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Mod Dwarf Angecheckt Teaser

 ·  Quelle: Mod Devices

Das Mod Dwarf ist der mittlerweile dritte Modeler von Mod Devices aus Berlin mit Emulationen (und Simulationen?) von Effekten, Amps und Boxen. Die Besonderheit neben der Erstfinanzierung per Crowdfunding: Hard- und Software sind Open Source.

Dieser Mod Dwarf Check ist kein tiefgründiges Review auf Herz und Nieren, sondern ein kurzer Erfahrungsbericht.

Disclaimer zur Transparenz: Das Gerät wurde für den Test von MOD Devices unentgeltlich und ohne Verpflichtungen an Formulierungen, vorgefertigte Textpassagen oder sonstige Anforderungen gestellt. Der Tester darf das Gerät nicht behalten. (Leider)

Mod De…wer?

2016 kam das erste Mod Devices Effektgerät heraus, das Mod Duo. Die Besonderheit war schon damals die Finanzierung per Crowdfunding und das Konzept mit Open Source Hardware und Open Source Software. Ein Alleinstellugnsmerkmal. Mittlerweile hat die Firma Fans unter Hobby- bis Profimusikern auf der gesamten Welt. Ich hatte mir das erste Gerät organisiert und für Gearnews mal näher angeschaut. Kurzfazit von damals: Verarbeitung und Sound klasse (einige Effekte nicht), aber es fehlten Bedienelemente. Hier kommst du zum kompletten Angecheckt.

Schon damals konnte es über externe Controller oder MIDI-Fußleisten erweitert werden. Bei einigen Musiker:innen hatte aber die Leistung der ARM-basierenden Hardware nicht ausgereicht und es kam das Mod Duo X heraus. Das hatte mehr Bedienelemente und mehr Leistungskapazitäten, richtete sich aber eher an die Synthesizer-Fraktion mit Handbedienung.

Das (der?) Mod Dwarf richtet sich wieder mit dem Bedienlayout an Gitarristen und andere Musizierende mit Fußbedienung. Die Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen – ich habe zwar das Crowdfunding verpasst, aber nun die Chance bekommen, mir das Vorserienmodell mit „Beta-Status“ genauer anzusehen.

Mod Dwarf – Zwerg mit genug Power?

Ganz klar wurden hier die Wünsche von Menschen an Gitarre und Bass erhört. Das Layout wurde doch recht stark verändert. Das Gehäuse ist kleiner, es sind 3 Fußschalter, 3 digitale Regler und 4 Pads verbaut. Insgesamt steckt weniger Leistungskapazität als im Duo X drin, aber mehr als im ersten Duo.

Damit wurde schon einmal auf viele Wünsche und Kritikpunkte eingegangen. Für mein Setup mit 6-8 virtuellen Effektpedalen reicht das auf jeden Fall aus. Und ein Amp mit Box und 4-6 Effekten auch. Und es ist je nach Auswahl noch Platz nach oben, auch wenn der CPU-Balken im Editor eher im oberen Bereich festwächst. Wenn er oben anschlägt, knackst es. Digitale Klangerzeugung eben.

Mein Setup aus Noise Gate, EQ, Overdrive, Distortion, Fuzz (natürlich Big Muff), Reverb, Delay und Chorus packt der Dwarf auf jeden Fall. Ich arbeite übrigens immer in Mono an Gitarre und Bass. Optional gibt es echtes Stereo via Dual Mono In- und Outputs und auch im Editor entsprechende Signalstränge.

Mod Dwarf Editor Pedalboard

Ein Stock-Pedalboard für Bass

Verarbeitung

Den Punkt kann ich schnell abhaken: Ich habe keine Verarbeitungsfehler gefunden und die Fertigung wirkt hochwertig und robust. Die Regler fühlen sich gut an, die digital arbeitenden Fußschalter haben leider nicht meinen geliebten Knacks-Widerstand beim Schalten, die Pads sind angenehm weich und hart gleichzeitig. Das monocrhome Display könnte für mein Empfinden ein paar Pixel mehr vertragten, ist aber zielorientiert und ausreichend.

Bedienung

Durch das veränderte Layout hat sich auch hier am meisten getan. Von den drei Fußschaltern ist der linke immer festgelegt auf „Seiten“. Du kannst im Editor in einer Art Matrix dein Board wie gehabt bauen und die Funktionen auf die Regler, Buttons oder Fußschalter legen. Fußschalter 2 und 3 können demnach Effekte ein- oder Amps umschalten – wenn mehr als 2 Funktionen oder Effekte drin sind, musst du erst zur nächsten Seite schalten. Gewöhnungssache und per externer Fußleiste umgehbar.

