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Windows 10 Recording Tweaks Optimierung Taeaser

Mach dein Windows 10 zuverlässiger  ·  Quelle: Robin Vincent

Windows ist ohne Zweifel immer noch das am meisten genutzte Betriebssystem am Markt. Der Anteil sinkt zwar, gleichzeitig wachsen die Alternativen macOS und Linux, aber bis die (wenn überhaupt) gleichziehen, werden noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Aber nur weil Windows 10 aktuell das am meisten genutzte System ist, heißt das noch lange nicht, dass deswegen alles rosarot ist, wenn man das System für Audiosachen nutzen möchte. Spoiler: So schlimm wie zu Win 98 oder XP Zeiten ist es aber nicht mehr. Aber du solltest dennoch Hand anlegen. Wir geben dir wichtige Tipps, wie du deine Windows 10 Audio-Optimierung durchführst.

Disclaimer: Optimierungen am System geschehe auf deine Verantwortung. Wir übernehmen keine Haftung für enstandene Schäden!

Windows 10 und Updates

Ich hatte es schon oben erwähnt: Windows 10 ist für mich mit Abstand das beste Windows überhaupt. Und auch, wenn ich nach über 10 Jahren Mac-only zu Linux gewechselt bin, bleibt Windows bei mir immer auf einer zweiten Platte aktiv. Und auch auf meinem Thinkpad rödelt ein aktuelles Windows 10 mit November-Update. Ich will ja auf dem neusten Stand bleiben.

Was mir auffällt: Windows 10 wird recht häufig mit Updates versorgt. Zwar sind das oft nur kleinere Bugfixes, aber es ist doch deutlich mehr als bei Apples macOS. Die Major-Versionen werden bei Microsoft nicht mehr mit einer neuen Windows-Versionsnummer betitelt, aber über Major-Versionssprünge unter dem 10er Deckmantel, zuletzt waren das 2004 und 20H2. Und wie eigentlich bei jedem Major-Sprung gibt es erst einmal die Warnung an alle Profis: NICHT UPDATEN!!!111

Windows 10 Recording Optimierung Updates

Beim aktuellen Update muss ich aber sagen: Ich höre weder aus Audiokreisen wirkliche Probleme, noch habe ich selbst welche. Vorsicht sollte dennoch geboten sein. Ein Update während eines Projekts sollte so oder so nie durchgeführt werden. Daher sollten Updates direkt in den Windows Update Einstellungen abgeschaltet werden. Und damit ist der automatische Neustart auch Geschichte.

Dennoch: Es kann sein, dass nach einem Update mal ein Treiber nicht mehr läuft oder Plug-ins oder ein Programm. Daher lieber warten.

Microsoft verbietet jetzt Power Strip Tweaks für Laptops

In der neusten Version von Windows 10 hat Microsoft die Option in der Registry herausgenommen, das System via „Connected Standby“ und „CSEnabled“ weiter zu konfigurieren, als es der Normalnutzer braucht. Damit möchte MS angeblich die Performance für viele Nutzer auf eigenen Surface-Geräten verbessern. Ich empfinde das eigentlich nur als Einschränkung – das Los, wenn man nicht auf ein fast freies System setzt. Zumal nur wenige diese Option überhaupt ausgeschöpft hatten. Grundlegend pushte es das System dauerhaft an seine Grenzen, was den Akku ganz schnell (und bewusst) leergelutscht hat. Aber es gibt Abhilfe.

Jegliche Änderungen geschehen aber auf eigene Gefahr!

Autostart deaktivieren

Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dennoch verpassen viele derartig leichte Anpassungen. Im Autostart hat eigentlich kein Programm Daseinsberechtigung, wenn es um Windows 10 Audio-Optimierung geht. Kein Steam, kein Mainboard-Müll, keine Software für schicke RGB-Beleuchtung der Tastatur. Also: Alles aus.

Windows 10 Recording Optimierung Autostart

Gehe dazu in den Task Manager (Rechtsklick auf Taskleiste) → Mehr Details → Start Up / Autostart → alles auf Disabled/Deaktiviert setzen.

Hintergrundprogramme und Sprachsteuerung abschalten

Logisch! Alles im Hintergrund kann bei der Windows 10 Audio-Optimierung aus. Dabei geht es vor allem um die „Kachel-Programme“, die Windows ab Installation (zumindest bei mir) vollmüllen und dann erst mal einzeln deinstalliert werden müssen. Ebenfalls möchte ich keine (Online-) Sprachassistenz irgendwo in meiner Wohnung, also auch nicht auf dem Computer.

