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Jupiter Xm Angecheckt

Jupiter Xm Angecheckt  ·  Quelle: GN

Jupiter-Xm

Jupiter-Xm  ·  Quelle: Sequencer.de

Jupiter-Xm Rückseite

Jupiter-Xm Rückseite  ·  Quelle: Sequencer.de

Jupiter-Xm

Jupiter-Xm  ·  Quelle: sequencer.de

Roland Jupiter-Xm

Roland Jupiter-Xm  ·  Quelle: Roland

Der Roland Jupiter-Xm ist schon einige Zeit in Gebrauch und der Jupiter-X steht vor der Tür. Das ist der große Bruder mit der identischen Klangerzeugung, nur mit mehr Knöpfen und großem Gehäuse mit Geschichtsanleihe. Wir werden diesen Synthesizer praktisch und prüfen die Herzen.

Was haben wir denn da?

Eigentlich ist der Roland Jupiter-Xm viel mehr Mini-Workstation oder Live-Mobilmaschine als Nachfolger des System-8, welches noch zu kaufen ist, jedoch droht mit dem System 1m in das berühmte Roland-Loch zu fallen. Das klangliche Level der System-Serie ist hoch, dennoch scheint Roland sich in dem Sinne nicht neu zu erfinden aber alles was sie gemacht haben in ein Gehäuse packen zu wollen, aber alles ein bisschen anders. Wie genau? Dies ist ein bisschen von allem – ZEN-Core ist etwa 75% System-8, ein bisschen Vintage-Synths (79%), sehr viel Rompler, XV-5080, Fantom  und JV-1080  oder JD inkl JD-Xa  (95%) ohne aber so eine möchtegern-Maschine zu sein wie der Jupiter 80 mit einer nicht so tollen Engine, diese Engine klingt von vorn bis hinten sehr gut. Es gibt 6 Synthesemodelle aus denen man wählen kann: JX-8P,  Jupiter-8, SH-101, RD-1000 (Piano), XV und  Juno-106.

Um es vorweg zu nehmen – sie sind nicht ganz so akkurat wie die etwa der SH-01A vs SH-101 bzw JU-08 vs. Jupiter-8, denn sie haben bis auf ein Modell eines nicht: Sie sind nicht in der Lage die Synthesefunktionen zwischen zwei Oszillatoren gleichzeitig zu verwenden und können somit diese nicht wirklich simulieren. Damit ist FM oder Crossmodulation zwar möglich, aber nicht Sync, oder man nutzt Sync und kann aber keine Ringmodulation haben. Die große Ausnahme ist der XV Modus in dem es FXM, Crossmodulation und so weiter gleichzeitig gibt. Das ist das klassische samplebasierte Modell welches vier Oszillatoren mit einer großen Auswahl von digitalen kurzen festen und nicht selbst einladbaren Samples anbietet.

Jeweils zwei davon können miteinander interagieren (Sync, etc) und somit ist dieses Modell eigentlich das einzige, was wirklich vollständig ist. Jeder der 4+1 Slots kann jedes Modell annehmen, nur das Piano gibt es nur in einem Part/Slot. Der 5. Part ist stets Drums – Sample-Drums mit allem wie 707 und 909 und ein paar Klassiker aller Art. Samples eben. Damit kann man gut leben. Nerds werden die schnellen LFOs vermissen, die sind bestenfalls „ok“ für 2020. Heute hat man Audiospeed. Offenbar auch ein Opfer an den Gott der Stimmenanzahl, daher auch der Name Jupiter X (Die Zahl bedeutete früher Stimmenanzahl: 4, 6 oder 8).

Jupiter-Xm – Was ist besser?

Man hat zugunsten der Stimmenanzahl, die wesentlich höher ist als die des System-8 oder System-1/1m also die Synthesemöglichkeiten etwas reduziert und hat drei sehr gut klingende Filtermodi verbaut (Roland, Moog, SCI Prophet 5) – alle mit einem Buchstaben gekennzeichnet. Wer einen sehr gut klingenden Synthesizer sucht, der kann sich hier unbedingt bedienen, sollte aber bei den Klassiker-Modellen nicht alles erwarten, was die Originale können – aber einige Klassiker-Sounds kann man damit bauen. Die Oberfläche passt in der Komplexität primär zu diesen, auch optisch hab ich wohl gerade einen kleinen Jupiter-8 gekauft.

Der Grund, weshalb man den Jupiter Xm haben will ist eine kleine Maschine mit Microkorg-Tastatur und eingebauten Lautsprechern als Klangbasis dabei zu haben und mit den 4 verschiedenen Klangerzeugern und Drums (mit den klassischen Drumsounds zu spielen. Das reicht für einen Song. Dazu kann man einen ziemlich nerdigen 64-Step Sequencer nutzen um Songideen auszuprobieren. Allerdings ist dieser wirklich eher so eine Art Zugabe, nichts um wirklich damit zu „arbeiten“.

