Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit: 7 Synths, bei denen das Timing nicht passte
Ein paar Jahre zu spät oder zu früh – manchmal erscheint der richtige Synthesizer zur falschen Zeit. Hier sind sieben Synthesizer, bei denen einfach das Timing nicht stimmte.
Hinweis: Dieser Artikel von Adam Douglas erschien ursprünglich auf gearnews.com. Übersetzung und Ergänzungen: Lasse Eilers.
Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit
Es gibt viele Faktoren, die zum Erfolg oder Misserfolg eines Synthesizers beitragen: Funktionsumfang, Klang, Bedienung, Preis. Und dann ist da noch das Timing. Manche Synthesizer sind so komplex, dass ihre Entwicklung Jahre in Anspruch nimmt. Die Zeit bleibt nicht stehen und Trends wandeln sich – auch in der Synthesizer-Technologie und natürlich in der Musik. Was zu Beginn der Entwicklung noch wie ein Selbstläufer erschien, kann beim Erscheinen bereits von gestern sein.
Umgekehrt kann ein Instrument auch einfach seiner Zeit voraus sein, mit bahnbrechenden neuen Technologien, für die die Leute zum Zeitpunkt der Markteinführung noch nicht bereit sind.
Wir stellen sieben Synthesizer vor, bei denen das Timing nicht stimmte. Wären sie ein paar Jahre früher oder später erschienen, hätten sie vielleicht den Erfolg gehabt, den sie verdient hätten – und wären nicht nur Randnotizen in der Synthesizergeschichte geblieben, die nur Nerds wie mich begeistern.
Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit: Crumar Spirit
Die 1980er waren keine guten Jahre für monophone Synthesizer, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen (Sequential Circuits Pro-One, Roland SH-101). In der Dekade der Fönfrisur drehte sich alles um Polyphonie, egal ob analog oder digital. Niemand interessierte sich für ein Instrument, das nur eine Note auf einmal spielen konnte, selbst wenn es von Bob Moog entwickelt worden war.

Technisch und klanglich hatte der 1983 erschienene Spirit des italienischen Keyboard-Herstellers Crumar viel zu bieten – und das nicht nur wegen der Verbindung zum Namen Moog. Zusammen mit den ehemaligen Moog-Mitarbeitern Jim Scott und Tom Rhea hatte Bob in Crumars Auftrag ein Instrument mit vielen guten Ideen erschaffen, darunter zwei VCOs, SEM- und Ladder-Filter, zwei separate Signalwege sowie die einzigartigen Mod-X- und Shaper-Y-Modulationssektionen. Trotz alledem blieb der Erfolg aus – der Spirit war leider nicht nur ein analoger, sondern auch ein monophoner Synthesizer zur falschen Zeit.
Angesichts des inzwischen dennoch erreichten Kultstatus ließ der wiederbelebte Hersteller Crumar den Spirit 2023 in einer limitierten Auflage wieder aufleben. Und dank einer Kooperation zwischen Crumar und Cherry Audio gibt es den Synthesizer jetzt auch als Software-Emulation für deine DAW (hier bei Thomann*).
Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit: Oxford Synthesiser Company OSCar
Ein weiterer Synthesizer zur falschen Zeit – nämlich aus dem Jahr 1983 – war der OSCar der Oxford Synthesiser Company. Er hat zwar eines der ungewöhnlichsten Frontpanel-Designs aller Zeiten und fand bei experimentierfreudigen Musikern Anklang, scheiterte aber letztlich an den erschwinglichen japanischen Polyphonen.
Der OSCar war die Idee von Chris Huggett, auch bekannt als der Mann hinter dem Electronic Dream Plant Wasp und späteren Novation-Erfolgen wie der Bass Station und dem Summit. Als Pionier der Hybridsynthese stattete Chris den OSCar mit digitalen Oszillatoren und analogen Filtern aus – genauer gesagt mit je zwei davon. Neben subtraktiver Synthese bot der OSCar auch eine Form der additiven Synthese, was ihn damals ziemlich einzigartig machte. Er war (und ist immer noch!) ein Bass-Monster und landete unter anderem in den Händen von Stevie Wonder und Ultravox.
Bis die angekündigte Neuauflage von PWM erscheint, ist GForce impOSCar 3 (hier bei Thomann*) die beste Möglichkeit, um an den OSCar-Sound zu kommen. Außerdem enthält der PWM Mantis (hier bei Thomann*) seit einem Firmware-Update die Original-Wavetables des OSCar. Was aus Behringers bereits 2017 angeteasertem OSCar-Klon geworden ist, steht hingegen in den Sternen.
Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit: Yamaha VL1
Physical-Modeling-Synthesizer erleben gerade eine Renaissance – vor allem im Software-Bereich. Durch die Nachbildung akustischer Klänge mittels mathematischer Algorithmen lässt sich ein erstaunliches Maß an Realismus erreichen. Zum Beispiel basieren einige der besten Piano-Plugins auf Physical Modeling (und nicht auf Samples, wie man vielleicht denken könnte). Was wie eine neuartige Technologie wirken mag, ist aber eigentlich nichts Neues; den Grundstein legte Yamaha bereits in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren.

