Telefon-Sounds, ARKARION und der Ventilator-Oszillator: Synthesizer-Journal
Diese Woche im Synthesizer-Journal: Nostalgische Telefon-Sounds mit Make Noise, eine eindrucksvolle Synthesizerstimme von CubuSynth und ein Ventilator-Oszillator.
Synthesizer-Journal
Nostalgie pur mit Make Noise: Telefon-Sounds aus dem Synthesizer
Diese Woche starten wir ins Synthesizer-Journal mit einem kleinen Nostalgie-Trip. Alle über 30 erinnern sich sicher noch gut an das Zeitalter der analogen Telefonie und an die geheimnisvollen Töne, mittels derer die Apparate mit dem sogenannten „Amt“ kommunizierten. Es gab sogar eine Zeit, in der nicht wenige Leute kleine Taschen-Tongeneratoren mit sich herumtrugen, um zum Beispiel aus einer Telefonzelle den heimischen Anrufbeantworter abhören zu können. Oh Mann, bin ich alt …
Das Prinzip ist eigentlich recht einfach. Die Töne des Mehrfrequenzwahlverfahrens, die viele von uns noch gut im Ohr haben, bestehen jeweils aus zwei sich überlagernden Frequenzen. Auf diese Weise werden die Informationen über die jeweils gedrückten Tasten analog „codiert“ und an die Vermittlungsstelle übertragen. Auch das Freizeichen, der Besetztton und die anderen Telefon-Sounds bestehen aus genau definierten Frequenzen oder Kombinationen davon. Das müsste man doch eigentlich recht einfach mit einem Synthesizer nachbauen können?

Das dachte sich auch Pete von Make Noise, der normalerweise die Instagram-Videos des Herstellers macht. In diesem Video nimmt er euch mit auf einen kleinen Nostalgie-Trip in die Telefon-Steinzeit. Mittels eines 0-Coast und einiger anderer Module und Gerätschaften lassen sich die Telefon-Sounds erstaunlich authentisch reproduzieren.
Doch damit nicht genug: Mittels eines Make Noise modDemix und einer Filterbank simuliert Pete auch das auf Modulation und Demodulation basierende Übertragungsverfahren für die Stimme selbst. Und sogar die berühmt-berüchtigten Sounds eines Modems („Bin ich schon drin?“) bekommt man mit dem Setup einigermaßen überzeugend hin. Fehlt eigentlich nur noch, die so entstandenen Telefon-Sounds wirklich mal durch den Hörer zu schicken und zu gucken, was passiert …
Wer das Setup nachbauen möchte, findet die meisten der verwendeten Synthesizer und Module bei Thomann*.
CubuSynth ARKARION: Analoge Synthesizerstimme mit digitaler DNA
Weiter geht’s mit einem eindrucksvollen Eurorack-Modul. ARKARION von CubuSynth ist eine analoge Synthesizerstimme mit digital gesteuertem Routing. So soll das 42 HP breite Modul das taktile Erlebnis analoger Module mit dem generativen Potenzial zufälliger Patches verbinden. Laut dem Entwickler ist das digitale Routing-System eine Art DNA – ein genetischer Code, der immer wieder neue Routings im Spannungsfeld zwischen Struktur und Chaos entstehen lässt. Auf Knopfdruck erstellt ein 16-Bit-Randomizer über 65.000 verschiedene Routing-Kombinationen, die von farbigen LEDs visualisiert werden. Mittels des Reglers „Gene Modification“ lässt sich das Ganze auch in Echtzeit beeinflussen, natürlich auf Wunsch CV-gesteuert. Bis zu 64 interne Patches sind speicherbar.

Die analoge Struktur dahinter besteht aus zwei VCOs mit wählbaren Schwingungsformen und einem Multimode-Filter mit den Modi Tiefpass, Bandpass, Hochpass und Allpass. Zur Modulation gibt es einen Rise-Fall-Hüllkurvengenerator mit Loop- und Gated-Loop-Modi sowie zwei spannungssteuerbare LFOs. Außerdem steht eine zufällige Spannungsquelle zur Verfügung. Abgerundet wird die Klangerzeugung von einem ebenfalls spannungssteuerbaren Delay im Tape-Stil.
ARKARION soll am 18. September 2025 erscheinen und wird als fertig aufgebautes Modul (676,27 €) sowie als DIY-Kit erhältlich sein. Wer das Modul selbst bauen möchte, hat die Wahl zwischen einem kompletten Kit (434,40 €) und einem Set aus PCB (mit vorgelöteten SMD-Bauteilen) und Frontplatte (211,88 €). Ab sofort könnt ihr das Modul auf der Website des Entwicklers vorbestellen.
Error Instruments Solar Installation: Direkt aus der Zukunft
Wann immer Error Instruments im Synthesizer-Journal auftaucht, kann man sich sicher sein: Jetzt wird’s abgefahren. Die neueste Kreation des umtriebigen Entwicklers Paul Tas ist Solar Installation, eine „Music Box from the Future“. Wie so oft bei Error Instruments: halb Synthesizer, halb Kunstwerk. Und wie so oft geht es um die vielbeschworenen „Happy Accidents“, also Klänge und Texturen, die man nicht erwartet hatte, die sich dann aber als höchst inspirierend entpuppen.
Das Ganze mit Worten zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Das Zentrum der Solar Installation bildet eine Patchbay für Krokodilklemmen, mit der man die Komponenten immer wieder neu verbinden kann. Die vier Oszillatoren lassen sich entweder über traditionelle Potis steuern oder über Lichtsensoren, wodurch sich der Synthesizer wie eine interaktive Kunstinstallation verhält. In Abhängigkeit von Licht und Schatten entstehen vielschichtige, organische Sounds voller Bewegung. Auch ein Effektprozessor für Lo-fi-Echos und Modulationen ist integriert.
Wer mit diesem musikalischen Kunstwerk experimentieren möchte, bekommt die Solar Installation auf der Website von Error Instruments für 475,- €.
Gieskes VCOFan: Der Ventilator-Oszillator
Und gleich noch etwas Durchgeknalltes aus den Niederlanden. Entwickler Gieskes hat einen CPU-Lüfter in ein Eurorack-Modul geschraubt und zum Oszillator umfunktioniert. Wenn ich das richtig verstehe, geschieht das mittels eines dahinter angeordneten Fotowiderstands, der das von den Ventilatorflügeln reflektierte Licht einer LED erfasst. Die Geschwindigkeit des Ventilators – und damit die Tonhöhe – ist natürlich CV-steuerbar.
Den VCOFan gibt es in verschiedenen Versionen, die sich in den Regelmöglichkeiten unterscheiden. Die meisten Features findet man beim VCOFan1f, der eine integrierte Decay-Hüllkurve mitsamt Gate-Input bietet und sich somit auch für perkussive Klänge eignet.
Den VCOFan1f gibt es bei Gieskes als Kit (90,- €) und fertig aufgebaut (120,- €) zu kaufen.

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