von Lasse Eilers | Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten
Cre8audio NiftyKEYZ Test

Angecheckt: Cre8audio NiftyKEYZ im Test  ·  Quelle: Gearnews

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Cre8audio präsentiert mit NiftyKEYZ einen Keyboard-Controller, in den man Eurorack-Module direkt einbauen kann. Gewissermaßen ist das neue NiftyKEYZ also der konzeptionelle Nachfolger des im letzten Jahr eingestellten Waldorf kb37. Dieses praktische Eurorack-Keyboard wird bereits jetzt von vielen vermisst. Mit NiftyKEYZ gibt es nun wieder eine interessante Alternative, die zudem funktional noch eine Schippe draufsetzt und unter anderem eine bis zu vierstimmige Polyphonie ermöglicht. Wir hatten die Gelegenheit, das Cre8audio NiftyKEYZ schon vor der Veröffentlichung im Angecheckt zu testen.

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Konzept

Im Prinzip macht NiftyKEYZ konzeptionell genau da weiter, wo Waldorf mit dem kb37 aufgehört hat. Ein Keyboard, das Platz für Eurorack-Module bietet, war schon damals eine gute Idee. Nachdem das kb37 eingestellt wurde, gab es zuletzt kein vergleichbares Produkt mehr auf dem Markt und wer ein Eurorack-System per Tastatur steuern wollte, musste auf andere Lösungen wie den KeyStep oder KeyStep Pro ausweichen. Wenig überraschend ähnelt das NiftyKEYZ dem Waldorf-Keyboard auch äußerlich und verfügt ebenfalls über ein leicht angewinkeltes Bedienfeld, in dem die Module Platz finden.

Cre8audio NiftyKEYZ

Cre8audio NiftyKEYZ: 112 HP Platz für Eurorack-Module

Allerdings gibt es auch einige wichtige Unterschiede. Mit 49 normal großen Tasten bietet das NiftyKEYZ eine Oktave mehr als das Waldorf (37 Tasten). Auch gibt es etwas mehr Platz für Module (112 HP gegenüber 107 HP beim kb37). Und es lassen sich bis zu vier Stimmen simultan ansprechen – beim kb37 waren es maximal zwei. Obwohl der übrige Funktionsumfang sich durchaus ähnelt, hat das NiftyKEYZ also zahlenmäßig etwas mehr zu bieten als das kb37.

Hardware

Aus dem Karton befreit, überzeugt das Cre8audio NiftyKEYZ mit einer soliden Verarbeitung. Alles fühlt sich wirklich hochwertig an. Das stabile Metallgehäuse wird von schicken Seitenteilen aus Holz abgeschlossen. Auch die leicht gewichtete Synthesizer-Tastatur mit Anschlagdynamik und Aftertouch macht einen guten Eindruck. Sie reagiert präzise und ist für alles, was man auf Eurorack-Modulen spielen wird, bestens geeignet.
Der Schacht für die Module ist mit 15 Modulanschlüssen ausgestattet. Die integrierte Stromversorgung liefert bis zu 1500 mA an +12 V, 1000 mA an -12 V und noch einmal 1000 mA an +5 V. Die Tiefe beträgt ca. 65 mm von den Rails bis zur Oberkante der Stecker der Stromversorgung; plant man die Steckverbinder ein, ist entsprechend etwas weniger Tiefe tatsächlich nutzbar.

Cre8audio NiftyKEYZ

Das NiftyKEYZ bietet 15 Modulanschlüsse

Die CV- und Gate-Ausgänge sowie die übrigen Eurorack-relevanten Anschlüsse des Keyboards wie Velocity, Aftertouch, Modulationsrad und Clock sind in einer Zeile oberhalb des Modulbereichs untergebracht, wodurch sie sich bequem patchen lassen. In meinen Augen ist das besser gelöst als beim kb37, das über ein Steckfeld auf der linken Seite verfügte. Ganz verhindern lässt es sich prinzipbedingt trotzdem nicht, dass immer wieder mal ein Patchkabel auf den Tasten landet und beim Spielen stört. Also verwendet man möglichst Kabel, die gerade eben lang genug sind, oder macht es sich zur Angewohnheit, die Kabel nach hinten herunterhängen zu lassen.

Links neben den Modulen sind zwei Räder für Pitchbend und Modulation untergebracht. Hier findet man auch einen Oktavwahlschalter, einen Schalter für den Pitchbend-Bereich (2 Halbtöne oder 1 Oktave) sowie die Bedienelemente für den Arpeggiator und die Glide-Funktion. Der Latch-Button sorgt nicht nur dafür, dass man bei Nutzung des Arpeggiators die Hände von den Tasten nehmen kann, sondern hält Gates auch bei deaktiviertem Arpeggiator offen. So kann er auch das Sustain-Pedal ersetzen.

