Android_Audio_Mief_Echtzeit_Teaser_gross

Android hats nich drauf  ·  Quelle: Android / Gearnews

Wenn eine App für Musiker veröffentlicht wird, dann gibt es das Plug-in, DAW, Synthesizer, Simulation/Emulation oder einfach nur Helfer für iOS. Und nur für iOS. Sobald es etwas komplizierter als Metronom oder Memos aufnehmen wird, ist die Open Source Plattform außen vor. Warum ist das so?

Android = Linux

Android ist im Kern ein Linux-Derivat. Ich will euch nicht mit der Technik und den Gemeinsamkeiten und Unterschieden nerven – die kann jeder selbst bei z. B. Wikipedia nachlesen – deswegen muss das als Voraussetzung erst einmal reichen. Der Vorteil: Es ist Open Source und jeder kann den Quellcode einsehen und bei einem gewissen Kenntnisstand auch modifizieren. Der Nachteil ist aber auch, dass die Open Handset Alliance (84 Entwicklerfirmen inkl. Google) es bisher verpasst hat, die Audioschnittstelle zu aktualisieren.

Oder anders gesagt: Es wurde nie von Grund auf verändert. Zumindest nicht mehr, als es fürs Telefonieren und Surfen gebraucht wird. Und das heißt: Für Audiobearbeitung und Sounds zu erzeugen fehlt es hinten und vorne. Vor allem aber an Echtzeitkompatibilität. Android Audio stinkt.

Es gibt einen Workaround von Samsung, der mehr oder minder gut funktioniert, aber immer nur auf den Spitzenmodellen vorhanden ist. SAPA ist eine Portierung von JACK Audio, eine geniale Schnittstelle unter Linux für Routing im gesamten System von quasi jeder Stelle an jede andere Stelle. Die Linux DAWs nutzen sie alle. Allerdings funktioniert das auf Android-Geräten nur so lala und das Angebot von hochwertigen Musiker-Apps ist gefühlt an zwei Händen abzuzählen. Wenn überhaupt. Apple hat da mit Core Audio weitaus bessere Karten, da es bei macOS und iOS quasi gleichauf entwickelt wird. Schon das erste iPhone (2007 veröffentlicht) hatte bessere Echtzeitmöglichkeiten als es Android jetzt hat.

Android 9 Pie

Android 9 Pie kann mehr – aber nicht mehr Audio

Und nun? Macht was!

Seit Jahren passiert nichts in Sachen Android Audio. Samsungs Versuch ist für mich kläglich gescheitert, den Musik-Trend zu Android bzw. das eigene Derivat zu holen. Auch, weil das Angebot an Apps fehlt. Und auch, weil Samsungs Topgeräte zu teuer sind. Zumindest im Vergleich zu Apples iPhones gibt es keinen signifikanten Unterschied im Preis, aber im Zusatzangebot.

Es kann doch nicht sein, dass der Markt derart aufwandslos an Cupertino abgegeben wird. Audioberechnung, gerade Echtzeit, ist sicher nicht einfach zu managen, aber sicher machbar. Der Hype ist abgeflacht und es ist Normalzustand für iOS-Nutzer. Ob musizieren am Smartphone oder Tablet überhaupt sinnvoll ist oder Spaß macht, muss jeder selbst entscheiden, klanglich ist es über jeden Zweifel erhaben. Es gibt tolle iOS Synthesizer, tolle Amp-Simulationen und auch vollwertige DAWs und andere Tools.

Liebe Android-Entwickler: Ihr seid Firmen mit viel Geld. Ihr habt die Manpower. Und ihr habt auch das Wissen. Sicher muss ein bisschen Neues entwickelt werden. Oder verbessert SAPA. Wäre es das nicht wert? Ihr hättet einen Schritt mehr in Richtung „umfassende Konkurrenz“ zu Apple gemacht. Dann hat man als Kreativling zumindest wieder die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Und vielleicht hilft die Entwicklung dann auch mal dem Urspung, Linux, audiotechnisch auf die Sprünge. Das tritt auch nur noch seit Jahren auf der Stelle, auch wenn es einige Hersteller wie Bitwig, U-HE, Harrison (Mixbus) oder bald Cockos (Reaper) für alle Plattformen inkl. Linux probieren. Es geht einfach nicht voran, weil die großen Hersteller kein Potenzial sehen. Würde z. B. ein Riese wie NI mitmachen, wäre auf einmal ein neuer Markt da. In Sachen VST-Schnittstelle hat Steinberg die VST und VST3 SDKs bereits für alle Entwickler geöffnet.