Diese Maschine kann nicht alles, aber vieles und ist fast so etwas wie das Best of – aber Dinge der Vergangenheit, es gibt kein Granularengine (V-Synth GT) oder sowas, es ist eher die Mainstream-Variante für die nicht totalen Synth-Geeks sondern für die die die Sounds der 80er mögen. Alles klingt hochwertig. Gerade Fans von Romplern, die Röchelsounds lieben sind die heimlichen Gewinner. Leute die eigentlich alles Details zB. eines Jupiter-8 wünschen sind mit einem System-8 besser bedient. Der SH-101 ist der einzige, der es aus dem System 1m geschafft hat – eigentlich das schwächste Modell – das beste ist sicherlich das System 100. Für die gibt es das System 1m, denn da ist nicht nur alles möglich sondern es gibt zumeist Erweiterungen und kleine Zugaben, sie haben Synthese im Vordergrund und sparen dafür an der Stimmenanzahl, nicht aber am LFO Tempo.

 

Jupiter Xm Rückseite

Jupiter Xm Rückseite

Das beste der 80er, 90er und …

Es wirkt so als  habe man die Idee JD-Xa genommen und versucht die Klanggewalt des System 8 hier „für eine breitere Masse“ damit zu verbinden und sie zu verschmelzen: Das Beste der 80er, 90er und von heute. zu entwerfen. Die Bedienung ist nicht ganz so direkt, sobald man aus einem einfachen Synthesemodell wie das des Juno-106 oder SH-101 ausbricht. Denn dann muss man auch mal ins Menü – davon gibt es wirklich viele. Man kann viele Splits, Effekte und Details einstellen und hat dazu erschlagend viele Menüs. Es gibt einen Knopfkniff um zu einer Baugruppe zu kommen zB. LFO2 und kann dann allerdings im Menü dort weitere Parameter einstellen. Das ist ok, aber nicht immer Intuitiv.

Da wünscht man sich dann doch einen Editor dazu. Bei der Bedienung der Parts und der einzelnen Oszillatoren etc. gibt es auch nochmal jeweils Doppelfunktionen der 16 Step-Taster. Aber zB der XV Modus hat pro LFO 16 Steps wenn dieser als Step-Sequencer arbeiten soll. Das hätte man sicher besser anlegen können wie etwa einen Edit Taster und die 16 Taster werden dann zu Springmarken. Es gibt 2-3 Betriebsarten und die sollte man unbedingt kennen. Sonst wird die Bedienung zur Glückssache. Es ist eine vollkommen andere Welt als die der Boutique-Synths oder der Aira-Serien oder Synths wie einem Prophet 5, Nord Lead oder U.D.O. Super 6 / Jupiter-6. Hier gibts immer

Hierarchie und Scene und Function Mode und eigentlich auch noch den Tone Edit mit seinen Menüs. Deshalb – man fühlt sich eher in die Workstation-Welt gebeamt, aber eine mit dem besseren Sound. Mein Tipp ist beim XV einstellen – ein Preset wählen und dann die Dinge mit den Knöpfen voreinstellen. Danach die Details, die damit nicht erreichbar sind einstellen. Die Qualität der Rom-Engine macht mich zumindest aber sehr an. Der bessere D-50 oder eben JV-Synth von heute, der gute Basis-Synthengines sonst anbietet, aber sie sind nunmal keine System 8.

Ha(c)ken?

Ich werde nicht die einzelnen Synth-Modelle beschreiben, da die meisten diese ohnehin kennen. Die Oberfläche erreicht Filter, in wenigen Modellen zwei LFOs mit den drei Zielen (Filter, Tonhöhe, Lautstärke), dasselbe gilt für die drei Hüllkurven. Nur bei den Oszillator-Details ist manches Modell ein wenig zu abhängig in welcher Hierarchie man sich befindet. Im Tone-Edit ist es so wie man es möchte. Einer der wenigen aber wichtigen Betriebsarten. Die Effekte sind sehr gut zu erreichen mit den Knöpfen. Das ist Klasse.

Nach dem letzten Update gibt es jetzt auch die Installation von SBX-Boards. Das sind ROM-Sample-Inhalte nebst  Patchdaten. Das bedeutet, dass man eigentlich eigene Samples laden könnte, wenn man sie eben als solch ein SBX-File einladen könnte. Aktuell klappt das nur mit Roland-Anlieferungen. Man kann bis zu zwei dieser „Karten“ als Software installieren – wenn man mehr möchte, muss man eine löschen und eine andere installieren. Hier wäre ein kleiner Editor mit eigenen Samples, notfalls gekürzt und komprimiert ein tolles Geschenk an den User. Den Editor kann man für die XV-Engine sehr gut gebrauchen und würde eine gute Verwaltung darstellen und das Instrument vollwertig machen. Egal ob es was kostet oder nicht. Das ist das eigentliche fehlende Glied. Das SBX-Format scheint schwer zu hacken oder zur „re-engineeren“ zu sein. Es ist recht wahrscheinlich, dass Samples intern komprimiert werden.

