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Fender Reflecting Pool Reverb Delay Effekt Pedal Teaser

So gut (oder schlecht?) ist das Flaggschiff von Fender!  ·  Quelle: Claudius, Gearnews

So superneu ist das Fender Reflecting Pool nicht, es wurde bereits auf der NAMM 2019 vorgestellt und kam letzten Oktober dann endlich in den Handel. Seitdem erfreut es sich größter Beliebtheit unter den Gitarristen, denn viele Effektpedale gibt es nicht, die Reverb und Delay verbinden, und dann noch beide separat schalten lassen – und einen eingebauten Tap-Tempo-Fußschalter mitbringen. Grund genug für mich, die knapp 260 Euro in die Hand zu nehmen und das Pedal auf mein Board zu schnallen.

Worte vorab

Nur zur Sicherheit: Aufgrund der aktuellen Lage (Corona und so) kann ich nichts über die Gig- oder Proberaumtauglichkeit im Live-Bandgefüge sagen, wohl aber über die Recording- und (alleine) Jammöglichkeiten in den eigenen vier Wänden und Mixing in der DAW.

Fender Reflecting Pool Reverb Delay Effekt Pedal Board

Versuchsaufbau

Fender Reflecting Pool Features

Wie schon eingangs erwähnt, es ist das vermutlich aufwändigste Effektpedal von Fender, das Reverb und Delay in einem Gehäuse verbindet. Die Besonderheit: Beide sind separat aktivierbar und das Delay hat einen eigenen Fußschalter für Tap-Tempo – obligatorisch für mich, weil ich nicht noch ein weiteres Tap-Pedal kaufen möchte. Beide „Seiten“ gab es so oder so ähnlich bereits als eigenständige Effektpedale.

Das Reverb kommt grundlegend aus dem Marine Layer Reverb* Pedal, das bei einigen Händlern aktuell ausgelistet ist und anscheinend erst später wieder reinkommt. Die Regler und Schalter und damit einige Funktionen sind anders, einige fallen komplett weg. Vorhanden sind Regler für Decay, Damp, Level und Extra, dazu Kippschalter für Type (Hall, Room, Special) und Variation (1-3).

Das Delay reicht verdächtig nach dem Mirror Image Delay*, wurde um den bereits erwähnten Tap-Tempo-Fußschalter erweitert, einige Regler sind anders benannt, der Mix-Regler für den Subdivision-Delay ist neu. Kippschalter für Type (Digital, Analog, Tape), Subdivision (50 %, 66 %, 75 %) und Quality (1-3). Also eine Variation (Type) mehr als beim kleineren Vorbild.

Der Preis ist zu beiden „Vorgängern“ leicht gestiegen, das Reflecting Pool kostet bei Thomann aktuell 259 Euro*, das Mirror Image Delay 100 Euro, das Marine Layer Reverb lag bei ca. 110 Euro.

Dafür bekomme ich mehr Möglichkeiten, auch wenn ich einiges immer noch zum vollendetem Glück vermisse. Die Verarbeitung ist übrigens absolut fehlerfrei und es wirkt, als wird es viele, viele Jahre auf der Bühne überstehen.

Meine Erfahrung

So viele Möglichkeiten bedürfen einiger Zeit zur Eingewöhnung. Nach 2-3 Tagen hat ich das komplette Pedal mir dann aber erschlossen und ich kann es auch im Dunkeln bedienen. Durch die abschaltbaren LED-Regler ist das gar nicht so schwer. Und es hat mich so sehr verwöhnt, dass ich das bei anderen Pedalen auch gern möchte.

Das sehr kurze Handbuch hilft beim Einstieg aber und ist eher ein Quick Start. Starten wir mit dem Delay – dem für viele wohl wichtigsten Effekt in diesem Pedal. Übrigens basieren meine Erfahrungen auf dem Einsatz mit einer US-Jazzmaster und einem Stratnachbau direkt in mein Mooer Radar und von da in die DAW.

