von claudius | Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten
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 ·  Quelle: gearnews

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Live 9.7 funktioniert  ·  Quelle: gearnews

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Gestern haben einige Hersteller Warnungen vor Apples neustem Betriebssystem macOS Sierra bzw. 10.12 veröffentlicht. Logisch, weil vermutlich nur die wenigsten den Release Candidate mit der hauseigenen Software ausreichend testen konnten oder im Vorfeld alles anpassen. Heute ist das Update da und ich habe es mal installiert und kurz ein paar DAWs und Plug-ins angeschaut.

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MacOS Sierra 10.12.0

Die Gesamtperformance ist bei mir nicht eingebrochen. El Capitan war zum Initialupdate merkbar behäbiger und brauchte länger, beispielsweise bei Programmstarts, im Vergleich zur Yosemite-Vorversion. Ob CPU oder RAM weniger belastet werden oder der Akku anders entladen wird, kann ich noch nicht sagen. Bisher sieht es so aus und fühlt sich so an, als wäre es zum letzten Kapitän gleich geblieben.

Große Änderungen im Vergleich zum letzten OSX mit X im Namen gibt es optisch auch nicht. Siri erhält Einzug am Desktop und setzt das erste bunte Symbol in das Panel am oberen Bildschirmrand zwischen Spotlight und Notification Center. Ein ziemlicher Bruch mit dem so lange gepflegten Grau-in-Grau. Außerdem überwacht permanent euer Mikro und eure Position – Datenschützer werden hier zurecht auf die Barrikaden gehen. Bei der Installation wird man aber gefragt, ob man es nutzen möchte. Wenn ich mich recht entsinne, hatte Microsoft bei Cortana beim Win10 Update nicht nachgefragt. Sicher nehmen sich beide Firmen nicht viel, was Datensaugerei angeht, aber ein Opt-In finde ich angenehmer. Ob Apple dauerhaft und nicht abstellbar Daten wie Microsoft mit Win10 sammelt oder nur anonym wie angegeben bei Systemabstürzen, kann ich auch nicht gesichert bestätigen. Wer iCloud Drive aktiviert, speichert „Desktop“ und „Dokumente“ ab sofort automatisch in der Cloud – das ist dann von allen zugelassenen Macs und iOS Geräten on-the-fly nutzbar.

Direkt nach dem Update war mein Desktop komplett umsortiert und alles in die rechte obere Ecke geschoben worden. Die Rastereinstellungen waren verändert und die Seitenleiste im Finder war zurückgesetzt und alle „Favoriten“ waren weg bzw. auf Werkszustand zurückgesetzt. AirView, (das neue) iCloud Drive und die Remote Disk sind wieder da und wollen direkt ausgeblendet werden. Auch ärgerlich: Die Notification Einstellungen und Spotlight Privatsphäre waren komplett zurückgesetzt. Aber das sind alles geringfügige Probleme, die eher überflüssige Fleißarbeit als Probleme sind. Aber bisher hatte ich das Phänomen noch nie bei einem OS(X) Update.

Alle anderen Programme des täglichen Bedarfs, beispielsweise Thunderbird, Firefox, Chrome, LibreOffice, Skype, Spotify – was man eben so braucht – stellen entweder ein Update bereit oder funktionieren anstandslos. Erschreckend langweilig und für mich das erste Mal seit dem vermurksten 10.6, dass ALLES ohne zu zucken läuft. Schön ist auch das neue Feature, dass macOS von Haus aus nach einer Installation einer PKG anbietet, den Installer direkt in den Papierkorb zu legen. Ein paar Klicks weniger. Interessant, dass alles läuft, sonst gab es immer irgendetwas, das Probleme gemacht hat. Gut gemacht Apple bzw. ihr Drittanbieter. Aber kommen wir zum wichtigen Part …

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Live 9.7 funktioniert · Quelle: gearnews

DAWs und Plug-ins

Ich habe mir ein paar DAWs angeschaut und alte Projekte oder Demo-Projekte geladen. Mit Audio- und MIDI-Daten, Automation, Plug-ins – und ich habe schnell was mit Gitarre eingespielt und per Mikro mit meinem Creon aufgenommen. Als DAWs habe ich folgende installiert – alle als 64 Bit Version: Cubase 8.5, Studio One 3.3, Reaper 5.25, Bitwig 1.3.13 Logic X 10.2.4, Ardour 5 und Mixbus 3.6. Einzig Pro Tools spare ich mir, Version 12.5 soll laut einem Kommentator unter dem letzten Artikel zufällig, aber nicht offiziell, funktionieren.

