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Angecheckt: Korg Modwave

Angecheckt: Korg Modwave  ·  Quelle: Korg, Gearnews

Korg Modwave

Korg Modwave  ·  Quelle: Robin Vincent

Mit dem modwave präsentiert Korg einen spannenden Wavetable Synthesizer mit beinahe unerschöpflichen Modulationsmöglichkeiten. Im Angecheckt haben wir ihn getestet.

Hinweis: Dieser Test von Robin Vincent erschien im Original in englischer Sprache auf gearnews.com.

Das Erste, was auffällt, wenn man auf dem modwave zu spielen beginnt: Alles ist in Bewegung. Der Synthesizer scheint zu leben und die digitalen Klänge wabern und pulsieren, dass es eine Freude ist. Dieser Synthesizer liebt die Action. Seine energiegeladenen Sounds, Beats und Noises spielen mit dem Chaos. Dieser Test wird Spaß machen und – wie schon der erste Blick auf die Bedienoberfläche verrät – auch ziemlich komplex sein.

Äußerlich greift der modwave das Design des wavestate und opsix auf. Er steckt im gleichen Gehäuse und ist überraschend leicht, wirkt aber nicht unsolide. Die Drehregler wackeln kaum und bieten ausreichend Grip. Die 3-Oktaven-Tastatur ist anschlagdynamisch, bietet aber keinen Aftertouch. Wie die beiden anderen neuen Digitalsynthesizer von Korg befasst sich der Modwave mit einer bestimmten Facette digitaler Synthese – in diesem Fall Wavetables – und legt den Schwerpunkt darauf, die komplexe Klangerzeugung leicht zugänglich zu machen. Trotzdem ist er viel tiefgründiger, als man auf den ersten Blick denken könnte.

Sounds

Beim „Preset-Surfen“ kommt sofort Freude auf. Die Kombination aus den vier Macro-Mod-Reglern, dem Schrauben an Schwingungsformen und dem Kaoss-Physics-Pad bietet ein enormes Potenzial zum Erforschen von Sounds und Rhythmen. Bei den meisten der angebotenen Sounds steht die Bewegung im Vordergrund und die animierten Schwingungen sorgen für einen satten, lebendigen Klang.

Korg Modwave

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Hier hört ihr einige meiner Lieblings-Presets.

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Klangerzeugung

Eine Performance besteht aus den beiden Layers A und B, die man als eigenständige Synthesizer betrachten könnte. Jeder Layer kann mit zwei unabhängigen Oszillatoren bis zu 32 Stimmen erzeugen. Jeder Oszillator kann ein einzelnes Wavetable, eine Kombination aus zwei Wavetables oder ein Multisample laden.

Nach dem Laden eines der 200 Wavetables kann man die Position innerhalb der 64 einzelnen Waves bestimmen und auf verschiedene Weisen zwischen Waves morphen. Zu den Morphing-Optionen gehören Sync, Stretch, Flip, Mirror und Narrow, die alle mehr oder weniger das tun, was ihr Name beschreibt. Die Auswahl an Waves ist reichhaltig und durch Animation erwachen sie zum Leben.

Korg Modwave

Oszillatoren

Die PCM-Samples eignen sich zur Unterstützung der Wavetables, können dem Modwave aber auch einen ganz anderen Charakter verleihen. Die Auswahl ist riesig und reicht von einfachen Schwingungsformen bis hin zu Hits, Loops, Pianos, Streichern und diversen Extras. Was die Modulationen betrifft, sind sie im Gegensatz zu den Wavetables aber komplett statisch.

In der Filterabteilung warten ein Polysix-Filter mit feiner Resonanz, ein zupackendes Hochpass- und Tiefpassfilter nach MS20-Art, ein Multimode-Filter und eine Reihe einzelner Hochpass-, Tiefpass- und Bandpassfilter auf ihren Einsatz. Das Multimode-Filter bietet einige sehr nützliche Voreinstellungen. Alle Filter klingen sehr gut; hier gibt es nichts zu meckern.

Korg Modwave

Filter und Envelopes

Am Ende der Signalkette gibt es für jeden Layer einen Pre-FX-Prozessor mit Decimator, Kompressor, Ringmodulator und Waveshaper, einen Modulationseffekt mit Chorus, Phaser etc. und ein Delay mit verschiedenen Optionen. Für alle Effekte stehen Presets bereit. Die einzelnen Effektblöcke lassen sich mit den entsprechenden Tastern aktivieren bzw. deaktivieren. Hinzu kommen ein Master-Reverb und ein EQ, die sich auf die gesamte Performance auswirken.

Modulation

Neben der großen Auswahl an Wavetables und Waves ist es vor allem die Modulationsabteilung, die den modwave auszeichnet. Für Korg bestand die Herausforderung darin, komplexe Modulationen einfach zugänglich zu machen.