Grundlegend ist es aber schon viel stimmiger als bei den Vorgägnern. Der Tuner wird über Fußschalter 1 und 2 gleichezitig aktiviert, das „Tool“ (Sampler) über FS 2 und 3 simultan. Das ist einerseits praktisch, andererseits schalte ich oft ein Pedal ein und gleichzeitig ein anderes aus, um meinen Sound zB. von leicht verzerrt zu stark verzerrt zu ändern. Das geht nicht ohne externen Controller. Leider gibt es keinen Expression-Input, dafür aber Ethernet (CAT), MIDI (Miniklinke) und USB für Controller.

Mod Dwarf Rueckseite

Rückseite mit Teppich

Die Regler erlauben die sehr feine Einstellung der vorher festgelegten Parameter auf den Pad-Unterseiten der Fußschalter-Seiten. Pro FS-Seite gibt es 3 Pad-Seiten mit jeweils 3 Parametern für die drei Regler. (Klingt verwirrend. Wenn du davor sitzt, ist es einleuchtend.) Jede Seite und Funktion kann frei oder automatisch eingefärbt werden. Meine Zerrerseite ist beispielsweise rot, meine Reverbs blau und Modulation lila. Klasse Idee und toll für die Übersicht.

Auf dem Dwarf speicherst du deine Pedalboards lokal, die du über USB im Editor am PC (Betriebssystem egal, geht im Browser) angelegt hast. Die kannst du kategorisieren und dann in Bänken durchschalten. Das geht flott und fehlerlos von der Hand, ich hatte es allerdings nicht mit auf einer Bühne. Hätte ich gern, aber wir wissen alle, warum das aktuell nicht möglich ist. :-/

Sound – und Kritikpunkte

Minimal wichtiger als die Bedienung ist aber der Sound. Was bringt mir ein Effektpedal, wenn es nach Müll klingt?

Seit dem Mod Duo hat sich relativ wenig an den Effekten getan. Weiterhin klingen 95% der Effekte, Amps und Boxen (und Klangerzeuger) einwandfrei. Vor allem der Muff ist klasse, aber auch ein exzuellentes Tube Overdrive ist am Start. Es gibt jedoch ein paar Effektpedale, die ich einfach nicht schön klingend bekomme. Oder auch nur im Ansatz wie das Vorbild. Allerdings ändert sich der Effektsound manchmal signifikant mit der Auswahl des Amps, bei dem die Röhrenemulation wie bei Guitarix maßgeblich für den Sound verantwortlich ist.

Wo wir davon sprechen: Wenn du wie ich mit einer Linux DAW unterwegs ist, kennst du schon einige der Plug-ins und Effekte. Sogar CALF-Effekte kann man hier laden. Ziemlich cool. Wenn die mitgebrachten Effekte nicht reichen, kannst du im hauseigenen Store die entsprechenden Plug-ins herunterladen – mal kostenlos, mal nicht.

Mod Dwarf Pedal Plug-in Shop

Die Pedalboards kannst du über eine Art Cloud mit anderen Nutzenden der Mod Devices austauschen. Meine Pedalboards vom Duo kannst du hier finden und einfach weiter nutzen.

Beim Stimmgerät muss ich auch attestieren, dass es maximal okay ist. Es fühlt sich sehr langsam und grob an. Da bin ich mit meinem Polytune Clip aber vielleicht auch sehr verwöhnt? Zum Nachstimmen reicht es aber – und das optionale Mute ist auch gut mitgedacht.

Fazit

Klanglich hat sich nur wenig getan. Ein paar „Geräte“ sind dazu gekommen. Es gibt weiterhin hervorragende Effekte, Amps und Boxen – aber auch das Gegenteil. Die bessere Bedienung durch das sinnvollere Layout ist klasse. Die virtuell freie Verkabelung und die Masse an Möglichkeiten ist toll – und man ist freier als bei Kontrahenten im Modelling-Markt.

Das Mod Dwarf ist für Gitarre, Bass, Keys oder als eigenständiger Synthesizer bzw. Klangerzeuger mit MIDI-Keyboard einsetzbar. Bei Bedarf ist das Pedal über viele Wege erweiterbar und viel mehr als nur Bastelspaß für (und von) Open Source Enthusiasten. Es ist ein Gerät, mit dem du glücklich werden kannst.

Ich würde gern den Seiten-Fußschalter als Effekt On/Off nutzen können – das wäre manchmal praktisch. Dank Open Source könnte ich das sogar selbst angehen, wäre allerdings etwas zu viel für mich. Da hoffe ich einfach auf die Devs, wenn nicht nur ich den Wunsch habe.

