von claudius | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
Braucht die Welt noch Roehrenverstärker vs Modeller DSP

 ·  Quelle: In the Blues / YOutube

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Aktuell gibt es so viele Modeling-Verstärker, dass die Debatte zu Recht wieder hochgekocht ist, ob Röhrenamps im Jahre 2019 noch eine Berechtigung haben. Line6 Helix, Fractal Audio FM3, Hotone Ampero, Kemper Profiler Stage, Headrush – berühmte Bands wie Rammstein, Coldplay, Die Ärzte, Die Toten Hosen und Mark Knopfler und setzen als Backline auf die Neuentwicklungen aus der modernen Zeit. Braucht die Welt noch Röhrenamps?

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Der YouTuber intheblues hat sich die gleiche Frage gestellt. Und auch, ob die mehr Berechtigung als Nostalgie haben. Ich zitiere ihn mal direkt:

“Is there’s any reason for tube amps to still exist other than nostalgia?“

“Yeah, absolutely. There’s something to be said for all the technology that makes studio recording easier even doing gigs. You know, like taking a Kemper or a Helix to a show and plugging straight into the PA system.

But then there’s the feeling that just comes from playing through a tube amp, that most solid-state modelling amps or transistor amps can’t really get that same sort of vibe.

Just, it’s a fact. I’ve played so many great solid-state amps over the years and I’m a huge fan of many of them, but there’s really something special about cranking up, say, a MarshallDSL 40 and having that sound in the room. It’s amazing, it’s great.

As the player, it gives you a response and a feel that just plugging straight into the PA is not going to give you. It’s almost replicated and that could be a much easier thing for a touring musician but if you’re playing at a pub and you can bring your amp in or whatever, then it’s a great feeling.

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And I think they’ll never go away. As great as technology will get, the valve amp guys and the tube amp guys will still want that sound. I’ll still want that feel that responds in a certain way with pedals, all that kind of good stuff.

So yeah, I think they’ll be around for the long haul. I don’t see them ever going away.”

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So sehen Amps 2019 aus · Quelle: Line6

Gibt es klangliche Unterschiede?

Wir hatten euch mal den Blindtest von einem anderen YouTuber gezeigt – der war nicht perfekt durchgeführt, aber es zeigt, dass Software und Transistor sich überhaupt nicht mehr verstecken müssen. Und ich denke, wenn derart große Bands in der Backline auf Modeler setzen, dann gibt es wohl wirklich kein Argument mehr dagegen.

Aber, das Gefühl! Den Punkt muss ich auch ankreuzen. Denn es fühlt sich irgendwie anders an, einen Röhrenamp zu spielen. Ich spiele meine Verstärker immer clean, gerade an dem Punkt, wenn ich doll in die Saiten haue, dass es bluesig zerrt. Und dann noch einen Booster oben drauf, damit es richtig schmutzig wird. Und das konnte mir noch kein Transistor-Amp liefern. Wohl aber ein Modeler. Aber auch hier fühlte ich Unterschiede, ich hatte noch keine Chance, einen Blindvergleich zu machen.

Schaut auf Konzerten mal auf die Bühnen. Ich sehe vor allem im Rockbereich immer öfter Kemper und Helix anstatt Röhrenamps. Sobald es schmatziger wird (Doom, Sludge, Stoner) treffe ich aber dann wieder auf die jahrhundertalte Technik.

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Ein legendärer Röhrenamp · Quelle: laney

DSP vs. Röhre

Die Frage ist berechtigt: Wenn Modeler so gut klingen, dass sie im Blindtest nicht mehr vom Original zu unterscheiden sind, warum gibt es dann immer noch Röhrenamps? DSP (also digitale Modeling-Amps) sind großartig, wenn man eine breite Palette an Sounds benötigt und gleichzeitig nicht ein Duzend Amps mit sich rumschleppen will. Vor allem ist es preiswerter. Und freundlicher für den Rücken. So ein SVT und 8×10 brauchen allein schon einen Kombi und haben schon den einen oder anderen Rücken kaputt gemacht. Ein Helix oder Profiler Stage passen in den Rucksack.

Auf der anderen Seite steht das Feeling, das viele mit Röhrenamps verbinden. Es ist etwas gefühlt Organisches, Analoges. Die Lieblingsbands vor 2010 haben mit ziemlicher Sicherheit ihre Alben mit Röhrenamps eingespielt. In der „guten alten Zeit“ wurden Studiotage nur für den richtigen Sound und Verstärker gebraucht. So wurden Sounds geboren, die wir lieben. Altes Equipment hat irgendwie diese gewisse Patina.