Das lässt sich ebenso schnell herunterbrechen: Alle DAWs starten anstandslos und alle DAWs laden problemlos die Testprojekte, nehmen problemlos Audio mit den normalen Latenzen auf, bearbeiten MIDI wie gewohnt und lassen sich ganz normal automatisieren. Lediglich Reaper hat im Vergleich zur Windows-Version im Mixer eine nicht geringe Latenz bei Mausklicks. Mindestens 1 Sekunde gedrückt halten, erst dann wird es vom Programm registriert. Das Problem ist aber schon seit 10.11 bekannt und nicht behoben. Abletons DAW Live 9 wird von unserem Redakteur Marcus genutzt und er berichtet, dass alles stabil läuft.

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Im Gegensatz zu den sehr positiven bzw. unspektakulären Ergebnissen meinen Schnelltests warnen manche Firmen vor dem Update, weil die Software noch nicht getestet ist: Bitwig, Avid und Steinberg. Kann ich mit meinen Schnelltests alles nicht bestätigen – rudimentäre Sachen sind problemlos bei mir möglich. Presonus gibt grünes Licht für das Initalupdate, warnt aber vor möglichen Problemen mit künftigen Updates.

Auch bei den Plug-ins hatte ich keine nennenswerten Probleme. Native Instruments hat die Beta-Phase gut genutzt und „alles“ fit für den Release gemacht, die Treiber für die aktuelle Hardwaregeneration sind freigegeben, die alte wird wohl „vergessen“, Plug-ins aus Komplete 10 funktionieren bei mir alle. Fab Filter Pro-Q2 hatte mir in Logic anfangs keine GUI angezeigt, was aber nach einem Neustart nicht mehr auftrat. Auch unser Redakteur Moogulator kann über keine Fehler mit irgendwelchen Plug-ins berichten.

Plugin Alliance hatte vorab gewarnt, ich besitze nicht viele Plug-ins aus dem Hause. Ein paar kostenlose und den Mäag EQ. Auch Kollege Marcus setzt gleich mal 28 Plug-ins von dem Hersteller ein. Wir beide können die Warnung nicht bestätigen. Keine Probleme.

Folgende Plug-in Hersteller haben bei mir (!) keine Probleme gemacht (jeweils nicht alle Plug-ins vorhanden, aber die Richtung ist wohl wegweisend): Klanghelm, Voxengo, LePou, Waves (ohne offizielle Freigaben), Melda Productions,TDR, U-HE, Ignite, Kuassa, Valhalla, Toontrack (EZ Drummer 1), iZotope, TSE Audio, Air, Metric Halo, Eventide. Ich denke, das kann sich sehen lassen. Zu 10.11 hatten einige GUI Probleme, andere hatten komisches Verhalten bei den Reglern.

Motu gibt großteile des Sortiments für Sierra frei. Für AVB-Geräte braucht es einen Treiber, aktuell als Beta-Version verfügbar.

Unser DJ-Redakteur Peter hat übrigens die wichtigsten Infos zum Update für DJ zusammen getragen.

Habt ihr Erfahrungen mit Audiosoftware und Zubehör und Sierra, die wir hier teilen können?

Fazit

Es gilt weiterhin: Wer auf Nummer sicher gehen will und wer mitten in einem Projekt steckt, sollte mindestens bis zur nächsten macOS Sierra Version 10.12.1 warten UND bis die Hersteller ihre Produkte freigeben. Das sollte jedem logisch erscheinen, aber es gibt doch immer wieder User, die schnell auf Update klicken und dann das Nachspiel haben. Informiert euch also vorher. Update heißt nicht immer gleich „alles wird besser“.

