Gearnews.de NAMM HIghlights Synthesizer Moogulator  ·  Quelle: wir

Die NAMM ist nun “gelaufen”, es tröpfeln dennoch vereinzelt speziellere Neuigkeiten herein, dennoch lässt sich ein Fazit ziehen. Die Synthesizerfraktion denkt eher gelassen über die NAMM, da die Fülle des letzten Jahres insbesondere von Hardware-Synthesizern kaum zu überbieten ist. Die wichtigsten Neuvorstellungen stammen in diesem Jahr von kleinen Firmen. Korg, Yamaha und Roland haben zumindest keine nennenswerten Dinge gezeigt, ebenso Moog oder Clavia.

HARDWARE-SYNTHESIZER

Dave Smith konnte viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen mit gleich zwei Neuvorstellungen, primär dem Rev 2. Mit seinen sechzehn Stimmen dürfte er Behringer gefährlich werden können. Das geschieht so schnell, dass der “Knalleffekt” gar nicht mehr ganz so groß war wie aus dem Nichts einen Klassiker wie den Odyssey vorzustellen. Behringer haben auf der NAMM kaum für Aufsehen sorgen können mit der VR-Brille.

Einige Neuvorstellungen sind so speziell, dass deren Bedeutung womöglich erst später die Zielgruppe treffen wird. Es gab einen sympathischen Achtzehnjährigen, der einen hervorragend klingenden Oberheim-OB-X Clone präsentierte. Technisch komplett neu ist der Paradigm, der offenbar einen Chip für analoge Technik verwendet und der real-digitale Soulsby-Synthesizer konnte nur als Studie bewundert werden.

INNOVATION AUS UNGEWOHNTER RICHTUNG

Die wirkliche Innovation findet offensichtlich bei den Eurorack-Modulen und 1-Mann-Unternehmen statt, deshalb war die Überraschung Nummer eins das Gerätetrio von Malekko, welche Grooveboxen und Drummmachines zeigen, die vielversprechend sind.

SAMPLING IS THE SHIT!

Besonders das Thema Sampling und Anwendungen von Sampling sind im Eurorack-Bereich zu sehen, nachdem sich zumindest in Foren und privat viele Menschen nach einem Sampler mit Knöpfen sehnen, um Klangdesign und Performance wirklich mechanisch auszuüben, ohne eine unbrauchbare Verwaltung vorzufinden. Vielleicht sehen wir eines Tages auch eine Tastatur oder eine ausgereifte Groovebox mit mehr “Synthesizer”-Bedienflair?

GEFÜHLE ZUR NAMM

Die NAMM wird vielen als gar nicht so einschneidend vorgekommen sein. Es gab im Vorfeld die üblichen unscharfen Teaser-Bilder. Das und inhaltslose Videos gehen vielen einfach auf die Nerven, denn sie sagen schlicht nichts aus. Zeigt euren Scheiß – wir kaufen! So muss das sein! Bitte keine Post-Dubstep-Demos mit viel Licht und professionell bis unters Dach, sondern Daten und Klänge erwarten heute immer mehr. Wieviel ungebremste Faszination aufkommt, muss man in Kürze beobachten, allem voran auch der lang erwartete neue Elektron-Sampler, der jedoch nicht den “veralteten” Octatrack ablöst, um Overbridge zu ermöglichen. Es ist quasi ein “Digital Rhythm” im halben Gehäuse. Drums, nicht Melodien. Das Wetter soll schlimm gewesen sein, hört man. Aber wir, die wir hier geblieben sind, haben einfach berichtet.

Elektron Digitakt Drum Computer Sampler Front NAMM

Elektron Digitakt Drum Computer mit Sampler

CLOUD UND ABOS? HMM NEIN

Eine kleine Nebenidee scheint der Versuch zu Abo-Modellen für Software zu sein. Es wird nun versucht, dass man die Software nicht sofort nach Ablauf der Testphase behalten kann (Bitwig) und es gibt die radikale Option der Cloud nach Muster von Adobe mit einer doch vergleichsweise hohen Monatsrate. Der neueste Vorstoß der Roland Cloud nach Avid scheint nicht die Bedeutung von Adobe für Bildbearbeitung zu haben. Ich rate jetzt, dass das ein Flop wird. Grauenvoll für einen Musiker – “ihr Abo ist abgelaufen, spielen sie doch ohne unsere Plug-ins”. Zack. Die diversen Neusprech-Vokabeln wie “in-App-Kauf”, Subscriber-Modell, “Premium-Modell” und ähnliches haben eher Schrecken als Sexappeal gewinnen können. Auch wenn sie ggf. eine Garantie gegen die jährliche Updateflut der Betriebssystemhersteller ankämpfen kann. Da nützt auch kein D50. Bitwig hingegen könnte eine Chance bekommen – vielleicht mit etwas angenehmeren Preisen?

Ich bin nach der NAMM eher für den Macher des Relic 6, der interessanten Module wie Vermonas Random Rhythm oder Make Noise Morphagene zu haben und ebenso sehr gespannt auf den Klang des Paradigm, von dessen Crowdfunding man wohl bald hören wird – hoffentlich, denn die Firma ist winzig und unbekannt. Vielleicht möchte man nach so vielen “Analogen” auch wieder Real-Digitale oder “etwas total anderes”?