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In Quarantäne produktiv bleiben

In Quarantäne produktiv bleiben  ·  Quelle: Shutterstock / Von: VGstockstudio

Seit einigen Wochen steht das öffentliche Leben wegen der Coronakrise in vielen Ländern fast vollständig still. Und auf der ganzen Welt leiden Musiker unter den Folgen. Konzerte wird es auf absehbare Zeit nicht geben und Aufnahmesessions können fast nur bei euch zu Hause stattfinden. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, wie du in Quarantäne produktiv bleiben, etwas Geld verdienen und dir neue Fähigkeiten für die Zeit nach COVID-19 aneignen kannst.

Die Folgen des in dieser Form nie dagewesenen Lockdowns betreffen sämtliche Branchen, weshalb die Regierungen weltweit Notprogramme aufgelegt haben, auch in Deutschland. Die Unterstützungsmaßnahmen reichen von direkten Zahlungen über Kredite bis hin zu Hilfen wie Steuer- und Kreditstundungen und Schutz vor Zwangsvollstreckungen oder Kündigungen von Mietverträgen. Ob und in welcher Form du diese Hilfen in Anspruch nehmen kannst, hängt stark vom Einzelfall ab und wir können hier leider keinen vollständigen Überblick geben. Wende dich daher am besten an die zuständigen Behörden an deinem Wohnort.

Zusätzlich zu staatlichen Hilfen haben verschiedene Unternehmen und Organisationen Corona-Hilfsfonds aufgelegt. Einige Adressen, an die du dich wenden kannst, findest du hier.

In diesem Artikel soll es darum gehen, was du persönlich tun kannst, um möglichst glimpflich durch die Krise zu kommen. Wer kreativ an die Sache herangeht und bereit ist, über den Tellerrand zu schauen und flexibel zu sein, hat dabei eindeutig die besten Karten. Mit Hilfe moderner Technologie musst du nicht tatenlos zu Hause herumsitzen und auf das Ende der Krise warten. Vielleicht helfen dir diese Vorschläge dabei, deine Zeit sinnvoll zu nutzen. Das macht die Quarantänezeit viel erträglicher und kann auch dabei helfen, die finanziellen Folgen zumindest etwas abzumildern.

Online-Unterricht geben

Wenn du ein Instrument unterrichtest, sind Online-Unterrichtsstunden ein Weg, um diese Einnahmequelle nicht versiegen zu lassen. Im Zeitalter von Smartphones verfügt beinahe jeder über die technischen Mittel für einfache Videochats auf Plattformen wie Skype, FaceTime, Facebook, Viber, Microsoft Teams, WhatsApp und anderen. Bei einigen Diensten kann es Probleme mit der automatischen Geräuschunterdrückung geben, die dazu führen kann, dass Instrumente nicht richtig zu hören sind. Hier musst du also ggf. etwas experimentieren. Die Plattform Doozzoo ist auf Online-Musikunterricht spezialisiert und bietet einen virtuellen Unterrichtsraum mit Cloud-Speicherplatz, Metronom, Stimmgerät, Audioplayer und Videorecorder.

Wenn du deinen Online-Unterricht professioneller gestalten möchtest, empfiehlt es sich, in ein Audio-Interface und Mikrofon zu investieren. Die Wahl des Mikrofons hängt nicht zuletzt auch von deinem Instrument ab. Unser Autor Stephan hat vor Kurzem einige Experimente zum Thema angestellt – hier ist sein Erfahrungsbericht.

Um dich breiter aufzustellen, denke darüber nach, dein Angebot über reinen Instrumentalunterricht auf deinem Hauptinstrument hinaus zu erweitern. Vielleicht kannst du Themen wie Gehörbildung, Musiktheorie / Harmonielehre, Arrangieren, Improvisationstechniken, Software, Notation, Marketing, etc. in dein Angebot aufnehmen und dich so besser positionieren. Nutze soziale Medien und deine Kontakte, um möglichst viele Menschen auf dein Angebot aufmerksam zu machen.

