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Justice at Spotify: Weltweite Demonstrationen für 1 Cent pro Stream

Justice at Spotify: Weltweite Demonstrationen für 1 Cent pro Stream  ·  Quelle: Gearnews

Unter dem Namen Union Of Musicians And Allied Music Workers – kurz UMAW – formiert sich eine Gruppe von Musikern und Musikerinnen, die Forderungen an den Streaming-Giganten Spotify stellen. Dabei geht es neben mehr Transparenz und einem respektvollerem Umgang natürlich auch um Geld. Davon soll mehr für Streams ausgezahlt werden, konkret ein Cent pro Stream. Gestern, am 15. März 2021, wurde dafür weltweit vor den Niederlassungen des Streaming-Anbieters demonstriert.

Justice at Spotify

Musiker und Musikerinnen haben es nicht leicht. Die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Lockdowns haben Auftritte quasi unmöglich gemacht und damit eine wichtige Einnahmequelle stillgelegt. Der Verkauf von physischen Tonträgern und MP3s ist im Grunde ein Witz – auch wenn die Industrie einen Anstieg bei Vinyl-Verkäufen feiert.

Während Konzerte, Festivals und alle anderen Events am Nullpunkt sind, Musikverkäufe keine große Rolle spielen, boomen hingegen die Streaming-Formate. An vorderster Front steht dabei Spotify mit fast 350 Millionen monatlichen Usern und 155 Millionen Premium-Abos. Aber leider sieht es da mit den Ausschüttungen auch eher mager aus, für den Großteil der auf der Plattform vertretenen Artists zumindest.

Aktuell gibt es im Durchschnitt 0,0038 US-Dollar für den Stream eines Songs – wer drei Dollar verdienen will, braucht also schon fast 790 Plays. Ihr könnt euch ja ausrechnen, wie oft Musik gespielt werden muss, um damit die Miete zu bezahlen und Essen auf den Tisch zu bringen. Auch mit Tricks ist da wahrscheinlich nicht viel rauszuholen.

Das Pro-Rata-Modell macht es zusätzlich schwierig, denn es wird abgerechnet, wie oft ein Titel in Relation zur Gesamtzahl der Streams gespielt wird. Es ist davon auszugehen, dass dabei vor allem die „großen“ Künstlerinnen und Künstler profitieren.

Weltweite Demonstrationen

Deshalb ist die zentrale Forderung der UMAW, ein Cent pro Stream auszuzahlen und mehr Transparenz über die Ausschüttungen zu bieten. Denn Major-Labels schließen völlig andere Verträge mit Spotify ab als die vielen Independent-Artists auf der Plattform. Zusätzlich soll ein User-zentriertes Modell eingeführt werden. Das bedeutet vereinfacht gesagt: Wenn ich als Abo-Kunde den ganzen Monat den Song meiner Lieblingssängerin spiele, soll sie mein Geld bekommen.

Unter dem Slogan Justice at Spotify haben nun Demonstrationen vor den weltweiten Spotify-Niederlassungen stattgefunden. Es ist gut möglich, dass es sich dabei nicht eine vereinzelte Aktion handelt, sondern weitere Demos folgen. Denn die Zahl der Supporter wird mit Sicherheit wachsen, aktuell sind es um die 27.600 Personen.

Wie groß die Erfolgsaussichten sind, bleibt jedoch abzuwarten. Es scheint nämlich so, als sei eine höhere Ausschüttung mit dem derzeitigen Geschäftsmodell des Anbieters nicht zu vereinbaren. Die Hintergründe beschreibt dieser Artikel auf DJ-Lab sehr gut, auch alternative Modelle werden darin durchleuchtet.

Was meint ihr zu dem Thema? Seid ihr selbst bei Spotify vertreten und wie denkt ihr über die Ausschüttungen? Könnt ihr euch sogar vorstellen, das Wirken der Union Of Musicians And Allied Music Workers zu unterstützen und vielleicht bei einer zukünftigen Demo dabei zu sein?

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22 Antworten zu “Justice at Spotify: Weltweite Demonstrationen für 1 Cent pro Stream”

  1. Mark sagt:

    Ich bin bei Spotify. Die Zahlungen sind wirklich unverschämt.
    0.0038$ ist eigentlich ein No-Go.
    Leider hat Spotify es geschafft, eines der größten und meistgenutzten Platform zu sein, heutzutage.
    Was sind die Alternativen, wenn man gerne seine Musik möglichst gut und weit verbreiten will?
    Ich denke, man kommt leider nicht an Spotify vorbei, will man alle wichtigen Portale bedienen ☹️.
    Ich werde die Union Of Musicians And Allied Music Workers unterstützen.
    ✌🏻

    • Deftroit sagt:

      Bandcamp? „Discover amazing new music and directly support the artists who make it.“

      Das muss man dann halt aggressiv auf all seinen Social Media Outlets bewerben …

      • Dirk B. sagt:

        Bandcamp ist vielleicht auch nicht perfekt, empfinde es aber im Augenblick auch als eine der besten Lösungen. Mir gefällt da besonders, dass ich als Hörer auch gleich hochauflösende Audiodateien bekomme. Ich bin da aber auch sehr „oldschool“ – viele Musikkonsumenten begnügen sich anscheinend mit Streaming. Sehe ich ein bisschen als eine Fehlentwicklung.

