwischen in der Roland Cloud*.
Mitten in der PCM-Party brachte der Hersteller 1997 jedoch ein Instrument auf den Markt, das einen ganz anderen Weg einschlug und unerwartet großen Einfluss hatte: den JP-8000.
Mitte der 90er-Jahre hatten viele Produzenten elektronischer Dance-Musik die Nase voll von den grauen Workstations und wünschten sich wieder echte Synthesizer mit analogem Sound und entsprechender Bedienung. Zudem hatten die ersten Physical-Modeling-Synthesizer bereits gezeigt, wozu die DSP-Technik inzwischen in der Lage war. Da war der Weg zur virtuell-analogen Synthese nicht mehr weit, die statt physischer Klangkörper das Verhalten analoger Schaltkreise emuliert. Der JP-8000 war Teil der ersten Welle solcher Synthesizer, zu der auch Konkurrenten wie der Yamaha AN1X, Clavia Nord Lead, Access Virus A und Korg Prophecy / Z1 gehörten.

Mit seinen Multimode-Filtern, Effekten und vielen Bedienelementen passte der JP-8000 perfekt ins Konzept. Aber es war eine seiner Oszillatorschwingungsformen, die den Synthesizer quasi über Nacht zum Lieblingswerkzeug von Trance- und anderen Big-Room-Produzenten machte. Die legendäre Super Saw, die durch das Stapeln gegeneinander verstimmter Sägezahnschwingungen erzeugt wird, klang gigantisch und bohrte sich in die Gehörgänge einer ganzen Generation.
Paradoxerweise hat Roland ausgerechnet den JP-8000 noch nicht als Software-Synthesizer veröffentlicht, wobei auch die Software-Version des System-8 eine anständige Super Saw liefern kann. Eine Software-Emulation gibt es von Arturia; außerdem basiert der winzige Behringer JT-4000M Micro auf einer Emulation der JP-8000-Oszillatoren. Alle sind bei Thomann* erhältlich. Besonders gut klingt die kostenlose Software-Emulation JE-8086 von The Usual Suspects, die den Chip des JP-8000 bis ins Detail analysiert und virtuell nachgebaut haben. Hierfür musst du dir allerdings die Firmware des Original-Synthesizers selbst besorgen.
Aira, Boutique und ZEN-Core: Auffrischung, Miniaturisierung und Digitalisierung
Wie bei anderen Herstellern dreht sich auch bei Roland heute ein Großteil der Produktion um die Neuinterpretation älterer Instrumente. So hat der Hersteller viele seiner Klassiker, wie die TB-303, die legendären Drum-Machines sowie die Jupiter- und Juno-Serien, in der auf EDM ausgerichteten Aira-Reihe und der miniaturisierten Boutique-Linie neu aufgelegt. Dafür musste Roland auch Kritik einstecken: Anders als einige andere Hersteller setzten die Japaner bis vor Kurzem ausschließlich auf digitale Emulationen, womit einige Analog-Puristen nicht glücklich waren. Aber dem Unternehmen scheint es nicht geschadet zu haben.
Auch bei Plugins mischt Roland seit vielen Jahren mit. Die meisten großen Klassiker aus dem firmeneigenen Museum sind inzwischen als Software-Synthesizer erhältlich, viele davon haben wir in diesem Artikel bereits erwähnt. Zu dieser Reihe gehören auch Zenology, ein Software-Synthesizer, der Teil des von Roland als ZEN-Core bezeichneten Synthese-Ökosystems ist, und der „Super-Synthesizer“ Galaxias, der sämtliche Klassiker-Emulationen in einem leicht zugänglichen Instrument mit unzähligen Presets vereint. Auch aktuelle Hardware-Instrumente* wie Jupiter-X und Jupiter-Xm, den Juno-X, die Fantom-Reihe sowie die Grooveboxen MC-101 und MC-707 und mehr machen sich die ZEN-Core-Technologie zunutze.
Und auch die SH-Serie lebt weiter: Der SH-4d aus dem Jahr 2023 (hier bei Thomann*) führt die Linie 50 Jahre nach ihrem Debüt fort. Mit Emulationen von Oszillatoren des Juno-106 und SH-101, PCM-Samples aus der JV- und XV-Serie sowie neuen virtuellen Analog-, FM- und Wavetable-Engines enthält er ein bisschen von allem, was die Roland-Synthesizer der letzten Jahrzehnte ausgemacht hat.
Roland TR-1000: Back to Analog!

Hatte ich vorhin angekündigt, die Drum-Machines in diesem Artikel auszuklammern? Dann muss ich mir jetzt ausnahmsweise selbst widersprechen. Denn den Paukenschlag, mit dem Roland im Herbst 2025 alle überraschte, können wir hier unmöglich auslassen.
Nachdem der Hersteller viele Jahre lang ausschließlich auf digitale Emulationen seiner analogen Klassiker gesetzt hatte, kam die TR-1000 für viele völlig unerwartet. Denn die imposante Drum-Machine verfügt neben digitalen ACB- und FM-Sounds und einer kompletten Sampling-Engine auch über fast alle analogen Sounds der TR-808 und TR-909. Auch zwei analoge Effekte sind integriert, ebenso wie ein leistungsstarker Sequencer. Die TR-1000 (hier bei Thomann*) mag teuer sein, aber sie setzt ein Ausrufezeichen: Wenn schon analog, dann richtig! Ob Roland jetzt auch seine Synthesizer-Klassiker in analoger Form wieder aufleben lassen wird? Das weiß derzeit wohl nur der Hersteller selbst.
Infos über Roland
Videos über Roland
Hinweis: Im Original erschienen auf Gearnews.com von Adam Douglas. Übersetzung: Julian Schmauch. Überarbeitung und Ergänzung: Lasse Eilers
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