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RIP  ·  Quelle: Cakewalk

Gibson hat soeben angekündigt, dass sie alle Entwicklungen im Hause Cakewalk einstellen. Dazu gehört auch die DAW Sonar mit einer sehr beachtlichen Userzahl, vor allem in den Staaten.

RIP Cakewalk

30 Jahre hat die Firma nun schon in Sachen Sequencing am Windows PC gewerkelt. Gibson meint dazu nur:

The decision was made in order to align with the company’s acquisition strategy, focused on growth in the global consumer electronics audio business.

Gibson hatte die Firma erst 2013 gekauft. Damals hatten sich alle gewundert, was damit angefangen werden soll. Nun wissen wir: Nicht viel. Woran das nun letztendlich liegt, kann keiner bisher sagen. Die Mitteilung von Gibson enthält zu wenig Infos dazu. Auf jeden Fall ist das nach Opcode Systems (1998 gekauft, 1999 geschlossen) schon der zweite Fehlversuch.

Außer Sonar sind auch Rapture Pro, der Z3TA+ 2 Synthesizer und die Music Creator Serie betroffen.

Und die User?

Noel Borthwick, Cakewalks CTO, versichert den Nutzern, dass die Server weiterhin online bleiben sollen und Zugriff auf alles gewährleistet sein soll. Wie lange, wird allerdings nicht gesagt. Ein spezielles Team wurde von der Firma zusammgenestellt, die das alles während der „transistion period“ überwacht. Nur wohin „transitioned“ wird, wird verschwiegen.

Komische Entwicklung, dass Cakewalk noch letzte Woche die App Momentum veröffentlicht hat, mit Abomodell. Ich weiß nicht, ob ich einer quasi geschlossenen Firma Geld geben würde. Auch die Mitte 2016 angekündigte Version für den Mac ist dann wohl nur noch ein verscheidender Traum einiger User.

Wer nun?

Da muss es doch jemanden geben, der an der Firma Interesse hat! Magix, Behringer, Microsoft? Als bisherige Windows-only DAW (eine der wenigen) wäre das ja fast schon was. Im Paket mit Windows fände ich das sogar interessant. Quasi als Äquivalent zu GarageBand und Logic.

Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber gefühlt war für mich der Bruch mit den Nutzern nach der Umstellung auf das Abo-System zu sehen. In den Foren ging es auf die Barrikaden. Vielleicht ist das eine „Warnung“ an alle anderen DAW-Entwickler, die auf das Modell umgestellt haben oder es noch wollen.

Ich bleibe etwas ratlos zurück. Habt ihr andere Ideen?

Update: Der Kauf von Cakewalk-Produkten ist seit 22.11.2017 laut der Firma nicht mehr möglich.

Mehr Infos

  • shocknob

    Das ist einfach nur lächerlich. Und leider passiert es so oft – große Firma kauft kleine Firma, um sie später einzustampfen. Jedes mal, wenn so etwas passiert, denke ich mir, dass der Gedanke des Einstampfens schon beim Aufkauf da gewesen sein muss. Armselig. Sonar ist eine solide DAW. Schlechte Verkaufszahlen vielleicht? Aber wie gesagt: Eine GITARREN-Firma kauft einen DAW-Hersteller. Scheinbar war Cakewalk den Gibson’s ein Dorn im Auge. Aber ist natürlich alles nur Spekulation, von außen.

    Dennoch: Für mich ist das eines der bisher größten Armutszeugnisse in der Musik-Software-Branche. Das Abo-System an sich finde ich scheußlich, nicht nur bei Musik-Software. Aber: Das Abo-System von Cakewalk ist ein „Hybrid“, genau wie das von Slate Digital: Man *kann* die Software/Plugins im Abo kaufen, muss man aber nicht. Und das wiederum geht für mich in Ordnung.

    Wer weiß, vielleicht ist die weiße Fahne zu früh draußen. Spotify hat ja kürzlich auch erst eine Quasi-DAW aufgekauft. Magix hat schon genug DAWs im Angebot, Microsoft und Behringer sind schon eher Kandidaten. Adobe fände ich spaßig, immerhin haben sie ja auch Cool Edit gekauft damals. Ansonsten könnte ich mir noch Waves und Focusrite vorstellen. Möglichkeiten gäbe es wohl genug.

