von Moogulator | Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten
MPE Synthesizer

MPE Synthesizer  ·  Quelle: Sequencer.de

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Inzwischen gibt es eine ganze Menge Hersteller, die sich bemühen feinfühligere Kontrolle über den Sound zu haben. Während einige sogar Aftertouch sparen oder nur monophone Versionen anbieten, haben andere Hersteller polyphonen Aftertouch verbaut oder/und MPE vorgesehen. 

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Wie geht sensibles Spiel am MPE-Synthesizer?

MPE erlaubt eine unabhängige Veränderung jeder einzelnen Stimme. Die Einfachste davon ist die unterschiedliche Tonbeugung pro Ton – auch innerhalb eines Akkords. Meist sind weitere Parameter pro Stimme veränderlich oder idealerweise alle, meist aber bis zu 3 Parameter im MPE-Standard gegenüber MIDI 2 (MIDI 2 enthält MPE). Da immer weniger Synthesizer Multimode bieten ist diese Funktion umso wichtiger. Für Musiker ist neu, dass Klänge rein theoretisch massiv anders klingen können. Die Veränderungen werden üblicherweise über die Tastatur erfolgen. MPE lässt sich per Sequencer aufzeichnen, wobei die DAW oder der Hardware Sequencer diese Daten unterstützen muss. Aktuell tut das der Hapax und die wichtigen DAWs (Ableton Live 11, etc).

In MPE ist Druckdynamik, Anschlagdynamik, Druck in alle Richtungen innerhalb und auf einer „Taste“ und mit bis zu zwei Wegstrecken von Regelweg vom ersten Berühren der Taste bis zum Start der Druckdynamik (Aftertouch/Pressure) möglich. Zum Ausdruck gehören auch die Handräder oder Joysticks, die ebenfalls pro Stimme wirken könnten. Deshalb gibt es Methoden in Synthesizern diese Töne „auszuwählen“, wie etwa „immer der mittlere“ oder „der mit dem geringsten Druck“. Besonders kluge Systeme (aktuell nur Osmose) sind sogar in der Lage Arpeggiatoren durch entsprechende Einspielung und Bewegungen durch Drücke und Seitendruck zu steuern ohne die Hand vom Keyboard zu nehmen.

Ein Synthesizer mit so feinfühligem Ausdruck sollte auch so gespielt werden. Wer eher „programmiert“ hat, aber dennoch den Vorteil der MPE-Möglichkeiten und Steuerung pro Taste profitieren möchte, kann sie aber nicht perfekt editieren. Die ganze MPE Idee passt damit eher zu „spielenden“ Musikern.

Es gibt vier Typen von ausdrucksstarken Synthesizern

  1. Die Geräte dieser Art sind oft eher MPE-Controller mit einer Notklangerzeugung an Bord. Das soll nicht abwertend gemeint sein, jedoch findet man keinen Synth vom Schlage eines Oberheim Xpander oder ähnlichem, der MPE sendet und empfängt. Wer den Haken Synthesizer in Osmose oder im Fingerboard akzeptiert, kann hiermit durchaus sehr feinfühlig spielen. Es gibt besonders bei Letzterem viele, die auf einen externen Synth verzichten.
  2. Eine Stufe „niedriger“ setzen Synthesizer an, die MPE verstehen, aber deren Tastatur „nur“ PolyPressure versteht und auch sonst eher klassisch aufgebaut sind, was die Bedienelemente betrifft. Das ist die größte Gruppe. Die Geräte der Klasse 1 können Klasse 2 hervorragend ergänzen – auf vollwertiger Basis.
  3. Der Rest sind Synthesizer, die eher keine oder eine nicht hochwertige Tastatur im Sinne von Touch-Sensorik und Erfassung von MPE Daten anbieten, aber MPE verstehen. Das sind meist Desktop-Versionen der MPE-Synthesizer unter Punkt 1/2.
  4. Als letzte Gruppe sind Synthesizer zu verstehen, die Polypressure verstehen, aber kein MPE umsetzen. Da gibt es auch sehr alte Hersteller, wie die damaligen Ensoniq-Synthesizer und Sampler (ASR-10, EPS-16+), deren Tastaturen oft genau das boten. Neuere Vertreter sind eher rar, da das Patent von Ensoniq lange verhinderte, dass andere Hersteller das anbieten. Dennoch sind Waldorfs Microwave-Serien und viele andere bereits 1988 für diese Fähigkeit bereit und nicht nur „vorbereitet“. Es lohnt sich daher die Implementation zu prüfen. Viele Hersteller haben das vorgesehen, aber leider noch mehr haben das zunehmend ignoriert. Heute ist es leider wieder üblich unsensible Tastaturen zu verbauen, wie etwa Roland im System 8, was zwar klanglich überzeugt, aber wirkt wie damals als Anschlagdynamik Sonderzubehör war (Mitte der Achtziger).