Windows 10 Recording Optimierung Hintergrund Apps

Zu deaktivieren unter: Systemsteuerung – Privatsphäre – Sprachsteuerung – aus

und: Systemsteuerung – Privatsphäre – Hintergrundprogramme – aus

Simpel, aber wirksam.

Anti-Virus-Software aus, Firewall aus, Internet aus

Hier kann ich nur mit meiner Erfahrung dienen: Seit ich nicht mehr „jeden Freeware-Mist“ aus dem Netz lade auf gecrackte Testversionen wie zu Win XP-Zeiten zurückgreife, bevor ich Lizenzten gekauft habe, habe ich auch keine Viren oder Malware mehr. Zumal es heute auch sinnvolle Demoversionen gibt.

Im Internet ist meine am besten funktionierende Rundumlösung Brain.exe – zusammen mit ein paar Browser-Addons wie uBlock. Externe Anti-Virenlösungen oder Firewalls nutze ich bei Windows 10 nicht, sondern nur noch das von MS eingebaute. Damit fahre ich vermeintlich sicher und ich belaste mein System nicht mehr als nötig. Die freigeschaufelte Leistung kommt dem Audio-Processing zugute. Und es gibt auch Firewalls, die Datenströme zwischen oder sogar innerhalb von Audioprogrammen blockieren.

Windows 10 Recording Optimierung Virus

Wenn du dir nicht sicher bist und Angst vor Computerviren und Co. hast, bau dir ein System unabhängig vom Internet. Festplatten kosten denkbar wenig (im Sommer weniger als im Winter) und es ist schnell aufgesetzt.

Aber: Es gibt aber auch Virenprogramme, die keine Probleme mit anderen Anwendungen machen. Wenn du dir nicht sicher bist, frag eine Suchmaschine deiner Wahl darüber aus.

Leistungsprofil „High Power“

Für Audioprogramme ist es wichtig, dass kein CPU-Scaling oder ähnliche Geschichten während der Aufnahmen passieren. Das Betriebssystem drosselt die CPU-Taktrate dynamisch, wenn sie nicht benötigt wird und fährt sie hoch, wenn mehr Leistung gebraucht wird. Gerade bei Recording-Laptops solltest du das zumindest für deine Aufnahme- und Audiobearbeitungszeit abschalten, denn sonst können unschöne Tonfehler passieren.

Leider bietet mein aktuell installiertes Windows 10 keine anderen Profile als „Balanced“ an. Das ist zum Surfen und Tippen sicherlich toll, für Audio jedoch unzureichend. Also musste ich ein neues Profil anlegen.

Windows 10 Recording Optimierung Power Shell Registry

Gehe dazu wie folgt vor:

Systemsteuerung – System – Netzbetrieb und Energiesparen – zusätzliche Energieeinstellungen – Plan ändern – folgende Änderungen vornehmen:

  • Computer Sleep: Niemals
  • Advanced Power Settings – Harddisk Sleep: 0
  • USB Suspend: Deaktiviert
  • Prozessor Leistungs Manager: 100%

Wenn das bei dir nicht neu anzulegen geht, kannst du es über die Windows Power Shell als Admin (Rechtsklick auf Startknopf) mit folgendem Befehl ein neues Profil anlegen:

powercfg -duplicatescheme e9a42b02-d5df-448d-aa00-03f14749eb61

anschließend diesen Befehl ausführen:

reg add HKLM\System\CurrentControlSet\Control\Power /v PlatformAoAcOverride /t REG_DWORD /d 0

Danach musst du neu starten und kannst nun in „Ultimate Performance“ deine Einstellungen von oben vornehmen.

USB-Hubs auf Dauerleistung

Auch hier schaltet Windows für mehr Akkuleistung gern mal USB-Hubs auf Sleep. Rechtsklick suf den Startknopf, Gerätemanager und auf alle „USB Serial Bus Controller“ doppelt klicken und unter „Leistungsmanagement“ alle Haken rausnehmen.

Turbo

Vor allem bei Laptops ist manchmal der Turbo-Modus ein Problem (und es hat nichts mit dem archaischen Turbo-Knopf der 80er/90er-Jahre Tower zu tun). Dieser Modus kann für Glitches und Instabilität sorgen. Sollte das bei dir auftreten, kannst du ihn unter den „Erweiterten Leistungseinstellungen“ von oben unter dem Punkt „Prozessor“ auf „99% Maximale Leistung“ stellen.

Deine Tipps

Hast du noch Tipps für Windows 10 Audio-Optimierung? Was hast du an deinem Betriebssystem (nicht unbedingt ASIO-Treibern) eingestellt, damit Audio reibungslos klappt? Oder nutzt du dein „Windows“ in der Werkseinstellung und fährst gut damit?

Lass ein Kommentar da!