Cre8audio NiftyKEYZ Arpeggiator

Ein Arpeggiator ist integriert

Vier CV/Gate-Paare und flexible Voice-Modi

Ein Blick auf die CV/Gate-Ausgänge offenbart einen der Trümpfe, die das NiftyKEYZ gegenüber dem kb37 in der Hand hat. Das Keyboard kann bis zu vier unabhängige CV/Gate-Ausgangspärchen ansprechen. Somit lässt sich – entsprechende Module vorausgesetzt – eine bis zu vierstimmige Polyphonie erreichen. Verschiedene Voice-Modi sorgen dabei für viel Flexibilität. So ist es unter anderem möglich, das Keyboard in zwei Zonen aufzuteilen, die über je zwei CV/Gate-Paare ausgegeben werden (Split). Das funktioniert sowohl 2x monophon als auch 2x duophon. Auch ein dreistimmiger Modus ist vorhanden, der sich auf Wunsch in einen monophonen und einen duophonen Bereich splitten lässt. Außerdem gibt es einen Auto-Chord-Modus, mit dem man bis zu vierstimmige Akkorde mit einer Taste spielen kann. Damit kann man schon eine ganze Menge anstellen und komplexe, vielschichtige Patches realisieren.

Neben den CV/Gate-Ausgängen für die vier Stimmen bietet das NiftyKEYZ patchbare Ausgänge für Velocity, Aftertouch und das Modulationsrad. Letzteres ist mit einem integrierten LFO ausgestattet, der auf Wunsch ein Vibrato liefern kann, ohne dass man dafür ein zusätzliches Modul braucht. Sehr schön! Auch ein Expression-Output ist vorhanden, der von einem rückseitig eingesteckten Expression-Pedal gesteuert wird. Damit bietet das NiftyKEYZ Eurorack-affinen Keyboardern viele Möglichkeiten, während des Spielens diverse Parameter expressiv zu steuern. Für Velocity, Aftertouch, Modulationsrad und Expression-Pedal kann man jeweils zwischen den Spannungsbereichen 0-5 V und 0-10 V wählen, wodurch die Kompatibilität mit einer großen Bandbreite von Modulen gegeben ist und man auch hinsichtlich der Regelbereiche flexibel ist.

NiftyKEYZ

Das NiftyKEYZ bietet bis zu vierstimmige Polyphonie

Clock, Multiples und Outputs

Das Keyboard verfügt über einen eigenen Clock-Generator und -Ausgang. Wird das NiftyKEYZ zu einer externen MIDI-Clock synchronisiert, liegt diese hier in analoger Form an, wofür drei verschiedene Teilerfaktoren wählbar sind. Außerdem gibt es einen Reset-Ausgang zum Steuern von Sequencern oder beispielsweise zum Triggern von Envelopes.

Weiter rechts sind zwei gepufferte Multiple-Sektionen mit je drei Buchsen untergebracht. So kann man schnell mal ein Signal auf mehrere Ziele verteilen – eine weitere, sehr sinnvolle Ergänzung, die es beim kb37 nicht gab.

Die Ausgangssektion bildet den Abschluss des Patch-Bereichs. Hier gibt es für die beiden Audio-Ausgänge jeweils zwei Buchsen zum Zuführen von Signalen aus dem Eurorack-Bereich. Die beiden Inputs werden jeweils summiert – ein weiteres praktisches Detail, das dabei helfen kann, aus wenigen Modulen das Maximum herauszuholen. Die Signale werden an die rückseitigen Klinkenanschlüsse und an die Kopfhörerbuchse weitergeleitet, wofür jeweils eigene Lautstärkeregler vorhanden sind.

Damit sind die Patch-Möglichkeiten beim NiftyKEYZ doch um Einiges umfangreicher als beim kb37. Allein die bis zu vierstimmige Polyphonie und die Option des Keyboard-Splits in verschiedenen Konfigurationen sind schon wirklich toll und eröffnen viele kreative Möglichkeiten.

NiftyKEYZ

Für die beiden Ausgänge stehen je zwei Patch-Inputs bereit

Arpeggiator / Sequencer

Das war aber noch nicht alles, denn NiftyKEYZ bietet auch einen integrierten Arpeggiator. Und auch der ist überaus flexibel einsetzbar. Er wird wahlweise zur internen Clock (inkl. einstellbarem Swing) oder via MIDI oder USB synchronisiert und liefert die Patterns Up, Down, Up/Down und Random. Außerdem gibt es einen Sequencer-Modus, in dem man beliebige eigene Tonfolgen eingeben kann. Obwohl man dafür kurz in den Funktionsmodus wechseln muss, geht das sehr schnell und spontan. Leider kann man jedoch keine Pausen eingeben und es sind auch keine Noten möglich, die länger als ein Step sind. Deshalb ist die Funktion nicht wirklich mit einem „echten“ Sequencer vergleichbar. Gerade im Live-Betrieb ist das trotzdem eine tolle Möglichkeit, um auf die Schnelle eine kurze Sequenz zu erstellen, die sich dann während des Abspielens über die Tastatur transponieren lässt.

