von Gastautor | Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten
Roland - Vom Ein-Mann-Betrieb zum Synthesizer-Gigant

Roland - Vom Ein-Mann-Betrieb zum Synthesizer-Gigant  ·  Quelle: Roland

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Von Mono-Synths zu Modularen, von Juno bis zu Jupiter: Die über fünfzigjährige Geschichte von Roland ist gespickt mit unzähligen legendären Synthesizern und Drum-Machines. 

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Die Geschichte der Roland Synthesizer

Ikutaro Kakehashi, in Osaka lebender Uhrmacher, gründete 1960 Ace-Tone. Und dieser Hersteller veröffentlichte 1964 mit dem R1 Rhythm Ace eine der ersten Drum-Machines überhaupt.

Nachdem Kakehashi die Firma für weiteres Unternehmenskapital mehrfach weiterverkaufte, stand er am Ende nur als Anteilseigner da. Er verließ Ace-Tone und gründete 1972 die Roland Corporation.

Roland steigt mit dem SH-1000 in den Synth-Ring

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Das erste Instrument von Roland auf dem Markt war dazu auch der erste Synthesizer der Firma. Der SH-100o kam 1973 auf den Markt und begründete damit die bis heute andauernde SH-Serie. Damals war es typisch für japanische Synths, klein und kompakt auf einer elektrischen Orgel angebracht zu werden. Daher waren viele der Regler und Buttons links und sogar unter dem Synth. Von den Funktionen her fast ein Hybrid aus ARP Pro Soloist und Moog Minimoog Model-D hatte der SH-1000 sowohl Slots für voreingestellte Sounds, als auch einen Bereich für eigene Sounds.

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Roland SH-1000

Roland SH-1000 · Quelle: Matrixsynth

Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass genau dieser Bereich für das manuelle Erstellen von Sounds den Erfolg des SH-1000 in seinem Heimatland verhinderten (Roland adressierte genau das mit dem Nachfolger SH-2000). Denn Synthesizer waren derart neu zu der damaligen Zeit, dass die meisten Musiker vor allem fertige Sounds (Presets) nutzen wollten, die sie verstehen konnten.

Für abenteuerlustigen Anwender bot der SH-1000 mehrere „Oszillator Feet“, die gestapelt werden konnten (dank der orgelähnlichen Divide-Down-Technologie), ein Moog-ähnliches Ladder-Filter, ADSR-Hüllkurven und zwei LFOs sowie rosa und weißes Rauschen. Hut ab vor Kakehashi, dass er so früh bereits so fortschrittlich gedacht hat.

System 100, 100m und 700: Die modulare Geschichte von Roland

Aber auch bei experimentelleren Synthesizern ließ Roland nicht lange auf sich waren. Nach den monopnonen Synthesizern SH-3, SH-3A und SH-5 (1973 bis 1975) kamen 1976 zwei riesige Modularsysteme auf den Markt und ein drittes folgte 1979.

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Das erste war das System-100, ein semi-modulares Monosynth-Paket. Darin steckten bei Erstveröffentlichung der Model-101-Keyboard-Synthesizer, der Model-102-Expander, der Model-103-Mixer mit eingebautem Federhall, der Model-104-Step-Sequencer und die Model-109-Lautsprecher. Das System-100 glich eher einem Flugzeug-Cockpit und klang absolut gigantisch. Der Modular-Synth war ein echter Meilenstein für Roland und auch für analoge Synthesizer im Allgemeinen.

Roland System-100

Roland System-100 · Quelle: Wikipedia

Aber der japanische Hersteller stand erst am Anfang. Denn im selben Jahr wurde auch das System-700 vorgestellt, ein vollwertiges modulares System. Ein komplettes System-700 umfasste neun Oszillatoren, vier Filter, fünf VCAs, vier Hüllkurven, drei LFOs, einen Mixer, einen Sequencer sowie Delay und Phaser. Doch preislich lag der System-700 in der Liga von einer Luxuslimousine. Daher wurden nur wenige Exemplare verkauft.

