Die Geschichte von Moog: Von Modular bis Messenger
Kaum eine Synthesizer-Marke hat die Musik so beeinflusst wie Moog. Schauen wir uns an, wie alles begann, wie die Firma in den 1970ern zu DEM Synth-Hersteller aufstieg und welche Höhen und Tiefen sie im Laufe der Jahre erlebte: von den frühen Modularsystemen bis hin zum Messenger.
Die Geschichte von Moog
Fast 60 Jahre Synthesizer-Legende
Die Geschichte von Moog kann man fast gleichsetzen mit der Geschichte der Synthesizer. Denn Robert Moog hat den Synthesizer zwar nicht erfunden, aber er hat sehr entscheidend dazu beigetragen. Dass die Musikwelt ohne sein Werk heute anders aussähe, ist sicher keine Übertreibung.
Selbst heute, über 60 Jahre nachdem die Firma den ersten kommerziellen Synthesizer auf den Markt brachte, assoziieren die meisten Menschen den Namen Moog immer noch als erstes mit Synthesizern. Und viele sprechen ihn falsch aus. Aber das ist eine andere Geschichte …
In dieser sehr kurzen Geschichte der Unternehmen, die Bob Moogs Namen tragen, möchten wir versuchen, seine Arbeit, die Instrumente, die zu seiner Zeit und danach veröffentlicht wurden, und das, was wir vom Hersteller zukünftig erwarten können, zusammenzufassen.
R. A. Moog Co. (1953-1967)
Die Geschichte der Firma begann im Jahr 1953 in New York, als der 19-jährige Robert Moog zusammen mit seinem Vater die R. A. Moog Co. gründete. Ihr erstes Produkt waren keine Synthesizer – die sollten erst ein Jahrzehnt später kommen – sondern Theremin-Bausätze. Mit deren Verkauf finanzierte Bob sich sein Studium. 
Modular System 55
Eine zufällige Begegnung mit dem Komponisten und Erfinder Herbert Deutsch im Jahr 1963 beeinflusste Bob nachhaltig, denn sie führte ihn zur Entwicklung von Synthesizern. Der 1964 erfundene Moog-Synthesizer war ein modulares System, das aus einzelnen Modulen wie Oszillatoren, Filtern und Hüllkurvengeneratoren bestand. Eine seiner wichtigsten Erfindungen war der spannungsgesteuerte Oszillator (VCO). Dieser ermöglichte es, die Tonhöhe mit einer klavierähnlichen Tastatur zu steuern.
Die Synthesizer der Firma wurden anfangs als einzelne Module verkauft, wie z. B. der inzwischen legendäre 901 VCO/LFO, das 904A Tiefpassfilter und der 911 Hüllkurvengenerator. Außerdem wurden (und werden) die Module auch in zusammengesetzten Konfigurationen verkauft, darunter das Modell 10, das Modell 15 (das inzwischen auch als App erhältlich ist) und das Emerson Modular System, das von Keith Emerson von Emerson, Lake & Palmer verwendet wurde.
R. A. Moog Inc. (1967-1971)
Die Firma verkaufte Theremins und die noch sehr teuren modularen Synthesizer bis in die späten 1960er-Jahre. Gut betuchte Künstler wie Mickey Dolenz von den Monkees, George Harrison und sogar Jimi Hendrix kauften in dieser Zeit Systeme.
Jedoch war es Wendy Carlos‘ bahnbrechende Klassikplatte Switched-On Bach, die das neuartige Instrument endgültig einer breiten Öffentlichkeit bekanntmachte. Das Album ist bis heute eine der meistverkauften Klassikplatten aller Zeiten und verhalf dem zwischenzeitlich in R. A. Moog Inc. umbenannten Unternehmen 1969 sogar dazu, kurzzeitig profitabel zu operieren.
Obwohl Bob die Idee einer festverdrahteten und damit tragbaren Version des Synthesizers anfangs ablehnte, fand er bald Gefallen an dem, was schließlich Minimoog Model D genannt wurde. Mit seinen drei Oszillatoren, dem berühmten Tiefpassfilter und dem Pitchwheel (einer Weltneuheit) klang der Synth fett und äußerst musikalisch. Musiker rissen ihn dem Hersteller fast sofort nach dem Erscheinen quasi aus den Händen.