  2. Dennis sagt:

    oder man kauft einfach mal wieder eine Platte und setzt sich gemütlich hin und hört Musik statt sie nur nebenbei zu konsumieren!

  3. Robert G sagt:

    Ein pauschaler Betrag pro Stream ist Quatsch. Denn dann müssten die Streams pro Nutzer und Monat auf 700 Streams (30% an Spotify) begrenzt sein oder es könnte passieren das der Dienst mal nicht bezahlen kann wenn die Nutzer besonders musikhungrig waren.

    Aber als leicht übertriebene Verhandlungsgrundlage ist das erstmal gut.

    Wenn am Ende das User-Zentrische Modell hängen bliebe wäre das sensationell. Denn dann könnten vielleicht auch wieder kleinere Bands von der Musik leben.

    Einheitliche Verträge mit allen Indi oder Majorlabel etc. wären natürlich auch toll.

  4. claudius sagt:

    Auf Podcaster:innen könnten gerne mal etwas Geld für ihre Werke bekommen, die über Placements von Drittfirmen oder „Originals“ hinausgehen.

  5. mosonic sagt:

    Walter von der Vogelweide hat auch keine Platten verkauft, keine Streams gehabt und so weiter…

    Die Zeiten ändern sich, das Verhalten, die Plattformen und die Menschen ändern sich. Das Geld wandert woanders hin…

    Auf Konzerte, Merchandise und so weiter…

    Musiker bzw. Künstler sein war noch nie leicht, wird es auch nie sein. Wer sich trotzdem entscheidet Musiker zu werden, der muss es wie ein Geschäft aufziehen und sich verschiedene Kanäle schaffen: Musik für Spiele entwickeln, YouTube-Videos machen, Filmmusik, Konzerte, Musikunterricht, und, und, und…

    Wenn wir ehrlich sind, wissen wir worauf wir uns einlassen.

    Sicherlich soll man gegen die großen kämpfen, dann verkauf auf Bandcamp. Tatsache ist doch: Die Hörer kaufen nicht mehr. Und von Workshops weiss ich, dass selbst die meisten „Musiker“ kaum noch Musik kaufen.

  6. Schwitters´ Kurt sagt:

    Unterhaltung und Unterhalt, haben erstmal nix miteinander zu tun. Wer sich gerne mit Musizieren unterhält muss nicht davon ausgehen, dass es jemand anderen unterhält, geschweige denn, dass er damit seinen Unterhalt bestreiten kann. Beuys´ Satz `Jeder Mensch ist ein Künstler´ ist eine grandiose Theorie, aber nur als solche Kunst. Ums mal mit Gerhard Polt in Wimbledon auszudrücken – `nur weil sich jeder A… heutzutage weiße Turnschuh kaufen kann…´.
    Diese Onlinedienste reihen sich nahtlos in alle Selbstdarstellungs-Portale ein. Schon die bloße Anwesenheit muss mit Clicks, Likes und Tantiemen belohnt werden. Sein oder auch nur Schein als Erfolgsgarant? Was interessiert mich Tante Hedwigs Malle-Urlaub oder DJ Supermalles Wochenendergüsse. Kunst kommt von Können und nicht von Haben.
    Kurzum, das haben wir gemacht, alle, und nicht die bösen Großkonzerne. Die nutzen nur aus, dass heute jeder im Netz die Hosen runterlassen will. Die Unterhaltungsindustrie und den Kulturbetrieb in einen Topf zu werfen ist ein riesen Fehler. Macht einfach mal Platz für die Profis und lernt was gscheits. Dann muss man nicht ständig auf dem Handy um Anerkennung buhlen, man kriegt wieder zeitnah Handwerkertermine und erspart sich diese postpubertären Rassisten beim Echo.

    • Benny Lava sagt:

      Grundsätzlich ja, niemand hat einfach so Anspruch auf Bezahlung, nur weil seine Kunst existiert.
      Hier geht es aber um Bezahlung per Stream, also um eine wirklich erbrachte Leistung. Und die wird auch entlohnt, nur kommt da fast nichts beim Künstler an.

      • Schwitters´ Kurt sagt:

        Ob das eine Leistung ist oder man Künstler ist bestimmt die Allgemeinheit. Durch diesen Jahrmarkt der Eitelkeiten aber wird Kunst inflationär. Wenn jeder Selbstdarsteller Bäcker wäre würden wir in Brötchen ersticken.

