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Topliste Overdrive Effekt Pedale Teaser

 ·  Quelle: Jef Stone / Gearnews

Es gibt kaum einen Gitarristen, der nicht irgendwie seinen Sound verzerrt. Entweder passiert es über den Amp, dessen Endstufe in die Sättigung gefahren wird, oder etwas Gehörfreundlicher über ein Effektpedal. Aber in dem Dschungel voller Overdrive-Pedale das Richtige zu finden, ist nicht ganz einfach. Wir haben dir die besten Overdrives zusammengestellt. Ist auch dein Favorit dabei, oder haben wir eins vergessen.

Overdrive

Um erst einmal die Begrifflichkeiten zu klären: Ein Overdrive ist ein Verzerrerpedal, das den Klang einer übersteuernden und sättigenden Endstufe eines Röhrenamps einfängt oder es zumindest versucht und ist damit das Äquivalent zum Distortion, das sich eher am Sound einer übersteuerten Vorstufe im Amp orientiert.

Die Übergänge sind aber fließend und es ist meist möglich, aus einem Overdrive-Pedal typische Distortion-Sounds zu entlocken, aber auch anders herum ist das möglich. Overdrives wird ein harmonischerer und dynamischerer Klang nachgesagt, aber wie bei allem Equipment entscheidet weniger die dahinter stehende Technik, als der Sound oder das Spielgefühl.

Solltest du einen Tube Screamer suchen, dann schau dir diesen Artikel an. Oder diesen Shootout.

Doch welche sind die besten Overdrive-Pedale dieser Welt? Wir verraten dir unsere Meinung – vom günstigen Klassiker zum Edelpedal.

Wenn du in ein Pedal reinhören möchtest: Wir verlinken zu allen ein Video am Schluss.

Boss SD-1w

Boss SD-1w Waza Craft

Boss SD-1

Auch wenn es viele nicht wissen, das Boss SD-1 ist eines der klassischen Overdrive-Pedale dieser Welt. Es ist der Vorreiter zum legendären Tube Screamer, der auf dieser Schaltung beruht. Es ist eines der ältesten Pedale von Boss und wurde 1981 vorgestellt und ist – wie ich finde – viel klarer und etwas dynamischer als der Tube Screamer. Das Boss-Pedal ist etwas seichter und hat weniger Mitten, dafür gibt es aber keine Decke vorm Sound. Damit kannst du nicht nur deine Soli anboosten, sondern es auch als Dauer-an-Pedal nutzen. Für 58 Euro* in der unkaputtbaren Boss-Bauweise eine klare Empfehlung.

Electro-Harmonix Soul Food

EHX Soul Food

Zugegeben: Das Electro-Harmonix Soul Food ist ein Nachbau des legendären Klon Centaur. Der große Vorteil: Es gibt den fast authentischen Sound für einen Bruchteil des Preises (77 statt 388 Euro* für ein Reissue*) und da eh fast alle Pedale irgendwie auf anderen Schaltungen beruhen, hat auch das hier seine Berechtigung. Abgesehen vom geringeren Preis ist es auch bedeutend kleiner und nimmt nicht so viel Platz auf deinem Pedalboard weg. Klanglich ist es auch eher transparent und durch den Treble-Regler kann man alternden Röhren noch mal einen Tritt in den Allerwertesten geben.

Harley Benton Ultimate Drive OCD

Harley Benton Ultimate Drive

Und schon wieder ein Nachbau: Hier steckt ein Fulltone OCD dahinter. Ich habe das Pedal selbst im Einsatz gehabt und konnte im AB-Test keine nennenswerten Unterschiede feststellen. Vor allem der Preis ist mit 29 statt 159 Euro* bedeutend geringer – es gibt Aussagen im Netz, dass das Ultimate Drive mehr Grundrauschen mitbringt, was ich bei meinem nicht bestätigen konnte. Meins hat etwas harschere Höhen als das Original, was bei meinem Amp genau richtig kommt. Für den Preis (und auch sonst) also eine ganz klare Empfehlung.

Behringer VT999 Effekt Pedal

Behringer VT999

Ein Overdrive für gerade einmal 54 Euro*, in dem eine echte Röhre arbeitet? Das Behringer VT999 hat eine große Fangemeinde und bei all den Unkenrufen über den Hersteller ist das Pedal trotzdem ein echt gutes Pedal. Ich empfand es klanglich als relativ bedeckt und „boxy“. Vom Zerrgrad geht es schnell in die Blues-Ecke, kann nach oben aber fast mit einigen Distortion-Pedalen mithalten. Damit ist es ein extrem flexibles Pedal, das in dieser Preisregion seines Gleichen sucht. Und die 12AX7-Röhre ist sicherlich für Puristen ein Extragrund für dieses Pedal.

Boss BD-2w Waza Craft

Boss BD-2w Waza Craft

Boss BD-2

Ein weiterer Klassiker von Boss ist das BD-2, oder auch Blues Driver genannt. Charakteristisch Blau kommt es auf extrem vielen Pedalboards dieser Welt bei groß und klein zu Einsatz. Es deckt ein wirklich breites Spektrum an Sounds ab und reicht von „bisschen“ über Blues bis zum Rockbrett, verliert auf höheren Zerrgraden aber etwas an Definition – eben eher Vintage als modern. Wer es röhrig mag, kommt mit dem BD-2 aber auf seine Kosten. Für aktuell 86 Euro* aber eine klare Empfehlung (und wer noch etwas mehr rauskitzeln möchte: Es gibt eine rege ModdingCommunity um das Pedal).

