von Jan Rotring | Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten
Der Unterschied zwischen Boost, Overdrive, Distortion und Fuzz

Der Unterschied zwischen Boost, Overdrive, Distortion und Fuzz  ·  Quelle: Eugene Sergeev / Alamy Stock Foto

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E-Gitarre ohne Zerre? Absolut undenkbar. Doch gerade im Bereich der Verzerrungseffekte gibt es zahlreiche Pedale, die drastisch auf den Sound deines Instruments einwirken. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen Distortion, Overdrive, Fuzz und Boost? Nur wenn du die Feinheiten der jeweiligen Zerren kennst, kannst du sie bewusst einsetzen. Und so DEINEN Sound bauen. In diesem Artikel schauen wir daher auf den Unterschied zwischen Overdrive und Distortion, betrachten die Besonderheiten von Boost und Fuzz und bringen so ein wenig Licht ins Dunkel dieser Effektgeräte. Viel Spaß!

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Die Verzerrung ist als Effekt nicht mehr aus der modernen Gitarrenmusik wegzudenken. Ob Blues-Rock oder Death-Metal — irgendeine Art der Verzerrung ist immer mit an Bord. Doch nicht alle Verzerrungseffekte sind gleich. Während etwa ein Overdrive-Pedal eher eine sanfte Sättigung erzeugt (vergleiche auch: Faszination Röhrenverstärker), sorgt ein Distortion-Pedal für eine intensive, aggressive Verzerrung. Ein Boost-Pedal hingegen hebt hauptsächlich die Lautstärke des Signals an, ohne den ursprünglichen Klang allzu stark zu verändern. Und ein Fuzz-Pedal schließlich liefert die extremste Form der Verzerrung, oft mit einem sehr charakteristischen, knarrenden Sound.

Und so ist schnell klar, dass die Wahl des richtigen Pedals den Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Gitarrensound ausmacht. 

Technische Unterschiede zwischen Distortion, Overdrive, Fuzz und Co.

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Um den Unterschied zwischen Overdrive, Distortion, Fuzz und Boost vernünftig zu erklären, müssen wir zunächst auf die physikalischen Grundlagen der Verzerrung eingehen. Keine Sorge, das geht wie immer ohne Physikstudium.

Das, was wir als Musiker unter dem Begriff Verzerrung verstehen, ist im Grunde ein Audio-Signal, das über den maximalen Bereich eines Verstärkers hinaus angehoben wird. Dieses Anheben führt dazu, dass die Spitzen und Täler der Wellenform (also des übertragenen Signals) abgeschnitten werden. Man spricht auch von „Clipping“. 

Im Grunde ist also Verzerrung zunächst einmal eine Signalüberlastung, die sich auf unterschiedliche Weisen erreichen lässt. 

Signalfluss und Clipping bei Distortion, Overdrive und Fuzz

Das beschriebene Clipping unterteilen wir in zwei Kategorien: weiches und hartes Clipping (im Englischen dann eben „hard“ oder „soft“). 

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Soft Clipping, das meist bei Overdrive-Pedalen verwendet wird, schneidet die Spitzen der Wellenform eher sanft ab, um einen wärmeren und natürlichen Sound zu erreichen. Diese Herangehensweise emuliert den Effekt von Endstufenröhren in einem Verstärker, die bei hohen Lautstärken übersteuern. Die entstehenden Obertöne nehmen unsere Ohren als harmonisch und „natürlich“ wahr. 

Hard Clipping hingegen ist typisch für Distortion-Pedale und schneidet die Wellenform des Signals drastischer ab. So entstehen sehr viele Obertöne mit einer dichteren Klangstruktur. Durch das harte Abschneiden des Signals entstehen härtere, sterilere Verzerrungen, was besonders in härteren Musikgenres wie Metal und Hard Rock beliebt ist: Druckvoller, durchsetzungsfähiger und metallischer Sound ist die Folge eines gut eingestellten Distortion-Pedals. 

Ganz extrem wird’s dann bei Fuzz-Pedalen. Im Gegensatz zu Overdrive und Distortion arbeitet Fuzz im Signalfluss mit einer annähernd rechteckigen Kurve — entsprechend hart und rau ist der Sound nach dem extremen Clipping.

Die Rolle von (Röhren-) Verstärkern in der Verzerrung

Für "echten" Overdrive verantwortlich: Röhren
Für „echten“ Overdrive verantwortlich: Röhren · Quelle: f:nalinframe / Alamy Stock Foto

Ganz abseits von Effektgeräten spielen Verstärker eine besondere Rolle bei der Erzeugung von Verzerrung. Röhrenverstärker faszinieren uns Gitarristen bekanntlich für ihre Fähigkeit, bei hohen Lautstärken eine angenehme Übersteuerung zu fahren. Die Röhren im Verstärker beginnen bei hoher Spannung zu “sättigen”, also in ihren Grenzbereich gefahren zu werden — daher auch die Bezeichnung Overdrive.

