von Marcus Schmahl | Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten
Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer

Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer  ·  Quelle: Marcus Schmahl

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Der Synthesizer-Hersteller Moog präsentiert mit Mavis einen kleinen semi-modularen DIY-Synthesizer zum Moog-Einstiegspreis. Wir durften zur Superbooth 2022 und im geheimen Nebenzimmer des neuen Moog Headquarters in Berlin den Klangerzeuger antesten und vor der Veröffentlichung im eigenen Angecheckt-Studio selbst zusammenbauen und ausprobieren.

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Moog Mavis

Die Firma Moog ist nicht mehr aus der Synthesizer-Szene wegzudenken. Mit dem Model D setzten sie einen Meilenstein in der Musikgeschichte. Bis heute versuchen sie erfolgreich, diesen einzigartigen Klang mit modernen Möglichkeiten zu kombinieren. Und das in neuen großen Synthesizern (Moog One), aber auch kleineren Tischgeräten (wie Mother 32, DFAM) sowie iOS Apps und AUv3 Plug-ins.

Jetzt veröffentlichen sie mit Mavis einen neuen kleinen Synthesizer, den neue Besitzer erst einmal zusammenbauen müssen, bevor die ersten Sounds ertönen. Das erinnert stark an Werkstatt-01, der von Moog ebenfalls vor einigen Jahren als DIY-Kit vorgestellt wurde (siehe hier bei Thomann.de (Affiliate)). Dazu wurden hier in dem „Nachfolger“ neue Synthesetechniken eingebaut, die man von keinem anderen Moog Synthesizer kennt. Also eine spannende Geschichte für einen interessanten Angecheckt-Studiotag. Und übrigens: Der Name des Geräts stammt aus der Ornithologie und bedeutet Singdrossel.

Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer

Platine mit Singdrossel

Weiter geht’s zur Praxis.

Ausgepackt

Das vollanalog aufgebaute Leichtgewicht wird in Einzelteilen geliefert, um ein wenig DIY-Feeling auszustrahlen. Aber ihr könnt euch wieder beruhigen, denn der Lötkolben bleibt kalt. Kunststoff-Case, fertige Platine hinein legen, schwarzes Face Plate (mit Aufdruck der Funktionen) aus Aluminium anschrauben, 24 Patch-Anschlüsse mit Muttern versehen – und los geht’s. Mitgeliefert werden vier Patch-Kabel und Preset-Schablonen (bekannt von den anderen Moog Desktop-Synthesizern), um den Einstieg etwas zu erleichtern.

Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer

Ausgepackt

Das Gerät hat eine Größe von 44 HP und ihr könnt es somit in ein Eurorack-Gehäuse setzen. Integriert ist ein 13-Tasten-Mini-Keyboard zum Spielen von Noten. Dazu gibt es 22 Drehregler und einen Kippschalter. An der Hinterseite liegt der Anschluss für das beiliegende externe Netzteil. Zur Anzeige der LFO-Frequenz wird eine rote LED eingesetzt.

Die Bedienoberfläche

Von links nach rechts startet Moog gleich mit der neuen Funktion. Sie schenkten dem Synthesizer nämlich einen Wavefolder zum Falten eingehender Schwingungen. Dieser „Effekt“ hebt den Klangerzeuger auf eine neue Ebene, da ihr neben den Standards Sägezahn und Rechteck nun weitere Klangergebnisse erzeugen könnt. Daneben sitzt die VCO-Sektion mit Pitch, VCO Wave (stufenlos regelbar zwischen Sägezahn und Rechteck), Pulse Width, VCO Mod Mix (stufenlos regelbar zwischen EG- und LFO-Signal), Pitch Mod Amount und PWM Amount.

Moog Mavis

Moog Mavis – Das Interface

Das Filter beherbergt Regler für Cutoff, Resonance, VCF Mod Mix (stufenlos regelbar zwischen EG- und LFO-Signal) und VCF Mod Amount. Daneben sitzt der Ausgangsbereich mit einem Volume-Regler und einem Wahlschalter für den VCA Mode (On oder EG). In der drunterliegenden Reihe findet ihr die Modulationssektion. Der LFO mit einem Rate- und LFO-Wave-Regler steuert die Modulationsschwingungen, ihr könnt diesen aber auch als weiteren Oszillator einsetzen. Daneben liegt ein ADSR-Hüllkurvengenerator.

Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer

Mavis im Einsatz

Die Potis KB Scale und Glide justieren eingehende CV-Signale oder Noten, die über das eigene Keyboard eingespielt werden. Die komplette linke Seite gehört der Patchbay. Dort lässt sich das Audiosignal abgreifen oder ein Kopfhörer anschließen. Um tiefer in die Sounddesign-Kiste zu greifen und noch weitere Features des Synthesizers zu verwenden, lassen sich hier verschiedene Bereiche der Hardware miteinander verbinden. Der neue Wavefolder muss ebenso über Patchkabel integriert werden, bevor er einsetzbar ist.

Der Sound des Klangerzeugers

Natürlich klingt ein Moog nach – eben Moog! Wie auch sonst. Auch das Filter reagiert genau so, wie wir es von einem Moog Synthesizer erwartet hätten. Aber man kann in dieser Preisklasse sicherlich keinen fetten Model D Bass erwarten. Trotzdem ist der Sound sehr solide und sobald man die Patch-Kabel richtig einsetzt, klingt die Kiste sehr vielschichtig und lässt sich vielseitig einsetzen.

Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer

Preset-Auflage aus Pappe

Im angehängten Video seht ihr ein Unboxing und wie ich den Synthesizer zusammengebaut habe. Im Anschluss zeige ich einige nachgestellte Preset Patches, die ich durch die Regler verändere. Als Sequencer setze ich den Hardware-Sequencer T-1 von Torso Electronics ein (siehe das Angecheckt hier), da der kleine Moog nur CV-Signale empfängt (kein MIDI und keine USB-Schnittstelle). Vielleicht hat sich Moog gegen diese modernen Schnittstellen entschieden, da der Markt zurzeit durch Chip-Krisen und Lieferschwierigkeiten Produkteinführungen immens verzögert.

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Fazit

Moog Mavis ist ein kleiner DIY-Hardware-Synthesizer für Einsteiger, aber auch Fortgeschrittene, die nicht auf den Moog Sound verzichten oder eben ihre schon vorhandenen Moog Desktop-Synthesizer mit neuen Features erweitern wollen. Der Oszillator und das typische Moog-Ladder-Filter klingen absolut nach dem Hersteller und teilweise vergleichbar mit den anderen hauseigenen Tischgeräten. Sehr schön ist die Anordnung der Patchbay auf der linken Seite, um Mavis ergonomischer an einem anderen Moog Desktop-Gerät anzudocken.

Natürlich muss man kleine Drehregler mögen, um den Synthesizer zu bedienen. Hier könnte man optional hochwertigere Drehregleraufsätze anbieten – der Platz wäre vorhanden. Auch das kleine Keyboard ist eher „Spielerei“. KB CV wird aber nach außen geschickt. Dazu benötigt ihr einen MIDI-zu-CV-Wandler oder dementsprechende andere Hardware, um den Kleinen in euer DAW-Umfeld einzubinden. Schön ist die mitgelieferte Staubschutzhaube.

Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer

Klein und mit Mini-Klaviatur

Wer auf den Moog Sound steht, erhält mit diesem Synthesizer sicherlich ein neues und sehr interessantes Spielzeug mit neuen und für Moog ungewöhnlichen Features, die sich definitiv lohnen. Aber man muss hierfür auch den typischen Moog-Preis bezahlen. Nichtsdestotrotz erweitert der Hersteller mit Mavis seine Desktop-Reihe mit einem interessanten Klangerzeuger. Wir sind schon sehr auf die nächsten Geräte der Ideenschmiede gespannt.

Preise und Spezifikationen von Moog Mavis

Moog Mavis könnt ihr euch ab sofort hier bei Thomann.de (Affiliate) zum Preis von 399,00 Euro bestellen.

Im Paket enthalten ist neben der Bau- und Bedienungsanleitung alle Einzelteile des Synthesizers (Kunststoff-Case inklusive Staubschutzabdeckung, Platine, Face Plate, Schraubendreher für mitgelieferte Schrauben und Muttern, Gummifüße), ein externes Netzteil (mit verschiedenen Adaptern), vier kurze Patch-Kabel, Papp-Overlays für Sound Presets, ein Moog-Poster sowie eine Postkarte zum Registrieren der Hardware.

Mehr Infos zu Moog und dem Synthesizer

Weitere Videos zu der neuen Hardware von Moog

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Bildquellen:
  • Platine mit Singdrossel: Marcus Schmahl
  • Ausgepackt: Marcus Schmahl
  • Paketinhalt: Moog
  • Do it yourself.: Marcus Schmahl
  • Zusammengesteckt: Marcus Schmahl
  • Staubschutzhaube: Marcus Schmahl
  • Moog Mavis - Das Interface: Moog
  • Mavis im Einsatz: Marcus Schmahl
  • Preset-Auflage aus Pappe: Marcus Schmahl
  • Klein und mit Mini-Klaviatur: Marcus Schmahl
Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer

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6 Antworten zu “Angecheckt: Moog Mavis semi-modularer Synthesizer”

    Wobble Bass Massage sagt:
    0

    Schade dass der Folder keine cv Eingänge hat.

    ringmodulator sagt:
    0

    400 Teuro für einen Chinasynth auf Volcalevel, mutig :D

      Depressiver Bauchnabelfussel sagt:
      0

      Wie es so oft im Leben ist: Wenn sich wer findet der bereit ist dafür zu zahlen sollen sie es halt so anbieten…

      Andererseits: Kauf mal alle Komponenten als Module. So betrachtet eventuell dann doch ganz okay…. adsr, filter, folder (wtf ohne cv inputs? hä?), lfo, utilities…………

      Ich werd ihn trotzdem nicht kaufen, weniger ist oft mehr.

        ringmodulator sagt:
        0

        das ist nur für >HC Fans, für die muss es überteuet sein, sonst stimmt das Preis Leistungs Verhältnis nicht, man will sich ja mit seinem Lacosteshirt von der Masse abheben. Realistisch betrachtet könnte das der nächste Sargnagel der gewerkschafts-orientierten Showtruppe sein.

    Schubidu sagt:
    0

    „. Aber man kann in dieser Preisklasse sicherlich keinen fetten Model D Bass erwarten“ stimmt, den gibt es schon unter 300.-

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