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Angecheckt: Dreadbox Typhon - analoger Synth mit Sinevibes FX-Prozessor

Angecheckt: Dreadbox Typhon - analoger Synth mit Sinevibes FX-Prozessor  ·  Quelle: Gearnews, Marcus

Angecheckt: Dreadbox Typhon - analoger Synth mit Sinevibes FX-Prozessor

Angecheckt: Dreadbox Typhon - analoger Synth mit Sinevibes FX-Prozessor  ·  Quelle: Gearnews, Marcus

Ein neuer Synthesizer von Dreadbox ist immer mehr als spannend. Denn sie sind eben anders, als das Gewohnte. Typhon ist dazu noch in Zusammenarbeit mit Sinevibes entstanden, die sich um die Effektsektion gekümmert haben. Und das bedeutet viel Innovation und interessante Features hoch zwei. Diese kleine Synthesizer-Box konnten wir jetzt schon ergattern, um sie euch hier im Angecheckt-Format vorzustellen.

Typhon all-in-one Synthesizer

Zuerst: Danke an den Vertrieb Sonic Sales für das Schicken des Prototyps für einen Vorab-Check.

Ich war schon ein wenig aufgeregt den neuen „kleinen“ Dreadbox Synthesizer mit Sinevibes Add-on in meinen Händen zu halten. Oder besser gesagt den Typhon im eigenen Studio zu anzuschließen und einen Song damit zu bauen. Glücklicherweise erreichte mich gleichzeitig mit dem Postboten auch eine E-Mail mit einer neuen (immer noch Beta) Firmware. Diese ließ sich über USB und der installierten Software ziemlich easy installieren, so dass ich eigentlich direkt loslegen konnte. Sehr schön!

Zur Vorgeschichte: Die Hardware-Schmiede Dreadbox wollte nicht schon wieder einen „langweiligen“ analogen Synthesizer mit Oszillatoren, Filter, Hüllkurvengenerator und Sequencer bauen. Deswegen holten sie sich die Software-Experten der Firma Sinevibes ins Boot. Und genau das ist auch der große Pluspunkt dieses Klangerzeugers. Denn die Klangerzeugung in Kombination mit den wirklich hochwertig klingenden Effekten bilden eine wirklich einzigartige Einheit. Und das für einen wirklich attraktiven Preis.

Angecheckt: Dreadbox Typhon - analoger Synth mit Sinevibes FX-Prozessor

Angecheckt: Dreadbox Typhon – das Display

Ausgepackt

Die Hardware an sich wirkt sehr hochwertig und ist aus Metall und deswegen auch recht schwer. Aber wegen der kleinen Größe natürlich noch leicht genug (1 kg), um die Kiste in dem Rucksack zu verstauen und mit ins Schwimmbad zu nehmen. Die Benutzeroberfläche ist mit acht unterschiedlich großen Drehreglern, einem kleinen OLED-Display einem klickbaren Endlosregler, sechs hintergrundbeleuchteten Buttons und fünf hintergrundbeleuchteten Fadern sehr übersichtlich ausgestattet.

Auf der Rückseite befindet sich ein MIDI-Paar im DIN-Format, ein USB-B-Anschluss, ein Miniklinkeneingang (mono) ein Kopfhörerausgang (Miniklinke stereo) und zwei große Klinke für den Stereoausgang. Unter der Kiste sitzen vier abriebfeste Gummifüßchen, die für den sicheren und rutschfesten Stand auf dem Tisch sorgen. Das war es eigentlich schon, was die Hardware angeht.

Angecheckt: Dreadbox Typhon - analoger Synth mit Sinevibes FX-Prozessor

Angecheckt: Dreadbox Typhon – anschlussseitig

Auf den ersten Blick

Typhon erhält Strom über USB. Und hierfür reicht ein Anschließen an einen USB-Hub, der euch auch unterwegs, je nach Größe, bis zu 60 Stunden Saft für den Synthesizer erzeugt. Ihr könnt den Klangerzeuger aber auch an ein x-beliebiges USB-Netzteil mit einem Standard-USB-Kabel anschließen. Das ist beides im Lieferumfang nicht enthalten, sollte aber jeder von uns zuhause herumfliegen haben. Zurzeit (und wohl bis zum nächsten Update) empfängt der Synth noch keine MIDI-Daten über USB (nur Updates und Strom). Die Firmware ist leider noch nicht hundertprozentig fertig gestellt, so dass hier noch nachgebessert werden muss und auch wird. Dazu aber später mehr.

Das Display ist sehr gut lesbar und es enthält alle Menüpunkte, durch die ihr mit dem Endlosregler fahren könnt. Hier findet ihr für den Synthesizer-Bereich drei Modulatoren, drei Effektsektionen und die Settings. der gelbumrandete Button auf der rechten Seite aktiviert eine weitere Funktionsebene.

Ein Klick auf den Button „SQNCR“ bringt uns zum… 32-Step Sequencer natürlich. Und der ist über das Display ebenso einfach zu programmieren. Ich hatte erst bedenken, dass das Erstellen von Melodieverläufen über das kleine Fensterchen eher mühselig einstellbar wäre. Aber dem ist nicht so. Hier könnt ihr jeden der Schritte schnell und einfach mit Parametern belegen. Der Sequencer startet und stoppt über den Play/Stop-Button. Über Load und Save werden Presets geladen beziehungsweise abgespeichert. Der Synthesizer besitzt definitiv über ausreichend Speicherplätze, um stundenlange Live Sets zu befeuern.