Auf der Grundlage einer Lizenz, die Yamaha von derselben Forschungsgruppe an der Stanford University erworben hatte, von der auch die theoretischen Grundlagen der FM-Synthese stammten, entwickelte der Hersteller den 1993 erschienenen Physical-Modeling-Synthesizer VL1. Das auf Blasinstrumente spezialisierte, zweistimmig polyphone Instrument war extrem teuer und zudem nicht ganz einfach zu spielen – zwei große Nachteile für ein Instrument mit einer hochspezialisierten Synthese-Engine, für die sich ohnehin nur wenige interessierten.
Der VL1 blieb deshalb ein Exot und auch Physical Modeling blieb zunächst der große Durchbruch verwehrt. Jedoch war es trotzdem ein wichtiger Schritt: Einige Jahre später trug die dabei entwickelte DSP-Technologie zur Entstehung der virtuell-analogen Synthese bei, die mit Synthesizern wie dem Nord Lead, dem Virus und dem JP-8000 einen fulminanten Aufschwung erlebte.
Vielleicht kam der Synthesizer zur falschen Zeit? Heute ist das Interesse an Physical Modeling jedenfalls wieder erwacht und mit Instrumenten wie dem Erica Synths Steampipe (hier bei Thomann*) und dem Expressive E Osmose (hier bei Thomann*) gibt es auch wieder einige Hardware-Synthesizer, die mit der Technologie arbeiten.
- Produktseite Erica Synths Steampipe
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Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit: Syntauri alphaSyntauri
Heute wundert sich niemand mehr über Synthesizer, die auf einem Computer laufen. Vor 44 Jahren sah die Sache jedoch ganz anders aus. Damals brachte Syntauri den alphaSyntauri auf den Markt, einen additiven Synthesizer mit einem Apple IIe als Steuereinheit und einer Klaviatur mit 49 oder 61 Tasten. Er war absolut bahnbrechend – und seiner Zeit auch viel, viel zu weit voraus.
Wenn man im Jahr 1980 einen digitalen Synthesizer sein Eigen nennen wollte, hatte man im Wesentlichen die Wahl zwischen dem Synclavier der New England Digital Corporation und dem Fairlight CMI. Wer keine 40.000 Dollar übrig hatte, bekam mit alphaSyntauri eine weitaus günstigere Alternative – vorausgesetzt, der Computer war bereits vorhanden. Der Preis von rund 1.500 Dollar für einen digitalen Synthesizer war damals eine Sensation und machte die Technologie erstmals für viele Musiker erreichbar.
Mit 16 digitalen Oszillatoren und achtstimmiger Polyphonie konnte alphaSyntauri sogar Keyboard-Splits umsetzen. Zusätzlich war die Sequencer-Software MetaTrak erhältlich, mit deren Hilfe man ganze Songs mit dem System komponieren konnte.
Wer sich für additive Synthese interessiert oder einfach nur neugierig ist, wie der alphaSyntauri klingt, bekommt mit Phosphor von Audio Damage (hier bei Plugin Boutique*) eine moderne Alternative – diesmal komplett als Software.
Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit: Ensoniq Fizmo
Heute sind Wavetable-Synthesizer bekanntlich wieder sehr angesagt. Ob Hardware oder Software – spätestens seit Massive und Serum sind Wavetables wieder der Sound der Stunde. Das war 1998 noch anders, als Ensoniq eines seiner letzten Instrumente auf den Markt brachte. Mit seinem eigenwilligen Namen und der mindestens ebenso ungewöhnlichen Farbgebung stiftete der Fizmo allgemeine Verwirrung. Außerdem stieß er auf bemerkenswertes Desinteresse der Synthesizer-Community.
Dabei war der Fizmo eigentlich absolut einzigartig und konnte durchaus mit beeindruckenden Eckdaten aufwarten. Pro Stimme stehen zwei Transwave-Oszillatoren (Ensoniqs Interpretation der Wavetable-Synthese) zur Verfügung. Insgesamt 48 davon können gleichzeitig erklingen, was eine maximale Polyphonie von 24 Stimmen ergibt. Pro Preset lassen sich zudem bis zu vier Sounds layern, wodurch sich allerdings die Polyphonie entsprechend reduziert. Für jeden Oszillator gibt es ein eigenes Filter. Interessant ist auch das umfangreiche Modulationssystem des Fizmo, das neben Hüllkurven und LFOs zahlreiche weitere Modulationsquellen wie Stepped Noise kennt.
Dem Zeitgeist entsprechend – der Siegeszug virtuell-analoger Synthesizer hatte gerade begonnen – stattete Ensoniq den Synthesizer mit Drehreglern zur Echtzeitsteuerung aus. Trotzdem war das Bearbeiten komplexer Patches auf dem kleinen LC-Display kein besonders intuitives Erlebnis.
