von Moogulator | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten
Roland System 8 - Synth

Roland System 8 - Synth  ·  Quelle: sequencer.de

Roland System8 Sequencer

Roland System-8 Sequencer  ·  Quelle: sequencer.de

Roland System8 Arpeggiator

Roland System-8 Arpeggiator  ·  Quelle: sequencer.de

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Das System-8 von Roland hat bei seiner Vorstellung für einige Aufregung gesorgt. Erste Geräte sind endlich auf dem Weg in den Fachhandel! Da es in diesem preislichen Segment mittlerweile einige Gerätschaften gibt, die klanglich vergleichbar sind, steht der japanische Hersteller vor einer Herausforderung. Und so stellt sich die Frage: Wie schlägt sich das System-8 in einem reichlich gesättigten Umfeld? Ich hatte die Möglichkeit, eines der ersten Modelle unter die Lupe zu nehmen.

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Zunächst zum einfachen Teil, der Bedienung. Die ist Roland definitiv gelungen. Wer die kleineren Geräte klanglich mochte, nicht jedoch die vergleichsweise winzigen Knöpfe, der wird hier glücklich. Es gibt viel, was richtig gemacht wurde, wie etwa Sequencer und Arpeggiator, aber auch die Fullsize-Tastatur inklusive Keysplit und freier Wahl der Plug-outs pro Split-Zone. Technisch scheint es Roland anscheinend nicht möglich zu sein, eine andere Stimmenverteilung als in zwei Viererguppen zu bilden, was für die Kombination Bass mit der linken Hand und Fläche auf der rechten gleich mal drei kostbare Stimmen kostet.

Die Ergänzungen gegenüber dem System-1 sind sinnvoll und gut gemacht. Vor allem stechen hier die Variationen pro Funktion, also unterschiedliche Oszillator- und Filtermodelle hervor. Beim LFO hätte ich mir einen echten Zweiten oder gar Dritten gewünscht. Hier wurde das mit „Aufmodulation“ auf den bestehenden LFO und eigenen Routings trotzdem noch etwas besser gelöst als etwa bei einem Prophet-6 oder OB6.

Klanglich ist „der neue Jupiter-8“ etwas mittiger als das System 1. Das klangliche Versprechen eines Jupiters wird mit der gelungenen Emulation erfüllt, gibt aber zusätzlich mit seinen unterschiedlichen Emulationen noch mehr her. Der Sound und die Reaktion des Filters sind angenehm und ich kann nicht viel bemängeln. Es ist genau das, was ich von Roland erwartet hatte.

Der Sequencer ist im Ansatz gut, wegen kleiner Details aber in der Praxis häufig nur eingeschränkt brauchbar. Beispielsweise wurde trotz allem Potenzial auf die durchaus sinnvolle Transpose-Funktion der Tastatur verzichtet.

Der Preis ist im Gegensatz zu dem sehr günstigen System-1/1m mit fast 1.500 Euro recht teuer. Wobei es im Vergleich zu der Synthesizer-Hochphase vor 20-30 Jahren fast schon spottbillig. Mit dem heutigen Angebot an unterschiedlichen Synthesizern unter 1000 Euro in den verschiedensten Ausführungen – polyphon und analog wie der Minilogue oder der Deep Mind mit 12 Stimmen – erscheint der Preis aber in einem anderen Licht. Für viele Käufer ist das Argument „analog“ immer noch Usus. Umso skeptischer wird man dann auch unter Umständen einem rein digitalen Synth begegnen, der oberhalb des dreistelligen Preisbereichs liegt.

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Der kleine Vorgänger, das System-1, konnte sich nach kurzer Zeit durch den guten Klang und den Preis auf dem Markt behaupten. Ob das hier genau so klappt, kann wegen der vielen Alternativen anders aussehen.

Die persönlichen Überlegungen

Wenn ich auf meine persönliche Situation schaue, so sind mir zwei Dinge bei einem Gerät wichtig: Klang und Transportabilität. Unter diesen Aspekten ist das System-1 perfekt, wenn nicht diese grauenvolle Tastatur wäre. Die Boutique-Synthesizer haben einen kleinen Tastenumfang in Menge und Größe. Aber wieso sind die nicht einfach in Microkorg-Größe auf den Markt gekommen? Man sieht diese Art von Synthesizern extrem häufig, auch subjektiv bei Gigs und Konzerten. Diese Kategorie scheint also nach wie vor noch gefragt zu sein.

Das System-8 ist in der Praxis ein echtes Arbeitspferd. Wer den polyphonen Roland-Sound sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Dieser ist sogar DAS Argument etwa gegenüber einem OB-6 oder Prophet. Der Nachteil für einige Nutzer könnte sein, dass dem System-8 der Kultfaktor fehlt, weil es eben nicht klassisch ist. Man kann damit nicht protzen, der Synthesizer klingt einfach nur gut.

Am Ende bleibt festzuhalten: System-8 ist was für uns Roland-Fanboys, das Ding ist der würdigste Jupiter-Nachfolger, den es je gab. Also bitte – hier ist er! Ich werde wohl schwach werden.

Update 24.11.: SH101 Plug-out ist seit heute in Version 1.06 für das System 8 bereit. Bis zum offiziellen Release werden sicher die anderen auch entsprechend bearbeitet sein. Yn8en ist in einem Monat.

Der Rundlauf per Video

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5 Antworten zu “Lohnt sich das Roland System-8?”

    Hanz Meyzer sagt:
    0

    Das schöne Gerät auf dem Rasen :) Mich würde ja ein Vergleich der Jupiter-Emulation vs. Original vs. Arturia v2 und v3 interessieren…

    Am Rande: Der Deepmind hat ja digitale Oszillatoren, Ihr habt den öfters schon als Analog-Synth bezeichnet. Ist Deepmind nicht eher ein Hybrid-Synth?

      Andreas sagt:
      0

      Nein, sind digital gesteuerte analoge Oszillatoren

        Hanz Meyzer sagt:
        0

        Hm, aber ist das im Prinzip nicht dasselbe wie ein D/A Wandler? Die Wellenformen liegen doch zunächst als digitale Abbildung vor?

          Hobo sagt:
          0

          Nein, beim DCO ist nur die Kontrolle digital, d.h. Tuningstabilität wird digital gesteuert, also von einem „Rechner“ werden die Ist-Soll-Werte kontrolliert. Bei VA-Oszis wird die Wellenform digitalerzeugt, das heißt es schwingt nicht ein echter Schwingkreis sondern, ein Rechner generiert die Amplitude in Abhängigkeit von einem Zeitgeber, wodurch eine hörbare Schwingung entsteht.

    Hobo sagt:
    0

    Einfach einen Prophet 08 kaufen – der ist zwar alt und hat trotzdem satte 4 LFOs und 3 Envelopes (einer mit Loop also auch als LFO zu gebrauchen). und im gegensatz zum P6 oder OB6 auch noch in der gleichen Preisklasse… bleibt nur das Argument mit dem Roland-Sound. Das Problem mit dem 4/4 Voice im Splitmodus hat er aber auch… Ich meine, dass in beiden Geräten zwei 4-Voice Boards verbaut sind –> Daher können die Stimmen nicht beliebieg verteilt werden

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