Moderne Transistorverstärker hingegen neigen dazu, ein härteres, weniger harmonisches Clipping zu erzeugen, was klanglich mehr in Richtung Distortion geht. Bevor hier aber der klassische Streit „Röhre vs. Transistor“ entbrennt, schnell eine Klarstellung: Die Zeiten von grätig klingenden Transistor-Amps mit Todes-Clipping sind lange vorbei. 

Unterschiedliche Zerren vorgestellt: Boost-Pedale

Boost-Pedale sind die grundlegendste Form der Gain-basierten Effekte. Ihr Hauptzweck ist es, das Signal eines Instruments anzuheben, ohne in dessen Klangcharakteristik einzugreifen. Ein Booster wird dabei auf verschiedene Weise (und an unterschiedlichen Stellen im Signalweg) genutzt. So lässt sich etwa die Lautstärke für das große Solo anheben oder dem etwas zu zahmen Amp zusätzlich unter die Arme greifen. 

Der Einsatz von Boostern ist im Gegensatz zu anderen Gain-basierten Effekten meist sehr zurückhaltend und lässt sich auch im Live- und Studio-Einsatz sehr gut nutzen. Live ist eine spontane Anhebung der eigenen Lautstärke möglich, die zusätzlichen Punch und Durchsetzungskraft bringt. Im Studio lassen sich dagegen „leblose“ Sounds mit ein wenig Wärme und Spritzigkeit aufwerten — der harmonischen Verzerrung sei Dank.

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Overdrive: Natürlich und warm im Unterschied zu Distortion und Fuzz

Overdrive-User: Malcolm Young
Overdrive-User: Malcolm Young · Quelle: Samantha Ohlsen / Alamy Stock Foto

Overdrive-Pedale sind dafür bekannt, den Klang eines übersteuerten Röhrenverstärkers zu emulieren und bieten eine sanfte, harmonische Verzerrung, die den Grundton der Gitarre bewahrt. Man denke an fette, hölzerne und trockene AC/DC Riffs à la „Highway To Hell“. 

Während der Purist den „echten“ Overdrive Sound nur aus übersteuerten Endstufenröhren akzeptiert, arbeitet ein Overdrive-Pedal mittels weichem Clipping. Der große Vorteil ist dabei, die unpraktischen Aspekte eines Röhrenamps aus der Welt zu schaffen — allen voran die Lautstärke, die für ein „echtes“ Overdrive notwendig ist. 

Im Unterschied zu Distortion und Fuzz ist Overdrive dadurch reicher an harmonischen Obertönen und wirkt auf das menschliche Gehör natürlicher und wärmer, ohne an Durchsetzungskraft zu verlieren. Gleichzeitig ist die dynamische Kontrolle durch ein Overdrive-Pedal jederzeit gegeben. Der Effekt reagiert sehr gut auf Dynamikwechsel im Spiel des Gitarristen und verhält sich auch im Zusammenspiel mit Tone- und Lautstärkepoti recht natürlich. 

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Distortion im Unterschied zu Overdrive, Boost und Fuzz

Distortion - im Metal nicht ersatzbar: Kirk Hammett
Distortion – im Metal nicht ersetzbar: Kirk Hammett · Quelle: Robert Hoetink / Alamy Stock Foto

Kräftiger und aggressiver Klang statt natürlichen und weichen Sounds? Keine Bange, hier kommen die Distortion-Pedale. Sie erzeugen eine stärkere Verzerrung durch hartes Clipping (siehe oben), was sie zum go-to Effektpedal für Metal-Gitarristen macht.

Doch auch abseits vom vollen Metal-Brett machen Distortion-Pedale Overdrive und Fuzz ganz klar Konkurrenz — oder ergänzen sie zumindest. Gerade in Kombination mit cleanen Amps spielen Distortion-Pedale hervorragend: Ohne den Amp in die Sättigung treiben zu müssen, lassen sich konsistente und kontrollierte Verzerrungen basteln. 

Und auch die Anpassung des Gesamtklangs ist mit einem Distortion-Pedal eher möglich: Während Overdrive und Boost die Charakteristiken des jeweiligen Instrumentes übernehmen und teilweise noch verstärken, lässt sich mit einem hart eingestellten Distortion-Pedal aus beinahe jeder Klampfe eine waschechte Axt machen — oder eben für andere Sound-Experimente nutzen.

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Fuzz-Pedale

Meister des Fuzz: Jimi Hendrix
Meister des Fuzz: Jimi Hendrix · Quelle: Philippe Gras / Alamy Stock Foto

Fuzz-Pedale bieten die extremste Form des Clippings (und damit der Verzerrung) und sind bekannt für ihren einzigartigen Sound. Denk an Jimi Hendrix in „Purzle Haze“ — besonders gut zu hören ab der zweiten Minute des Songs. 

