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Angecheckt: Korg ARP 2600 M

Angecheckt: Korg ARP 2600 M  ·  Quelle: Korg, Gearnews

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Mit dem ARP 2600 M bietet Korg die Neuauflage des legendären, semi-modularen Synthesizers nun auch in der lange erwarteten verkleinerten Version an. Das sind großartige Nachrichten für alle, die beim auf der NAMM 2020 vorgestellten und trotz des exorbitanten Preises sofort ausverkauften ARP 2600 FS nicht zum Zuge kamen. Im Angecheckt haben wir den kleinen ARP unter die Lupe genommen und für euch ausprobiert.

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Korg ARP 2600 M

Angesichts eines Verkaufspreises von knapp 1800 Euro – also rund das Dreifache dessen, was Behringer für den 2600 verlangt – mag man sich fragen, was einen dazu bewegen sollte, sich für die Version von Korg zu entscheiden. Nun, zum einen sieht der ARP 2600 M – anders als der Behringer – tatsächlich wie ein ARP 2600 aus, mit dem charakteristischen, hoch aufragenden Konsolengehäuse und der klassischen, schwarz-weißen Farbgebung. Zum anderen stehen die von Korg entwickelten Neuauflagen analoger Klassiker seit dem MS-20 und dem ARP Odyssey im Ruf, den Charakter der Originale sehr genau zu reproduzieren. Und schließlich hegt vielleicht doch so mancher einige Vorbehalte oder sogar Aversionen gegen die Billig-Klone aus dem Hause Music Tribe. Laut Korg wird der ARP 2600 M in eher geringen Stückzahlen mit einem besonderen Augenmerk auf Qualität und zu einem großen Teil in Handarbeit hergestellt, was den vergleichsweise hohen Preis rechtfertigen soll.

Korg ARP 2600 M

Typisch ARP: Korg ARP 2600 M

Auspacken

Trotzdem gibt Korg dem ARP 2600 M sicherheitshalber einige Extras mit, die diesen Premium-Anspruch untermauern sollen. Aus dem Karton kommt ein stylischer Rollkoffer mit ARP-Logo zum Vorschein, in dem der Synthesizer und das mitgelieferte Zubehör verstaut sind. Ähnlich war der Hersteller schon beim Odyssey vorgegangen. Im Koffer befindet sich neben dem eigentlichen Synthesizer ein Korg microKEY2 37 Controller-Keyboard, das an die Stelle des ARP 3620 Keyboards der Fullsize-Version tritt. Sämtliche benötigten Kabel sind ebenfalls dabei – neben dem Netzteil für den Synthesizer sind das zwei USB-Kabel und eine Tüte mit zehn grauen Patchkabeln. Außerdem liegen eine Anleitung und ein Bogen mit diversen Aufklebern im Koffer. Auf seiner Website bietet Korg die Originalanleitung und das Patch-Buch, das dem ARP 2600 in den Siebzigern beilag, zum Download an – das sollte man sich also unbedingt herunterladen, wenn man zum ersten Mal mit einem 2600 zu tun hat.

Korg ARP 2600 M

Für Jetsetter: Der ARP 2600 M kommt im Rollkoffer

Obwohl der Schalenkoffer natürlich toll aussieht und bei Bedarf auch noch Platz für Zusatzgeräte wie zum Beispiel einen SQ-1 Sequencer bietet, bin ich mir nicht sicher, ob ich den 2600 M wirklich dauerhaft darin transportieren würde. Nicht, weil er dem Synthesizer keinen ausreichenden Schutz böte, darum muss man sich wohl keine Sorgen machen. Aber er ist recht klobig und – vor allem, wenn man die Tastatur nicht unbedingt mitnehmen muss – etwas überdimensioniert. Wäre ich viel mit dem ARP unterwegs, würde ich wohl in ein maßgeschneidertes Case investieren. Den Koffer kann man dann ja für die Bühnengarderobe nehmen.

Korg ARP 2600 M

Ein Korg microKEY2 37 ist im Lieferumfang

Alles drin, alles dran

Auf rund 60 % der Originalgröße verkleinert, wirkt der ARP 2600 M fast ein bisschen putzig. Aber der Synthesizer fühlt sich rundum hochwertig verarbeitet an und es kommt trotz der kleinen Größe keine Klaustrophobie auf. Das Fingerspitzengefühl, mit dem man beispielsweise die Roland Boutique-Serie bedienen muss, braucht man hier jedenfalls glücklicherweise nicht. Die Buchsen und Fader sind allesamt gut zugänglich und auch bei vielen gesteckten Kabeln bleibt die Übersicht erhalten.

