von Lasse Eilers | Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten | Unsere Wertung: 4,0 / 5,0
Angecheckt: Expressive E Imagine

Angecheckt: Expressive E Imagine  ·  Quelle: Gearnews

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Mit Imagine präsentierten Expressive E und Applied Acoustics Systems (AAS) vor Kurzem ein Software-Instrument, das durch Physical Modeling die Klangeigenschaften verschiedener Klangkörper nachbildet und mittels einer ausgefuchsten Modulations-Engine ausdrucksstark spielbar macht. Wir haben Imagine angecheckt.

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Expressive E Imagine

Wenn sich Experten für Physical Modeling (AAS) und expressive Steuerung (Expressive E) zusammentun, stehen die Chancen gut, dass dabei ein außergewöhnliches Instrument herauskommt. Dementsprechend gespannt war ich, während ich Imagine herunterlud und mittels des iLok License Managers aktivierte.

Schon der erste Blick auf die Bedienoberfläche verrät, dass Imagine kein gewöhnlicher Software-Synthesizer ist. Statt Begriffen wie Cutoff, Resonance und LFO findet man Regler namens Shine, Impact, Grains, Position und Color. Zudem ändert sich die Oberfläche je nach gewähltem Preset. Damit man weiß, woran man dreht, lohnt es sich also, sich mit der Struktur der Klangerzeugung vertraut zu machen.

Expressive E Imagine

Imagine ermöglicht es, verschiedene Klangkörper zu kombinieren · Quelle: Gearnews

Klangerzeugung

Ein Imagine-Sound besteht aus bis zu zwei Schichten (Layers), die jeweils die linke bzw. die rechte Hälfte der Oberfläche einnehmen. Jeder Layer enthält wiederum eine Kombination aus zwei akustischen Körpern, die auf drei verschiedene Weisen zum Klingen angeregt werden können.

Die vier verfügbaren Klangkörper sind Tubes (Röhren), Bars (Stäbe), Skin (Haut, Fell) und Strings (Saiten). Als Erreger (Excitator) gibt es Mallet (Schlägel), Noise (Rauschen) und Sequence. Daraus lassen sich beliebige Kombinationen bilden, wobei man für jede mögliche Kombination aus einer Reihe vorgefertigter „Instrumente“ wählen kann. Man kann also beispielsweise Röhren mit einem Trommelfell kombinieren und das Ergebnis durch Draufschlagen zum Klingen bringen. Oder man verbindet Klangstäbe mit Saiten und nutzt Rauschen zur Anregung.

Je nach gewähltem Excitator verändern sich die einstellbaren Parameter. So kann man bei Mallet-Sounds die Schlagposition und das Hammer- bzw. Schlägelmaterial wählen und mit Shine und Mute Einfluss auf die Filterung und Dämpfung nehmen. Bei durch Rauschen angeregten Sounds bestimmen Color und Resonance die Klangfarbe, während Grain das Rauschen in zufällig auftreffende Partikel zerlegt. Außerdem lässt sich das Rauschen durch einen vielseitigen LFO modulieren. Bei Sequence-Sounds wiederum stehen zwei separate Arpeggiatoren zur Verfügung, die sich miteinander verknüpfen lassen. Mit zwei Timbre-Reglern und einem Randomizer nimmt man auf die Klangfarbe Einfluss.

Expressive E Imagine

Die Effektsektion lässt sich komplett modulieren · Quelle: Gearnews

Für beide Layer gemeinsam gibt es darüber hinaus eine umfangreiche Effektsektion. Neben Vibrato, Frequency Shifter, EQ, Kompressor, Delay und Reverb stehen zwei sogenannte „Expressive FX“ zur Verfügung. Das sind Multieffekte, die von verschiedenen Filtern über Chorus, Tremolo und Auto-Pan bis hin zu Distortion und Ringmodulation eine Vielzahl von Möglichkeiten bieten, kreativ in den Klang einzugreifen. Umfangreiche Modulationsmöglichkeiten erwecken die Effekte zum Leben, doch dazu gleich mehr.

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Dass diese Struktur viele interessante und einzigartige Klänge hervorbringt, überrascht nicht. Die vier zugrundeliegenden physikalischen Modelle vermitteln eine Vorstellung davon, in welche Richtung die Klänge gehen, sind aber nur der Anfang. Wie einige andere Physical-Modeling-Synthesizer mit Modellen von Schlag- und Saiteninstrumenten liefert Imagine eine große Vielfalt perkussiver Instrumente, glockiger Klänge, harfen- und gitarrenähnlicher Sounds und fetter, organischer Bässe. Zugleich begegnen einem beim „Preset-Jogging“ aber auch sphärische Pads, komplexe Sequenzen, vielschichtige Drones und Effekte. Sie entstehen zum Einen durch die verschiedenen Möglichkeiten, die Modelle anzuregen (Excitators) und zum Anderen durch die sehr weitreichenden Modulationsmöglichkeiten, die entscheidend zum Charakter des Software-Instruments beitragen.