Fuzz war und ist ein wesentlicher Bestandteil des Sounds vieler Genres wie Psychedelic Rock und auch in der experimentellen Musik beliebt. Fuzz-Pedale erzeugen eine intensive, beinahe synthetische Verzerrung, die das Gitarrensignal stark transformiert. Doch seien wir ehrlich, Fuzz ist im Gegensatz zu Overdrive und Distortion eher ein „acquired Taste“: Bei mir macht sich stets das einigermaßen besorgte Gefühl breit, dass die Lautsprechermembran sich zerlegt hat. 

Fuzz-Pedale arbeiten technisch betrachtet mit einer sehr intensiven Form des Clippings, bei der das Signal so stark verzerrt wird, dass es optisch einer Rechteckschwingung gleicht. Während Overdrive und Distortion die Wellenform des Signals in unterschiedlichen Graden abschneiden, transformiert ein Fuzz das Signal beinahe vollständig.

Durch diesen harten Eingriff lassen sich Fuzz-Pedale jedoch hervorragen für eine breite Palette an Sounds nutzen: Von einer warmen Hendrix-Zerre bis zu Synthesizer-ähnlichen Klängen ist viel mehr möglich, als der Überbegriff „Zerre“ vermuten ließe.

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Gemeinsam trotz Unterschiede — Distortion, Overdrive, Fuzz und Boost kombinieren

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Zerre ist nicht gleich Zerre, ok. Doch auch wenn (oder eben weil) es große Unterschiede zwischen Booster, Overdrive, Distortion und Fuzz gibt, lassen sich die Zerren gut miteinander kombinieren.

Die Reihenfolge, in der Pedale auf deinem Pedalboard angeordnet sind, spielt eine entscheidende Rolle für die möglichen Sounds. 

Die übliche Reihenfolge für die betrachteten Gain-basierten Pedale lautet: Boost -> Overdrive -> Distortion -> Fuzz. Diese Reihenfolge soll den einzelnen Effekten ermöglichen, die eigenen klanglichen Eigenschaften beizubehalten und dabei mit den anderen Pedalen zusammenzuarbeiten. Und nein, es ist natürlich nicht verboten, diese Reihenfolge zu verändern. Experimentieren ist ausdrücklich erwünscht!

  • Boost vor Overdrive: Vor dem Eingang eines ebenfalls aktivierten Overdrives platziert, sorgt ein Boost-Pedal für eine stärkere und „fettere“ Verzerrung. Im Optimalfall verbinden wir die Vorteile beider Pedale und der fette, warme Overdrive-Sound habt sich zusätzlich ab, ohne aber den Charakter des Instruments oder des Pedals großartig zu beeinflussen. 
  • Overdrive vor Distortion: Wird ein Overdrive vor der Distortion aktiviert, wird’s schnell massiv und schwammig. Doch richtig eingesetzt (Volume und Drive sorgsam verwenden) lassen sich mithilfe des Overdrives Distortion-Sounds subtil formen und mit zusätzliche harmonischen Inhalte füllen. Einfach mal testen!
  • Distortion vor Fuzz: Spätestens jetzt betreten wir experimentellen Grund und Boden. Da Fuzz-Pedale bereits eine sehr starke und charakteristische Verzerrung erzeugen, kann ein davor platziertes Distortion-Pedals helfen, den Klang zu definieren und zu fokussieren. Durchsetzungskraft ist dann kein Problem mehr. Schwer ist es jedoch, die Kombination aus beiden Effekten klar und knackig zu modulieren. 

Fazit

Ob Distortion, Overdrive oder Fuzz, Verzerrungseffekte sind ein wesentlicher Bestandteil des Gitarrensounds und bieten innerhalb ihrer Nische eine immense Vielfalt. Den Unterschied zwischen Overdrive, Distortion, Fuzz und Boost zu verstehen, ist dabei entscheidend, um das Beste aus diesen Effekten herauszuholen. Gerade in der Kombination unterschiedlicher Gain-basierter Effekte liegen eine ganze Reihe von Optionen und Möglichkeiten. 

Dabei ist die Marktlage beinahe unüberschaubar. Jeder Effekthersteller, der etwas auf sich hält, bietet Overdrive, Distortion oder Fuzz an — in zig Variationen. Um euch ein wenig Orientierung zu bieten, haben wir euch einige besonders gute (und bei mir abwechselnd auf dem Board befindliche) Effekte verlinkt — schaut doch mal rein!

Videos zu Boost, Overdrive, Distortion und Fuzz

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Noch mehr Infos

  • Tipps für Gain-Staging: Wampler Pedals
  • Overdrive, Distortion und Fuzz in Kombination: Dunlop
  • Mehr zu unterschiedlichen Effekten: Bonedo
  • Gain-Effekte kaufen: Thomann

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