Wir befinden uns gerade an der Schwelle zum Umbruch. Und wenn die Welt nicht vor die Hunde geht, weil zu viele unbedacht weiter fliegen, Unmengen Fleisch essen oder fette SUVs durch die Städte manövrieren müssen, können wir später mit gutem Gewissen sagen: Ich war dabei! Denn wie es schon Karl Valentin wusste ist „heute die gute alte Zeit von morgen“.

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12 Antworten zu “Hat digital die Röhrenamps überholt?”

    ASDFHans sagt:
    0

    All in auf Modeller. Mein Kemper ist dermaßen klasse, dass meine Mesas alle gehen konnten. Ich trauere ihnen nicht hinterher. Den Sound kann der KEmper auch, bei allem anderem hat er auch die Nase vorn. Leichter, flexibler notfalls kann er in der Enterprise im Cockpít stehen und keinem fällt es auf. :D

    Markus sagt:
    0

    Das ist doch totaler Quatsch! Auf einem Ampeg SVT kann man sich im Winter ein Bier im Proberaum aufwärmen. Probier das mal mit einem Line 6 Modeller!
    :-)

      claudius sagt:
      0

      Stimmt. Für die gesparten Kosten für die künstliche Wirbelsäule oder das Exoskellett, dass ich zum hochhieven des SVT auf den Kühschrank brauche, kann ich mir aber auch noch einen Ölradiator leisten. ;)

    Stefan sagt:
    0

    Ich verstehe die Modeling Geschichte gerade im Kontext mit Bands nicht! Die „Grossen“ können sich das leisten – die haben ihren persönlichen FOH der vermutlich eh die gesamte Show „automatisiert“ fährt – aber, als kleiner FOH in einem grossen Club, kann ich nur sagen das ich bisher keinen Vorteil in Kemper und Co gesehen hab. Der Gitarrist braucht dann eh einen Monitor, der ganz schön was liefern muss, und im Mix hab ich bisher jeden Modelingamp Nachregeln dürfen – sobald ein echtes Schlagzeug am Start ist und der Drummer loslegt, saufen mir die Modeller regelmässig im Mix ab! Und je nach Typ muss ich bis zu 5-6dB nachregeln. Und! wehe Du gehst rüber – dann schreit Dich das Teil sofort an. Das Problem haben echte Amps niemals, und was mir auch auffällt – die Gitarristen spielen Ihren Sound mehr aus den Fingern – die „ModellerPlayer“ schalten kontinuierlich rum…
    Kurz gesagt – bei der Lautstärke die ich einen Modelling Amp im Monitor fahre, hätte er sich auch einfach einen echten hinstellen können, und ich muss nebenbei nicht noch die Gitte in das Monitoring für den Rest der Band regeln…
    Mal meine 10cent aus der FOH Perspektive.

    WassIssn sagt:
    0

    Die alten Amps haben ausgedient. Die sind eigentlich nur noch als Liebhaberei nützlich.
    Oder als Sammler Object. Ich benutze noch nichtmal Modeller. Mir reichen Plugins.
    Ich bekomme damit Klasse Sounds hin. Manche sind beeindruckt das aus der kleinen Kiste
    so ein Sound rauskommt. Die meinen dann die Komplette Audio 6. Das das mit Software geht
    überrascht viele. Nein, das ist nicht die kleine Kiste, das kommt vom Laptop.

    Sicher gibt es Sounds die man nur mit Real Amps hinbekommt. Aber dafür die Schlepperei.
    Gerade bei Amateur Bands verstehe ich das nicht. Die schleppen dann schweres Equipment
    mit sich rum weil das ja soll Toll klingt und können nicht richtig spielen. Von gutem Klang
    kann da nicht die Rede sein.

    Bei Profi Bands kann ich es eher verstehen wenn die meinen mit dem und dem Equipment
    den Sound noch zu verfeinern. Die haben auch Leute die schleppen.

    Auch finde ich das manches Equipment teil einer Show ist. Da kann dann ein Marschall Stack oder ein Flügel Sinn machen. (Beim Flügel mal abgesehen von einem Klassik Concert).
    Auch im Studio kann es Klanglich einen Unterschied machen,. Obwohl ich mir da sicher bin
    das mancher Studiomensch dem einem oder anderen Gitarristen einen Reampten
    Sound unterjubelt.