        Dass solche Konzerne nur durch Content ihr Geld machen ist keine Überraschung mehr. Ob ein Selfie auf dem Machu Picchu oder ein Aneinanderreihen von gekauften Loops auf einem vom Mobilfunkanbieter dazugeschenktem Handy mit ner DJ-App für 3fuffich ist doch denen egal, Die machen Unterhaltung und keine Kultur. Da feilscht man nicht um Centbeträge, das ist einfach der falsche Marktplatz. Musik oder Muzak dass ist die Frage, eine der Wertschätzung.

        Dass ein Künstler mit Presets sein Geld verdienen muss weil seine Kunst zwar gesellschaftlich relevant wäre aber zum Lebensunterhalt nicht ausreicht ist traurig. Solche Kopierer aber denken sie wären nach 3 Clicks schon kulturrelevant, das ist absurd. Man vergleiche mal die Wiki-Artikel von The Cure und besagtem Sexisten-Kollegen, nicht inhaltlich, nur die Länge. Da stimmt doch grundsätzlich was nicht.

        Die Groovebox, die Spielekonsole der 90er. Berlin war plötzlich voll mit bekifften, selbsternannten Techno-Künstlern, auf den Bühnen wurde es eng, die Gagen schrumpften, der Proberaum war teurer als die Wohnung, die Presswerke kamen nicht mehr nach. Oder Punk, Kauf dir ne Gitarre, lerne drei Akkorde und gründe eine Band. Punk war genau 3,31 min. lang, der Rest nur ein großes Missverständnis. Also nix Neues.

        Die Kunst wird einen Weg finden, sich neu definieren, die Menschen sensibilisieren und interessieren, sich vor allem wieder gesund schrumpfen. Fangt an das Internet als zusätzliches Werkzeug zu nutzen und hört endlich auf euch benutzen zu lassen.

        Z‘ev oder Genesis P. Orridge konnten sich am Ende nicht mal die Arztrechnungen leisten. Ein Leben für die Kunst. Performance als Lebensform. Counterculture.

  7. Theo sagt:

    Dann müsste jeder User auch mehr als 1 Cent pro Song zahlen.. das wäre dann also das Ende vom Endlos Streaming..
    ca. 25 Songs die Stunde x 12h am Tag = ca. 720€ im Jahr

  8. Rudolfo sagt:

    Klar ist es richtig gegen das Geschäftsmodel von Spotify zu demonstrieren, denn 0,00038 cent ist einfach unseriös. Gleichzeitig ist es aber auch lächerlich gegen Spotify zu demonstrieren, denn die grösste Demonstration gegen Spotify wäre ihnen den Content zu entziehen und nicht mehr Musik zu streamen. Das überfordert aber wohl heutzutage die meisten Menschen. Alternativen zu Spotify gibt es wie Sand am Meer, sie müssen nur genutzt werden. Das ist nun mal die gesellschaftliche Ordnung, die wir haben wollen. Offensichtlich ist es der breiten Masse scheissegal, ob ein Musiker seine Miete bezahlen kann. Das ist nun mal, wie viele andere Entwicklungen jahrelang erzogen worden und in einer kapitalistischen Gesellschaft nimmt der Kunde gern den bequemsten Weg. Folgen die durch streamen entstehen oder den sinnlosen dauergebrauch des Autos und Ikea ist ja egal. Im Hinterkopf sagt zwar das Gewissen, die Polkappen, das Klima, der Regenwald, aber letztendlich scheissegal, ich brauch das neue sofa und auf dem Weg dahin hör ich meine Playlist. Es geht anders, wollen wa nicht.

    • claudius sagt:

      Ich denke, es ist nicht der Fehler der Menschen, sich an der bequemsten Möglichkeit zu bedienen. Das war schon immer so, sonst wären moderne Dinge nicht entwickelt worden – Wachsrolle < Schallplatte < CD < (MD) < MP3 < Stream. Daher fände ich mehr Regulierung schon angebracht, bis zu einem gewissen Punkt. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass Menschen in der Regel sehr mündig sind und ihre Taten Folgen, ua. für die Umwelt, haben. Viele verstehen das nicht, oder vergessen es in den richtigen Momenten. Vielelicht kommen Spotify, Apple, Google, Netflix und Co. für die Datenmengen auf die Idee, einen "Green" Tarif anzubieten und einen Baum für 1000 Streams zu pflanzen. Dann kann man wieder mit gutem Gewissen streamen. Bei Fluggesellschaften klappt es ja uach bestens – am Problem selbst wird nicht angepackt, aber der Mensch ist ruhig und fliegt besseren Gewissens weiter.

  9. Donnie sagt:

    Ja 1 Cent pro Strem, aber mit Limitierung des Einkommens in 3 Klassen. Free: bis 1.500 Euro im Monat. Semi: bis 3K im Monat und Profi: bis 15K im Monat. Also Einkommen in Währung. ? Alles darüber wäre Gewinn für Betreiber ;)

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