von Julian Schmauch | Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten
Angecheckt: Tracktion Novum - Granular-Synth-Plug-in

Angecheckt: Tracktion Novum - Granular-Synth-Plug-in  ·  Quelle: Tracktion / Gearnews

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Granular-Synthesizer der Zukunft! Tracktion Novum analysiert Audiomaterial durch Machine Learning. Dadurch kann jede Audiodatei in sechs Layer gesplittet werden. Und jeder Layer kann separat moduliert und abgespielt werden. Das Resultat: abgefahrene Lead-Sounds, minutenlange riesige Pads, Drones bis zum Horizont. Novum haben wir uns in einem Angecheckt mal näher angeschaut

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Tracktion Novum – Die Idee

Angecheckt: Tracktion Novum - Granular-Synth-Plug-in

Ähnliche Optik wie in Abyss.

Der neuste Wurf von Dawesome, (Vertrieb durch Tracktion) die man bereits von Abyss und Sinee Chop Suey kennt, basiert auf dem Prinzip Granular-Synthese. So wird hier Audiomaterial, statt Oszillatoren, als Basis der Klangerzeugung genutzt. Und das wird nicht etwas einfach abgespielt, wie in einem Sampler. Vielmehr zerteilt die Granular-Engine das Quellmaterial in unzählige kleine Audioschnipsel, Grains. Und diese werden dann in unterschiedlicher Tonhöhe und Geschwindigkeit abgespielt. Granular-Synth-Sounds flirren und glitzern typischerweise.

Novum geht aber einen, wenn nicht mehrere Schritte weiter. So analysiert ein Machine Learning Algorithmus das Audiomaterial und teilt es in sechs Layer auf. Ähnlich wie bei Algorithmen zum Trennen von Vocals und Musik wird hier nicht nach Frequenz, sondern nach Klangfarbe getrennt. Und jeder der sechs Layer kann in Novum mit eigener Geschwindigkeit, Tonhöhe, eigener Granular-Engine und separater Modulation abgespielt werden – gleichzeitig. MPE-fähig ist das Plug-in auch.

Installation und Presets

Angecheckt: Tracktion Novum - Granular-Synth-Plug-in

Jede Menge Drones.

Die Installation von Novum beinhaltet zwei Dateien – das Setup und die Sounds. Nachdem man das Plug-in installiert hat, muss man nämlich die Sounds noch in Novum importierten. Das geht ganz leicht, in dem man die 1,5-Gigabyte große Zip-Datei an einen gewünschten Ort entpackt. Dann zieht man den entpackten Ordner auf das in der eigenen DAW geöffnete Novum. Schon kann man aus über 300 Presets auswählen.

Ein Schwerpunkt von Novum sind die Drones, also Sounds, die oft minutenlang wandern und mäandern. Gut für Ambient. Dazu haben einige Sounddesigner wie Data Broth, Yuli Yolo und Tomavatars tief in ihren Sounddesign-Trickkisten gegraben. Wann immer ein Sound gefällt, markiert man ihn am besten mit dem Favoritenstern oben am Preset-Namen. So sammelt man über die Zeit die besten Sounds aus Novum. Und diese lässt man sich anzeigen, indem man wiederum den kleinen grünen Stern am Suchfenster aktiviert. Dann werden darunter die Favoriten-Presets aufgelistet.

Workflow und Sounddesign

Hat man ein Preset geladen und einige Noten gespielt, gibt es in der Mitte der Benutzeroberfläche die sechs Layer als erste Ziel für Sounddesign. Jeder kann deaktiviert werden. Allein damit lassen sich Presets, wie auch eigene Samples ganz schnell verändern. Auch kann man den Sound, ähnlich wie in Abyss, durch die bunte Timbre Flower im unteren Bereich noch einmal verändern. Hier wird man schnell merken: es braucht bei der Arbeit mit Novum immer etwas Geduld. Denn viele Änderungen, wie die durch die Timbre Flower, brauchen seinige Sekunden, bis man das Resultat hört. Machine Learning braucht CPU.

Als erstes klickt man sich durch die unteren Bereiche „Timbre“, „Env“ und „Syn“. In ersterem passt man die Granular-Engine an. Wie viele Grains, wie schnell, wie zufällig im Stereopanorama, wie lang. Bei ENV wird die Hüllkurve, also der Lautstärkeverlauf, des gerade angewählten Layers angezeigt. Wer zu Sounddesign-Spieleren aufgelegt ist, kann in der Wellenform herummalen und neue Rhythmen erzeugen. Am wichtigsten sind hier aber der Speed-Parameter für die Abspielgeschwindigkeit und die Parameter L1 und L2 für den Loop-Bereich.