    • gearnews

      Gute Gedanken! Focusrite kam mir gar nicht in den Sinn. Adobe könnte Audition aufwerten, Waves hat ja eigentlich schon einen Ardour-Aufsatz für Live-Zwecke. Was Spotify mit der DAW will, frage ich mich immer noch.

      • shocknob

        Ja, im Endeffekt wäre jeder Hardware-/Plugin-Hersteller ein Kandidat, eine eigene DAW schadet ja nicht (siehe PreSonus mit Studio One).
        Bei Spotify könnte ich es mir so erklären, dass sie die Plattform für Musik-Schaffende erweitern wollen (z.B. für Kollaborationen) – und damit indirekt SoundCloud Konkurrenz machen können, wenn sie noch Cloud-Space für Musiker anbieten. Aber mal abwarten.

  • Entartete Gunst

    Ich hoffe auf Native Instruments als „Aufkäufer“ von Sonar. Ich fänd’s jedenfalls gut, wenn diese tolle DAW endlich wieder in gute Hände gelangen würde. Die Dilettanten von Gibson hatten ja noch nie ein Gespür für computerbasierte Musikproduktion…

    • Jon Schnee

      Die haben doch Maschine als 1/2 DAW, ich glaube die weiter auszubauen wäre lukrativer für NI.

  • Jon Schnee

    Leider ist das bestimmt auch schädlich für andere kleinere Schmieden, wie Bitwig, Renoise, Digital Performer,Tracktion oder Mixcraft! Denn wenn ich ehrlich bin, ich möchte schon darauf vertrauen das es die DAW in 10 Jahren immer noch gibt! Ich hatte anfangs auch Zweifel ob das Team aus Hamburg mit Studio One bei Presonus überlebt, aber ich weiß, die machen die Software für alle Presonus-Produkte, und diese werden auch in Europa immer beliebter!…inzwischen hätte ich mehr Angst mit Cubase bei Yamaha! Im Synthesizerbereich haben die nur den überteuerten Montage raus gebracht, die Reface Dinger laufen nicht, und den Analoghype haben sie verschlaffen! Ich glaube schon, dass da bald was Unerfreuliches kommen wird!

  • Andreas Fichtner

    ein bisschen schade (für mich, für nutzer natürlich sehr schade). cakewalk express war vor mehr als 20 jahren mein einstieg in midi-sequencing…

  • danam

    Sonar hatte eben kein Abo-Modell wie bspw. Slate, wie teilweise suggeriert wird. Es gab monatliche Updates, die konnte man sich für ein Jahr kaufen, danach konnte man die Software mit dem jeweiligen Stand weiter nutzen. Damit versucht man als Hersteller kalkulierbarere Zahlen zustande zu bringen, als wenn erst wieder für das (wann auch immer erscheinende) nächste große Update viel frisches Geld reinkommt. Die kurzzeitig erhältliche Lifetime Update-Subscription sollte IMO durch die dadurch wohl erhofften Mehreinnahmen wesentlich der OSX-Entwicklung etwas Luft verschaffen. Ich denke, als die gescheitert ist (warum auch immer) war der Ofen aus… Laut einem Forumsbeitrag von Sonar-„Advocate“ Craig Anderton waren Gibson durchaus bemüht, Cakewalk (wieder?) profitabel zu machen. Aber sie habens halt nicht hinbekommen, so wie Roland zuvor auch nicht. Wenn Gibson schon 2013 das Ziel hatten, Cakewalk dicht zu machen, dann wäre es wahrscheinlich schon viel früher passiert. Generell scheint DAW-Entwicklung kein sonderlich profitables Business zu sein, wohl im Gegensatz zu Plugins und VIs…

  • Entartete Gunst

    Ich habe 2006 mit Cakewalk Project5 V2 angefangen, welches seiner Zeit (zu) weit voraus war und 2008 leider eingestellt wurde. Immerhin fanden einige gute Ideen daraus Eingang in den „großen Bruder“ SONAR, den ich in der Version X2 seit 2013 verwende. Bis auf den wirklich ätzenden Pianoroll-View und einige wenige Bugs war ich immer sehr zufrieden damit. Wie unten schon erwähnt, hoffe ich inständig darauf, dass ein seriöser und in DAW-Dingen erfahrener Hersteller das Produkt weiterführen wird. Los NATIVE INSTRUMENTS – gebt Euch einen Ruck und haucht der Leiche ein zweites Leben ein. Bitte, bitte!!!