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MIDI-2.0. Schaubild

MIDI-2.0. Schaubild  ·  Quelle: MIDI Org / Montage

MIDI ist in die Jahre gekommen, die Auflösung ist knapp, die Anzahl der Controller oft zu wenig. MIDI 2.0 ist vor dem „Voting“. Hier ein paar Informationen von Bome dazu.

Neue MIDI-Controller mit unendlichen und langen Frequenz-Glides, Oszillatoren mit vollem Sweep über 6 Oktaven ohne hörbaren Glissando-Treppenstufen-Effekt, einen LFO von sehr langsam bis in Audio-Geschwindigkeiten sanft hochzudrehen oder Panorama und Lautstärken auf Mischpulten fein einstellen ohne Sprünge. Das alles geht nur mit MIDI 2.0. Oder aber mit speziellen Tricks mit Controller-Kaskaden, um das abzubilden und Parameterglättung, wie sie heute jeder Synthesizer anbietet. Viele Synthesizer benötigen das zudem, um die geringe Anzahl von 128 Controllern, die zu einem Großteil vorgelegt sind, zu überwinden. Man hat sich zwar daran gewöhnt, aber es ginge auch anders und einige haben es mit Controller-Kaskaden/NRPNs umschifft wie etwa der Alesis Andromeda. Es ist also nicht alles unmöglich mit MIDI 1.0. Aber Version 2 hält schon einiges mehr bereit.

Aufwärts

MIDI 2.0 ist abwärtskompatibel und kann aber durch andere Stecker ersetzt werden. Zeitgemäß und klein genug wäre die Miniklinken-Variante, USB-C (innerhalb der USB 4.0-Norm) oder sogar Ethernet oder Wireless-Protokolle (Bluetooth, WLAN). USB 4.0 und USB-C haben den Vorteil, dass diese auch per Definition Strom bis 100 W führen können. Das reicht für MIDI-Hilfsgeräte aus, für Amps oder Audiointerfaces vielleicht nicht immer.

MIDI 2.0 kann ausgehandelt werden, sobald ein Gerät dies nicht versteht, wird auf MIDI 1.0 zurückgegriffen. Es wird auch Konverter für verschiedene physikalische Formate geben.

Auflösung!

MIDI 2.0 hat 16 Bit für Anschlagdynamik reserviert, was 65.536 Schritten entspricht statt bisher 128, für MIDI-Controller sind es 32 Bit  und damit mehr als einige Milliarden Schritte.  Neue Controller wie Osmose oder Haken Fingerboard werden dadurch erst technisch machbar und müssen nicht nur in sich selbst arbeiten oder über eine MIDI-Matrix gehen, die das neu herunterskaliert.

Aufmerksam

MIDI 2.0 kann Sets von Parametern und Soundnamen kennen. Das ist eine enorme Vereinfachung in der Erkennung von Baugruppen und Synthesestrukturen. Diese ermöglicht eine ganz neue Arten von Editoren, Software und Hardware, die schlicht bisher nicht machbar waren. Das wird nicht nur für Musiker spannend, sondern auch für Licht und andere Einsatzgebiete und neue Instrumente, die pro Note ein Set an Parametern übertragen können.

MPE+ wird eine Multitimbralität jeder Stimme und Unabhängigkeit festschreiben.

Aufgeschoben?

Die Verabschiedung wird stattfinden und durch ein Voting bei und mit der MIDI Assiciation vervollständigt. Noch ist das nicht passiert, es dauert schon lange an und lässt auf sich warten. Innovative Firmen haben an diesen Spezifikationen und dem Protokoll gearbeitet, sogar Google und Firmen wie Roli. Es ist Zeit für etwas, das die nächsten 40 Jahre überlebt und mehr kann als OSC oder andere alternative Formate, die in der Computer-internen Kommunikation etabliert sind. Das muss auch per Kabel gehen und Auflösungsprobleme beenden.

Angekommen?

Bis das Format alle Hersteller erfasst hat, wird es nach Verabschiedung auch ein bisschen dauern. Roland hat aber immerhin schon ein Keyboard vorgestellt, das bereit ist für MIDI 2.0. So etwas benötigt ein massives Update, deshalb ist es nicht selbstverständlich. Nachteile könnten sein, dass USB normal kommt und nicht USB-C und dann die Übergangszeit und ggf. eine Mischung aus verschiedenen Anschlüssen passieren kann.

DIN ist groß und dick und passt nicht mehr in die heutige Welt – deshalb würde man Miniklinken und USB sicher bevorzugen. Wenn die Hersteller und die MIDI Association das „richtig“ machen, wählen sie auch da weise. USB hat eigentlich keine Richtung seit USB-C. Die war künstlich hergestellt worden und spart Kabel bei MIDI-2-.0-Verbindungen.

Es gibt noch mehr Gedanken dazu, die aber den Rahmen sprengen. Sicher ist aber, dass auch computerinterne Dinge und Controller massiv davon profitieren, weil man nicht mehr über OSC oder eigene Protokolle gehen muss und alles direkt ausführen kann. Dazu wird es vielen neuen Controller ermöglichen, vieles selbst zu konfigurieren und einzustellen. Es wird die komplette Musikwelt neu aufstellen und ja: Das ist ein echter Neuanfang. Nick nennt es Gamechanger und mag das Wort genau so wenig wie ich. Ist es aber!

Höre und sehe, was es sonst noch dazu zu sagen gibt oder geben kann oder lies und diskutiere mit uns mit.

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Eine Antwort zu “Ist es Zeit für MIDI 2.0 – Wann kommt es? Was bringt es?”

  1. RoDi sagt:

    Auch MIDI 1.0 kennt 16-bit Controller Daten und erlaubt damit bis zu 65536 Stufen für Controllerwerte. Wie geschrieben als RPN oder NRPN, aber auchdie ‚Basiskontroller‘ CC 32-63 sind als LSB der CCs 0-31 vorgesehen. Man sollte es nicht MIDI 1.0 anlasten, wenn die Gerätehersteller die vorhandenen Möglichkeiten nicht ausnutzen. Ferner sollte man nicht die Hoffnung darauf setzen, dass das mit einem neuen Standard besser wird.

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