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Angecheckt: Logic Pro X 10.5

Angecheckt: Logic Pro X 10.5  ·  Quelle: Apple

Mit der Integration einer Clip-basierten Arbeitsweise (Live Loops), des Step Sequencer und Quick Sampler bringt das neue Apple Logic Pro X 10.5 Update vor allen Dingen lang vermisste Features für Elektronikproduzenten und Beatmaker. Ich habe die bedeutendsten neuen Funktionen angecheckt und hilfreiche Demovideos für euch rausgesucht.

Logic Pro X 10.5

Nichts ist schlimmer, als sich nach einem Update auf eine höhere Softwareversion nicht mehr zurechtzufinden. Deshalb die gute Nachricht zuerst: Auf den ersten Blick hat sich fast nichts verändert! Trotz der umfangreichen neuen Funktionen sind alle Knöpfe nach wie vor an ihrem vertrauten Platz, was mir sehr gut gefällt!

In den Vorlagen gibt es tolle Hilfestellungen, um euch auch ohne YouTube mit den neuen Funktionen vertraut zu machen. Und als Sahnehäubchen oben drauf bekommt ihr mit Logic Pro X 10.5 sogar den Song „Ocean Eyes“ von Billie Eilish. Man kann tatsächlich in jede Einzelstimme gehen, sieht ausgewählte Takes und hört sogar Kopfhörer-Bleed. In die Gesänge könnte ich mich reinlegen und darin baden. Doch zunächst weiter im Text.

Live Loops

Machen wir uns nichts vor, für Hip Hop und elektronische Musik war Logic schon lange nicht mehr die erste Wahl. Ist es wahrscheinlich auch nie gewesen. So sehr ich als Livemusiker die gute alte lineare Arbeitsweise für klassisches Recording liebe, zum Jammen und Erarbeiten von Ideen habe ich immer neidisch auf Ableton Live-Nutzer geschaut und gegebenenfalls zwischen den DAWs gewechselt. Damit soll nun Schluss sein.

Live Loops heißt das Zauberwort und macht das Schrauben von Beats, das Experimentieren mit und Ausarrangieren von Ideen sowie Remixen viel intuitiver als die altbekannte lineare Ansicht. Trotzdem ist es auch möglich eure komplette Szenen-Performance aufzunehmen und anschließend in der Track-Ansicht zu bearbeiten (genau wie in Ableton Live). Nicht nur das, ihr könnt auch Szenen via Drag & Drop aus der Loop-Ansicht nehmen und in die Arrangement-Ansicht kopieren und andersrum. Das ermöglicht einen wirklich schnellen Workflow! Auch mir als vorwiegend „traditionellen“ Nutzer bringt das Update große Freude. Beispielsweise mit riesigen Loop-Orgien, bei denen meine Hardwaregeräte vor Neid erblassen.

Für ein noch intensiveres und haptisches Erlebnis sollten Besitzer eines iOS Gerätes unbedingt die kostenlos Remote App nutzen. Anstatt mit der Computermaus jede einzelne Szene anklicken zu müssen, könnt ihr ganz einfach mehrere mit den Fingern steuern und darüber hinaus noch Filter, Delay, Reverb, rhythmische Gating-Effekte, Tape- und Turntable-basierte Zeiteffekte und andere in Echtzeit steuern. Spoiler: Leider funktioniert die App nur ab iOS 13.1 oder neuer. Mein altes iPad Air fällt damit leider aus und ich bin auf mein Telefon mit kleinerem Display angewiesen.

 

 

Bye bye EXS24! (Sampler)

Zunächst einmal heißt es Abschied nehmen, denn der EXS24 wurde eingestampft und gegen den Sampler getauscht. Die gute Nachricht: Alles ist abwärtskompatibel, sodass euch keine Bibliotheken verloren gehen! Der schlichte Look gefällt mir unendlich viel besser als das antiquierte GUI des EXS24. Was aber viel mehr zählt, ist der aufgebohrte Funktionsumfang. Samples automatisch loopen, nach Tonhöhe auf der Tastatur mappen lassen, Split Silence und mehr. Sound-Designer und Hersteller von Sample-Librarys werden sich über viele automatisierte Abläufe freuen. Die Polyphonie wurde auf 99 aufgestockt.

 

Quick Sampler

Falls es da draußen tatsächlich Hip Hop Produzenten gibt, die Logic gegenüber einer MPC oder Ableton Live vorziehen: Dieses Update dürfte ein Segen für euch sein! Was in Ableton Live der Simpler ist, heißt bei Logic Pro X nun Quick Sampler. Als Grundlage für Samples kann so ziemlich alles dienen und abermals dank Drag & Drop super einfach importiert werden. Dazu gehören Audiodateien aus dem Finder, Regionen aus Tracks, Szenen aus Live Loops oder Sprachmemos. Es ist sogar möglich direkt in den Quick Sampler aufzunehmen!