Roland veröffentlichte dazu 1979 mit dem System-100M einen etwas erschwinglicheren (aber beim besten Willen nicht billigen) Cabinet-Synthesizer mit einer Vielzahl von verfügbaren Modulen. Dazu gehörten die Standardmodule 112 mit zwei Oszillatoren, 121 mit zwei Filtern, 130 mit zwei VCAs, 140 mit zwei Hüllkurven und LFOs und 150 mit Ringmod, Rauschen und S&H. Außerdem gab es das 110, eine Kombination aus VCO, VCF und VCA. Die Veröffentlichung von Modulen wurde bis 1983 fortgesetzt. Dazu gab es Keyboards und Aktivboxen. Das System-100M ist dank seines hervorragenden Klangs und seiner Funktionalität auch heute noch sehr gefragt.

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Roland System-1m
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Vom JP-4 zum Alpha 1: Jupiters und Junos

Ende der 1970er-Jahre änderten sich die Zeiten für Synthesizer. Obwohl die Firma bereits seit einigen Jahren mit einer Reihe exzellenter Produkte immer wieder für Furore sorgte, war es an der Zeit, in neue Bereich hervorzustoßen. Die Japaner begannen polyphone Synthesizer zu entwickeln.

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Rolands erstes richtiges polyphones Instrument (sieht man von den String Machines ab) war der vierstimmige Jupiter-4 (auch bekannt als JP-4). Benannt nach dem König der römischen Götter, sollte dies ein Name werden, der Roland endgültige in der Geschichte der elektronischen Musik verankern würde. Allerdings konnte der JP-4 mit nur einem einzigen Oszillator pro Stimme, einer kurz geratenen Vier-Oktaven-Tastatur und seinem Orgel-Aufbau-Design nicht wirklich mit den großen amerikanischen Jungs zu konkurrieren.

Der Jupiter im Aufwind

Der Nachfolge Jupiter-8 hingegen spielte da in einer anderen Liga. Das 1981 vorgestellte achtstimmige Polybeast hatte alles, was der anspruchsvolle Synthesizer-Fan sich wünschte. So brachte der JP-8 zwei Oszillatoren pro Stimme, ein umschaltbares 12 dB/Okt. und 24 dB/Okt. Filter, Oszillator-Synchronisation und Cross-Modulation mit. Dazu konnte man die Tastatur auch splitten und dem oberen und unteren Bereich unterschiedliche Patches zuweisen. Aber der JP-8 war nicht nur für seine technischen Daten, sondern auch für seinen Klang bekannt – vor allem klang der Synth einfach in jeder Situation gut. Er wurde zu einem Grundnahrungsmittel im Studio und landete in mehr berühmten Aufnahmesessions als Kokain.

Roland Jupiter-8

Roland Jupiter-8 · Quelle: Wikipedia

Anschließend wurde Jupiter-Reihe mit dem Jupiter-6 fortgesetzt, einem „erschwinglichen“ Jupiter. Dieser war in späteren Jahren bei Produzenten elektronischer Tanzmusik äußerst beliebt. Dazu kam das MKS-80 Super Jupiter-Modul. Kombiniert mit dem optionalen MPG80-Programmiergerät hatte man hier einen analogen Poly-Synth in einem Gehäuse von Rackmount-Größe, was eine echte Besonderheit war.

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Wenn Jupiter der König  der Roland-Synth war, dann war Juno die Königin. Die sechsstimmigen Poly-Synths der Juno-Serie sind fast so berühmt wie die Jupiters, aber dank des niedrigeren Preises weiter verbreitet . Häufig genießen die Junos unter Anhängern eine Loyalität und Verehrung, die normalerweise Feudalherren oder K-Pop-Bands vorbehalten ist. Der erste  der Serie war 1982 der Juno-6 (im selben Jahr folgte außerdem der Juno-60 mit Preset-Funktionalität). Der Signalweg war absolute Roland-Schnörkellosigkeit: ein einzelner Oszillator, ein resonanzfreies Hochpass-Filter, gefolgt von einem sanften 24 dB/Okt. Tiefpass-Filter, eine Hüllkurve und ein LFO, dazu ein üppiger Chorus.

Roland Juno-60

Roland Juno-60 · Quelle: Wikipedia

Beim Oszillator gab es jedoch eine echte Besonderheit: Hier war kein VCO, sondern ein DCO, ein digital gesteuerter Oszillator, verbaut. Das bedeutet, dass ein Chip in den Oszillatorschaltkreis eingebaut wurde, der dessen Frequenz präzise steuerte. Das resultierte in einem sauberen und extrem stabilen Klang führte. Außerdem brachte Roland in den 80er-Jahren weitere Instrumente mit dem Namen Juno heraus. Unter anderem war der MIDI-fähigen Juno-106 dabei, die rauschenden Alpha Juno 1 und 2 (beide 1985) und das MKS-7 Super Quartet (1986). Und das enthielt das drei Juno-106-ähnliche Synthesizer-Sektionen und zusätzlich TR-707-Drum-Sounds.