Die einzelnen Parameterwerte der angezeigten Funktionen lassen sich über die Fader einstellen. Hier fehlt vielleicht noch ein Art „Abhol-Modus“, da bei Bewegung eines Faders der Wert direkt zur Fader-Position springt. Ansonsten funktioniert auch hier das steuern des Synthesizers wirklich schnell und intuitiv.

Angecheckt: Dreadbox Typhon - analoger Synth mit Sinevibes FX-Prozessor

Angecheckt: Dreadbox Typhon – die Fader

Die Klangerzeugung

Die komplette linke Seite gehört der analogen Synthese. Dort könnt ihr den Filter Cutoff und Resonanz, Schwingungsformregler mit Überblendfunktion, zwei Hüllkurvengeneratoren für Filter und Amp (mit Wahlschalter), sowie den Lautstärkeregler für den Ausgang bedienen. Der Klang ist Dreadbox-like wirklich sehr warm und druckvoll. Und das aus so einer kleinen Box! Insgesamt klingt der Synthesizer recht „moogy“. Für alle Acid-Fans: der 4-Pol Filter schreit (angenehm) bei aufgedrehter Resonanz. Mit dem digitalen Distortion-Effekt ist so im Handumdrehen eine fette 303-artige Bassline im Kasten.

In der Schwingungsabteilung findet ihr FM, Dreieck, Rechteck, Sägezahn und verschiedene Mischungen dieser Formen. Den jeweils zweiten Oszillator könnt ihr sogar über den „Tune 2“-Regler positiv oder negativ zum Ersten verstimmen. Für Sounddesigner interessant ist natürlich die Modulationssektion. Hier findet ihr drei Einheiten mit je einem LFO, einem weiteren Hüllkurvengenerator, Sample & Hold oder einem Stepsequencer für Parameter. Das Modulationsziel könnt ihr frei belegen. Das bedeutet Unmengen an Möglichkeiten den Klang in Bewegung zu halten.

Weiter geht es zum Sinevibes-Bereich: die Effektsektion. FX1 steht für Distortion. Hier gibt es Foldback, S-Curve, Tri-Clip, Shred oder Bitcrush mit je zwei Parametern (Gain/Rate und Mix) zur Auswahl. Darüber hinaus könnt ihr in dieser Ansicht Filter-FM dazu regeln. FX2 ist ein Enhancer und stellt die Effekte Chorus, Flanger oder Ensemble mit je fünf Parametern bereit. FX3 heißt Reflections und enthält einen Reverb, Delay oder Ping Pong mit ebenfalls je fünf Parametern.

Angecheckt: Dreadbox Typhon - analoge Schwingungsformen

Angecheckt: Dreadbox Typhon – analoge Schwingungsformen

Zum Sound möchte ich abschließend nochmals betonen, dass das Zusammenspiel von Synthese und Effekten einen wirklich runden und sehr vielseitig klingenden Synthesizer ergibt. Die ersten Presets, die mit dem aktuellen Firmware Upgrade geliefert wurden, zeigen die große Bandbreite des Klangerzeugers und was alles möglich ist. Sie sind auch ein toller Startpunkt für neue eigene Klangkreationen.

Fazit und was noch fehlt

Bis September möchte der Entwickler einiges mit Firmware Updates erweitern und verbessern. Angedacht ist MIDI über USB, Audio über USB, eine komplette MIDI-Implementation für alle Parameter, Sequencer Update (Recording, MIDI-Transpose, Song Mode) und MIDI-Clock, aber auch neue Effekte(vielleicht ein Shimmer Delay und Reverb, granular, Barber Pole) und weitere Effektparameter. Dazu soll es einen Software-Editor geben. Ich bin schon gespannt, was sonst noch kommen wird. Denn das System scheint ziemlich offen und recht „mächtig“ zu sein.

Sehr interessant ist auch, dass ihr über den Eingang die Hardware in ein reines Effektgerät wandeln könnt. Und das ist schließlich mit 12 DSP Effekten (32 Bit/96 kHz) ausgestattet. Normalerweise findet ihr für diesen Preis keine vergleichbaren Effektpedale am Markt.

Im Einsatz ist der kleine Typhon ein wirklich gelungene Ideenschmiede für interessante Sounds, die wir von anderen (teureren und größeren) Klangerzeugern kennen. Aber mit diesem Kästchen ist auch weitaus mehr möglich. Für Klangbastler ist das eine wahre Fundgrube. Und man kommt dazu auch wirklich schnell zum gewünschten Ergebnis. Ich bin wirklich gespannt, wie sich der Synthesizer im September-Update in mein System einbinden wird. Denn gerade im Sync mit anderen Klangerzeugern und Drum Machines sehe ich Typhon sehr weit vorne auf der Bühne bei Live-Performances.

Weitere interessante Produkte unserer „Angecheckt“-Reihe findet ihr hier. Ihr habt Vorschläge? Dann her damit!

Preise und Zubehör

Dreadbox Typhon erhaltet ihr hier bei Thomann.de (Affiliate) zu einem Preis von 343 Euro. Ein Benutzerhandbuch könnt ihr euch von der Internetseite des Herstellers herunterladen.

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