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Real Digital Synthesizer Teil 1

Real Digital Synthesizer Teil 1  ·  Quelle: Moogulator

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Howdy! Heute ist ein guter und warmer Tag, um über Synthese und Synthesizer nachzudenken. Analoge Synthesizergibt es viele, und einige davon sind fantastisch. Aber was ist mit den „real digitalen“? Gemeint sind keine virtuell-analogen Synthesizer, sondern die echten, konsequent digitalen Synthesizer. Es gibt ausreichend historische Ideen, die heute noch extrem reizvoll wirken und kaum noch verfolgt werden. Gibt es dafür heutige Gegenstücke?

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Welche rein digitalen Syntheseformen gibt es eigentlich, welche gab es früher, und wovon kann man sich heute noch inspirieren lassen? Kehren diese Syntheseformen zurück? Und was macht sie eigentlich aus? Ein Sonicware ELZ_1 zeigt spielerisch, was man aus den Achtzigern neu nutzen könnte. Aber was passiert, wenn man keine LoFi-Synthese möchte?

Dieser Artikel möchte weder analoge, hybride noch analogähnliche Synthesizer schlechtreden. Haben wir die real digitalen Synthesizer vielleicht vernachlässigt? Was bieten sie eigentlich, und was geht uns dadurch verloren? Gibt es sie heute vielleicht einfach nur unter anderen Namen?

Real Digital – additiv und smart?

Blättert man durch die Vergangenheit sündhaft teurer Experimental-Synthesizer, die ihre Hersteller und Käufer technisch oft vor harte Proben gestellt haben, tauchen additive SyntheseFM und Resynthese-Konzepte immer wieder auf. Meist waren es auch Kombinationen oder Varianten der FM, etwa PD (Phase Distortion) oder PM (Phase Modulation), genutzt von Casio, Korg, Con Brio und vielen anderen.

Wavetables sind heute fast überall zu finden. Auch sie sind ein Versuch, aus komplexeren Synthese-Modellen einen Gesamtklang zu erzeugen, der nicht statisch bleibt. Es gibt also deutlich mehr als nur klassische FM- oder Additiv-Konzepte.

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Dabei gab es eine Art großen „Vater“ dieser Synthesizer, den sogenannten Bell Labs Alles Synthesizer.

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Einige sehr exotische, weil extrem teure und meist nur innerhalb eines kleinen, erlauchten Kreises bekannte Geräte lagen in den Siebzigern und Achtzigern selten unter 10.000 bis 200.000 Dollar.

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Der Crumar GDS/DK Synergy wäre eines davon, das New England Digital Synclavier ein anderes, ebenso Con Brio oder das Technos Axcel. Hast du schon einmal vom Beilfuss Synthesizer gehört? Und das sind nur die „bekannteren“ Systeme.

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Fast alle Hersteller hatten Entwicklungssysteme und Versuchsgeräte, die so nie veröffentlicht wurden. Manchmal blieb nur der Name erhalten, während sich am Ende ein anderes Konzept durchsetzte, denn damals war auch die verfügbare Rechenleistung ein großes Thema.

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Heute kann schon ein günstiger Prozessor die damaligen Ideen und Syntheseformen um Längen besser umsetzen. Dennoch sind gerade die minimalistischen Konzepte bis heute stilprägend und charakteristisch, etwa das New England Digital Synclavier, die Yamaha FM-Synthesizer, die PPG WavesResynthese-Systeme oder Sampling. Viele fragen sich deshalb auch, woher der teure FM-Sound auf alten Depeche Mode Alben eigentlich kommt. Ist das alles der legendäre Emulator II? Nein, natürlich nicht.

Dieser „Real Digital“-Sound zeigt, dass nicht nur WandlerTranspose-Artefakte, digitaler Crunch, eigene Audio-Amps und spezielle Lösungen den Klang geprägt haben. Oft waren es auch die Methoden und Umstände, mit denen damals gearbeitet wurde. Diese waren extrem speziell und meist stark durch die damalige Hardware bedingt. Genau dieser Crunch fehlt heute häufig. Viele vermissen genau das. Es gibt zwar Emulationen und Bitcrushing, doch das reicht selten wirklich an diese Anmutung heran. Das Kratzende und Knarzende der damaligen Zeit macht für viele den eigentlichen Reiz aus. Und genau das klingt bis heute erstaunlich gut. Es geht dabei nicht nur um Nostalgie, sondern um einen Sound, der damals wie Zukunft klang und es teilweise noch immer tut.