Fender Reflecting Pool Reverb Delay Effekt Pedal Delayeffekt

Delay

Ich kann dich direkt beruhigen: Es ist ein durchweg brauchbares und wie ich finde sehr gut klingendes Delay-Pedal. Jeder Regler hat eine Funktion (genau mein Ding) und ist sinnvoll platziert. Jeder Modus klingt genau so, wie er soll, vor allem analog trifft das Voicing gut und ist durch dem Damping-Regler dabei klanglich im voranschreitenden Feedback nicht so scharf und kantig wie das MXR Carbon Copy – das hatte mich immer an dem gestört. Tape haut mich nicht von den Socken, ist dennoch Butter und Brot und klingt definitiv nach Tape. An ein Volante oder Replicator kommt es wohl aber nicht ran. Und digital ist eben klar und ohne Verluste – so soll es sein. Mit dem Quality-Kippschalter nimmt mit steigender Zahl die Klangqualität der Feedbacks ab, eben wie altes Tape oder manche „analoge“ BBD-Schaltung. Mein Favorit: Analog, Quality 3.

Dazu kommen der wirklich interessante Mix-Regler, der Haupt-Delay und Subdivisions mischt und man so interessante Rhythmen erzeugen kann. Und die Modulation ist zudem auch sehr cool, wirkt sich aber leider nur auf das Feedback und nicht auf alles aus.

Leider versäumt es Fender, im Handbuch eine relativ wichtige Funktion zu erwähnen: Bei gehaltenem Tap-Tempo am Time-Regler drehen ändert das Tapping auf die entsprechenden „Subdivisions“ – das durfte ich erst im unten verlinkten Video erfahren, als ich es mir für diesen Artikel anschaute. So sehr es mich ärgert, so sehr freut es mich, auch nach einiger Zeit eine tolle neue Funktion zu entdecken.

Fender Reflecting Pool Reverb Delay Effekt Pedal Reverbeffekt

Reverb

Zusammen mit dem Delay wird das Reflecting Pool damit zum wohl flexibelsten Pedal von Fender. Hall, Room und Special klingen für sich sehr gut, ich finde, als Gitarrist wären Spring und Plate weitaus interessanter als Room und Hall. Bei den Specials gibt es Shimmer, Gated/Reverse und Modulated/Large als Modi, vor allem der letzte hat es mir angetan und ist eigentlich mein Effekt der Stunde. Alle anderen empfinde ich durch das fehlenden Pre-Delay eher als störend, sie setzten einfach zu spät ein und fühlen sich dadurch nicht so kuschelig an, wie ich es von einem Reverb erwarte. Vielleicht passen sie einfach nicht zu meinem Stil?

Der Variation-Schalter macht dir Räume bei Hall und Room übrigens mit steigender Zahl größer, mit dem Decay-Regler sind hier wirklich kleine (hallige) Slapbacks und riesige Ambient-Wände möglich.

Hervorzuheben ist auch der Extra-Regler, der je nach vorher gewähltem Typ eine andere Funktion hat, Low Cut, Octave Up, Gate oder Modulation Depth. Das ergibt überall Sinn, beim Octave Shimmerwürde ich mir allerdings noch mehr von dem Effekt wünschen, der setzt wie die anderen eben erst recht spät ein und könnte für mein Empfinden noch präsenter sein.

Problemstellen

Es ist nicht alles super an dem Pedal, wobei mein Gemecker auf hohem Niveau stattfindet. Für das Geld darf ich aber auch meckern.

Fender baut die Pedale vermutlich für gleißenden Sonnenschein und nicht für dunkle Bühnen oder das stille Kämmerlein im Keller. Die Status-LEDs sind dermaßen hell, dass ich sie doppelt mit weißem Gewebeklebeband überklebt habe, damit sie genau so hell wie meine anderen LEDs auf dem Board scheinen und mir langfristig keine schwarzen Flecken vorm Auge beschehren. Die LEDs in den Reglern lassen sich immerhin abschalten. Vielleicht sollte Fender eine Sonnenfinsternis- oder Schweißerbrille beilegen?