Letztendlich wussten die meisten Musiker einfach nicht so recht, was sie mit dem Fizmo anfangen sollten. Nach anfänglichen Erfolgen mit dem PPG Wave und dem Waldorf Microwave war die Wavetable-Synthese zu diesem Zeitpunkt fast vollständig von samplebasierten Workstations und virtuell-analogen Synthesizern verdrängt worden. Deshalb passte nicht nur die Farbe, sondern auch der Sound des Fizmo nicht wirklich in die Zeit. Zwar kann er großartige, atmosphärische Pads liefern, aber damals klang das alles ein bisschen zu sehr nach den 80ern. Heute allerdings könnte genau das wieder passen. Wo bleibt eigentlich die Fizmo-Emulation?
Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit: Roland JD-800
Mit dem nächsten Kandidaten machen wir uns vielleicht keine Freunde, denn der Roland JD-800 hat aus gutem Grund viele Fans. Bei seinem Erscheinen wirkte er dennoch wie aus der Zeit gefallen. Denn die Synthesizerwelt war gerade dabei, sich in eine ganz andere Richtung zu entwickeln.

Der 1991 erschienene JD-800 war die Krönung der LA-Synthese, Rolands Kombination aus Samples und Synthese, die 1987 im D-50 ihr Debüt gegeben hatte. Zudem setzte der JD-800 voll auf Interaktivität und bot dank einer Fülle an Schiebereglern direkten Zugriff auf die meisten Parameter. Und genau deshalb kam der Synthesizer zur falschen Zeit. Denn in der ersten Hälfte der 1990er waren vor allem Workstations nach Art der KORG M1 beliebt, die auf Knopfdruck Hunderte verschiedene Sounds ausspuckten und mit einem Minimum an Bedienelementen auskamen.
Obwohl der JD-800 seine Fans hatte – allen voran Prince –, kam er deshalb bei der breiten Synthesizer-Käuferschaft nicht gut an. Der JD-800 war nicht nur keine Workstation (unter anderem hatte er keinen Sequencer), sondern war wegen der vielen Bedienelemente auch deutlich teurer als diese. Also wurde er nicht der Hit, der er eigentlich hätte werden sollen.
Aber der JD-800 lebt wieder! Roland hat den LA-Synthesizer vor einigen Jahren als JD-08 neu aufgelegt. Außerdem gibt es eine Software-Emulation in der Roland Cloud und eine Model Expansion für ZEN-Core-Synthesizer. Alle drei bekommst du bei Thomann*.
Der richtige Synthesizer zur falschen Zeit: Casio VZ-1
In den 1980er-Jahren schritt die Entwicklung neuer, digitaler Syntheseformen rasant voran. Die erfolgsverwöhnten Hersteller analoger Synthesizer wurden 1983 völlig auf dem falschen Fuß erwischt, als Yamaha den DX7 auf den Markt brachte. Roland und KORG, beide mit viel Know-how und vergleichsweise großen Budgets ausgestattet, brauchten bis zum Ende des Jahrzehnts, um Instrumente zu entwickeln, die halbwegs mithalten konnten.
Anders sah es bei Casio aus. In der Digitaltechnik verwurzelt, hatte der Uhren- und Taschenrechnerhersteller unversehens einen Vorsprung gegenüber den großen Namen. Der 1984 erschienene CZ-101 wurde sofort zum Hit.
In den Folgejahren verlegte Casio sich dann jedoch darauf, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, und brachte eine ganze Flut von CZ-Synthesizern ohne große technische Neuerungen auf den Markt. Als der Hersteller endlich dazu kam, mit dem VZ-1 einen richtigen Nachfolger an den Start zu bringen, war es bereits 1988 und kaum jemand interessierte sich mehr für FM-ähnliche Klänge. Man wollte jetzt Sampling. Dumm gelaufen, wie man so schön sagt.

Schade, denn der VZ-1 war ein ziemlich interessantes Instrument. Die von Casio als iPD (Interactive Phase Distortion) bezeichnete Technologie kombinierte Phasenverzerrung im CZ-Stil mit DX7-artigen Algorithmen, bei denen sich die DCO/DCA-Paare gegenseitig modulierten. Das Ergebnis war ein unverwechselbarer und sehr digitaler Klang, den manche liebten, viele jedoch nicht. Wäre er nur ein paar Jahre früher erschienen, hätte er genau im Trend gelegen. So kam der Synthesizer zur falschen Zeit.
Der VZ-1-Sound ist bis heute eine Kuriosität, für die es keine echten Emulationen gibt. Um deinen Durst nach Phase Distortion zu stillen, gibt es jedoch einige Plugins im CZ-Stil, zum Beispiel von Arturia (hier bei Thomann*). Hardwareseitig geht der Behringer CZ-1 Mini (hier bei Thomann*) in diese Richtung – von einem VZ-1 ist er aber natürlich weit entfernt.
- Produktseite Arturia CZ V
- Produktseite Behringer CZ-1 Mini
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