 

Jupiter Xm

Jupiter-Xm

Automatisches Fahren

Wer ihn noch nie vorher gespielt hat, fühlt sich nach dem Auspacken wie in einem Sci-Fi Film, in dem man ein klassisches Auto von heute vorgesetzt bekommt, was aber vollständig autonom gesteuert wird. Es bringt mich irgendwo hin, es klingt super, es hat hörbar die neueste Technik, aber was sich warum wo tut muss man lesen und lernen. Dabei geht es intuitiver. Es ist sehr schön und was heraus kommt ist super, wenn ich das mal gezielt einstellen kann und für mich nutzen kann – dann wäre das perfekt.

Jupiter iArpeggiator

Das ist ein weiteres neu erfundenes Element. Immerhin war es auch Roland, die den Arpeggiator generell erfunden haben (System-100m Keyboard und Jupiter-4 waren die ersten 1978). Hier werden schaltbar Rhythmus und das Arpeggio bzw. Melodiemuster abhängig von den gespielten Tönen und der Geschwindigkeit des Spielens gesteuert. Gefühlt sind es etwa 3 Abstufungen. So bekommt man etwas bis von „fast kein Beat“, eine Art Intro und Strophen-Bereich und „es geht los“-Hauptteil-Variante – alles durch die Art wie man spielt. Auch wenn der inzwischen in anderen aus meiner Sicht unpassenden Produkten verwendete Name bei heutiger Erwartung eines Roland-Fans eher nach Boutique „in erwachsen“ klingt, so ist er wegen der nicht vollständigen Komplexität nicht ganz exakt das – nur nahe dran.

Diese kleine Form ist für Bühnen-Performer von Indie-Pop bis Minimal aktuell die interessanteste minimale Unterwegs-Workstation. Minimal weil man mit Drums und 4 verschiedenen gleichzeitigen aber polyphonen Sounds auskommen muss, diese aber für einen anständigen Song absolut ausreichen. Mit einer DAW oder Sequencer im Gepäck hat man eigentlich alles was man benötigt. Das was raus kommt ist Studiosound. Die Engine klingt in allem super und gefällt mir auf Anhieb auch besser als die gesamte Fantom-XP-JD-XV-Reihe, die es seit dem JD-800 gibt (1991+).

Wer den Roland Jupiter-Xm als Rompler kauft, hat eigentlich das beste von ihm, man hat nebenbei einige nette und gut klingende Synthesizer-Modelle, die von den System-Synths profitieren. Ich ärgere mich echt nur jedes Mal, wenn ich ein bisschen Crossmodulation einsetze und jetzt noch Sync haben möchte. Das geht nämlich nicht beides. Herrjeh, nur dafür das System-8 mitnehmen? Nein, der kann ja schon noch mehr. Aber der ist ja leider viel ausladender. Das bedeutet nicht nur für Top 40 Bands ist das was, weil die vielen Modelle schon auch die 80/90er sehr gut abdecken. Das ist was für jeden Songschreiber, Synthpopper, Minimalmusiker oder Mobilkomponisten, der vielleicht nur den Jupiter Roland Jupiter-Xm mit ins Studio nehmen will.

Es könnte sogar die Renaissance der samplebasierten Klangerzeugung werden, wie man sie in den 90ern sehr viel hatte und heute fast verschwunden sind. Ein VA ist er auch, ein superguter, aber es gibt aus eigenem Hause eben für den Zweck bessere Spezialisten, die Roland vermutlich aber absetzen wird, weil in der Denkweise den die haben, sind diese vermutlich nicht mehr nötig. Ein Fehlglaube. Wer das alles in groß mit guter Tastatur möchte, kann den Jupiter-X kaufen. Der ist dasselbe, hat etwas mehr Bedienelemente und ist für die gemacht, die eine klassische Größe haben müssen oder wollen. Gute aber leicht ambivalente Maschine, Arbeitstier und tolles Instrument.

– Mehr zum Jupiter-Xm und ZEN Core.
Lohnt sich das System-8 und System-1m bzw. System-1 (Tastatur ohne Modularität)

Preis

Ihr bekommt den Synthesizer Roland Jupiter-Xm hier bei Thomann.de (Affiliate) zu einem Preis von 1444 Euro.

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