Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
Gitarren Verstärker Amp Tubes Röhren Glühen MArshall MG Teaser

 ·  Quelle: Pixabay, robrobinette / Unplash, its me Pravin

Wir wissen, dass dieses Thema unter Gitarristen noch schlimmer als das Öffnen der Büchse der Pandora wiegt. Es ist fast schon eine Grundsatzdiskussion mit seht tiefen Gräben. Wir wollen mal wissen, was du spielst: Einen Verstärker mit Röhren oder Transistoren?

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Röhre oder Transistor?

Leider gibt es keine Datenerhebung, wie viele Gitarristen und Bassisten Verstärker mit Röhren oder mit Transistoren spielen. Ganz zu schweigen von den Hybriden oder den Modelern, die ja trotz digitaler Technik auch irgendwie zu den Transistorverstärkern zählen – für dieses Szenario klammern wir die aber mal aus.

Gitarren Verstärker Amp Tubes Röhren Glühen

Röhrenamps anyone?

Ich würde einfach mal steil behaupten: Es werden in meiner Bubble vermutlich mehr Vollröhrenamps aktiv gespielt. (Wobei die Brüllwürfel bei Startersets die Überhand halten dürften, tendenziell aber nicht lange ein Rolle spielen.)

Das kommt nicht von ungefähr. Die Röhrentechnik gibt es seit über 100 Jahren. In kaum veränderter Form. Damals konnten dadurch sinnvollere Lautstärken mit weniger ungewollten Verzerrungen bereitgestellt werden – dank mangelnder Alternativen eben zwanghaft. Zur Erinnerung: PAs gab es nicht wie heute und selbst die Beatles haben sich noch Amps live geteilt.

Es stellte sich dann heraus, dass Röhren die Amplituden fürs menschliche Gehör am schönsten bzw. harmonischsten „abbrechen“ und damit zerren – vorausgesetzt, das Eingangssignal wurde entsprechend übersteuert. Der ominöse Röhrensound entstand.

Gitarrenamps ohne Röhren klangen bis vor 20 Jahren in vielen Fällen einfach nur mies und man hat sie sofort herausgehört. Meinen zumindest viele Gitarristen. Ich würde meinen, dass es immer auf den Hersteller ankam. Schießbuden für 200 DM waren natürlich nicht so geil wie ein 4000 DM Röhrenamp. Dazu weiter unten mehr.

Marshall MG Transoistor Amp Front

Transistoren – sind die genau so gut?

Fragst du nach der Meinung in Gitarrenforen, könntest du schnell auf die Idee kommen, dass nur Röhren gut klingen können. Fans von Transistoren gibt es nur vereinzelt. Und es wird behauptet, dass man den Unterschied nicht hören würde.

Doof ist die Überlegung nicht, denn die allermeisten Effektgeräte basieren auf dieser Technik. Und es stört Puristen nicht. Sobald die Technik in Amps verbaut wird, ist es auf einmal doof.

Mein Rath Amp hat mich viele Jahre begleitet. Live und im Studio. Und etliche Bühnentechniker und FOH-Menschen mussten bzw. wollten teils nachschauen, dass da wirklich keine Röhre verbaut war. Clean so lala, dafür überblendet mit Crunch oder nur Badewannen-Metalbrett – 1A. Für alles andere gab’s Effekte.

So viel zu den schlecht klingenden Transistoramps … wobei, ich hatte auch einige Gurken im Besitz. Mich fröstelt es jetzt noch, wenn ich an die Marshall MGs, den Fender Frontman oder Line6 Spider (quasi als Modeler) denke. Schließlich kommt der schlechte Ruf nicht einfach so – wobei natürlich auch diese Amps ihre Einsatzgebiete haben und immer noch besser als nichts waren. Hingegen neue Amps, wie das Orange Pedal Baby Topteil* sind eine geniale Basis für hochwertige Pedalboards.

Josh Scott Thinking Face

Wie gut sind sie wirklich?

Auf der anderen Seite: Was glaubst du, wie viele Gigs und Studioalben beispielsweise mit einem Roland Jazz Chorus* aufgenommen wurden? Etliche. Und zwar auch richtig große Bands wie Metallica. Der Amp klingt hervorragend mit den meisten Effektpedalen, kostet nicht die Welt und hat einen top Chorus gleich an Bord. Und clean ist eh sein Steckenpferd, für alles andere gibt es Effektpedale.

Und Bassisten? Die spielen ohne Murren sehr oft einfach einen Transistorverstärker. Die Endstufen sind nicht so schwer (schonmal einen SVT auf einen Kühlschrank gehoben? Macht man nicht gern allein.), sie klingen meist neutraler und sind flexibler. Ein SVT wird immer nach einem SVT klingen, aber auch andere Amps kommen da nah genug heran, dass es in Blindtests nicht auffällt. Ampegs eigene Portaflex-Amps* können da gut mithalten.