Mit Chrome hat Google es auch geschafft, aus einem Open Source Projekt einen der beliebtesten Browser zu kreieren und neue Standards zu setzen, denen Firefox, Opera und Edge immer mal hinterher hängen. Go for it! Aktuell sieht es leider nicht so aus, als hätte das irgend eine Relevanz …

Es gibt Realtime-Kernels schon seit Jahren für Linux. Darauf kann man doch aufbauen. Macht doch endlich!

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Für mich sind Musik Apps der Grund um ein iPad zu kaufen.

Linux dümpelt da vor sich hin. Es gibt eine spezielle Distro, Musix heist die aber da tut sich auch nicht viel.

Sehr richtig! Mehr gibts da nicht zu sagen. Wie sehr bei Android (& Linux eigentlich auch) die möglichkeiten bezüglich audio vernachlässigt wird ist mir seit meinem wechsel von winCE smartphones unerklärlich. Was könnte man da nicht alles tolles machen!

Core Audio war der Grund warum ich mich von Android verabschiedet hab. Kein Android-Tablet mehr, kein Android-Smartphone.. Die wollten es ja nicht anders. Aber mal ehrlich, das interessiert doch im Grunde niemanden. Die haben doch ganz andere Zielgruppen…

QuNeo

gut gesprochen, das bringt es auf den punkt. aber nicht nur der audiobereich lässt zu wünschen übrig. apps wie lemur oder touchosc reagieren bei der konkurenz flüssiger. was bei der mafiösen preispolitik von appel tierisch nervt. so greif man dann besser auf hardware controller zurück, die natürlich nicht nach belieben modifizierbar sind. warten macht bei andoid eh keinen sinn. und bei appel ist man preislich „vom feuer erleuchtet“.

Die Auswahl an guten Audio Apps ist leider gering. Aber mit G-Stomper, Sunvox, DRC oder Caustic lässt sich schon so einiges anstellen.
Aber ja, echt schade, dass bei Android so wenig in Richtung Audio geht…

Ich hab grad mal an meinem Handy gerochen, stinkt gar nicht.

es gibt dafür eine Rich-App, die man dafür braucht.

Ja, Nase 2.0, hab ich geladen, riecht aber trotzdem ganz gut :)

Eigentlich hast du’s bereits beantwortet. Google schert sich einen Dreck um Realtime Anwendungen bzgl. Audio. Exakt diese Situation herrschte in der ersten Hälfte der Neunziger bei Windows. Hast du damals in einem Satz „professionelles Musikmachen“ und „Windows“ gleichzeitig genannt, schossen den Zuhörern die Tränen in die Augen. Hat dann noch gut 10 Jahre gedauert, bis man das ernst nehmen konnte. MS war da also nicht viel besser. Apple integrierte Ton schon im ersten Mac 1984 und bei iOS haben sie auch immer auf sinnvolle Unterstützung geachtet. Inzwischen kommt noch ein weiterer Punkt dazu. Vergleiche ich Topmodelle von iOS und Android… Read more »

kann mich noch gut an meine pc 25 mhz, soundblaster pro awe32 zeit erinnern. mit damals sagenhaften 16mb sim ram für beide, wie ich glaube, plus mastertrax pro sequencer. bei nur einem stereoausgang und einer höllen brumspannung. aber hallo. alles mit atari über midi geslaved. ab auf mein dynacord mcx 16.2 mit effektschleife. korg dsm1, yamaha sy99, tr808. auf auf zur bandmaschine, hey 8spur immerhin. best clipping musik ever (ha,ha). nagut bühnentauglich wird das mit android wohl nicht, aber das sitzfleisch bei pc`s hat sich gelohnt. immerhin touchpad noch in meinem leben. ist eh alles nur suche nach dem richtigen… Read more »

auf meinem alten andriod handy hat nanloop noch gut funktioniert. jetzt muss ich die app mehrmals starten weil das display ständig abkackt. gleiches gilt fürs standart tablet. egal bei welcher aktuellen mindest angforderung von android, der wurm ist drin. appel keine abstürze. trotz alldem zucken augen und hände bewegen sich zur restart routine. da holt man sich lieber den gameboy aus dem regal, schmeisst den lupenaufsatz drauf und los gehts. eine stabile workstation auf dem tablet ohne latenz bleibt vorerst illusion. am rande: die erfahrungen von linux usern mit vcv würde mich mal interessieren. als platform unabhängige opensource liesse sich… Read more »