In der jüngsten Zeit habe ich mit dem Erscheinen der Akai MPC One immer wieder mit dem Erwerb eines Hardware-Samplers geliebäugelt. Das Erlernen einer komplett neuen Arbeitsweise und die begrenzten Aufnahmemöglichkeiten hielten mich am Ende davon ab. Nun kann ich in meiner vertrauten Umgebung bleiben und mich dennoch an Beats mit aufwändigen Samples wagen. Slice, Auto Slice mit Transientenerkennung, One Shots usw. sind natürlich kein Problem. Richtig gut gefällt mir die Integration mit dem Flex Mode. Stellt man den Modus auf „Follow Tempo“, werden globale Tempoänderungen automatisch berücksichtigt und die Samples in Tempo und Pitch angepasst. Cool! Drumsamples können im Übrigen direkt als Kit zum neuen Drum Machine Designer geschickt und dort bei Nichtgefallen noch immer angepasst werden. Schneller geht’s nicht.

 

Klon dir deine Hardware! (Autosampler)

Vergesst Behringer, denn ihr werdet von nun an selbst klonen. 2012 kaufte Apple die italienische Firma Redmatica mit ihrem genialen Plug-in Autosampler. Als Teil von MainStage 3.1 konnte es dort bereits seit 2015 genutzt werden, um externe Hardware oder auch Softwareinstrumente automatisch für EXS24 zu sampeln. Nun geht das auch endlich direkt in Logic.

 

War’s das?

Neben einem überarbeiteten Drum Machine Designer und dem neuen Drum Synth für synthetische Drum-Sounds bekommt ihr endlich auch einen Step-Sequencer. Neben der schnellen Programmierung von Beats, Basslines und Melodien gut könnt ihr zudem tief in die Matrix eintauchen, indem ihr Effekte pro Step editiert! Richtig gut funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Drum Machine Designer, denn die Farbcodierung der einzelnen Instrumente wird für die Steps übernommen. Apropos: Bis zu 64 Steps sind möglich, einzelne Pattern können mit wenigen Clicks auch rückwärts, alternierend oder in zufälliger Reihenfolge abgefeuert werden. Effekte wie Note Repeat, Pitch-Varianten und mehr sind ebenfalls problemlos möglich. Und wer mal einen uninspirierten Tag hat, bedient sich einfach am Pattern-Browser.

 

Die beste DAW?

Ich bezweifle, dass Live Loops dafür sorgt, dass langjährige Ableton Live-Nutzer ihre treue DAW eintauschen. Doch was Apple seit Jahren kostenlos mit jedem neuen Update an Funktionsumfang nachreicht, ist wirklich wahnsinnig gut! Vor allen Dingen, wenn man den Kaufpreis von nur knapp 230 Euro betrachtet. Was haltet ihr von Logic Pro X 10.5? Was fehlt euch noch und was hätte ihr besser gelöst?

 

Weitere Informationen

Weitere interessante Produkte unserer „Angecheckt“-Reihe findet ihr hier. Ihr habt Vorschläge? Dann her damit!

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harald
1 Monat her

nach wie vor eine völlig unbrauchbare midi-umgebung für leute mit viel hardware und jene, die viele routings schnell mal ändern wollen. das midi-routing in den midikanal und aus dem midikanal raus in andere tracks is der absolute horror mit diesem, völlig veralteten midi-enviroment-windows und dem frickeligen ziehen von linien.
apple hätte, wie schon anderenorts erwähnt, beginnen sollen, die einfache art des routings von live zu kopieren – erst danach die live loops ;) – so ist das ne halbe sache.

jLSwP
jLSwP
1 Monat her
Reply to  harald

Da die meisten Musiker in 2020 MIDI gerade mal schreiben können, hoffst du umsonst. Nebenbei, ich schätze Logic vor allem wegen seiner MIDI Möglichkeiten. Ein Argument, wieso ich früher trotz 5-stellig teurer digidesign Hardware immer mit Logic als Host arbeitete. Altmodisch – mir völlig schnurz, etwa wie bei der Diskussion um die Breite der Displayränder bei Smartphones

Edgar 9000
1 Monat her

…..also die neuen Funktionen sind zum Teil ja wirklich klasse, aber am meisten nervt dieses gagbunte Layout und diese schrägen Farben dazu, da würde ich mir wirklich mal einen frischen Wind wünschen.
Auch die Automation via MIDI ist oft nur umständlich realisierbar.
Ansonsten Alchemy alleine ist die Reise wert.
Ich benutze Logic schon seit Version 3.5 nebenbei bemerkt….

bouledogue
1 Monat her

Hatte gehofft, „Live Loops“ als eine Art Looperpedal in Logic nutzen zu können.
Funktioniert leider nur mäßig bedingt, denn nach der Aufnahme des Loops eiert dieser kurz und wird dabei von einem einmaligen Klacken begleitet.
Das ist schade, da ich eine Softwarelösung wie bei dem Looper in Live wirklich vermisse.