Für die Hüllkurven gibt es einen Satz ADSR-Bedienelemente mit zwei Buttons für Filter und Amp. Über die daneben liegenden Taster für Osc1 und Osc2 lassen sich die Hüllkurven auch den Oszillatoren zuweisen, wo sie sich auf die Position innerhalb des Wavetables auswirken und sofort für Bewegung im Klang sorgen. Da jede Phase der Envelopes bis zu 90 Sekunden lang sein kann, sind auch extrem langsame Verläufe mit einer Länge von bis zu viereinhalb Minuten kein Problem. Sehr schön!

Fünf LFOs sind fest mit Pitch, Filter, Amp und den Morph-Parametern der beiden Oszillatoren verbunden. Ein Druck auf den entsprechenden Knopf genügt, um die gewünschte Modulation umzusetzen. Um Quellen und Ziele miteinander zu verbinden, muss man nicht in Menüs abtauchen – jedenfalls an diesem Punkt noch nicht.

Der Nachteil dieser leicht zugänglichen, fest verbundenen Hüllkurven und LFOs ist, dass man sie nicht entkoppeln kann. Zwar lassen sie sich zusätzlich auch zur Modulation anderer Parameter einsetzen; sie modulieren aber stets auch ihr fest zugewiesenes Ziel. Ein oder zwei zusätzliche, frei verwendbare LFOs wären schön gewesen, aber dafür gibt es ja den Motion Sequencer und Kaoss Physics.

Motion Sequencing

Die Motion-Sequencing-Engine kann man sich als einen mehrspurigen Step-Sequencer vorstellen, dessen einzelne „Lanes“ zur Modulation verschiedener Parameter genutzt werden können. Version 2.0 unterscheidet sich von vorherigen Versionen bei anderen Korg-Synthesizern dadurch, dass jede Lane eine individuelle Länge und Abspielrichtung und ihre eigenen Regeln haben kann. Dadurch können verschiedenste Dinge gleichzeitig passieren und sich in unterschiedliche Richtungen bewegen.

Neben den frei zuweisbaren Lanes A, B, C und D gibt es vier spezielle Lanes namens Timing, Pitch, Shape und Master. Die Master-Lane dient nicht zur Modulation, sondern zur Definition grundlegender Einstellungen wie Loop-Länge und Tempo-Sync. Die anderen Lanes müssen sich allerdings nicht unbedingt an diese Vorgaben halten, sondern können auf Wunsch auch ihr eigenes Ding machen.

Korg Modwave

Sequencer

In der Timing Lane lässt sich die Länge jedes Steps definieren – entweder in Abhängigkeit vom Tempo oder als Zeitangabe von bis zu zehn Sekunden. Die Pitch Lane ermöglicht die Eingabe einer Notensequenz, die sich auf Knopfdruck abfeuern und über die Tastatur transponieren lässt. Besonders interessant ist die Shape Lane, in der man jedem Step eine besondere Form geben kann. Dies kann man sich wie eine Hüllkurve bzw. einen Step-basierten LFO vorstellen, der wiederum zur Modulation der anderen Lanes genutzt werden kann.

Jede Lane kann stufige Werte oder stufenlose Modulationsverläufe ausgeben. Lanes können vorwärts, rückwärts oder in einem Ping-Pong-Modus laufen oder bei jeder Note einen zufälligen Step ausgeben. Sie können am Anfang der Sequenz beginnen oder bei jedem Tastendruck einen Step weiterrücken. Für jede Lane lässt sich außerdem einstellen, ob sie den Master- und Shape-Tracks folgt oder nicht. Hinzu kommt eine Zufallsfunktion. Verschiedene Dinge können zu verschiedenen Zeitpunkten beginnen und in verschieden langen Loops ablaufen. Die Möglichkeiten sind beinahe unendlich – und manchmal fast etwas überwältigend.

Das führt uns zu der Frage: Wie kann man all diese Modulationskraft bändigen und kreativ nutzen, ohne sich in endlosen Menüs zu verirren? Die Antwort ist: mit dem Software-Editor.

Software-Editor

Für mich spielte der Software-Editor eine entscheidende Rolle dabei, die enormen Modulationsfähigkeiten des modwave zu verstehen und sinnvoll einzusetzen. Der Modwave möchte modulieren und macht es einem leicht. Aber man verliert zwangsläufig irgendwann den Überblick, was wovon moduliert wird. Natürlich kann man mit den Tastern und dem Value Encoder durch die Menüs steppen und alle Modulationszuweisungen auf dem Display sehen, aber auf dem Bedienfeld gibt es keine visuellen Hinweise darauf, was genau passiert. Ein Blick auf den Editor genügt jedoch, um genau zu sehen, welche Parameter in Bewegung sind.

