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"Play Authentic" - eine gute Idee?  ·  Quelle: Gibson

Keine Ruhe im Hause Gibson. Nachdem 2018 der Bankrott haarscharf vermieden werden konnte, war der Gitarrenhersteller eigentlich gerade dabei, seinen geschädigten Ruf zu reparieren. Auf der diesjährigen NAMM präsentierte man ein traditionsbewusstes Lineup, ganz ohne schreckliche Farben oder experimentellen Schnick-Schnack. Im März wurde Mark Agnesi als „Director of Brand Experience“ eingestellt , was im Allgemeinen als gutes Zeichen gewertet wurde. Ist die Entscheidung nach hinten losgegangen?

Play authentic

Wie unsere britische Partnerseite berichtete, erklärte Mark Agnesi in einem YouTube-Video mit dem Titel „Play Authentic“ die von Gibson eingetragenen Patente:

„It’s a common misconception that a brand is just in a logo. The Les Paul, Flying V, Explorer, SG, Firebird, Thunderbird and ES shapes are trademarked shapes of Gibson. The design, from the components to the actual shapes are an integral part of the Gibson DNA.“

Frei übersetzt sagt er, dass nicht nur das Logo geschützt sei, sondern auch die Korpusformen. Das Split-Diamond-Inlay auf der Kopfplatte der Les Paul Custom oder die Mickey-Mouse-Rundungen einer 335* würden ebenfalls dazu gehören. Diese Aufzählungen führten ihn nach einer kleinen Schimpfansprache schließlich zu einer Warnung an alle Gitarrenhersteller:

„You have been warned; we’re looking out and we’re here to protect our iconic legacy.”

Autsch. Mit diesen Worten macht er deutlich, dass Gibson definitiv rechtliche Schritte in Erwägung zieht, sollten Instrumentenbauer sich zu nah an die eingetragenen Markenzeichen heranwagen. Zwar betont er im Anschluss, dass sie keine Tyrannen wären oder versuchen würden, den Boutiquemarkt zu ersticken. Aber leider kommt es am Ende genau so rüber.

Gibson Play Authentic Video

Den aufbrausenden Shitstorm hat anscheinend auch Gibson erkannt und das Video nur einen Tag später wieder aus dem Netz genommen. Alles in allem wohl nicht gerade der klügste Schritt, um einen Ruf wieder herzustellen.

Reaktionen

YouTube-Kanäle wie „The Guitar Show“ oder „Big D Guitars“ haben bereits ihre Meinungen dazu geschildert und geben uns einen interessanten Einblick aus ihrer Perspektive. Was meint ihr dazu? Sollte sich der Hersteller lieber auf die Qualität der eigenen Produktion konzentrieren, statt mit dem Finger auf andere Hersteller zu zeigen? Wettbewerb ist doch schließlich gesund. Oder stehen euch die vielen billigen Kopien bis zum Hals und ihr findet das Verhalten gerechtfertigt?

Update 19.06.2019:

Das Internet vergisst nie! Und so verwundert es mich nicht, dass das Originalvideo auf Reddit.com erneut hochgeladen wurde. Ich nehme an, dass der Nutzer es bald wieder entfernen muss, daher seht es euch bei Interesse am besten zeitnah an. Bei er Gelegenheit: Erinnert ihr euch noch an die Jimmy Hendrix Signature Strat von… äh… Gibson?

Videos

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5 Antworten zu “Update: Beginnt eine neue Lawsuit Ära? Gibson spricht eine klare Warnung aus”

  1. dirk sagt:

    Wenn jemand Inhaber eines Markenrechts ist, so ist es doch nachvollziehbar, wenn er dieses durchsetzt. Ob die Art der hier erwähnten öffentlichen Einlassung besonders klug war, ist aus komminikativer Sicht durchaus diskussionswürdig. Sinnvoller wären meiner Meinung nach keine grundlosen Drohungen im Vorfeld, sondern bei Zuwiderhandlungen ein geordnetes Verfahren durch einen Rechtsvertreter. Man selber hält sich da zurück, ist weniger angreifbar und erntet keinen Shitstorm. Pflicht 1, Kür 6.

    • stephan sagt:

      Hallo Dirk, danke für deinen Input! Ich würde den Meinungen der Youtuber zustimmen und behaupten, dass Mark Agnesi mehr oder weniger von Gibson zur Formulierung solcher Sätze bewegt wurde. Ich meine herauszulesen, dass du tiefer in der Materie steckst. Hast du Erfahrungen mit vergleichbaren Fällen aus dem Bereich Markenrecht?

      • dirk sagt:

        Ja, lieber Stephan, das habe ich in der Tat, wenn auch nur als Beobachter. Aus Gründen der Vertraulichkeit möchte ich mich aber hier dazu nicht äußern. Wie geschrieben: Besser man überlässt den Kontakt zu dem Rechteverletzer einem Rechtsvertrter, hält sich in der Öffentlichkeit bedeckt und macht seine Arbeit, für die der Kunde bezahlt, möglichst gut.

  2. tomstone sagt:

    Hi!
    Ein Shitstorm und schon knicken die Betroffenen ein.
    Ducken sich vor einem Meinungsterrorismus.
    Und da ist Gibson ja nur ein Fall von vielen.
    Wenn Urheber- oder Markenrechte verletzt werden, wäre es mir völlig egal, wenn der Internetmob Sturm läuft.
    Es sind ja eh nur Leute, die meist selbst nichts auf die Reihe bekommen.
    Aber von allen verlangen gratis zu arbeiten, abgesehen von ihnen selbst natürlich.
    Traurig!
    Gruß
    Tom

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