Dass beim Reverb mir das Pre-Delay fehlt, würde ich mal als Feature sehen, denn nicht alle brauchen das. Schade ist allerdings, dass es keinen Expression-Input gibt. Beim Delay wahlweise auf Dry-Wet, Time oder Modulation (oder alle zusammen), beim Reverb auf den Dry-Wet oder Decay. Das würde sich wie warme Schrippen verkaufen. Dafür gibt es eine zusätzliche Tap-Tempo-Buchse. Na ja.

Auch wenn nicht viel mehr Platz auf der Rückseite neben den Dual-Mono-Inputs und Outputs ist, wäre ein FX-Loop zwischen den Pedalen auch noch ziemlich cool, aber eher was für eine Deluxe-Version. Dann würde ich mir auch eine MIDI-Buchse wünschen, mit denen ich ein paar Presets ablegen kann. Ich vermute, dass hier digital gesteuert wird, dann wäre das sicherlich einfach einbaubar.

Fender Reflecting Pool Reverb Delay Effekt Pedal Rueckseite

Viel mehr stört mich noch, dass ich zwar Tails und Bypass umschalten kann, aber nicht die Reihenfolge der beiden Effekte. Die ist immer fix. Reverb ins Delay und Delay ins Reverb – wäre kein Hexenwerk und würde das Pedal noch weiter aufwerten. Aufgrund der Bauweise mit den zwei quasi vorhandenen Vorgängerpedalen sicher auch nicht unmöglich.

Wenn das alles in einer V2- oder Deluxe-Version verbaut wäre: Ich würde es mir wohl noch mal nur deswegen kaufen. Ich weiß, dass Fender hier mitliest, also Fender: Go for it!

Bei der Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass ich beim allerersten Benutzen das Pedal zu einem kompletten Freeze bekommen habe. Ich habe einfach alle Regler gedreht und rumgeschaltet und plötzlich ging gar nichts mehr. Kein Regler hat den Sound verändert, kein Fußschalter reagierte, es wurde überhaupt kein Reverb oder Delay auf mein Signal gerechnet. Strom-Reset und seitdem kam der Fehler nie wieder. Und: Beim Tap-FS festhalten und Time-Regler drehen ruckelt die Modulations-Rate-LED, fängt sich dann aber schnell. Solange das nur kosmetisch ist, stört es mich nicht weiter.

Fazit

Das Fender Reflecting Pool ist ein extrem gutes mono und stereo nutzbares Pedal, sehr vielseitig und auch klanglich top. Mir fehlt der direkte A/B-Vergleich, aber Analog- und Tape-Delay klingen einwandfrei nach den Vorbildern und die Variationen sind extrem praktisch. Auch Tap-Tempo ist essentiell und sinnvoll integriert. Und Digital ist einfach nur klar und so steril, wie es sein sollte.

Beim Reverb habe ich klanglich so meine Bauchschmerzen, allerdings nur, weil ich nicht unbedingt diese Sounds suchte und eigentlich nur ein Modus (Special / Var 3) so richtig überzeugt. Dafür gibt es echt viele Grundsounds an die Hand – bei fehlendem Pre-Delay-Regler, denn mir setzen die Sounds grundlegend zu spät ein.

Dennoch: Ein echt tolles Pedal mit sehr vielen Möglichkeiten. Als Ambient-Maschine genau so brauchbar wie als Solo-Andickung oder Live-Rumflickel-Noise-Maschine.

Ich werde mich von meinem Fender Reflecting Pool eventuell für die richtigen Einzelpedale wohl wieder trennen. Aktuell geht mein Blick Richtung Slö und Rubberneck, da diese beiden Modi im Fender bei mir eh daueraktiv sind, seit ich die richtigen Einstellungen gefunden habe. Allerdings würden die zusammen deutlich mehr kosten. Daher bleibe ich wohl doch erst einmal beim Fender mit abgeklebten LEDs.

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Videos

2 Antworten zu “Angecheckt: Fender Reflecting Pool Reverb & Delay Effektpedal”

  1. Dave sagt:

    Danke für den Erfahrungsbericht! :)

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