    Im grossen und ganzen finde ich man sollte in allen Richtungen aufgeschlossen sein, auch mal
    was neues Testen. Und besonders auf Livekonzerten stelle ich es in Frage ob irgendjemand
    das Fitzelcben besseren Sound hört der angeblich nur mit Real Amps möglich ist.
    Die Band hört ja noch nichtmal selber was aus der PA rausgeht. Obwohl, vielleicht hört der FOH Mensch das.

    Booh sagt:
    0

    In meinen Röhrenamps ist nicht viel drin, das kann ich noch selbst ersetzen/reparieren, wenn es mal sein müsste in zig Jahren. Einen Modeller müsste ich wahrscheinlich entsorgen.

      claudius sagt:
      0

      Da sprichst du wahrlich einen wichtigen Punkt an, den ich so noch nicht in meine Denke mit eingeschlossen hatte. Danke, damit muss ich „schwanger gehen“. :)

    Andy sagt:
    0

    Also ich liebe meinen Marshall Voll Röhre JCM900 gebe ich auch nie her. Besitze zwei Line 6 PodX3 und Helix Rack. Ja Soundvielfallt spricht nix dagegen. Aber wenn ich dir Röhre aufdreh und dann ACDC spiele das ist einfach anders.

    Und wenn ich jetzt an den Mist von der letzten Satz lese mit SUV, Fleisch und Klima und Bla Bla. Wenn Modeliere gleich zusetzen ist Dann bleibe ich meinen Amp Treu und werfe den Line 6 in die Tonne

      claudius sagt:
      0

      Du meinst den Mist, den jeder von uns ändern könnte um seinen Beitrag für die eigene Zukunft und die der Kinder etwas besser zu machen?

    smh sagt:
    0

    Also ich war auch Jahrelang davon überzeugt, dass nichts einen Röhrenverstärker ersetzen kann, hab dann auch vieles ausprobiert wie Boss, Line6 usw. was mich in meiner Überzeugung bestärkte. Bis ich mir dann gebraucht einen Kemper günstig erwerben konnte. Ich konnte es wirklich nicht glauben. An die Skeptiker: probiert es aus! Zuhause über die Studiomonitore hat man leise einen super Sound und kann beim Recording sofort loslegen. (ich spreche von Kemper! Helix wollte ich als zweitlösung da kleiner und leichter – ich hab 2 Tage rumprobiert, und sofort wieder verkauft) Wen man im Bandraum den Kemper über einen Endstufe in die Gitarrenbox spielt, dann möchte ich den gerne kennenlernen, der in einem richtig ausgeführten A/B Vergleich den Unterschied spürt. Ausser… der Kemper rauscht weniger, ist nicht anfällig auf Netzstörungen und er kann ALLE Amps. Ja, die Zeiten ändern sich, das musste auch ich einsehen.

    Floyd Hendrix sagt:
    0

    Mein „AMP- Werdegang“ war: Transistor (Behringer) Hobbyspieler – Transistor – Randall RG1505 -Bandspieler, Röhre – Bugera 333 XL -Bandspieler – ModellingAMP -Band -Transistor -Semi-Profi, Band usw. Den Randall hatte ich verkauft weil der für 3 Kanaäle nur eine EQ-Sektion hatte und man nach dem Kanalumschalten immer wieder nachreglen musste….Den Bugera habe ich verkauft, weil das Geld für den Röhrenwwechsel allmählich zu teuer wurde…… Modelling AMP sollte DIE allgemein Lösung sein…ist es aber nicht, vor lauten ausprobieren einstellen Soundtest habe ich dann fast das eigentliche Gitarre spielen vergessen und als ich das Teil im Einsatz hatte, war der Sound nicht das, was wir benötigten…..Also wieder einen Transistor-Amp zugelegt, 4 Kanäle, (Clean, Crunch, OD1, OD2) alle programmierbar nach meinen Vorstellungen und kann noch Effekte dazu geben, zusätzliche noch mein Board über FX einschleifen. Und ich habe keinerlei Wartungskosten!!! Daher werde ich den Transistor behalten bis ich mit dem Musikmachen aufhöre. Eines ist sicher ein Modeller kommt mir nie wieder ins Haus bzw. auf die Bühne oder in den Proberaum…..

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