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 ·  Quelle: Stephan Pfaff

So habe ich das gern: Mitte November wurde er vorgestellt und schon drei Wochen später durfte ich den neuesten Modeling-Boliden unter die Lupe nehmen. Wie sich der Amp anfühlt und wie er sich neben einem BOSS Katana 50 schlägt, erfahrt ihr in diesem Angecheckt: BOSS Nextone Special.

Angecheckt: BOSS Nextone Special

Das Paket ist groß und der UPS-Mitarbeiter hat über beide Ohren gestrahlt, als ich ihn zufällig vor dem Hauseingang traf und ihm anbot, dass ich es selbst in den zweiten Stock eines Berliner Altbaus tragen könnte. Hatte ich mir etwa ein Ei gelegt? Zum Glück nicht. 18 kg sind für einen Verstärker dieser Größe echt in Ordnung – da hatte ich schon weitaus schwere Bassboxen in der Hand. Die Neugierde war groß, also schnell das Gerät ausgepackt und nicht schlecht gestaunt: So viele Regler!

Power Control: Für daheim und auf der Bühne

Lasst uns eine Sache klarstellen: Der Nextone Special kann schweinelaut aufgedreht werden! Uiuiui, da habe ich nicht schlecht geguckt, als mir zunächst die vollen 80 Watt eine Fönfrisur verpasst haben. Umso mehr bin ich froh, dass mit der neuen Serie zwei weitere Positionen zur Reduzierung der Leistung hinzugekommen sind. Denn während der Nextone Artist lediglich über drei Positionen verfügt (80, 40 und 0,5 Watt), wartet der Special mit einer Unterteilung in 80, 60, 40, 20 und 0,5 Watt auf. Wo wir gerade beim Thema sind: Der Unterschied zwischen 0,5 und 20 Watt ist auch schon recht amtlich.

Das macht den Verstärker trotz seiner Größe auch in meinem kleinen Musikzimmer wunderbar umgänglich. Doch die unterschiedlichen Einstellungen helfen nicht nur bei der Aufrechterhaltung der nachbarschaftlichen Beziehungen. Denn wie auch schon bei den Vorgängern, hat der Spieler die Möglichkeit, sich seine Lieblingsröhren für die Endstufenbelegung auszuwählen. Die Unterscheide zwischen 6V6, 6L6, EL84 und EL34 sind natürlich umso mehr hör- und spürbar, je weiter ihr die Endstufe aufdreht. Meine Lieblingsposition im stillen Kämmerlein waren entweder 0,5 Watt voll aufgerissen oder 20 Watt halbwegs human in der Mitte gefahren. Alles andere ist im Altbau leider zu laut, macht aber große Lust auf Proberaum und Bühne.

Volle Kontrolle

Wo wir schon bei Neuerungen sind. Bei der Frage, was man bei der neuen Auflage hinzufügen sollte, war wohl die einfache Antwort: „Von allem mehr, bitte!“. So finden wir nun alles doppelt – zwei voll ausgestattete Kanäle mit allem drum und dran. Jetzt erhält jeder Kanal sein eigenes Voicing, EQ, Effekte, Solo Boost und zu guter Letzt auch die Power-Amp-Section. Da kann man sich schon ganz schön ins Jenseits schrauben. Die vielen Regler sorgen wohl auch für die geänderte Platzierung der Bedieneinheit. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir ein Toploader lieber gewesen wäre, da man, sofern der Amp auf dem Boden steht, sich gerade zu Beginn oft bücken muss, um alle Funktionen auszuprobieren. Wahrscheinlich ist es technisch nicht anders umsetzbar gewesen.

Nextone Special vs Katana MK I

Just for fun habe ich meinen Katana 50 der ersten Generation daneben gestellt und die beiden miteinander verglichen. Das hätte ich wohl besser nicht tun sollen, denn im Direktvergleich klingt der Special wie ein V12, der gemütlich einen Highway entlang cruist und der arme kleine Katana wie ein Mopet am Limit des Möglichen. Es ist einfach ein tolles Gefühl, eine Endstufe mit mächtig Reserven in Kombination mit einem größeren Gehäuse zu haben. Alles klingt weniger boxy und mehr dreidimensional und entspannt.

Klanglich muss ich sagen, dass mir der Clean-Kanal besser als der Overdrive gefällt. Das liegt aber an meiner Natur, denn ich höre zwar gern harte Genres, spiele aber selbst viel lieber Funk und Soul. Trotzdem hat mir gut gefallen, wie verschieden man beispielsweise das Bassverhalten durch die unterschiedlichen Röhrensimulationen und den Bottom Regler (Custom Tune, nicht zu verwechseln mit dem Bass-Regler) aussteuern kann.

Das alles und noch viel mehr …

Ihr seht schon, der Verstärker bietet allerhand und lässt sich wunderbar auf die individuellen Bedürfnisse anpassen. Alle Funktionen im Detail abzudecken, etwa den dazugehörigen Software-Editor und Recording-Optionen via USB und XLR, würde den Rahmen unseres Angecheckt-Formats sprengen. Ich kann nur empfehlen: Wenn ihr die Vorzüge moderner Technologien ohne lästige Displays und Menüs genießen wollt, geht gern in den Musikladen eures Vertrauens und spielt den Nextone Special an. Er dürfte sich in vielen Genres zu Hause fühlen und Klangschraubern durch die Fülle an Möglichkeiten glücklich stimmen.

Weitere Informationen

Weitere interessante Produkte unserer „Angecheckt“-Reihe findet ihr hier. Ihr habt Vorschläge? Dann her damit!

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Eine Antwort zu “Angecheckt: BOSS Nextone Special”

  1. Dave sagt:

    Moin Stephan,
    gut geschrieben!
    Dein Eindruck: „Klanglich muss ich sagen, dass mir der Clean-Kanal besser als der Overdrive gefällt.“ deckt sich mit meinem Test im Laden mit dem Artist oder war es der Stage? Hmm – vergessen! Glaube es war der Artist. Bis zu einem gewissen Grad fand ich den Overdrive ok. Sobald es mehr wurde, habe ich nur noch probiert den Tone zu verbessern und war ziemlich schnell frustriert.
    Ist aber wahrscheinlich alles Geschmacksache!

    Gruß

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