Bei SYN stellt man die Tonhöhe des Audiomaterials ein. Praktisch hier: hat man per Drag-And-Drop ein Sample geladen, dessen Tonhöhe man nicht kennt, kann man Novum über den Button „Estimate“ die Tonhöhe erkennen lassen. Dazu gibt es hier ein Filter (LP24, LP12, HP24, HP12, BP24, BP12) mit Cutoff, Resonance und zwei Distortion-Einheiten. Und eine weitere Besonderheit: Syntify. Laut Dawesome-Kopf Peter Vorlaender so etwas wie ein umgekehrtes Filter. Damit werden keine Obertöne gedämpft, sondern erzeugt.

Layer, Effekte und eigene Samples in Novum

Angecheckt: Tracktion Novum - Granular-Synth-Plug-in

In der Mitte die sechs Effekte, links das Favoriten-System.

Richtig riesig und, was Sounddesign betrifft, absolut einzigartig wird Novum, wenn man die sechs Layer voneinander entkoppelt. Man sieht an vielen Parametern in den drei Bereichen Timbre, Env und Syn ein kleines Orange-farbenes Symbol. Das zeigt an, dass die gerade gemachte Einstellung alle sechs Layer verändert. Deaktiviert man dieses Symbol zum Beispiel bei „Speed“, so kann jeder der sechs Klangfarben in eigener Geschwindigkeit abgespielt werden. Auch Tonhöhe, Abspielrichtung und Granular-Enginge können individuell pro Layer eingestellt werden. Eine Sounddesign-Möglichkeit, die ich so noch nicht gesehen habe.

Wem das alles noch nicht reicht, dem bietet Novum noch sechs Effekte: Clouds-Reverb, Shimmer-Reverb, Reverb, Delay, Chorus und Phaser. Außerdem gibt es neun MIDI-Modulatoren wie CC, Modwheel und die MPE-Signale Slide, Pressure, Lift und Glide. Auch vier interne Modulatoren (LFO, ADSR, Step und Random) sind dabei.

Der Import von eigenen Samples ist denkbar einfach. Bis zu 30 Sekunden lange Audiodateien (WAV, MP3, AIFF/AIF, FLAC und Ogg Vorbis, Sample Rates 44,1, 48 und 96 kHz, Bit Rates 16, 24 und 32 Bit) können aus der DAW oder dem System in Novum gezogen werden. Wer sich von den Sounddesign-Möglichkeiten des Plug-ins anfangs etwas erschlagen fühlt, für den gibt es die praktische Verriegel-Funktion rechts an den sechs Layern. Aktiviert man diese und wechselt das Preset, bleibt die Audiodatei erhalten, nur alle Einstellungen und Modulationen ändern sich.

Fazit

Ich habe lange nicht mehr mit einem Plug-in produziert, das so viele Wow-Momente bietet. Wer Absynth 5, sträflich von Native Instruments vernachlässigtes Lieblings-Instrument vieler Filmmusik-Komponisten, mochte, wird Novum lieben. Hier wurde an so vielen Punkten weiter- aber auch mitgedacht. Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass Granular-Synthese, insbesondere in der hier präsentierten Form, nicht unbedingt CPU-freundlich ist. Oft dauert das Laden von Presets einige Sekunden. Auch das Anpassen des Sounds passiert nicht immer sofort. Sobald Novum aber die Änderungen berechnet hat, läuft es wieder in Echtzeit und spielt wunderschöne Klangwolken und epische Drones, wie es sonst keiner kann.

Preis und Spezifikationen

Tracktion Novum gibt es im Format VST3 ab Windows 10. Bei macOS (ab 10.12) gibt die Plug-in-Formate AU und VST 3. Eine vollumfängliche 90-Tage-Demoversion könnt ihr auf der Website laden.

Das Granular-Synth-Plug-in kostet zur Einführung 125 Dollar (bis 02.07.2022, danach 179 Dollar). Besitzer von Tracktion Abyss erhalten das Plug-in für 107 Dollar (ebenfalls bis 02.07.2022)

Infos über Tracktion und Dawesome

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3 Antworten zu “Angecheckt: Tracktion Novum – Granular-Synth-Plug-in”

  1. Zeph sagt:

    Plasmonic von Rhizomatic, dem ursprünglichem Entwickler von Absynth, ist dessen geistiger wie auch direkter Nachfolger. Auch ein Grund, warum es nie einen Absynth 6 von NI geben wird, nicht mal ne VST3 Version des 5er. Ausprobieren lohnt sich, heute zufällig noch im Angebot für 99€.

  2. Sonja Dammriss sagt:

    Wo gibt es das für 99€?

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