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Best of 2017 DJ

Best of 2017 DJ  ·  Quelle: gearnews

2017 neigt sich dem Ende und auch in diesem Jahr gab es einige interessante Themen und Produktvorstellungen. Gleich im Januar einer der größten Knaller des Jahres: Denon präsentierte seine neuen Prime-Produkte.

Denon Prime

Zuerst gab es im Januar einen Leak bezüglich des Denon SC5000 Premium-Mediaplayers, der den Kampf gegen Pioneers CDJs aufnehmen sollte, dann folgten der VL12-Turntable und der Clubmixer X1800 sowie die neue Denon Engine Prime Software, begleitet von der „Change your Rider Kampagne“, zu der man wohl nicht mehr viel sagen muss.

Der Player ist ein echter Hingucker und hat einiges auf dem Katen. Das Pult kann gleichfalls in der Profi-Liga mitspielen. Ob uns zum Jahreseinstieg 2018 wieder so ein Kracher präsentiert wird? Ich wär schon mit der seit einem Jahr angekündigten MCX8000 Prime Software zufrieden.

DENON DJ SC5000 Multiplayer

Technics und DJs?!

Einen Monat später auf der CES kam dann die Kehrtwende vom Traditionshersteller Technics. Man spricht wieder vom DJ als Zielgruppe und präsentiert den Plattenlegern endlich ein „preisgünstiges“ Modell: den Technics SL-1200GR und den schwarzen SL-1210GR. Er bringt einige Features des SL-1200G mit, den Technics als Referenz für direkt angetriebene Next-Gen Plattenspieler bezeichnet, ist im Vergleich zum Spitzen-Serienmodell „G“ (3499 UVP, wir berichteten) mit 1500 Euro schon deutlich billiger. Aber gegen die Konkurrenz aus dem Hause Pioneer (PLX-1000), Denon (VL12) und Reloop (RP-7000MK2) zu bestehen, die für weniger als die Hälfte des SL-1210GR Preises über den Tisch gehen, scheint – nicht nur in Anbetracht des Preises – schwer möglich.

Technics SL-120GR

Auflegen in der VR

Wer nicht so viel Kohle in die echten Laufwerke investieren möchte, keinen Platz in der Bude hat, analoges Equipment im digitalen Zeitalter verschmäht oder sich gar in der virtuellen Realität betätigen möchte: die PC-App Vinyl Reality bringt „Technix“-Turntables und den Mixer als DJ-Setup in die VR.

Das Ganze versteht sich als Simulation und so bekommt man in der App zwei Plattenspieler, einen Zweikanal DJ-Mixer mit Dreibänder und Cuemix-Regler und eine virtuelle Plattenkiste zum Durchsuchen der Musik auf dem Rechner geboten. Hat man erstmal die Vinyl-Scheiben auf die Teller bugsiert, lässt sich damit mixen und scratchen. Man kann ohne echte „DJ-Hardware“ seine Fähigkeiten im Beatmatching trainieren und sollte man noch gar keinen Plan von der Materie haben, hilft einem Software weiter und erklärt die Funktionen der Komponenten und die Vorgehensweise beim DJing.

Ein Wermutstropfen: Zwar bewegt sich Vinyl Reality von Entropi Games als Early Access via Steam mit 15 Euro in moderaten Preisgefilden, doch man benötigt natürlich noch ein VR-Headset wie das HTC Vive und dieses reißt ein stattliches Loch von 699 Euro in die Kasse. (Artikel lesen)

Entropi Games Vinyl Reality

Rane ist wieder da

Ebenfalls unter dem Dach von inmusicbrands gab es im Spätsommer anlässlich der DJ Expo das erste Lebenszeichen von Rane. Die Traditionsmarke präsentierte den Serato-Battlemixer Seventy-Two und stellte auch gleich einen digitalen Turntable-Controller für die Scratch-Fraktion vor, namentlich Rane 12. Das Pult kostet etwa 2200 Euro und bringt ein DVS-Interface, zwei USB-Anschlüsse für Laptops und den Twelve-Turntable, umfangreiche FX-Optionen sowie ein Touchdisplay und 16 RGB-Performance-Pads mit. Der Twelve-Controller im Turntable Look&Feel wartet mit Echtvinyl-Auflage, umschaltbarem High-Torque-Antrieb, Multifunktions-Touchstrip, umschaltbaren Pitchfader (+/- 8, 16 oder 50 Prozent) und Verbindungsbuchse zum Seventy-Two auf. Audioausgänge hat er nicht zu bieten und Vinyl abspielen kann er auch nicht. Kostenpunkt: 950 Euro UVP pro Unit. Nicht wenig, für ein MIDI-Deck. Ich bin gespannt, ob/wie er sich am Markt behaupten kann. Der Seventy-Two-Mixer dürfte wohl ein ernster Konkurrent für den Pioneer DJM-S9 werden. Apropos Mixer

Rane DJ Seventy Two und Twelve

Pioneer, Omnitronic und stpVSTX

Drei völlig unterschiedliche Mischpultkonzepte machten im März von sich reden: Einmal der DJM-250MK2, mit dem Pioneer sein Mixer-Angebot nach unten abrundet. Das Pult kostet 349 € und bringt neben einem klassischen 2-Kanal-Layout einige Goodies wie Aux-In, rekordbox DVS-Interface, Kombifilter mit separatem Resonanzregler und zwei Lizenzen für rekordbox dj und dvs mit. Ein Mischer für den digitalen Laptop-DJ.

