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Angecheckt BOSS GT-1000 CORE und Pocket GT  ·  Quelle: Stephan Pfaff

Es ist lang her, dass ich mich dem Modeling von BOSS gewidmet habe. Meine letzte Erfahrung mit einem Multieffektgerät des Herstellers war das GT-10B anno 2008. Seither hat sich einiges getan. ;-) Höchste Zeit, einen Blick auf das BOSS GT-1000CORE und Pocket GT zu werfen.

Hinweis: Die Geräte wurden uns kostenlos und ohne Anspruch an den Text oder eine Aussage von ROLAND zur Verfügung gestellt.

BOSS GT-1000CORE

Beginnen wir mit der Hardware. Das Gerät ist super kompakt, die Größe gefällt mir auf Anhieb sehr. Natürlich ist dieses Format ganz klar als Konkurrent zum HX Stomp zu sehen. 24 simultane Effektblöcke, sieben Regler und sechs Taster – das GT-1000CORE hat auf den ersten Blick klar die Nase vorn. Die vielen Regler beschleunigen die Bedienung immens, sind allerdings auch notwendig. Doch dazu später mehr.

Die Verarbeitung ist ausgezeichnet und lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass wir es hier mit einem professionellen Produkt zu tun haben, das auch einem rauen Touralltag Stand hält. Das Display ist für den Benutzer gut von oben abzulesen – sowohl bei Tageslicht, als auch auf einer dunklen Bühne, ohne dabei zu blenden. Unter der Haube haben wir es mit 32-bit AD/DA und 32-bit/96kHz Signalwandlung zu tun. Beachtlich!

Bedienungsanleitung empfohlen

Ich bin ein großer Freund von Geräten, die sich schnell und im Idealfall ohne Manual erschließen. Beim BOSS GT-1000CORE war der Griff zur Bedienungsanleitung für mich definitiv notwendig. BOSS hat ganz klar eine eigene Herangehensweise. Langjährigen Nutzern ihrer Produkte mag der Workflow längst vertraut sein, für mich als Quereinsteiger erfordert er jedoch etwas Umgewöhnung.

Weil man heutzutage dank hochauflösender Displays für gewöhnlich mit einem tollen Graphical User Interface (GUI) verwöhnt wird, wirkt die minimalistische mehrseitige Darstellung der beeindruckenden Effektkette auf mich ziemlich old school. Die gute Nachricht: So werdet ihr nicht durch opulente Grafikdarstellungen abgelenkt und könnt euch auf das konzentrieren, was wirklich zählt: den Klang!

 

Der BOSS-Weg

In der Praxis ist dann auch alles möglich, was ihr von anderen Geräten kennt. Vielleicht sogar noch einiges mehr! Generell empfehle ich euch das Klangschrauben über den Editor am PC oder Mac. Der Zugriff ist damit viel schneller und erspart das euch das viele Scrollen.

Ein Beispiel, wo ich selbst umdenken musste: Während die meisten anderen Amp-Modeler für gewöhnlich über separate Blöcke für Preamp, Cab/IR und manchmal sogar Poweramp verfügen, sind diese Komponenten mit der hauseigenen AIRD Technologie (Augmented Impulse Response Dynamics) alle in einem einzigen Block gebündelt. Das spart Zeit und nimmt euch Entscheidungen ab. Vorausgesetzt, ihr seid mit dem klanglichen Ergebnis einverstanden.

Um Änderungen an den Lautsprechern vornehmen zu können, muss das Gerät in den Recording-Modus versetzt werden. Dann findet ihr am Ende der Signalkette Platz für 16 eurer liebsten Impulse Responses. Das dürfte Spieler, die es gewohnt sind eigene IRs zu verwenden oder aus 2-3 passenden Alternativen zu wählen, verwirren.

Und wie klingt das jetzt?

Los geht’s, E-Gitarre und E-Bass gestimmt und ab dafür. Die Ampsimulationen fühlen sich stets dynamisch und zugleich punchy an, eine Trägheit ist nicht im Geringsten wahrnehmbar. Sehr schön! Möglicherweise gehört es zur Verkaufsstrategie, dass die Presets bis zum Rand voll mit Gain, wilden EQ-Kurven, Effekten, Kompressoren und Reverbs bestückt sind.

Für mein Empfinden würde sich der Hersteller einen Gefallen tun, wenn er wenigstens die ersten fünf Beispielklänge etwas zahmer gestalten würde. Deaktiviert man die vielen Blöcke für Kompression, EQ, Distortion, Stereodingsbums, super breiten Reverb, etc. und selektiert einfach nur einen simplen Tweed mit etwas Federhall, stellt man fest, dass die Simulationen durchaus Freude bereiten und sich nicht hinter all dem Geschwurbel verstecken müssen!

Selbstverständlich kann BOSS stark bei den Effekten punkten: Vintage Stomp Models, MDP FX Processing, DD-500 und MD-500 und vieles mehr. Das ist wirklich eine Menge, was einem hier geboten wird. Richtig überrascht haben mich außerdem die Akustiksimulationen. So kann ich trotz fehlender Steel- oder 12-String meine Songideen mit eben diesem Klang untermalen. Cool! Bassisten werden leider vor den Kopf gestoßen. Denn das BOSS GT-1000CORE verfügt über ganze drei (3!) Bassverstärker. Zwar gefiel mir davon „Natural Bass“ wirklich richtig gut, aber so kann man nicht konkurrieren. Das ist schade, denn die Möglichkeit zu parallelen Pfaden für deftige Heavy-Klänge mit komprimiertem Low-End und verzerrtem Hi-End sind gleich vielfach gegeben und denen des HX Stomp deutlich überlegen!