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Roland Juno-DS 61
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SH-101, MC-202, TB-303: Die nummerierte Geschichte von Roland

Kaum eine Serie an elektronischen Instrumenten lässt die Herzen von Electronic Music Producern schlagen als die Nummernserie, die x0x-Maschinen, die Roland in den 1980er-Jahren herausbrachte. Da wir uns in diesem Artikel aber auf Synthesizer und nicht auf Drum-Machines konzentrieren, überspringen wir die höheren Zahlen (606, 707, 808 und 909) und gehen direkt zum ersten Synth, dem SH-101.

Der SH-Name ist ein Markenzeichen von Roland, das bis heute Bestand hat. Einer der berühmtesten ist der SH-101, ein Monosynth aus dem Jahr 1982, der zunächst bei Synth-Pop-Fans und später bei auch Techno-Heads beliebt war. Der SH-101 ist klein und aus Plastik und wurde in einer Reihe von lustigen Farben herausgebracht. Er ist die Art von Instrument, die viel besser klingt, als sie es eigentlich aussieht. Die Einfachheit des Signalwegs (ein VCO-Oszillator, ein einfaches Filter, ein VCA und ein LFO) kommt ihm zugute. Sie sorgt für einen sauberen und kraftvollen Sound. Dank seiner Suboszillator-Optionen und dem integrierten digitalen Sequencer, ist er besonders für die knackige Bass-Sounds geeignet.

Roland SH-101

Roland SH-101 · Quelle: Wikipedia

Apropos Sequencer: 1983 schnitt Roland die Tasten des SH-101 ab, fügte einige Casio-ähnliche Buttons hinzu und nannte ihn MC-202. Dieser war zwar nicht so populär wie der 101, aber wenn man eine weitere Acid-Box brauchte, konnte man schlechtere Synths erwerben.

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Roland SH-01A grey
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Jeder braucht eine 303

Apropos Acid. Nur wenige Misserfolge in der Welt der Synthesizer waren so erfolgreich wie die TB-303. Dieses 1981 erstmals ausgelieferte und wenige Jahre später schon  wieder eingestellte Paket aus Mini-Monosynth und Sequencer war eigentlich als Bassline-Begleitung für Gitarristen gedacht (idealerweise in Kombination mit der ähnlich aussehenden TR-606 Drum-Machine).

Roland TB-303

Roland TB-303 · Quelle: Wikipedia

Aber noch viel berühmter wurde er jedoch durch Techno-Produzenten in Chicago, die auf der Suche nach billigem Equipment waren. Indem sie sich auf seinen extrem veränderbaren Sound und seinen seltsamen Slide- und Accent-Sequencer konzentrierten, machten die Producer ihn zum perfekten psychedelischen Bassline-Generator.

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D-50 und JD-800: Die LA-Synthese-Ära

Um es frei nach Olivia Newton-John zu sagen: „Let’s get digital.“ In den Achtzigern veränderte Yamahas DX7 mit seiner FM-Synthese alles. Andere Hersteller mussten ganze Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in den Boden stampfen, um etwas zu finden, das ansatzweise konkurrieren konnte. Für Roland lag die Antwort auf einem anderen digitalen Weg als für Yamaha: Sampling.

Roland D-50

Roland D-50 · Quelle: iixorbiusii, Public domain, via Wikimedia Commons

Sampling an sich war in den späten 80er-Jahren nichts Neues. Denn Fairlight hatte bereits 1979 mit seinem CMI den ersten großen Sampling-Hit gelandet. Auch Roland selbst stellte 1986 seinen ersten Sampler, den S-50, vor. Basierend auf diesem Know-how entwickelte der Hersteller die „Linear Arithmetic“ (LA) Synthese. Diese war Basis des 987 veröffentlichten D-50. Das schlanke, schwarze Monster erzeugte vollkommen neue und ungehörte Klänge mit erstaunlichem Realismus. Der Schlüssel dazu war der Attack-Teil des Klangs, der mit Hilfe eines kurzen PCM-Samples erzeugt wurde. Das Gerät war ein Riesenerfolg und stellte selbst Yamahas FM-Bestrebungen in den Schatten.