Es ist immer eine Sache der Einstellung und der Auswahl des richtigen hochwertigen Bestecks. Siehe Video. Ich hatte schon etliche müllige Röhrenamps an der Gitarre, bei denen die Produktion einfach nur Materialverschwendung war.

Und du?

Was spielst du?

Und warum? Aus Überzeugung? Verrate uns gern den Grund in den Kommentaren.

Und dann schau dir das Video an. Josh Scott von JHS zeigt uns ein paar Transistoramps mit hervorragendem Klang.

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18 Antworten zu “Igitt, wer spielt denn bitte Transistor-Amps?”

  1. RudiRocker sagt:

    Das olle Thema lockt noch jemanden hinterm Ofen vor? Anscheinend auch mich. ;)
    Ich mag Röhrenamps, die klingen meist einfach gut. Ich spiele aber tatsächlich den besagten JC120, davor war ich auf der Tweed-Schiene, davor JTM. Zerrpedale können den Zerrsound der Röhrenboliden so gut abbilden, dass es für mich keinen Grund mehr für diese „archaische“ Technik gibt.
    Man wird ja auch immer älter. Es bedarf auch einer persönlichen Reife, um sich diesem Schlagabtausch zu entziehen.
    Von daher: machen was gefällt. Gut sind beide.

  2. Robert Balcar sagt:

    Grüße!
    Als Gitarrist spiele ich mit Equipment aus allen „drei Welten“, sprich Röhre, Transistor und Digitale Modeller. Die Qualität der Wiedergabe ist zum großen Teil vom Gerät selbst abhängig. Es gibt durchaus Transistoramps die besser klingen wie so mancher Röhrenamp, allerdings hat der „Verwendungszweck“ heutzutage wesentlich mehr Bedeutung wie früher. Das volle Potenzial eines Röhrenamps beispielsweise für Recording’s nutzen zu können, wird wohl nur ein einem Studio möglich sein. Selbst üben mit einem Röhreamp ist in einer Mietwohnung ohne den Zorn der Nachbarn zu provozieren praktisch nicht möglich. Geht es allein um die Frage des Sounds würde ich persönlich einen Vollröhrenamp immer bevorzugen. Der durch Röhren reproduzierte Sound ist „lebendig“ und das in mehrfacher Hinsicht, allerdings auch nur unter „optimalen“ Voraussetzungen. Ich hoffe das es in Zukunft mehr Hybriden geben wird, Thomas Blug (Bluguitar) hat eindrucksvoll bewiesen das „Symbiose“ immer eine gute Lösung ist. Vor „Ewigkeiten“ hatte der Valvestate von Marschall den Weg vorgelegt, aber leider nicht konsequent weiterentwickelt. Meiner Meinung nach eine klare Fehlentscheidung…

    • Robert Balcar sagt:

      …verfluchte Texterkennung, ich bitte die „unverzeihlichen“ Rechtschreibfehler zu entschuldigen. Meine Textkorrektur „verbessert“ nachträglich in ihrem Sinne, „Marshall“ wird beispielsweise als „falsch“ und nicht als „englisches“ Wort erkannt.

  3. Aven sagt:

    Ach schön… als Keyboarder kennt man diese Diskussionen Abalog vs Digital…. Schön mal nen Eindruck von der Kollegen der Klampfen zu bekommen… 😵‍💫🥳😀😏

    • Robert Balcar sagt:

      Ich denke das wird überall gleich sein, ob man nun ein Hifi-Freak ist, auf alte Moog-Sounds steht oder am Rechner Songs produziert. Digital arbeitet einfach anders und vermutlich wird das von unserem Hörvermögen auch als „nicht natürliche Quelle“ wahrgenommen. Ja, da kann man herrlich und endlos darüber diskutieren…

      • claudius sagt:

        Wirklich? oder ist das nur Einbildung, weil es eben früher grausam klang und man gedanklich immer noch fest hängt? (Geht mir mitunter auch so)
        Ich meine, ein gutes Modelling kann keiner so recht vom Original mehr unterscheiden. Weder beim A/B Hören, noch beim selbst (blind) spielen.

        • Robert Balcar sagt:

          Ich bin immer wieder verwundert das es meistens „nur“ um A-B Klangvergleiche geht, soweit hast du völlig recht, das ist oft ohne zu wissen welche Quelle man jetzt gerade hört nicht mehr zu unterscheiden.
          Was mir aber beim Modelling fehlt ist das Feeling und die Response, es „spricht“ nicht mit mir. Der zweite Punkt ist das „Digital“ keine harmonischen Verzerrungen im kritischen Präsenzbereich hinbekommt, es klingt hart, für mich als (Modern) Metal Gitarrist sind diese Frequenzen aber enorm wichtig.
          Digital arbeitet statisch linear mit disharmonischen Verzerrungen (K3, K5…), Analog dagegen und erst recht Röhren mit harmonischen Verzerrungen (K2, K4…). Objektiv und spontan merkt man das nicht unbedingt, nach ein paar Stunden wirst du „subjektiv“ immer genervter davon. Da helfen auch keine gut produzierten YouTube-Videos…

          • claudius sagt:

            Ich spiele selten ein paar Stunden meine Amps, oder hört das Publikum DEN einen Sound.
            Wenn vor allem objektiv nichts merkbar ist, wie soll es dann subjektiv gehen, außer über eine Ebene, die eingebildet ist, weil man eben von vornherein eine Erwartungshaltung hat?