Korg ARP 2600 M

Beim 2600 M ist (fast) alles genau wie beim Original – nur kleiner

Zur Struktur und Klangerzeugung des ARP 2600 muss man ja eigentlich nicht mehr viel sagen. All das, wofür das Original berühmt ist, findet sich ganz genauso auch beim 2600 M, mit einigen behutsamen Anpassungen im Detail. Alle drei VCOs liefern Sägezahn- und Rechteckschwingungen, wobei letztere bei VCO 2 und 3 modulierbar sind. VCO 2 wartet zusätzlich mit Dreieck- und Sinusschwingungen auf. Außerdem gibt es einen Rauschgenerator. Bis zu fünf Audiosignale treffen im Input-Mixer der Filtersektion aufeinander und damit auf das 24-dB-Tiefpassfilter. Dieses lässt sich bei der Neuauflage zwischen zwei Varianten umschalten, die die beiden Versionen des Originals repräsentieren (Typ 4012 und Typ 4072). Weiter geht’s durch den VCA in die Output-Sektion, wo neben einem Stereo-Mixer der charakteristische analoge Federhall wartet. Sogar die integrierten Lautsprecher hat Korg dem 2600 M spendiert – wie gesagt: (Fast) alles ist genau wie beim Original.

Je eine ADSR- und AR-Hüllkurve sorgen für Modulation. Dedizierte LFOs besitzt der 2600 M nicht, aber alle drei VCOs lassen sich getrennt voneinander von der Tastatur (bzw. von der Key-CV-Spannung) entkoppeln und als Modulatoren nutzen. Zusammen mit dem Ringmodulator, dem Voltage Processor und der Sample&Hold-Sektion ergeben sich sehr weitreichende Möglichkeiten zum kreativen Patchen. Und auch der Preamp mitsamt Envelope Follower, über den sich externe Audiosignale einbinden und ggf. als Modulationsquelle nutzen lassen, ist selbstverständlich vorhanden.

Korg ARP 2600 M

Wie das Original lädt der ARP 2600 M zu ausgedehnten Patch-Experimenten ein

Ein ARP 2600 für moderne Setups

Was ist denn nun anders, abgesehen von den umschaltbaren Filtervarianten? Äußerlich gibt es einige Änderungen bei den Anschlüssen, wo der ARP 2600 M mit symmetrischen Klinken- statt XLR-Ausgängen aufwartet. Außerdem sind ein DIN-MIDI-Eingang und zwei USB-Anschlüsse vorhanden. Einer davon dient zum Anschluss an einen Computer und empfängt ebenfalls MIDI-Daten (sendet sie aber nicht). An den anderen USB-Port lässt sich das mitgelieferte Keyboard (oder ein anderer Controller) anschließen und mit Strom versorgen. Leider wird das hier ankommende Signal vom Synthesizer nicht durchgeschleift und per MIDI ausgegeben – auch nicht über USB. Das bedeutet: Möchte man den ARP 2600 M über die Tastatur spielen und dies in der DAW als MIDI-Daten aufzeichnen, muss man das Keyboard direkt mit dem Rechner verbinden und kann nicht den integrierten USB-Port nutzen.

Apropos Keyboard: Zu den beiden CV-Ausgangsbuchsen für duophone Keyboard-Steuerspannungen hat sich ein Ausgang für das Modulationsrad gesellt, das somit innerhalb eines Patches verschiedensten Parametern zugewiesen werden kann. Dafür wurde eine Buchse der Multiples-Sektion geopfert (nur noch drei statt vier), die man bei komplexen Patches schon manchmal vermisst. Abhilfe können hier kleine externe Multiples wie die Ninja Stars schaffen, oder ein entsprechendes Eurorack-Modul.

Beim Stichwort Eurorack dürfen wir eine sehr sinnvolle Anpassung nicht vergessen, die von außen nicht zu sehen ist. Korg hat die zum Auslösen der Hüllkurven benötigte Spannung geändert; statt 10 V werden hier beim 2600 M nur 5 V benötigt. Das sorgt für eine bessere Kompatibilität mit Eurorack-Systemen, was natürlich eine sehr gute Sache ist.

Sound

Genug der vielen Worte – wie klingt der ARP 2600 M denn nun? Kurz und bündig: genau so, wie ein ARP 2600 eben klingen sollte. Mit kraftvollen und angenehm ungewaschenen Schwingungsformen liefern die drei Oszillatoren das Ausgangsmaterial für ausgedehnte Sounddesign-Experimente. Auch das Filter finde ich sehr gelungen und typisch ARP, wobei die beiden Varianten tatsächlich ein etwas unterschiedliches Verhalten zeigen und leicht verschiedene Klangfarben hervorbringen. Bei steigender Resonanz verschluckt das Filter den Bass in einem Maße, das man von anderen Synthesizern vielleicht nicht gewohnt ist, aber auch das gehört bei einem ARP dazu. Der analoge Federhall, der laut Korg eigens entwickelt wurde, um in das kleinere Gehäuse zu passen, setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf und prädestiniert den Synthesizer auch als Effektgerät für diverse externe Signale.