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Roland verfeinerte die LA-Synthese in den nächsten Jahren weiter, wobei der JD-800 hier den Höhepunkt darstellte. Der JD-800 war mit Schiebereglern vollgestopft und sollte Echtzeit-Kontrolle ohne Verzögerung ermöglichen. Der Synth arbeitete komplett digital und bot eine dem D-50 ähnliche Kombination aus Transienten-Samples und VA-Synthese. Man konnte einzelne Sounds in bis zu vier Layern stapeln (oder auch separat über MIDI abspielen). Außerdem verfügte der JD-800 über eine für die damalige Zeit recht umfangreiche Multieffekt-Sektion. Abgesehen von einigen namhaften Musikern und Produzenten hielt jedoch der hohe Preis viele Musiker davon ab.

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JP-8000: „No one SAW it coming“

Roland setzte die Entwicklung von Sample und Synthese fort. Hier war in späteren Jahren die JV-Serie besonders beliebt. Doch mitten in der PCM-Party brachte der Hersteller 1997 ein Instrument auf den Markt, das einen unerwartet großen Einfluss hatte: den JP-8000. Im Nachhinein ist man immer schlauer, sagt man, und aus der Sicht des 21. Jahrhunderts ist es leicht zu erkennen, dass der JP-8000 genau zum richtigen Zeitpunkt erschien. Analoge Tanzmusik wurde mehr und mehr zum Mainstream und die damals vorherrschende Physical-Modeling-Technologie führte direkt zur virtuellen Analogsynthese. Die Zeit war reif für eine digitalere Version der Vintage-Synthese.

Roland JP-8000

Roland JP-8000 · Quelle: Wikipedia

Mit 12 dB und 24 dB/Okt. Multimode-Filtern (natürlich digital), Chorus und Delay (ebenfalls digital) und vielen praktischen Bedienelementen passte der JP-8000 perfekt ins Konzept. Aber es war eine seiner digitalen Oszillatorschwingungsformen, die Super Saw, die den JP-8000 zu einem unverzichtbaren Instrument für Trance- und andere Big-Room-Produzenten machte. Die Super Saw, die durch das Stapeln verstimmter Sägezahnschwingungen erzeugt wird, klang gigantisch und hat sich fast schon zu einem eigenen Standardsound entwickelt.

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Aira, Boutique und ZEN-Core: Auffrischung, Miniaturisierung und Digitalisierung

Wie bei anderen Herstellern dreht sich auch bei Roland heute ein Großteil der Produktion um die Neuinterpretation älterer Instrumente. So hat der Hersteller viele seiner Klassiker, wie die TB-303, in der auf EDM ausgerichteten Aira-Reihe und der miniaturisierten Boutique-Linie neu aufgelegt. Analog-Puristen sind mit dieser digitale Neuerfindung meist nicht sehr glücklich. Aber dem Unternehmen scheint es nicht geschadet zu haben.

Die Aira-Serie

Die Aira-Serie · Quelle: Roland

Auch bei Plugins mischt Roland seit einigen Jahren mit. Die Japaner bieten eine Vielzahl viele ihrer berühmtesten Instrumente als Soft-Synths für DAWs an. Zu dieser Reihe gehört nun auch Zenology, ein neuentwickeltes Plugin, das Teil des von Roland als ZEN-Core bezeichneten Synthese-Ökosystems ist. Dieses umfasst Software und Hardware wie den Jupiter-X und Jupiter-Xm, den Juno-X, die Fantom-Reihe, MC-101 und MC-707 und mehr.

Sh4D Synth

SH-4D Synth · Quelle: Roland

Der jüngste Synthesizer von Roland, der SH-4d aus dem Jahr 2023, führt die SH-Linie 50 Jahre nach ihrem Debüt fort. Mit Emulationen von Oszillatoren des Juno-106 und SH-101, PCM-Samples aus der JV- und XV-Serie sowie neuen virtuellen Analog-, FM- und Wavetable-Engines enthält er ein wenig von allem, was Roland-Synthesizer aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ausmacht.

Im Original erschienen auf Gearnews.com von Adam Douglas. 

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