Kategorie 1: Haken Fingerboard vs. …

Absolut unbestritten dürften zwei Geräte diese Liste anführen. Beide nicht wegen ihrer Synthese, denn da sind nur wenige Parameter wirklich frei und eher Makro-artig einzustellen (Synth,FX). Über eine eher komplizierte sogenannte Eagan-Matrix (nach dem Ersteller) sind bis zu drei Oszillatoren und einige Baugruppen (Filter etc.) zu verpatchen und zu verbinden, die etwa die Qualität eines klassischen Synths haben, aber im Klang nicht mit den großen Angeboten mithalten können. Dafür sind die „Synths“ als MPE-Controller perfekt.

Die Dynamik wirkt perfekt auf die Klangerzeugung, dennoch wird es viele dazu bringen externe Synths anzudocken.

Haken Continuum Slim

Haken Continuum Slim

Das Haken Audio Fingerboard kann zwischen den „Tasten“ quantisieren und dadurch sehr undogmatisch fließend oder/und chromatisch und mit Microtuning spielen. Es erfasst Tiefe, Druck und seitliche Abweichungen sowie Bewegungen. Es gibt für das Fingerboard speziell sogar ein Modul, um vier Stimmen jeweils als Steuerspannung mit den Bewegungen an das Modular System weiterzugeben und beinhaltet auch die Eagan Matrix. Für „Keyboarder“ ist das mit etwas Lernen verbunden, gibt ein anderes Gefühl beim Spiel und der Zwischenstufen mit. Es ist teuer aber großartig. Die Modul-Option gibt es nur für das Fingerboard.

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… Expressive E Osmose

Für Keyboard-Menschen ohne lange Umgewöhnung ist der Expressive E Osmose noch besser, dort gibt es zwei Hebelwege (bis zur „Aftertouch Zone“ und von dort mit mehr Druck nach unten) mit sehr viel Weg und Ausdruck, dazu Erkennung seitlichen Drucks auf die Tasten und Polypressure sowie Anschlagdynamik und Release-Velocity beim loslassen der Taste.

Die Klangerzeugung und Eagan Matrix stammt von Haken und ist somit auch identisch, jedoch mit an Osmose angepasste Sounds. Man kann dank des Displays viel mehr direkt am Gerät einstellen, denn das Fingerboard hat keine Anzeige sondern nur ein einfaches Eingabesystem um Klänge zu wechseln. Für die meisten und besonders für längere Töne, Ambient und extrem dynamisches Spiel ist das das ausdrucksstärkste System, was aktuell zu haben ist. Es ist für das, was es bietet, sehr günstig und einzigartig und müsste eigentlich bei vielen eine Art Master-Keyboard-Funktion übernehmen.

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Meine persönliche „erste“ Wahl ist Osmose, direkt nach der ersten Demo überzeugte es sofort ohne „Exot“ zu sein. Besonders für Ambient lohnt sich das, da die Tasten insgesamt lange Hebelwege haben. Dennoch lassen sich auch sehr schnelle Bewegungen und langsamere spielen – die benötigen etwas mehr Übung.

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Expressive E Osmose
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Kategorie 2

Hier sind Synthese und Klang wichtig. Ohne Frage „kämpfen“ die Features gegeneinander in Sachen „Ausdruck“ und manche legen da andere Schwerpunkte. Nur wenige Hersteller können hier punkten. FM und Wavetables sind sicher mögliche Ansatzpunke, aber noch eher kleine und interessante Parameter, die dem Klang das MEHR gegenüber der subtraktiven Standard-Synthese geben. Und darin sind Fortführungen und Veränderungen von Wavetables per FM wie die Mutatoren im Hydrasynth und sehr effizient die Granular-Sampling-Features der Waldorf-Plattform groß. Immerhin möchte man ja mehr als nur Vangelis-Blade-Runner Erfahrungen klanglich zwischen den Achtzigern und heute auch hören! Deshalb folgende Gedanken:

Die Keyboard-Versionen und neuere Ankündigungen brachten die High-End-Hersteller wieder dazu PolyPressure anzubieten. Die beste Kombination bleibt aber Osmose und ein Synthesizer der Kategorie 2 oder 3. Aus praktischen Gründen ist daher ausgerechnet die Desktop-Version oft zu bevorzugen, da Osmose durch die zwei Druckzonen-Ebenen noch während des Anschlags gegenüber JEDEM anderen aktuellen Synth oder Controller überlegen ist. Leider käme das dem Einbau solcher Nicht-MPE-Polypressure-Tastaturen nicht perfekt entgegen – aber wer eben kein MPE verwendet (sei es auch „nur“ über Push 3) hat weit mehr mit einer „normalen“ PolyAftertouch Tastatur zu erwarten als ohne. In wenigen Fällen geht sogar beides (Waldorf, UDO und ASM).

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Mit Tasten?

Dennoch ist es nicht schlecht nur mit dem Synth flexibel zu sein und deshalb sind hier andere Vorschläge zu sehen als in Kategorie 3.

Und da fallen auch Geräte ein, die eine tolle Synthese haben, aber kein MPE (Korgs Modwave/Opsix/Wavestate + SE Serien). Das wertet sie herab in Kategorie 4. Also werden hier die Geräte mit Polypressure gewürdigt, die AUCH MPE verstehen und haben. Besonders beeindruckend ist der kleine Hydrasynth Explorer, der trotz der Größe noch genau das bietet. Die Größeren haben entsprechendes in Deluxe und „normal“ zu bieten. Dazu gehören Waldorfs Iridium/Quantum Engines, ASM Hydrasynth und UDO Gemini.

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Kategorie 3

Neben den Desktop-Versionen von Waldorfs Iridium, dem „alten“ Quantum und dem ASM Hydrasynth Desktop sind auch kleinere Hersteller wie Baloran The River, Fred’s Lab Manatee und GS Music e7, Melbourne Nina oder der UDO Super 6 Desktop MPE-tauglich. Außerdem weitere „Exoten“ wie der Granular-Synthesizer GR-1 und sein großer Bruder, Kodamo Essence FM, Isla Caladan und Vorgänger Parva (einer der ersten der MPE konnte), die Black Corporation Synths, aber auch weitere hier gelistete Synths gehören zu den Feinfühligsten unserer Zeit.

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Sei dir bewusst, dass die interessanteren Synthesizer eher die sind, die keine klassischen Ursprünge haben. Sequential, Black Corp. und Co sind zwar klanglich wunderbar und mit einer tollen Engine ausgestattet, aber Granular-FM und andere Elemente zu verändern ist noch eine Stufe mehr wenn man diese feinfühlig verändern kann. Da landet man dann meist bei Waldorf, Ashun Sound Machines und ähnlichem. Vermutlich wird auch Mayer bald MPE anbieten. Mit diesen kann man extrem ausdrucksvolle Klänge bauen.

Polytouch?

Polytouch ist aber auch bei den Klassikern prima. Aber wenn wir empfehlen, dann erstmal das, was noch mehr „kann“. Über Nina wird übrigens zu unrecht wenig geschrieben, der klingt phantastisch, liefert MPE und ist eher klassisch – dennoch wäre auch er oder sie einen Blick mehr wert. Übrigens sind die Begriffe Polytouch, Polyphoner Aftertouch und Polypressure synonym und meinen dasselbe.

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Kategorie 4 – sind Synthesizer die Potenzial haben, aber hier nicht mehr genannt werden können, weil sie kein MPE oder kein Polypressure anbieten können. Korg könnte sehr gern Updates für MPE in ihren SE-Versionen anbieten. Es wäre eine große Freude, denn die Synthese gibt das absolut her! Währenddessen kann der alte Microwave und XT schon Polypressure und gehört zu den „Guten“. Das gilt auch für den neueren „M„. Die können „wenigstens“ Polypressure – wenn auch nur auf der Empfangsseite. Da lebt so mancher auch älterer Synthesizer auf, der das in der Modmatrix anbietet.

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