Wer nicht warten kann: Backup vom alten System machen! Dann Update starten. Es funktioniert besser als die bisherigen seit 10.6 bei mir. Da gab es immer irgendwo Probleme – auch bei Programmen des alltäglichen Bedarfs. Das darf nicht passieren und das ist es bei mir (!) diesmal auch nicht.

Ich bin guter Dinge, Apple zumindest bei OSX wieder einen sauberen Weg eingeschlagen hat. Aber je mehr macOS und iOS angeglichen werden, kann sich das aber auch irgendwann ändern. Auch wenn die Entwicklung langfristig vielleicht die einzig richtige ist – wird sich alles zeigen. Jetzt erstmal bitte noch sinnvoll gestaltete Hardwareangebote (bei den Macs) und nicht Jahre alte oder langsame Technik als den heißen Scheiß verkaufen, dann greife ich vielleicht auch wieder einmal zu einem Mac Mini oder Mac Pro und muss keinen Hackintosh nutzen.

Ich würde mir wünschen, dass Siri langfristig auch die Menüs der Programme versteht. Wie „Siri, bounce Project X with DAW Y to folder Z. Samplerate A, Bit depth B. Realtime“. Das wäre klasse.

Hier geht’s zur Produktseite von Sierra. Jeder Nutzer von unterstützter Mac-Hardware kann es über den Apple App Store kostenlos beziehen.

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6 Antworten zu “[Angeschaut] Apple MacOS Sierra 10.12 – ausgereifter als erwartet”

    Henry sagt:
    0

    Das ist genau der Artikel, den ich statt des Gemeckers von gestern von euch erwartet hätte! :)

      gearnews sagt:
      0

      Danke. :)
      Jeder darf mal über die Strenge schlagen. Gestern war etwas harsch, geb ich zu. Aber das zeigt auch, dass die Gearnews-Leser durchaus darauf achten. Und das ist gut so! :)

    Henry sagt:
    0

    MOTU schreibt, das im Prinzip alle ihre Produkte mit Sierra laufen – allerdings noch mit Einschränkung… http://motu.com/newsitems/motu-and-os-x-sierra

    Nobser sagt:
    0

    Apogee gibt auch eine generelle Freigabe:

    „There are no Apogee software updates required for macOS Sierra or iOS 10 compatible products if upgrading from Mac OS El Capitan (10.11) or iOS 9.“

    http://www.apogeedigital.com/blog/macos-sierra-and-ios-10-compatibility

    Nobser sagt:
    0

    Ergebnisse des Selbsttests (Macbook Pro Retina, Mitte 2012):
    – Update auf Sierra problemlos
    – Ableton Live Suite 9.6.2: läuft
    – Ableton Push 2: läuft
    – Novation Impulse: läuft
    – Novation Automap: läuft
    – Apogee Duet for iPad and Mac: läuft
    – Apogee Maestro 2: läuft
    – Logic Pro X 10.2.4: läuft (Details unten)
    – GarageBand 10.1.2: läuft
    – Kontakt Player 5: läuft
    – NI Massive: läuft
    – Waves Gold: sieht gut aus (war mir jetzt zu viel, jedes einzelne Plugin zu testen)

    Logic Pro’s AU Validierung mag nur ein PlugIn nicht:
    – Liquid Rhythm von WaveDNA, allerdings weiß ich auch nicht, ob er es vorher schon nicht mochte, weil ich Logic nur noch sehr selten nutze.

    Einzige Software, die bisher richtig zickt, ist der Tune Instructor zum Organisieren der iTunes Library. Dort ist aber hart ein Version-Check eingebaut, der den Dienst unter Sierra verweigert und zum Kauf einer neuen Version zwingen will. Time to say goodbye würde ich mal sagen…

    Habe mehrere Projekte getestet, alles problemlos. Bis auf Siri sieht man auf den ersten Blick auch keine großen Veränderungen muss ich sagen. Weder im Positiven wie im Negativen…

    Allen anderen also auch viel Erfolg!

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