Pioneer DJM-250MK2

Ganz anders der Omnitronic TRM-202MK3, ein vergleichsweise preisgünstiger Rotary- Discomischer im Desktop-Format, der für einigen Wirbel in den Medien sorgte. Mittlerweile ist das gute Stück erhältlich und hat in den einschlägigen Testberichten gute Wertungen erzielt. Analoges Schaltungsdesign im puristisch eleganten Look. ALPS Modell Blue Velvet RK27 Knobs und der obligatorische Master-Isolator mit festen Grenzfrequenzen bei 300 und 4000 Hz sowie praxisgerechtem Boost von 6 dB laden zur gefühlvollen Klangformung ein. Professionelle Schnittstellen bringt der TRM ebenso mit, empfiehlt sich für Heim- und Clubeinsätze gleichermaßen und schafft es auch in unsere Auflistung der schicksten Rotary und Boutique Mixer für DJs. Die sind nämlich wieder salonfähig, nicht nur für Disco- und House-Music Lover:

Omnitronic TRM-202Mk3

Der stpVX DJ-Mixer Phoenix des ehemaligen Vestax-Boss Hidesato Shiino und der Starling-Amp können endlich bestellt werden. Retro, golden, teuer, the rebirth of cool. Gar nicht so cool ist jedoch das Preisetikett des Edel-Mischpults, denn man muss rund 6000 Euro dafür hinblättern. Meine damalige Frage „kommt Vestax zurück?“ dürfen wir somit wohl getrost verneinen, zumindest was den Massenmarkt angeht – eingefleischten Fans dürfte beim Anblick des Pults indes das Wasser im Mund zusammenlaufen.

stpVX Phoenix

Angriff der Klon-Armada

4 neue Gemini MDJ-Mediaplayer entdecken das Licht der Welt. Und sie sehen einander und ihrem Vorgänger nicht gerade unähnlich. Die neuen MDJs bewegen sich in einem preislichen Rahmen von 200 bis 500 Euro, haben allesamt 4,3-Zoll-Farbdisplays spendiert bekommen, obendrein ein Audiointerface und MIDI-Funktionalität. Damit sind sie ziemlich flexibel einsetzbar, ganz gleich ob man vom USB-Stick spielen möchte oder mit Virtual DJ auflegt, dass man im Dual-Deck-Mode ansteuern kann. Besonders das Flaggschiff MDJ-900 kann mit viel Raum zum Arbeiten und zusätzlicher Netzwerkfähigkeit beeindrucken. So lassen sich auch Datenträger untereinander teilen.

Gemini MDJ-500, MDJ-600, MDJ-900 und MDJ-1000 V2

Crazy, Crazy Vinyl

Dass Schallplatten nicht immer langweilig schwarz sein müssen und mit den verrücktesten Komponenten gepresst werden können, beweist das Plattenlabel Romano Records aus Indianapolis auf eindrucksvolle Weise. Dort gibt es zum Beispiel die Scheibe In Ya Neck v2 von Ghost Wolves aus Texas, bezeichnenderweise gefüllt mit Rasierklingen und Schießpulver. Ferner gibt es Modelle mit kleinen Dinosaurierknochen, Sand, Federn oder die „Brauerei-Edition“, gefüllt mit Korn. Das ist klingende Kunst. Der Liquid Fills Spezialist Curtis Godino hingegen gießt allerhand Flüssigkeiten in die Scheiben. Paradebeispiel: Der auf 75 Stück limitierte Aliens Soundtrack mit der giftgrünen „Xenomorph-Flüssigkeit“. Hier geht’s zum Artikel.

Vinyl Pressung Romanus Records

Pünktlich zum Jahresausklang legte Pioneer dann noch den DJS-1000 auf – ein Toraiz SP16 im Mediaplayer-Format. Das Gerät reiht sich perfekt in das Pioneer Flaggschiff Line-Up ein und steht ganz im Zeichen von Sample-Action. Es verfügt über 16 anschlagsdynamische, mehrfarbige Performance-Pads, ist mit einem 7-Zoll Touchscreen ausgestattet und wird über einen 16-schrittigem, mehrfarbig beleuchteten Step-Sequencer programmiert oder in bester Fingerdrumming-Manier live gespielt. Vom USB-Stick, versteht sich.

Akzeptierte Dateiformate sind WAV und AIFF (16 Bit/24 Bit, 44,1 kHz). 2.500 Loopmasters-Samples sind bereits on-board installiert und der Player lässt sich mit TORAIZ SP-16 Projekt-Dateien oder DJS-TSP Project-Creator Projekten/Scene-Dateien füttern, die auf einem PC oder Mac erstellt werden. Eine System-Link LAN-Buchse und 5-Pol-MIDI I/Os dienen zur Synchronisierung von weiteren Gerätschaften/Instrumenten. Zwei Kopfhörerbuchsen nebst Lautstärkeregler erlauben das Vorhören direkt am Gerät. Mal sehen, bei welchen DJs wir den DJS-1000 demnächst im Einsatz erleben werden. Potenzial ist sicher da und man muss auch nur knapp die Hälfte eines CDJ-2000NXS2 hinblättern.

Pioneer DJS-1000

Soweit meine Favoriten des Jahres. Bleibt mir also noch, euch einen guten Rutsch zu wünschen und ich sage bis zum nächsten Jahr.

Peter

 

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