 

Volle Power!

Ich weiß nicht wer so was braucht, aber 24 simultane Effekte sind wirklich eine Ansage! Fairerweise sollte erwähnt werden, dass es sich, ähnlich wie beim Pod Go, um eine semi-festgelegte Signalkette handelt. Mit anderen Worten: Vier EQs, vier einfachere Delays und zwei Noise Suppressors sind ab Werk fest belegt und nicht austauschbar. Wer das alles nicht nutzt, erhält folglich „nur“ 14 völlig frei verfügbare Effekte. Das ist noch immer mehr, als die Konkurrenz bietet.

Toll finde ich die Funktion der optimierten Ausgangs-Einstellungen für die Benutzung im Return-Eingang anderer Verstärker, z.B. den hauseigenen Nexton, Katana, aber auch andere „echte“ Röhrenverstärker. Ihr seht schon, das Gerät bietet IMMENS viele Möglichkeiten. Mein Fazit: Die Kiste klingt, liefert satte Power, hat einen sehr eigenen Workflow und ist nur bedingt für Bassisten zu empfehlen. Einen vollständigen Testbericht findet ihr auf Bonedo.de.

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BOSS Pocket GT

Erinnert sich noch jemand an das Korg Pandorra? Das Pocket GT mag das gleiche Format haben, kommt jedoch mit einem State of the Art-Klangerlebnis daher, bei dem das Pandorra vor Neid erblasst. Es handelt sich um genau die Klänge der großen GT-Geschwister. Und so wundert es nicht, dass die Patches sogar untereinander kompatibel und austauschbar sind. Sehr cool!

Mit dem Pocket GT und der passenden APP fürs Telefon kam ich auf Anhieb gut zurecht! Trotzdem empfehle ich euch das bereits auf dem Gerät hinterlegte Einleitungsvideo mit Alex Hutchings. Besser kann man es einfach nicht erklären und mir sind einige sehr coole Funktionen vorgeführt geworden, die ich möglicherweise übersehen hätte!

Weil ich etwas voreilig war, hatte ich es zuerst nicht geschafft, das Audiosignal des Smartphones auf den am Pocket GT angeschlossenen Kopfhörern zu hören. Es sei jedoch versichert, dass diese super coole kabellose Übertragung sehr wohl möglich ist. Ihr müsst die Geräte in der Reihenfolge Bluetooth-Audio und erst danach Bluetooth-MIDI koppeln – genau wie im Video erklärt. ;o)

 

Üben mit YouTube

In der unbedingt zu empfehlenden dazugehörigen App gibt es eine YouTube-Integration. Unterstützte Videos können auf euer Smartphone oder Tablet heruntergeladen und über die Transport-Tasten Play/Pause, Vorwärts, Rückwärts des Pocket GT gesteuert werden. Auch Sprünge von 10 Sekunden (oder frei wählbar) sind möglich. Cool!

Die Idee ist hervorragend, denn von Lehrvideos bis zu Backing Tracks zum Jammen gibt es heutzutage sehr viele Möglichkeiten, um sich fortzubilden oder einfach Spaß mit dem Instrument zu haben. Doch damit nicht genug. Ihr könnt Marker in die Videos setzen, um beispielsweise sofort zu den wichtigen Passagen zu springen oder sie im Loop im Kreis laufen zu lassen. Darüber hinaus können diese Marker mit eigenen Klangeinstellungen versehen werden. So habt ihr mit einem Klick immer den richtigen Sound parat. Das ist wirklich überzeugend. (Und ebenfalls im Einleitungsvideo anschaulich präsentiert.) Videos können inklusive „Sound Marker“ mit Freunden geteilt werden.

Tolles Übungsgerät für zu Hause und unterwegs

Die wenigen Regler am Gehäuse sind überraschend gut implementiert. So hat man mit nur drei Reglern und dem Select-Taster für die zweite Ebene in Windeseile Gain, Level, Reverb, OD//DS, Modulation und Delay nachjustiert. Mir gefällt die einfache Menüführung am Gerät selbst, trotzdem sollte jedem klar sein, dass die App den Zugriff stark erweitert.

Während ich mit den Klängen für die E-Gitarre rundum zufrieden war, musste ich feststellen, dass es für den Bass leider nur einen (1!) dedizierten Bass-Vorverstärker für Clean-Sounds mit DI-Stempel gibt. Come on, BOSS!

Der fest verbaute Akku wird über USB geladen und erzielt ca. 4 Stunden Batteriebetrieb. Zur Not geht’s also einfach mit der Powerbank weiter. Sehr gut! Meiner Meinung nach ist das Pocket GT ein wunderbares Übungsgerät für zu Hause und unterwegs. Einfach YouTube oder Spotify anwerfen und ab geht die Post!

Auch zu diesem Gerät findet ihr einen vollständigen Testbericht auf Bonedo.de.

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