Videos

(hier eins speziell für UA DSP Hardware)

21 Antworten zu “Windows 10 für Recording und Audio optimieren”

  1. Peter sagt:

    Wer hat den diesen Text verbrochen?

  2. Der Duke sagt:

    2 Dinge:
    1. „Lass ein Kommentar da“ -> Grammatik!
    2. Ich habe probehalber mal meinen Norton 360 deinstalliert und den Windows Defender aktiviert. Weil ja alle sagen, der wäre inzwischen so gut wie die Marktführer. Bei den Erkennungsraten mag das auch stimmen. Aber speziell bei der Audio-Performance überhaupt nicht! Ich wollte nur kurz ca. 100 mp3-Dateien von SSD 1 auf SSD 2 schieben. Mir sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen, so lange sollte das dauern! CPU ebenfalls stark belastet.
    Habe dann im Netz nach Performance-Tests von Virenscannern gesucht. Gar nicht so einfach, scheint wenige zu interessieren. Aber die, die ich fand, bestätigten meinen Eindruck: Defender fast immer Schlusslicht. Und auch noch sehr schwer zu deaktivieren, wenn es Mal schneller gehen muss.
    Bei Norton braucht es 2 Klicks, dann ist er aus. Falls er doch mal stört.
    Nee, sorry. Bei mir bitte keinen Defender. Jetzt läuft wieder Norton und alles rennt so flott wie gewohnt.

    • ole sagt:

      Hi Duke,

      Magst du den Test Mal verlinken? Ich nutze Kaspersky und Frage mich, wie der wohl abschneidet.

      Files zu kopieren ist nun nicht wirklich eine Audioanwendung. Die Frage ist ja immer nach der Echtzeitfähigkeit (z.B. latency Checker) und da scheinen alle Virenscanner keine Helden zu sein.

      Ich werde demnächst Mal ein jungfräuliches system aufsetzen und die Tipps hier testen. Danke dafür. Wünschen würde ich mir noch spezifischere dienst-deaktivierungsempfehlungen wie bei einer pro audio daw Workstation.

      Schöne Grüße,

      Ole

  3. Sonja Dammriss sagt:

    Gute Tipps, allerdings sind die genannten Optionen nicht überall da, wo sie angesprochen werden, das hängt auch an der Windowsversion, z.B. muss man die powershell für das 2. Kommando als Admin ausführen und das geht nicht wie beschrieben, die Optionen in den Einstellungen heißen evtl. auch anders oder existieren nicht so. Trotzdem gute Hinweise. MS Defender passt prima, keine Probleme. Norton muss ich sagen hat ja schon seit vielen Jahren einen schlechten Ruf, insbesondere was Performance und Tracking anbelangt, auch sonst wüsste ich nicht wozu man ein anderes Progamm bräuchte, es sei denn man surfed ständig auf üblen Virenschleuderseiten, was man auf seinem Musikrechner eh nicht macht.

  4. Torsten E. sagt:

    Ich empfehle immer das hervorragende Buch „glitch free“ von Brad Robinson (der Programmierer hinter Cantabile) – gibt ein gutes Verständnis dafür, woher Latenzen, Glitches und Drop-Outs kommen und gibt sehr konkrete Ratschläge, was etwas bringt (und was nicht).

    https://www.cantabilesoftware.com/glitchfree/

  5. Torsten E. sagt:

    BTW: „Glitch Free“ ist ein – kostenloses – eBook; hatte ich im ersten Post vergessen zu erwähnen…

  6. Markus sagt:

    Seit Windows Vista ist es absolut unnötig bei Audiosystemen etwas zu tweaken. Einzig bei den Energieoptionen sollte alles auf hoch stehen, alles andere ist unnötig. Bei mir läuft seit Vista alles problemlos und performant. Habe bis vor Kurzem parallel auf dem gleichen Rechner eine Hackintosh – Partition am laufen gehabt. Die Performance war zu Windows absolut identisch.

    • claudius sagt:

      Mit Vista habe ich nur in seiner Anfangszeit experimentiert. Und das muss man so nennen, denn es funktonierte fast nichts mit Audio. Also bin ich (IIRC) nach ein paar Monaten zurück, Ich war sehr, sehr froh, als dann endlich Win7 da war und ich von XP weg konnte.

    • Krypton sagt:

      Arbeite mit Windows 7 seit 13 Jahren und hatte 1 BSOD wegen dem Virus TI2, aber dann funzte alles, also auch das Virus TI2. Hab das System noch wegen einigen Projekten.
      Arbeite aber seit 4 Jahren, parallel mit Windows 10 , auf einem anderen PC, und unzähligen Plugins, mit div. DAW’s etc. etc. etc. und ich hatte mit Win 10 kein einziges Problem. Auch keine Performance Probleme oder Geruckel oder nur einen BSOD, nichts.
      Es ist klar das man beim Windows System etwas mehr einstellen muss, das ist der grossen Auswahl der Hardware geschuldet.
      Wichtig ist (zumindest in meinen Augen) gute Hardware zu nutzen, also hier nicht immer nur das billigste. Am besten keine NoName Ware.
      Alles flutscht hier seit Jahren bestens.

