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TC Electronic Polytune Clip Tuner Stimmgerät Headstock Clip-on

Macht auch am Bass eine sehr gute Figur  ·  Quelle: gearnews

Keine Angst, wir fangen auf gearnews nicht mit Reviews an, auch wenn sich das manche vielleicht wünschen. Dennoch: Einige haben mich gefragt, ob der TC Electronic Polytune Clip denn wirklich eine sinnvolle Investition ist. Er wurde von TC ja vollmundigst angekündigt. Da ich Opfer meiner eigenen Gear-Medizin wurde, kann ich euch meine allgemeinen Gedanken und Erfahrungen dazu mal berichten.

Meine Stimmgeräte-Historie ist relativ lang: Das erste war damals in meinem Ibanez Starterpaket enthalten. Und zwar eins, bei dem man die Gitarre noch umstecken musste. Es erfüllte zwar seinen Zweck, reichte aber irgendwann nicht mehr aus. Dann kam das Korg DT10, ein Pedaltuner, der mich bis zu einer exzessiven Bierdusche lange und treu begleitete. Es wurde dann durch ein Korg Pitchblack ersetzt, das aufgrund seiner robusten Bauweise immer noch zu meinen Favoriten gehört. Mangels Bandprojekt wurde es verkauft. Natürlich gründete sich direkt danach eine neue Band – und ein TC Polytune der ersten Serie wurde gekauft. Damals echter Luxus, mehrere Saiten gleichzeitig zu stimmen (hm – warum das weg ist, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Vielleicht hatte es eine GAS-Attacke („Gear Acquisition Syndrome“) von meinem Effektboard verdrängt. Dann kamen preiswerte Clip-On Stimmgeräte. Am Bass stimmt es sich damit oft nicht gerade sehr schnell, und die tiefe E-Saite braucht schon mal 2-3 Sekunden, bis irgendwas angezeigt wird. Quasi zum perfekten Zeitpunkt hat TC Electronic den Polytune Clip angekündigt, da ich diese Wartezeiten echt leid war. Feuer und Flamme wegen der versprochenen Geschwindigkeit plus Polyfunktion in einem Clip-On Format – wurde sofort bestellt. Seit Mitte Juni nutze ich es, also Zeit genug, um mal ein Resümee zu ziehen.

Die Bedienung ist etwas komplizierter im Vergleich zu den herkömmlichen Kopfstimmern. Es gibt nicht nur an und aus, sondern gleich drei Knöpfe: Zwei zum Umschalten von Funktionen, einer für an und aus. An sich nicht sooooo schwierig. Für ein Stimmgerät, das mir einfach die Stimmung meines Instruments anzeigen soll, ist mir das dennoch etwas viel. Dafür sollte es aber mit seinen Funktionen fast jeden glücklich stimmen können. Vielleicht ist der einstellbare Kammertonbereich zwar etwas schmal für wirklich ALLE Musiker – für mich als einfach gestrickten, modernen Rockmusiker reichen jedoch 440 Hz. Apropos Rockmusik: Selbst im Lied fängt es sich keine anderen Frequenzen als die eigenen ein, somit kann man auch mal schnell eine Spielpause zum Stimmen nutzen.

Es bedurfte eines Blickes in das mitgelieferte Handbuch, um zu ergründen, wie ich das Teil auf Bass umstelle: Laaaange auf den einen Knopf drücken, dann nach einer kurzen Pause noch einmal kurz für den Strobe Modus . Sicherlich nicht schlimm, trotzdem sollte es bei so etwas Elementarem wie einem Tuner nicht nötig sein. Ist der richtige Modus eingestellt, bleibt er es auch bis zum nächsten Batteriewechsel. Die mitgelieferte Knopfzelle hält übrigens laut Hersteller 18 Stunden – etwas kürzer als bei seinen Konkurrenten ohne Poly-Funktion. Um Batterie zu sparen, schaltet der Polytune Clip sich nach 3-5 Minuten automatisch ab. Für mich ein sehr guter Zeitraum.

Das wirklich Geile am Polytune Clip ist aber die Geschwindigkeit: Im Strobe-Modus wird die Stimmung fast unmittelbar angezeigt – und das mit einer Genauigkeit von 0,02 Cent. Auch die E- und B-Saiten am Bass. Kein Vergleich zu den Konkurrenten. Genau dafür habe ich mir das Teil gekauft: genaues und blitzschnelles Stimmen. Sogar genauer als bei den Pedalversionen, was mich ehrlich gesagt verwundert. Sogar das zuletzt vorgestellte Polytune Blacklight stimmt „nur“ mit 0,5 Cent Genauigkeit. Dass das Polytune Plugin für meine DAW kostenlos inbegriffen war, ist eine sehr nette Geste von TC. Leider arbeitet die Plugin-Version wie meine anderen kostenlosen Tuner-Plugins nicht sehr schnell. Polyfunktion am PC ist zwar ganz nett, aber wenn es wie beim Recording darauf ankommt, dann stimme ich die Saiten eh einzeln.

Meine Negativpunkte: Ich muss außer dem notwendigen Blick in die Bedienungsanleitung hervorheben, dass das Batteriefach recht fummelig zu öffnen ist. Man kann nicht mal eben schnell die Batterie austauschen. Außerdem ist die Klammer nicht als eine Art Kugelgelenk wie bei meinem alten Kopfstimmer ausgeführt, sondern einfach nur ein Scharnier, ähnlich dem menschlichen Ellenbogen. Das nimmt mir auf jeden Fall die Flexibilität beim Anbringen an Gitarre oder Bass. Außerdem fehlt im Bass-Modus der Poly-Mode. Warum eigentlich?

Ist der TC Electronic Polytune Clip also seine 49 Euro wert? Für mich ein klares JA! Das Teil ist sehr solide verarbeitet, hat ein sehr gutes LED-Display (das sich sogar mitdreht, was aufgrund des nicht gut gewählten Gelenks auch ein Muss ist), es stimmt meinen Bass verdammt schnell und genau. Vielleicht ginge das auch zu einem geringeren Preis, aber das Erste seiner Art ist immer etwas teurer. Bis Nachahmer die Prozesse optimiert haben und Einsparungen bei den Bauteilen gemacht werden können. Mal sehen, ob es mich auch so lange begleitet, bei der ersten unfreiwilligen Dusche den Geist aufgibt – oder schlicht aufgrund der kleinen Größe verloren geht (oder „gegangen wird“). Soll ja auch vorkommen.

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Leila
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Leila

Klasse, danke für den Bericht. Das deckt sich ziemlich mit meinen Erfahrungen. :)
(macht doch mehr „Erfahrungsberichte“) ;)

Harry Mudd
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Harry Mudd

Als Ergänzung zum Test kann ich berichten, dass es seinen Dienst selbst an Ukulelen extrem gut verrichtet – schnell und präzise. Aber natürlich ohne Polymodus – hier könnte TC noch mal ansetzen und andere Instrumentenstimmungen anbieten.

gearnews
Gast
gearnews

Danke für die Ergänzung. Klasse, was das Teil alles beherrscht.

Christian
Gast

Danke für Deinen Erfahrungsbericht! Hilft einem weiter, wenn man seine Erfahrungen an denen eines anderen Musikers messen kann. Krass schnell beim Erkennen auch der tiefen Bass-Saiten, sehr genau und fein – ich geb’s nicht wieder her! :)