Dieses originale New England Digital Synclavier habe ich im Abstellraum des WDR Studios für Elektronische Musik „gefunden“. Der Inbegriff von Real Digital.

Quelle: Moogulator

Hier eines der Konzepte, die heute noch kaufbar sind, aber kaum jemand verwendet:

Das Synclavier Regen: Real Digital

Ein „Strang“ eines Klanges besteht aus additiven Mischungen von 24 harmonischen Obertönen als einzelne Punkte. Beim Microwave und den PPG Waves bilden ebenfalls additive Spektren eine Grundlage. Ihre wirklich interessante Anwendung entsteht durch das Umstellen dieser additiven Spektren in gleichen Abständen. Beim PPG war das eine Kette aus 60 solcher Zustände, die nacheinander abgespielt wurden. Dadurch lässt sich der Klang sehr deutlich verändern. Das ist reine Synthese, die ohne Sampling auskommt. Sie versucht jedoch, die charakteristischen Wellenformen im zeitlichen Verlauf eines Klanges jeweils in einen solchen Oberton-Abdruck zu übertragen. Das klang teuer, neu und lag damals auf dem Höhepunkt der Entwicklung.

Stattdessen stellt man mehrere „Speicherpunkte“ mit freien Abständen zusammen, die jeweils aus einer eigenen Obertonmischung bestehen. Durch diese freie Verteilung wird die Komplexität anders abgedeckt, als es klassische Wavetables können. Das ist allerdings nicht ohne Arbeitsaufwand erreichbar, denn die Eingabemethode war damals eine völlig andere als heute. Heute gibt es dafür Software und neue Hardware wie den Regen. Zwischen den genannten Klangpunkten wird überblendet, und die Übergangszeit lässt sich einstellen. Verändert sich der Klang stärker, benötigt man mehr solcher Speicherpunkte. Handelt es sich dagegen um eine kontinuierliche Bewegung, reichen bereits zwei solcher Punkte, um einen interessanten Klang aufzubauen. Das spart Speicherplatz und Rechenleistung. Als Idee ist das bis heute wirklich genial.

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Die Krone setzt dem Ganzen noch die FM-Möglichkeit auf, die eine einstellbare Frequenz und Modulationsstärkebietet. Es gibt einen Modulator und einen Träger, der ein additives Spektrum verwendet. Das war für jene Zeit eine enorme Leistung. Heute gibt es das „wieder“, und der Klang wirkt selbst heute noch faszinierend. Diese Ästhetik ist bis heute nicht überverwendet.

Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht in den 12 Schichten, die mit unterschiedlichen, aber auch fast ähnlichen Klängen belegt werden können. Gedacht war das vermutlich für mehrere verschiedene Stimmen, da sie eigene MIDI-Kanäle besitzen. Damit ließen sich aber auch extrem fette und komplexe Klänge aufbauen. Der Chorus besitzt einen sehr speziellen, superdigitalen Charakter und erinnert eher an eine extreme Modulation als an klassische Schwebungen.

Diese entstehen ganz einfach durch das Kopieren eines Layers und eine leichte Verstimmung gegeneinander. Die fetten Sounds können dabei sogar einfache 2-Operatoren-FM-Klänge sein, kombiniert mit Modulation pro Band des additiven Spektrums. Das wirkt bis heute erstaunlich unverbraucht. Das Layering ist einer der Gründe, weshalb Synclavier-FM-Bässe breiter klingen als viele DX-Sounds der damaligen Zeit.

Gute Demos: schwer zu bekommen – Real Digital

Richtig gute Sounds und den eigentlichen Grund, weshalb man das heute noch haben möchte, findet man allerdings nicht in den YouTube-Videos, sondern im Forum von User „Der Operator“. Gegebenenfalls muss man dort eingeloggt sein, um die Beispiele sehen und hören zu können.

Yamaha bot seinerzeit den TX-816 an, in dem acht DX7-Module arbeiten konnten. Damit ließ sich zumindest ein Teil dieser Klänge nachbilden, allerdings nicht die additiven Sounds oder die Sample-Analyse für die additive Mischung. Diese existiert heute übrigens in Form des miniDEXED wieder, allerdings in einer völlig anderen Darreichungsform von Dtronics. Dafür gab es dort deutlich komplexere FM-Verschaltungen. Das New England Digital Synclavier konnte sicher nicht alles, aber es war spannend und anders.