Modulation

Alle Parameter der Klangerzeugung und der Effekte lassen sich modulieren. Dazu dient die Modulations-Engine, die im unteren Bereich des Plug-in-Fensters zu finden ist. Und auch hier verlässt Imagine die ausgetretenen Pfade.

Statt mehrerer LFOs und Hüllkurven gibt es vier Makro-Regler, die sich jeweils mehreren (oder allen) Parametern zuweisen lassen. Das funktioniert ganz einfach, indem man das kleine Plus-Symbol beim jeweiligen Makro anklickt und dann auf der Bedienoberfläche die gewünschten Modulationen in der gewünschten Stärke vornimmt. Ein weiterer Klick auf das Plus-Symbol beendet den Vorgang.

Pro Makro steht darüber hinaus eine extrem vielseitige Multi-Stage-Hüllkurve zur Verfügung. Diese kann in vier verschiedenen Modi operieren (Manual, Loop, Loop+One-Shot und One-Shot). Mit einer Palette aus vorgefertigten Formen und durch Zeichnen mit der Maus kann man äußerst komplexe Verläufe erstellen. Zusammen mit den Loop-Funktionen bedeutet das, dass die Hüllkurven auch als eine Art Luxus-LFO und sogar als Sequencer genutzt werden können.

Expressive E Imagine

Die Multi-Stage-Envelopes sind extrem vielseitig · Quelle: Gearnews

Die Modulations-Engine trägt eindeutig die Handschrift von Expressive E, die ja vor allem für den innovativen Controller Touché und den ausdrucksstarken MPE-Synthesizer Osmose bekannt sind. Es geht weniger darum, viele verschiedene Parameter durch viele verschiedene LFOs oder Hüllkurven zu steuern. Vielmehr liegt der Fokus darauf, die komplexen Prozesse der Klangerzeugung durch wenige Makros auf eine musikalische Weise zu beeinflussen, wobei ein einziger Makro-Regler eine Vielzahl von Dingen gleichzeitig bewirken kann. Das führt zu organischen Klangveränderungen, die bisweilen fast „fühlbar“ sind.

Am stärksten ist Imagine deshalb, wenn man den Software-Synth mit einem MIDI-Controller kombiniert, der eine intuitive und möglichst gleichzeitige Steuerung der vier Makros ermöglicht. Beim Spielen der Sounds wünscht man sich sofort einen Controller „zum Anfassen“, wie zum Beispiel Touché. Herkömmliche Drehregler, Räder und Aftertouch funktionieren natürlich auch, und die Zuweisung ist dank der intuitiven MIDI-Learn-Funktion sehr einfach. Obwohl ich selbst leider keinen Touché oder Osmose besitze, bin ich mir aber sicher, dass solche innovativen Controller die ohnehin schon beeindruckende Expressivität des Software-Instruments noch erheblich steigern.

Fazit

Bei Expressive E Imagine ist der Name Programm: Mit der vielseitigen Physical-Modeling-Engine des zusammen mit Applied Acoustics Systems entwickelten Software-Synthesizers sind der Vorstellungskraft kaum Grenzen gesetzt. Imagine ermöglicht es, verschiedene Klangkörper miteinander zu kombinieren und auf verschiedene Weisen zum Klingen zu bringen. Das Ergebnis ist eine sehr breite, ausdrucksstarke Klangpalette, die von perkussiven Sounds über außergewöhnliche Pads bis hin zu außerirdischen Drones und Effekten reicht. Dabei steht die expressive Steuerung über vier Makros, komplexe Multi-Stage-Hüllkurven und externe MIDI-Controller im Vordergrund. Trotz der komplexen Klangerzeugung, die zum kreativen Sounddesign geradezu einlädt, ist Imagine dabei erfreulich intuitiv und einfach zu bedienen.

Spezifikation und Preis

Expressive E Imagine läuft als VST, VST3 und AU auf macOS (ab 10.13 – M1 wird noch nicht unterstützt) sowie Windows 10. Das Plug-in läuft ausschließlich in 64 Bit. Noch gilt der Einführungspreis von 83,40 Euro. Der reguläre Preis beträgt 139 Euro.

Mehr Infos zu Expressive E Imagine

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