      • claudius sagt:

        Definitiv, das mit der Hardware kann ich so unterschreiben. Vor allem bei Billig-Neu-HW von Ebay, Amazon un co., bei denen teils Kampfpreise von „NoName-Herstellern“ aufgerufen werden, ist Vorsicht geboten. SSDs und RAM sind hier sicher die größten Flaschenhälse, bei Mainboard und CPU ist man eh auf wenige Hersteller beschränkt…

  7. Mick sagt:

    Mein Tipp kommt von den Supportern der diversen DAWs!
    „…fummelt nicht an eurem System herum, um euch dann hier zu beschweren, wenn etwas nicht läuft!…) ;-)

    • claudius sagt:

      Klingt wie eine Standardantwort aus einem Forum. ;)

      • Chrisch sagt:

        Ist aber wahr! Erst wird mit fragwürdigen Einstellungen, die in Internetforen angepriesen werden, das System destabilisiert, und dann, wenn Fehler auftreten, ist die DAW angeblich schuld und die jeweiligen Anbieter werden in den Supportforen mit Gemecker zugemüllt.

        Dabei sollte eines aber klar sein: Wenn man keine Ahnung hat, was man da macht, dann sollte man besser gar nichts machen, bevor man Systemdateien „optimiert“ auf deren originäre Version die DAW zurückgreift.

        BTW: Es gibt Systeme, da ist die Hardware schon im BIOS falsch konfiguriert (oder passt nicht zum Mainboard) – und dagegen helfen weder Tweaking noch Twerking …

        • claudius sagt:

          Bist du sicher? Seit ich regelmäßig meinen Computer an-twerke, flutscht alles viel besser und ich habe geringerre Latenzen.

  8. Remo sagt:

    Erwähnenswert wäre auch, unnötige Services auszuschalten. Dabei natürlich auch immer zuerst informieren, was denn der entsprechende Service macht und was die Konsequenzen beim ausschalten sind ;-)
    Weiter empfiehlt es sich wirklich, all die Schlangenöl Tools weg zu schmeissen.
    Ist man in der Situation, sich nicht eine separate DAW leisten zu können, lohnt es sich, alle für die Audio Produktion nicht notwendigen Anwendungen vor seiner/ihrer Audio Session zu schliessen. Manches Mal ist es auch hilfreich, den PC neu zu starten. Denn „Boot ist immer gut“.
    Es gab mal die Möglichkeit, den Windows PC mit versch. HW-Profilen zu versehen. Ich glaube mich wage erinnern zu können, dass das bei Windows XP möglich war. So konnte man sich ein schmales Profil zurecht stutzen (ohne unnötige HW-Treiber und Services). Ich muss mal gucken, ob das bei Windows 10 immer noch möglich ist. Aber vielleicht hat das jemand schon herausgefunden.

    • Cris sagt:

      Es gab mal von der c’t (Heise Verlag) einen Test ob es mehr performance bringt wenn man Windows eigene Dienste deaktiviert. Fazit: 0% Gewinn

      Besser ist es keine Dritthersteller Dienste oder Autostarts von Programmen. Stabile Treiber finden und unnötige Treiber/Hardware in Windows deaktivieren! Energieprofil auf Höchstleistung ist auch definitiv ein muss. Wer den Process Explorer benutzt sollte ihn mit der Leertaste pausieren. Ich würde von großen Sicherheitspaketen abraten (Bitdefender, Kaspersky, etc).
      Windows Defender reicht in der Regel (konnte selbst an meinen 3 Geräten keine Probleme festellen) sowie Windows Firewall Control von Malwarebytes (Binisoft).

      • Guitana sagt:

        Der Test muss aber alt sein ;)
        Spätestens seit Win10 und den ganzen nicht abschaltbaren Hintergrunddiensten (Cortana) hat sich das stark geändert. Abhängig vom Workload kann das die Performance erheblich beeinflussen. Verwendet man W10Privacy um alles irrelevante abzuschalten, steigt in eineigen Workloads die I/O Performance erheblich (vieles bleibt auch gleich).

        Hier der einzige Benchmark, den ich finden konnte (bezieht sich leider auf die Linux Emulationsschicht in Win10):
        https://www.phoronix.com/scan.php?page=article&item=windows10-w10priv-wsl&num=1

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