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Interessant waren damals auch das Sampling und die Analyse von Samples. Sie lassen sich in additive Spektren umrechnen, die versuchen, einen Klang nachzustellen. Das gelingt mal erstaunlich gut, mal bleibt das Ergebnis deutlich weiter vom Original entfernt. Der Reiz solcher Ansätze liegt jedoch gerade auch in dieser unvollkommenen Versuchsanordnung. Sie erinnert zwar an Wavetable-Sample-Analyse, kommt aber zu völlig anderen Ergebnissen.

Das alles gibt es heute als Synclavier V von Arturia, als App von Synclavier selbst und als Hardware namens Regen. Das ist wirklich ein Geheimtipp.

Das sind Sounds, die man heute deutlich seltener hört als analoge, angezerrte Wohlklänge. Algorithmisches Sampling wäre eigentlich ein hervorragender Name für ein solches Konzept. Beworben wurde das damals von Technos mit dem Axcel. Hatte ich erwähnt, dass jedem der 24 additiven Obertöne genau so viele FM-Modulations-Obertöne gegenüberstehen? Das wirkt zwar auf den ersten Blick simpel, doch die gesamte Wellenform wird dadurch deutlich komplexer und exakter als bei klassischen Yamaha FM-Synthesizern. Anders eben.

Solche Ideen gibt es auch heute noch im Nachfahren des New England Digital Synclavier, dem Regen.

Synclavier Regen
Synclavier Regen · Quelle: Synclavier
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Real Digital: Wir reden nicht über Physical Modeling. Oder doch? Der C15/C25!

Warum geht es hier nicht um den Yamaha VP1 oder den Yamaha VL1? Weil diese Syntheseform zwar spannend ist, aber im Ansatz deutlich stärker versucht, echte akustische Systeme zu modellieren, statt das hier beschriebene Konzept zu verfolgen. Das war schon damals hochinteressant, wurde aber oft auch zu komplex. Viele solcher Ideen verloren sich schlicht in viel zu vielen Parametern.

Wer möchte wirklich ein Saxophon, das exakt wie ein Saxophon klingt?

Dennoch gibt es einen sehr spannenden Synthesizer heutiger Produktion, den Nonlinear Labs C15 und den neuen C25von Nonlinear Labs. Mit ihnen wird das Thema Synthese und damit das eigentliche „Zusammensetzen von Klängen“ deutlich spielerischer und gleichzeitig ernsthafter verfolgt, genau so, wie man es sich als freier Klangforscher wünschen würde.

Es gibt kleine Elemente aus dem Baukasten des Physical Modeling, aber ebenso freies Feedback, komplexe VerschaltungenPhasenmodulationFMResonatoren und auch Filter, um den Klang innerhalb des eigentlich einfachen Modells wirklich spielbar zu machen. Der Mut, einen solchen Ansatz konsequent zu verfolgen und ein Instrument komplett darauf auszurichten, ist wunderbar und wird im C25 sogar noch deutlicher.

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Da inzwischen mehr als genug Worte gewechselt wurden, warten wir noch etwas bis zum zweiten Teil über real digitale Klangkonzepte, die von damals in die heutige Welt übertragen wurden.

Sehr sehenswert und hörenswert ist dazu dieses Video mit dem FM-Kenner Manny Fernandez im Kanal von Anthony Marinelli.

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Und noch jemand, mit dem das Klangbauen Spaß macht: Matt Johnson. Stephan Schmitt ist als Entwickler bei beiden Videos dabei.

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Das macht einfach Spaß, daher spare ich mir weitere Worte. Ich könnte noch viele weitere Ideen dazu in Worte kleiden, aber vielleicht reichen diese beiden Videos bereits aus?

Den Nonlinear Labs C15 kannst du nur direkt erwerben. Es gibt einige sehr spannende Angebote und Konzepte rund um den Kauf und die Nutzung. Schau dich also ruhig einmal auf der Nonlinear Labs Website um, falls du Lust darauf bekommen hast. Den C25 wird es erst 2027 wirklich geben. Ich freue mich sehr darauf – real digital.

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