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Software-Editor

Der Editor bietet eine eigene grafische Oberfläche für den Motion Sequencer mit einem schönen, animierten Überblick über die einzelnen Lanes. Die Werte jedes Steps lassen sich durch Klicken und Ziehen verändern. Das spart jede Menge Nerven!

Kaoss Physics

Aber der modwave bietet noch ein weiteres Modulationssystem, zu dem wir noch gar nicht gekommen sind. Das Kaoss-Physics-X/Y-Pad links oben ist wirklich fantastisch.

Zuallererst: Dies ist kein gewöhnliches X/Y-Pad – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Mit einem normalen X/Y-Pad kann man zwei Parameter wie Filter-Cutoff und Resonance gleichzeitig mit einem Finger steuern. Korg hat das Konzept weiterentwickelt. Wenn man mit dem Finger Energie injiziert, beginnen die Parameter, sich anhand einiger physikalischer Gesetze selbst zu modulieren. Die Fingerposition wird zum Flummi, den man werfen kann. Der Ball kann im Viereck des Pads endlos umher springen oder auf einer Seite aus dem Feld austreten und auf der anderen Seite wieder auftauchen. Er kann durch Gravitationskräfte von einem bestimmten Punkt angezogen werden und durch Reibung verlangsamt werden, bis er stoppt. Man kann die X- und Y-Achsen neigen, sodass der Ball quasi „vom Tisch fällt“ und wieder hochspringt. Oder man formt in der Mitte einen Hügel oder ein Tal, die der Ball überwinden muss. Und all das wird im Display anschaulich visualisiert.

Korg Modwave

Kaoss Physics

Mit einem Fingerstreich lassen sich so zum Beispiel Tremolos, Schwingungen oder springende Bewegungen erzeugen, die langsam abebben oder endlos weiterlaufen. Jeder Synthesizer sollte ein solches Pad haben. Dank der 80 Presets muss man gar nicht groß über die Physik nachdenken, sondern kann einfach Spaß haben.

Fehler finden

In welchen Punkten kann der modwave die Erwartungen nicht erfüllen? Da wäre zum Einen die Verarbeitungsqualität, die sich etwas fragil und plastikhaft anfühlt. Das wird besonders deutlich, wenn man den modwave mit dem Modal Electronics ARGON8 vergleicht, der in einer ähnlichen Preisregion angesiedelt ist und dem modwave eine Tastatur mit Aftertouch und MPE-Unterstützung voraus hat.

Die Verbindung mit einem Windows-PC führt zu einem verwirrenden Installationsverfahren, das geradewegs aus dem letzten Jahrhundert zu stammen scheint. Hoffentlich wird das mit einem Firmware-Update behoben.

Beim Scrollen durch Sounds, Wavetables oder Samples treten gelegentlich Notenhänger auf, als ob etwas zurückgelassen wurde, weil man zu schnell war.

Trotz Korgs redlicher Bemühungen gelang es mir nicht immer gleich, den Weg zurück zum Ausgangspunkt zu finden, wenn ich einen falschen Knopf gedrückt hatte. Es macht keinen Spaß, sich auf eine langwierige Suche nach dem Parameter zu machen, den man eben noch im Blick hatte. Aber das sollte sich mit mehr Routine schnell bessern.

Fazit

Motion Sequencing ist wie Modulationen auf Speed. Es führt einen weg von den ausgetretenen LFO-Pfaden und sorgt für spannende Experimente, die man sonst eher beim modularen Manipulieren von Steuerspannungen erlebt. Man kann es benutzen, um ganze Performances aus Rhythmen und Melodien zu erschaffen, aber es eignet sich genauso gut, um die Evolution von Schwingungsformen zu erforschen.

Korg Modwave

Macro-Regler

Das Kaoss-Physics-System ist einfach brillant. Es kann eine Motion-Sequenz komplett durcheinander wirbeln oder komplett zerstören und wetteifert mit ihr um die Aufmerksamkeit des Benutzers.

Dieser Synthesizer ist so tiefgründig, dass man manche Facetten vielleicht nie entdeckt. Ein digitaler Synth mit diesem Funktionsumfang bringt zwangsläufig eine Menü-Bedienung über Taster und Encoder mit sich, aber es sind genügend Parameter direkt zugänglich, sodass man sich gut zurechtfindet. Es gibt eine beinahe unerschöpfliche Vielfalt von Waves und Modulationen zu erforschen. Und wenn man doch mal den Überblick verliert, schafft der Software-Editor Abhilfe.

Der Korg modwave ist ein explosiver Synthesizer, dessen unendliches Modulationspotenzial nur darauf wartet, ausgeschöpft zu werden.

Ihr bekommt den Korg modwave hier bei Thomann.de (Affiliate) für 799 Euro.

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Mehr Informationen zum Korg modwave

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Hier seht ihr mein Video-Review des Korg modwave.

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