Ob das alles nun exakt genauso klingt wie beim Original, vermag ich mangels eines Vintage-2600 nicht zu beurteilen. Aber in meinen Augen ist das auch gar nicht so wichtig. Wer auf dem absolut authentischen Originalsound besteht, der soll sein Haus verkaufen und sich das Original besorgen. Viel entscheidender ist doch die Frage, ob das Instrument einen inspiriert und musikalisch anspricht, und das tut der ARP 2600 M definitiv, wenn man sich etwas Zeit für ihn nimmt.

Ein 2600 ist kein Synthesizer, der auf Knopfdruck fette Bässe oder Lead-Sounds liefert (obwohl er diese Sounds natürlich kann!), und er ist auch kein Synthesizer für Einsteiger. Sein wahres Potenzial zeigt er, wenn man sich ihm hingibt, sich von seiner charakteristischen und etwas eigenwilligen Struktur leiten lässt und auch mal den Zufall entscheiden lässt. Dann entstehen Sounds, die so eigenständig und einzigartig sind, dass man sich stundenlang darin verlieren kann. Der ARP 2600 ist seit Langem auch als Soundlieferant für diverse Filmsoundtracks bekannt – nach diesem Test ist mir absolut klar, weshalb.

Korg ARP 2600 M

Die flexiblen Modulationsmöglichkeiten lassen einzigartige Sounds entstehen

Was ist nicht so toll?

Dass ich den ARP 2600 M jedem empfehlen möchte, der Spaß an ausgedehnten Sounddesign-Experimenten hat, ist wahrscheinlich bereits deutlich geworden. Aber ich wäre kein Tester, wenn ich nicht auch ein bisschen etwas zu meckern hätte.

Die kompakte Bauweise hat nämlich nicht nur Vorteile. Für den Transport und die Unterbringung im Studio sind die kleinen Abmessungen und das geringe Gewicht natürlich erstmal eine gute Sache. In der Praxis, wenn das Instrument vor einem auf dem Tisch steht, wird aber deutlich, dass sich das Verhältnis von Größe und Gewicht gegenüber dem Original verschoben hat. Durch die Kombination aus kleiner Grundfläche und hohem Schwerpunkt hat der Synthesizer der Kraft, die man zum Einstecken und Herausziehen von Patch-Kabeln aufwenden muss, nicht viel entgegenzusetzen. Im Klartext: Wenn ich ihn nicht mit der anderen Hand festhielt, während ich ein Kabel im oberen Bereich hineinsteckte oder herauszog, hatte ich immer etwas Bedenken, ob er nicht umkippen könnte. Das ist aber natürlich etwas, das sich durch eine vernünftige Halterung leicht beheben lässt.

Fazit

Mit dem ARP 2600 M hat Korg den legendären Analogsynthesizer nicht nur in ein handlicheres Format gebracht, sondern ihn dank moderner Anschlüsse und Eurorack-kompatibler Spannungen auch fit für die heutige Zeit gemacht. Dabei hat der Synthesizer nichts von seiner Faszination eingebüßt. Genau wie das Original lädt der semi-modulare 2600 M zu ausgedehnten Patch-Experimenten ein und bringt dank seiner speziellen Struktur Klänge hervor, auf die man sonst kaum kommen würde. Ist er dreimal soviel Wert wie die Behringer-Version? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Seine Verarbeitung, sein Sound und die Liebe zum Detail, mit der er jede Facette des berühmten Originals reproduziert, sprechen in meinen Augen definitiv dafür.

Preis und Verfügbarkeit

Der Korg ARP 2600 M ist bei Thomann* für 1799 Euro bestellbar.

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Mehr Infos zum Korg ARP 2600 M

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4 Antworten zu “Angecheckt: Korg ARP 2600 M – der Mini-ARP im Test”

  1. Sonja Abriss sagt:

    Sind das jetzt Fake Plastikbuchsen wie beim MS20 Mini ?

    Lieferbar 2025 ?

  2. Schubidu sagt:

    Plastikbuchsen ?

  3. Marco sagt:

    Also den findet ihr toll, aber er ist auch kein ARP sondern ein Clone von Korg! Also wenn der besser sein will als der Behringer, na dann fress ich einen Besen. Vor allem wenn er 3x soviel kostet, na dann muss er ja auch besser sein…..

    • Schubidu sagt:

      er ist genau 3x besser, außer du willst mit den 3 Behringern einen Dreiklang spielen. Dann definitiv nicht :) Was schlechter ist, sind die um 40% kleineren Fader gegenüber Behringer und dem Original, schade. Komisch das Lasse die Plastikbuchsen vergessen hat zu erwähnen .

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