Der Minimoog setzte damals auch den Standard für das Konzept des Synthesizers. Denn viele heutige Synthesizer werden immer noch mit einem sehr ähnlichen Signalweg und einem ähnlichen Bedienfeld-Layout produziert. Der Minimoog wurde in drei Versionen produziert und inspirierte unzählige Nachbauten.
Verkauf an muSonics (1971-1987)
Selbst die Popularität des Minimoogs reichte jedoch nicht aus, um das Unternehmen dauerhaft in die Gewinnzone zu bringen. Und so wechselte die Firma den Eigentümer. muSonics, ein konkurrierendes Synthesizer-Unternehmen, kaufte sie im Jahr 1971.
muSonics benannte das Unternehmen erst in Moog Musonics um und 1972 schließlich in Moog Music, Inc. Ein Jahr später wurde muSonics seinerseits von Norlin Industries übernommen. Obwohl Bob nicht mehr der Eigentümer war, blieb er dort als Angestellter unter Vertrag und entwickelte weiterhin Synthesizer.
Neben dem Minimoog Model D, der sich weiterhin gut verkaufte, entwickelte Moog Music in dieser Zeit eine Reihe von berühmten Synthesizern. Einer davon war der einzigartige Sonic Six (1974), ein Überbleibsel von muSonics. Dieser war in einem faltbaren Flightcase untergebracht und sah völlig anders aus als die anderen Instrumente des Herstellers.
Deutlich bekannter sind die zahlreichen erschwinglichen Minimoog-Alternativen, die in dieser Zeit erschienen, wie der Micromoog (1975), der Multimoog (1978), der Prodigy (der der Band ihren Namen gab, 1979) und der Rogue (1981). Letzterer wurde unter dem Namen Concertmate MG-1 auch beim Elektrofachhändler RadioShack verkauft.
Während die Firma vor allem für seine monophonen Synthesizer bekannt war – und es bis heute eigentlich immer noch ist –, wurden in der Norlin-Ära außerdem einige polyphone Synthesizer entwickelt. Der Polymoog (1975) und das Polymoog Keyboard (1978) verwendeten die Frequenzteiler-Technologie und funktionierten paraphonisch.
Der ursprüngliche Polymoog (Modellnummer 203a) verfügte über acht Presets. Bei der Keyboard-Version (Modell 280a) wurde deren Anzahl auf 14 erhöht, dafür aber viele Regler entfernt.
Der letzte Synthesizer aus der Norlin-Ära war der Memorymoog im Jahr 1982. Dieser Monster-Polysynth mit drei Oszillatoren brachte den mächtigen Minimoog-Sound in die Welt der polyphonen Synthesizer, wenn auch mit Curtis-Oszillatorchips anstelle von diskreten Oszillatoren im Stil des Minimoogs. Es gab außerdem einen Memorymoog Plus, der über MIDI und einen Sequencer verfügte.
Wie einige andere amerikanische Synthesizer-Firmen jener Zeit (ARP und Sequential) hatte der Hersteller es jedoch schwer, mit japanischen Konzernen und den aufkommenden Digitalsynthesizern wie dem Yamaha DX7 zu konkurrieren.
Big Briar (1978-2002)
Bob Moogs Angestelltenvertrag mit dem Norlin-eigenen Unternehmen seines Namens lief 1977 aus. Statt dort weiterzumachen, gründete er sein eigenes Unternehmen Big Briar in Asheville, North Carolina.
Big Briar konzentrierte sich auf Controller und andere Peripheriegeräte sowie auf Theremins, Bobs erste Liebe. Außerdem war er als Berater für andere Firmen tätig und an Synthesizern wie dem Crumar Spirit beteiligt.
Die vielleicht bekannteste Produktlinie aus der Big-Briar-Ära ist die Moogerfooger-Serie. Hierbei handelt es sich um analoge Effekte im Stil eines Gitarrenpedals, die den originalen Synthesizer-Modulen nachempfunden sind. Die Moogerfooger-Effekte sind mittlerweile auch als Apps erhältlich.
Moog Music (2002 bis 2023)
Nach einigen juristischen Auseinandersetzungen gelang es Bob, die nach ihm benannte Marke dem Hersteller Don Martin abzukaufen, dem sie seit 1994 gehört hatte. Das erste Produkt, das Bob unter dem neuen (alten) Namen veröffentlichte, war der Minimoog Voyager im Jahr 2002. Dieser läutete das zweite goldene Zeitalter der Marke ein.