Mod Dwarf Front ohne Strom

Nachteil bei Testgeräten: Ich kann die Display-Folie nicht abziehen

Austauschen über die Cloud macht Spaß, Effektboards bauen geht sehr intuitiv, die Qualität stimmt quasi überall – und im Lieferumfang sind bei meinem Modell ein hochwertiges Transportcase, ein stoffummanteltes USB-Kabel und das externe Netzteil dabei. Es sind gute Boards vorinstalliert und du kannst direkt loslegen. Alles richtig gemacht.

Mal sehen, ob bald noch ein Mod Giant oder Mod Dragon. Wäre dann das Gegenstück zum eher kleinen Dwarf und hätte 6 oder mehr Fußschalter. ;)

Preis-Leistung

339 Euro soll der Mod Dwarf im Handel kosten. Wer auf Kickstarter zu den Supportern zählt, hat teils fast 100 Euro weniger gezahlt und es vermutlich schon in der Hand. Dafür lese ich erstaunlich wenig in den einschlägigen Foren. Vielleicht ändert sich das im Mai/Juni, wenn es überall verfügbar sein wird.

Wäre ich nicht schon mit einem Pedalboard ausgestattet, würde ich 2x drüber nachdenken, ob das nicht mein künftiges Setup werden könnte. Da ich aktuell aber sehr zufrieden mit meinem Setup bin und es nur 1:1 ersetzen würde (und könnte, abgesehen vom Expression für’s Whammy), bin ich nicht diesmal im Boot. Aber ich schaue weiterhin neidisch auf MOD-User.

Deine Meinung!

Was meinst du zum Mod Dwarf? Hat dir der Check etwas gebracht?

Holst du dir einen? Oder bist du eher bei den Konkurrenten von Kemper, Line6, Headrush und Co unterwegs?

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7 Antworten zu “Angecheckt: Mod Dwarf – Open Source Modeler aus Deutschland”

  1. DarkLorde22 sagt:

    Komisch, ich hatte einen ganzen Kommentar geschrieben, beim Abschicken wurde dieser irgendwie verschluckt. Daher jetzt nochmal in Kurzform.

    Danke, dass ihr euch auch kleine Anbieter anschaut und nicht nur die üblichen Verdächtigen, über die Zwischenhänder mehr Kohle macht. Wenn ich richtig informiert bin, werdet ihr von Thomann finanziert und entsprechend positiv werden vermutlich die dort vertriebenen Produkte hier angepriesen oder ein paar Kritikpunkte ausgelassen. Zumindest habe ich das im Gefühl, dass ihr immer unkritischer werdet.

    Dass die Amps nicht so gut sein sollen, habe ich schon öfter gehört. Sehr schade, der (das?) Dwarf scheint mir wie der erste Effekt von Mod Gear direkt für Gitarristen. Als Effektpaket finde ich es spannend.

    Kann ich den nur über die Firma selbst bestellen? Über Thomann ist es nicht verfügbar. Laut Mod Gear soll es schon im Handel sein.

    • claudius sagt:

      Hey DarkLorde22,
      wir werden von Thomann mit-finanziert, haben aber keinerlei Beschränkungen bei unseren News oder Angecheckts.

      Die emulierten Amps sind tatsächlich nicht so pralle, aber durchaus eine solide Grundlage und ich würde den meisten das Prädikat brauchbar gegeben. An einen Profiler kommen sie aber nicht heran – ist aber auch ein anderes Prinzip.

      Der Mod Dwarf kann direkt ab Mod Devices bestellt werden, da zum Beispiel Thomann auch die anderen führt, würde ich stark annehmen, dass auch der früher oder später im Sortiment auftaucht.

  2. Patze sagt:

    Kurze Info: auf der Seite von ModDevices kostet der Dwarf 499,- in der Vorbestellung.

  3. Tim sagt:

    Hallo,
    obwohl ich bei der Kickstarter / Indiegogo mitgemacht habe, wurde noch kein Gerät geliefert. Das wird im Allgemeinen von Vielen online bemängelt. Mal sehen, wann tatsächlich ein Gerät dabei rum kommt.

    • claudius sagt:

      Echt? Das ist natürlich nicht cool. :-/ Hast du schon einmal nachgehakt? Ich hatte ein „Beta-Modell“, das auch die Crowdfunder bekommen sollten. Und einige Creators auf Youtube hatten den Dwarf auch schon.

  4. Casanunda sagt:

    Es gibt leider ziemliche Verzögerungen bei der Kickstarter- Kampagne.
    (Wie bei den meisten Kickstarter- Projekten.)
    Wohl auch wirklich massiv durch die COVID Situation ausgebremst.

    Momentan werden die Beta- Units ausgeliefert, die „normalen“ sollen dann ab Juli folgen.

    Es wird eigentlich recht ausführlich auf Kickstarter / Indiegogo und in deren Foren über die Situation informiert.

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