Sehr schön ist auch die Möglichkeit, den Arpeggiator für die einzelnen Voices bzw. CV/Gate-Ausgänge separat zu aktivieren bzw. zu deaktivieren. Eine entsprechende Ausstattung mit Modulen vorausgesetzt, können auf diese Weise vielschichtige Patches mit interessanter Rhythmik entstehen.

Rückseitige Anschlüsse

Werfen wir zum Schluss einen kurzen Blick auf die Rückseite, wo sich alle Anschlüsse zur „Außenwelt“ befinden. Neben der Buchse für das mitgelieferte Netzteil gibt es hier die besagten Audio- Ausgänge (2x 6,3 mm Klinke TS) und einen Stereo-Kopfhörerausgang. Darüber hinaus bietet das NiftyKEYZ MIDI In/Out im 5-Pol-DIN-Format, USB (class compliant) und zwei Pedalanschlüsse (Sustain und Expression).

Über MIDI und USB wird die Brücke zur digitalen Welt und beispielsweise einer DAW geschlagen. Auch dabei überzeugt das NiftyKEYZ durch viel Flexibilität. So lassen sich die vier CV/Gate-Paare und auch die beiden Keyboard-Zonen auf Wunsch verschiedenen MIDI-Kanälen zuweisen. Auch komplexe Patches, die deutlich über die Module hinausgehen, die physisch in das Keyboard passen, kann man somit umfassend über MIDI steuern.

Cre8audio NiftyKEYZ

USB, MIDI und zwei Pedalanschlüsse

Fazit

Mit dem NiftyKEYZ hat Cre8audio die Antwort für alle, die das eingestellte Waldorf kb37 vermissen. Das Controller-Keyboard mit 49 Tasten und integriertem 112-HP-Eurorack-Case schlägt die Brücke zwischen der modularen Welt und einer umfassenden Steuerung per Tastatur. Durch flexibel zuweisbare Controller wie Velocity, Aftertouch, Modulation, Pitchbend, Sustain und Expression-Pedal ist NiftyKEYZ die ideale Lösung für alle, die ein Eurorack-System ausdrucksstark spielen möchten. Der interne Arpeggiator bietet zusätzlich eine rudimentäre Sequencer-Funktion, mit der sich auf die Schnelle eigene Sequenzen erstellen lassen. Dank der vier CV/Gate-Ausgangspaare, bis zu vierstimmiger Polyphonie, einem Auto-Chord-Modus und zwei unabhängigen Tastaturzonen geht das Keyboard insgesamt deutlich über den Funktionsumfang des kb37 hinaus und eignet sich auch zur Steuerung komplexer Patches über den internen Modulschacht hinaus. Hinzu kommen gute Ideen wie die Möglichkeit, den Arpeggiator/Sequencer selektiv einzelnen Stimmen zuzuweisen. So ist das NiftyKEYZ nicht nur prädestiniert für Eurorack-Livesets, sondern bildet auch eine umfassende Schnittstelle zwischen einem Modularsystem und einer DAW.

Cre8audio NiftyKEYZ

Cre8audio NiftyKEYZ: Endlich gibt es wieder ein Eurorack-Keyboard

Preis und Verfügbarkeit

Das Cre8audio NiftyKEYZ ist ab sofort erhältlich. Ihr könnt das Keyboard hier bei Thomann* zum Preis von 599 Euro bestellen.

cre8audio NiftyKEYZ

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Bildquellen:
  • Cre8audio NiftyKEYZ: 112 HP Platz für Eurorack-Module: Gearnews
  • Das NiftyKEYZ bietet 15 Modulanschlüsse: Gearnews
  • Ein Arpeggiator ist integriert: Gearnews
  • Das NiftyKEYZ bietet bis zu vierstimmige Polyphonie: Gearnews
  • Für die beiden Ausgänge stehen je zwei Patch-Inputs bereit: Gearnews
  • USB, MIDI und zwei Pedalanschlüsse: Gearnews
  • Cre8audio NiftyKEYZ: Endlich gibt es wieder ein Eurorack-Keyboard: Gearnews
Cre8audio NiftyKEYZ Test

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3 Antworten zu “Angecheckt: Cre8audio NiftyKEYZ – Keyboard für Eurorack-Module”

    Peter Lustig sagt:
    0

    Kann mir nicht vorstellen, dass es bei dem Preis ein großer Erfolg wird.

    Marco sagt:
    0

    Also ich dachte es wäre teurer. Aber immerhin haben sie es nicht total übertrieben. Trotzdem ist die Idee nur gut für Angeber denn brauchen tut sowas kein Mensch!

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