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Synthesizer Musikvideos

Synthesizer Musikvideos  ·  Quelle: Roosevelt

Dem Synthesizer widmen sich nicht unendlich viele aber so wirklich viele Videos mit Synthesizern oder noch genauer mit modularen Synthesizern findet man doch nicht ganz so viele und so leicht. Hier zeigen wir euch: Synthesizer in Musikvideos.

Synthesizer in Musikvideos

Auch wenn es besonders in den Achtzigern recht viele Synthesizer-Bands gab, die sich an ihren Instrumenten präsentieren, war es doch danach nur selten dazu gekommen. Der Nerd freute sich als einst Vince Clarke mit dem Emu Modular zu sehen ist oder auch die belgische Gruppe Telex mit ihrem Eurovision-Song sich mit dem Moog Modular aufstellten. Nicht immer werden Instrumente auch gespielt, sondern tauchen auf oder werden wie eine seltsame Maschine bedient, die eine eigene Intelligenz haben könnte. Telex konnte es natürlich nicht anders tun als mit Humor. Den findet man faktisch in nahezu allen Videos. Hier ein Beispiel von einem Song, der weniger bekannt sein dürfte als „Moskow Discow“.

 

Neues Land

Sehr typisch für die Zeit ist sicher das Video von den Sparks mit Minimoog, ARP 2600 und Oberheim FourVoice in „Number One in Heaven“, was man auch bei Ultravox etwas später viel sehen konnte. Das passierte sogar noch im Ausklang der Siebziger, in der der Synthesizer absolut neu war und erst von wenigen Pionieren wirklich eingesetzt wurde. Beispielsweise bei Space „Magic Fly“ oder Gershon Kingsley bzw Hot Butter „Popcorn“ oder auch Herbie Hancocks „Rain Dance“. Ein typisches Bild, welches als fast einziges Element vollkommen ausreicht.

Nur fünf Jahre später hätte man das Video ohne Instrumente gemacht. Besonders ist hier, dass ein Bandmitglied, nämlich Ronald Mael gleich drei mal vor kommt und jeweils an den Synthesizern steht. Später sieht man nur noch mal verstohlen einen JD-800 mit seinem Namen Ronald anstatt Roland auf der Rückseite. Schöner Gag. Aber die Zeiten sich mit einem Synthesizer in Musikvideos zu zeigen waren dann doch bald vorbei. Ab jetzt kamen viel mehr Bands mit ihren Synths in Videos vor wie etwa Human League, The Twins und die vielen Synthpop-Acts, die es jetzt endlich auch gab. Aber die Aufstellung mit Synthesizer wurde besonders in Videos wieder stark zurück gefahren, um spätestens Ende des Jahrzehnts durch DJs oder Tänzer ersetzt zu werden oder einfach durch Geschichten, die die Performer erzählen ohne Instrumente.

 

Mit Phantasie

Sehr liebevoll ist der kürzlich erschienene Video von Roosevelt (ein deutscher Act), dessen Video faktisch ausschließlich mit und um einen Phantasie-Synthesizer gebaut ist. Bemerkenswert ist die Wahl der Knöpfe in EMSOptik und einer angedeuteten Matrix und einigen weiteren Elementen. Zu freundlichem Synthpop wird die Retro-Welle gefeiert und irgendwie erscheint der Synthesizer als Instrument der Vergangenheit erfolgreicher zu sein als je zuvor?

 

Interessant ist, dass es zu dem Video auch einen Studio-Hintergrundbericht gibt. Dort sind es eher weniger modulare Synthesizer aber ein TTSH, ein kleiner ARP 2600, der mit im Einsatz war.

 

Der Nerd freut sich durchaus auch mal über Videos, wo man aufwendige Synthesizer wirklich in Aktion sehen und hören kann. Diesen Luxus hat in letzter Zeit sich eher Jean-Michel Jarre mit seiner Vintage Tour gewidmet. Erscheinungsbilder wie dieses mit dem ARP 2500 sieht man selten bis gar nicht in Videos oder Performances. Schließlich waren die klassischen Modular-Synthesizer auch eher für’s Studio gedacht und eher nicht „transportabel“. Hier geht es aber experimentell zu und soll stellvertretend für die vielen Demos und Musikvorführungen sein, die aber wohl eher nicht „Musikvideos“ im klassischen Sinne sind.