Professionelle Aufnahmen anbieten

Wenn du über ein Heimstudio mit einer hochwertigen Aufnahmemöglichkeit verfügst, kannst du deine Dienste als Studiomusiker auch von zu Hause aus anbieten. Reguläre Studiosessions können ja derzeit auch nicht stattfinden – also haben beide Seiten etwas davon. Produzenten müssen nicht warten, bis Musiker wieder zu ihnen ins Studio kommen können, und du kannst in deinem eigenen Tempo in der vertrauten Umgebung deines Studios arbeiten. Auch hier empfiehlt es sich, über den Tellerrand zu schauen und deinen üblichen musikalischen Pfade zu verlassen. Mögliche Ansprechpartner sind etwa Produzenten und Komponisten in den Bereichen Werbemusik, Film- und TV-Komposition, Game-Soundtracks und GEMA-freie „Dosenmusik“.

Transkriptionen und Notensatz

Als professioneller Musiker hast du wahrscheinlich ein trainiertes Gehör und kannst Noten lesen und schreiben. Damit verfügst du über die nötigen Fertigkeiten, um Transkriptionen, Notensatz und die Erstellung von Partituren anzubieten. Mögliche Kunden sind beispielsweise Chöre, Schulorchester, Theater, Film- und Fernsehkomponisten oder kirchliche Einrichtungen. Ich habe zum Beispiel vor einigen Jahren für die Band eines Kollegen den Notensatz für zwei Songbooks gemacht, die die Band bis heute als Merchandise-Artikel verkauft. Um ein druckfertiges Produkt anzubieten, solltest du über eine professionelle Notensatz-Software verfügen (z.B. Sibelius, Finale oder Dorico).

Presets, Sound Packs, Samples und Loops

Je nachdem, welches Instrument du spielst und welches Equipment du besitzt, kannst du Presets für Synthesizer erstellen oder deine eigenen Samples oder Loop-Kollektionen produzieren. Gitarristen können Kemper-Profile, IRs oder Presets für Geräte wie den Fractal Audio Axe FX oder Line 6 Helix anbieten. Es ist nicht leicht, damit Geld zu verdienen, aber wenn du einen guten Job machst und Hersteller auf dich aufmerksam werden, legst du vielleicht den Grundstein für zukünftige Aufträge.

Live Streaming

Seit dem Beginn der Coronakrise boomt das Live-Streaming von Wohnzimmerkonzerten und DJ-Sets. Besonders lukrativ ist das nicht, aber es kann dabei helfen, den Kontakt zu deinem Publikum zu halten und den Lagerkoller abzumildern. Es ist auch nichts Verwerfliches daran, für dein Livestream-Konzert um Spenden zu bitten. Auch deine Fans sitzen schließlich zu Hause und freuen sich über etwas musikalische Zerstreuung.

Kollaboriere über das Internet mit anderen Musikern

Die moderne Technik macht es möglich: Heute muss man sich nicht mehr unbedingt zusammen in einem Raum aufhalten, um zusammen Musik zu machen. Es gibt viele verschiedene Wege, um online zu kollaborieren und gemeinsam an Tracks zu feilen. Das reicht vom simplen Hin- und Herschicken von Audiofiles über Kollaborations-Plattformen wie Blend oder Splice bis hin zu Apps wie Soundstorming oder das gerade veröffentlichte Endlesss. Hier findest du eine Liste von Online-Tools für Kollaborationen.

Üben, komponieren und weiterbilden

Auch wenn du spontan keinen Weg findest, aus der Isolation heraus Geld zu verdienen, kannst du deine Zeit sinnvoll nutzen. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu üben, zu komponieren, deinen musikalischen Horizont zu erweitern oder vielleicht sogar ein neues Instrument spielen zu lernen. Musik ist ein hervorragendes Mittel, um sich von schlechten Nachrichten abzulenken und sein Selbstwertgefühl zu erhalten. Und auch jenseits der Musik gibt es wahrscheinlich Dinge, die du schon immer einmal machen wolltest, aber nie die Zeit dafür hattest, wie das Erlernen einer neuen Software, Foto- und Videobearbeitung, oder DIY-Projekte wie Synthesizer oder Effektpedale bauen. Wenn du deine Quarantänezeit nutzt, um dich weiterzubilden, wird es umso leichter sein, wieder Fuß zu fassen, wenn sich die Welt irgendwann weiterdreht.

Hier findest du eine Liste von Freeware und weiteren Angeboten zur Quarantänezeit.

Habt ihr Vorschläge oder Tipps? Wie geht ihr mit der Situation um? Schreibt uns gerne einen Kommentar!

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