Xotic BB preamp 1.5 Teaser

Xotic BB Preamp

Jetzt wird es etwas edler. Das Xotic BB Preamp ist mittlerweile in der Version 1.5 angekommen und das Gehäuse erstrahlt in sattem Rot und erinnert mit seinen weißen Knöpfen ein wenig an Süßigkeiten. Und klanglich ist es auch „very sweet“. Die Besonderheit ist der 2-Band-EQ, der 15 dB anheben oder absenken kann und damit viel flexibler als der übliche, passive Tone-Regler ist. Vom Zerrgrad ist es eher zahm und kann auch als Clean-Boost seine Stärken ausspielen, ich würde es dennoch immer als Overdrive einsetzen, denn Boosten kann ich auch preiswerter. Für 175 Euro* gibt es hier eine amtliche und vergleichsweise transparente Zerre.

Friedman Amplification BE-OD Sir-Compre Pedal Teaser NAMM

BE-OD links

Friedman BE-OD

Hier soll der Sound vom BE-100 drin stecken, einem gemochten Amp der gleichen Firma. Allerdings ist das Pedal nicht nur preiswerter, sondern schont auch die Nerven der Nachbarn – und ist mit jedem Amp kombinierbar. Es gibt beim Friedman BE-OD einen 3-Band-EQ an die Hand, der Grundsound bleibt aber weiterhin Britisch-Marshallig. Made in USA und guter Ruf haben aber ihren Preis: Aktuell 194 Euro* sind kein Pappenstiel, dafür bekommst du aber einen sehr flexiblen Zerrer auf dein Pedalboard, den du vermutlich viele, viele Jahre einsetzen wirst.

TC electronic MojoMojo Effektpedal

TC Electronic MojoMojo

Viele verwenden das Pedal als Röhrenamp-Boost, ähnlich wie beim Tube Screamer, dabei ist das TC Electronic MojoMojo viel mehr. Es ist preistechnisch mit 44 Euro* eher im Budget-Sektor angesiedelt, klanglich spielt es aber viele Ligen höher, als der Preis verspricht. Es ist durch den 2-Band-EQ sehr flexibel einsetzbar und dünnt auf höheren Zerrgraden nicht so sehr aus, wie es beispielsweise SD-1 oder Soul Food tun. Klanglich ist das MojoMojo relativ klar, ist aber sehr gut von Blues bis Rock einsetzbar und hat für mich an Hollowbodies klar die Nase vorn.

Joyo-R-05-Maximum-a-new-dual-channel-drive

R-05 / Maximum

Joyo Maximum

Dieses recht neue Pedal ist nicht nur relativ preiswert, sondern bietet gleich mal zwei Grund-Zerrstrukturen: Diode und MOSFET. Da sollte jeder seinen Sound finden, zum Verfeinern gibt es noch drei Clipping-Modi Hard, Smooth und Flat an die Seite. Und wenn das noch nicht ausreicht, kannst du beim Joyo Maximum Overdrive gleich noch die eingebaute Booststufe dazuschalten. Das alles für gerade einmal 57 Euro* ist schon ziemlich amtlich und damit vermutlich in dieser Liste und Preisregion das flexibelste Pedal, was den Zerrgrad angeht. Wie ich finde, geht nichts über eine saubere MOSFET-Schaltung, die für mich der Röhrencharakteristik am nächsten kommt. Wäre es etwas schmaler, würde es definitiv auch auf meinem Board seinen Platz finden.

Strymon Sunset Dual Overdrive Effekt Pedal Front

Strymon Sunset

Da wir bei unseren anderen Toplisten immer wieder ermahnt werden, dass wir auch mal Strymon erwähnen sollten: Bitteschön. Das Sunset ist, wie eigentlich alles von Strymon, aus der High End Region der Pedalwelt und ist ein Dual Overdrive. Zwei separate Schaltkreise stecken darin und bieten insgesamt 6 Modi: Eine Seite mit den Charakteristika Germanium, Texas (mittig) und Treble (Booster), die andere Seite mit 2 Stage (OD), Hard (Hard Clip) und JFET (Clean Boost). Jede Seite wird separat mit Level, Drive und Tone geregelt und über seinen eigenen Fußschalter aktiviert.

Du kannst die Reihenfolge der Schaltungen verändern, Bright in drei Stufen dazu schalten oder entfernen, ein MIDI Pedal anschließen und darüber die Regler und ein Preset ansteuern und noch ein Expression-Pedal, mit dem du frei wählen kannst, welche Parameter damit gesteuert werden. Diese enorme Flexibilität hat seinen Preis: 333 Euro* müssen erstmal verdient sein. Das Strymon Sunset ist mit seinem Umfang vermutlich aber das umfangreichste und erwachsenste Pedal dieser Liste. Manchmal braucht es aber gar nicht diese Flexibilität – optional ist es aber immer schön. ;)

Dein Favorit

Haben wir ein Pedal übersehen? Welches Overdrive-Pedal ist dein Favorit? Schreib uns gerne einen Kommentar, dass wir das Pedal demnächst auf dem Schirm haben.

Videos

4 Antworten zu “Die besten Overdrive-Pedale – ohne Tube Screamer”

  1. Emrage sagt:

    Ist der Tubescreamer (1979) nicht vor dem Boss SD-1 (1981) erschienen?

    • claudius sagt:

      Den SD-1 gibt es AFAIK seit 1977, bzw. die Schaltung als OD-1 bis 1985. Der TS zerrt auch symmetrisch, der SD-1 asymmetrisch, sie nutzen aber grundlegend eine sehr ähnliche Schaltung.

  2. Rainer sagt:

    Hallöchen, die BOSS Fotos sind falsch …. denn die Waza-Ausführungen kosten ungleich mehr.

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