 

Aber es gibt auch Fake-Synthesizer-Wände, wie ausgerechnet bei Miley Cyrus aber noch mehr echte Synthesizer, die eher niedlich und zufällig vorkommen, aber auch als Ausdruck von Freude. Besonders zu Weihnachten erscheinen gelegentlich nette Videos, die eigentlich eher Musikvideos als Verkaufsvideos sind. Sehr niedlich als Knetfiguren tauchen sie beispielsweise bei Hyperbubble auf.

 

Und dies ist natürlich von Analogue Solutions selbst gepostete worden, als der Polymath erschien.

 

Und als Hommage gibt es von der britischen Band Komputer das Video „Oh Synthesizer“ im Kraftwerk-Stil. Das entstand zu einer Zeit, in der Kraftwerk nicht mehr auftraten. Ein echtes Video dazu gibt es allerdings nicht. Immerhin haben gerade Kraftwerk sich ja durchaus auch schon früh mit Synthesizern gezeigt. In den Videos jedoch sind eigentlich nicht immer die Synthesizer selbst Mittelpunkt der Darstellung.

 

HiTech

In den Achtzigern war auch der sehr teure CMI Fairlight faktisch Zentrale in Gary Numans Kooperation mit Bill Sharpe, gesteuert von einem alten 68K-Würfelmac, was 1984/85 hochaktuelle Technik war. Teuer und edel. Auch die Sounds waren damals „sehr digital“ und neuartig und für Pop eher ungewöhnlich. Synthesizerbands wie Heaven 17 jedoch sah man aber eher durch Städte laufen und als Businessmenschen agieren. Das Musikvideo wurde zunehmend als eigene Kunstform erkannt und als Chance, etwas zu erzählen. Spätestens mit Peter Gabriels Hit-Album „So“ wurden ganz andere Dinge als Instrumente gezeigt.

 

Doch wieder Synthesizer in Musikvideos?

Diese Rückkehr zum Althergebrachten und damit auch „dem Synthesizer“ und Vintage als Trend belegen auch ausgesprochene Synthesizerbands wie Depeche Mode, bei denen man einen Moog Prodigy und andere zum Releasezeitpunkt alte Synthesizer sehen kann. Zuvor ging es definitiv nie darum, die Instrumente „zu zeigen“. Allerdings sind sie hier eher „Staffage“ und weniger zentral und zeigen, wie es in den Früh-Achzigern noch neu und spannend war.

 

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3 Antworten zu “Synthesizer in Musikvideos – wie sich die Ästhetik von Bands über die Zeit änderte”

  1. Ich liebe Synths. Das mal vorab. Aber auf der Bühne und im Video machen die Dinger nix her. Isso. Jarre und Kraftwerk wissen schon, warum sie so viel Wert auf das Drumrum legen. Die Stärke des Synths sind Klangwelten und die Verwendbarkeit in der Produktion. Jede popelige Telecaster gibt mehr her im Video.
    Zu Heaven 17:
    „Synthesizerbands wie Heaven 17 jedoch sah man aber eher durch Städte laufen und als Businessmenschen agieren.“
    Ja, nee… die hatten einfach ein anderes musikalisches Konzept. Sozialkritische, politisch motivierte Texte, manchmal auch einfach nur melancholisches Zeugs („Come live with me“). Da macht es schon Sinn, mehr zu zeigen in den Videos, als reine Synthpräsentation zu gestalten. Außerdem spielt natürlich auch immer rein, wer in dem Video Regie führte, das Bildkonzept entwirft, usw.

  2. Larifari sagt:

    Toller Artikel.
    Ich bin auch ein riesen Fan von Lp Covern mit Synths. Da gibts coole Sachen von zb Hardfloor.

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