Im Wesentlichen war der in verschiedenen Versionen erschienene Synthesizer eine moderne Neuinterpretation des klassischen Minimoogs. Neben dem 3-VCO-Setup verfügte er über zwei Filter, zwei Modulationsbusse und einen Patch-Speicher.
Bob Moog verstarb im Jahr 2005. Der letzte Synthesizer, an dem er mitwirkte, war der Little Phatty, ein monophoner Synthesizer mit zwei Oszillatoren. 2010 folgte der tastaturlose Slim Phatty. Auch nach Bobs Tod entwickelte der Hersteller die Serie weiter, die später Instrumente wie den Sub Phatty (2013), Sub 37 (2014) und Subsequent 37 (2017) hervorbrachte.
Das Moog Sound Studio
Im Zuge des beginnenden Modular-Booms besann der Hersteller sich außerdem auf seine modularen Wurzeln und brachte Instrumente im Eurorack-Format heraus. Das erste dieser Produkte war der Mother-32, ein semi-modularer Single-VCO-Synthesizer, der sowohl als Einzelgerät als auch in einem Eurorack-Case genutzt werden kann.
Im gleichen Format erschienen später die Synthesizer DFAM (2018), Subharmonicon (2020), Spectravox (2024) und Labyrinth (2024). Verschiedene Kombinationen waren zeitweise auch als komplettes Sound Studio erhältlich.

Mit Blick auf seine Anfänge kündigte der Hersteller 2018 den Grandmother an, einen semi-modularen 2-Oszillator-Synthesizer, dessen Komponenten auf klassischen Modulen der frühen Modularsysteme basieren. Mit seinen leuchtenden Farben im Science-Kit-Stil und zahlreichen Patch-Punkten war er eine einzigartige und sehr beliebte Interpretation des klassischen analogen Monosynths.
Im Jahr 2019 folgte der Matriarch, ein ähnlich farbenfroher semi-modularer Synthesizer, diesmal vierstimmig paraphon mit einem Stereo-Delay.
Darüber ließ die Firma 2018 mit dem One ihre polyphone Vergangenheit wieder aufleben. Der eindrucksvolle Synthesizer ist ein opulentes (und extrem teures) modernes polyphones Instrument mit 8 oder sogar 16 Stimmen, das den Memorymoog neu interpretiert. Leider schaffte man es aber auch diesmal nicht, mit einem polyphonen Synthesizer erfolgreich zu sein. Der One war nicht nur sehr teuer, sondern auch von einigen Kinderkrankheiten geplagt und wurde schon 2024 wieder eingestellt.
Die Zukunft bei inMusic (ab 2023)
Doch die Geschichte von Moog wird weitergeschrieben. Im Juni 2023 kaufte der Musikkonzern inMusic, zu dem unter anderem auch AKAI Professional, M-Audio, Alesis und viele weitere Marken gehören, die Firma. Es folgten Entlassungen von Mitarbeitern und die Ankündigung, den Großteil der Produktion ins Ausland zu verlagern. Angesichts der Tatsache, dass der Hersteller immer Wert darauf gelegt hatte, seine Instrumente in den Vereinigten Staaten in Handarbeit zu fertigen, war das eine radikale Kehrtwende.
Der 2024 erschienene Muse ist der bislang wohl vielversprechendste Versuch, im Segment der polyphonen Analogsynthesizer Fuß zu fassen. Der bitimbrale Muse ist nicht nur deutlich günstiger als der Vorgänger One, sondern zeichnet sich auch durch zahlreiche moderne Performance-Features wie einen polyphonen Sequencer aus.
2025 folgte schließlich der Messenger, der eine Art modernes Gegenstück zum Prodigy und anderen günstigen Moogs der Geschichte darstellt. Der monophone Messenger bietet zu einem bezahlbaren Preis klassische Zutaten wie zwei VCOs und ein Ladder-Filter, beschreitet mit einem für den Hersteller eigentlich untypischen Wavefolder aber auch neue klangliche Wege.
Mehr zum Thema Synthesizer-Geschichte
- Website des Herstellers
- Alles über den Hersteller bei Gearnews
- Die Geschichte von Roland
- Die Geschichte von Korg
Im Original auf Gearnews.com erschienen von Adam Douglas. Übersetzung von Julian Schmauch. Bearbeitung: Lasse Eilers.
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