        • Gast sagt:

          Sehe ich genau wie mein Vorredner. Die A/B-Vergleiche sind etwas völlig anderes, als etwas direkt selbst zu spielen. Ich denke, es ist ein Unterschied, ob jemand nur für den Beifall anderer produziert oder ob jemand SPIELT, um selbst Spaß zu haben. Ich spiele auch Röhre, Modeling und bei Pedalen auch Transistor. Hat alles seinen Reiz und seine Berechtigung, aber auf Röhre möchte ich nicht verzichten. Habe ich schon mehrfach versucht, hat aber nicht funktioniert.

  4. Klaus sagt:

    Ich spiele gerne nen alten, billigen Line6 Spider IV 15 Amp und finde, dass der geiler und transparenter zerrt als meine teils recht teuren Röhrenpedale 🙈

    • Robert Balcar sagt:

      Röhrenpedale? Nun, zum guten Röhrensound gehört auch ordentlich Stromspannung und eigentlich auch gute Transformatoren für die Endstufen. Die Herstellung ist teuer und guter Sound konnte bei Röhrenpedalen nur bedingt realisiert werden, deshalb findet man auch heute kaum noch welche. Ich habe da noch so einen Röhrenbooster irgendwo rumliegen, besser wie meine Overdrive’s klingt er aber nicht. Ich spiele Zuhause fast nur über digitale Modeller, schon allein nur aus dem Grund das sie nur einen Bruchteil an Strom verbrauchen wie ein Röhreamp. Strom ist sehr teuer bei uns…

  5. Robert Balcar sagt:

    Tja lieber Claudius, ich denke wir zwei funktionieren da grundsätzlich anders. Wenn ich nicht durch meinen eigenen Sound inspiriert werde, überträgt sich das auf das Publikum ziemlich schnell. Um es einmal ganz drastisch auszudrücken, beim Gitarrenspiel produziere ich im Regelfall körpereigene Drogen die mich in eine Art Rausch versetzen, Sportler kennen das ebenfalls. Ohne diesen Kick gibt es keine Leidenschaft, ohne Leidenschaft gibt es keine Ekstase. Ich kann mir beispielsweise natürlich einbilden guten „Sex“ zu haben, aber meine Seele und erst recht meine Partner weiß es besser. Nun, ich persönlich sehe viel an Einbildung in unserer heutigen Gesellschaft und ich erkenne auch deren Praxis der Schönrederei der Realität. Letztendlich entscheidet aber nur Materie ob etwas real ist oder nicht. In diesem Sinne werde ich jetzt ganz real zum Einkaufen gehen und nein Veganerwürstchen kommen mir nicht in die Tüte, man kann sich natürlich einbilden das es wie Würstchen schmeckt…

    • claudius sagt:

      Ich denke, so unterschiedlich ticken wir da gar nicht. Ich würde für mich die „Ekstase“ nur nicht an eine bestimmte Technik hängen. Die kann immer passieren, es kommt auf viele Umstände an.

      Bei den Würstchenbeispiel würde ich nicht den identischen Geschmack erwarten, sondern eher den Grundsatz dahinter hinterfragen, warum diese Würstchen von Veganern (nicht von den „gesundheitsbewussten Menschen“) wirklich gekauft werden. Sicherlich nicht, weil sie identisch oder auch nur subjektiv gut schmecken (wobei das manche tatsächlich tun). Daher ist der Vergleich für mich dazu eher schwierig.

      • Robert Balcar sagt:

        Die „Veganerwürstchen“ waren als vergleichende IRONIE gemeint, weil damit überflüssigerweise ein Fleischprodukt „simuliert“ wird, mehr wollte ich damit nicht ausdrücken. Ich entscheide ganz alleine was ich gut finde und was nicht und das Aufgrund meiner Wahrnehmung, Intuition und Erfahrung. Für MICH funktioniert digitales Modelling nicht weil ich mir nur „einbilde“ das es mir nicht gefällt, mit „Technik-Fetischismus“ hat das überhaupt nichts zu tun. Ich benutze ebenso Modeller, VST-Plug in’s und erstelle auch eigene IR’s, glaubst du wirklich ich kann die Unterschiede der „Systeme“ nicht beurteilen!? Suggeriere bitte nicht etwas bei mir das du dir nur „einbildest“ das ich das so sehe, an schlechten Tagen nehme ich so etwas sehr persönlich.

        • claudius sagt:

          Du hattest von objektiv und subjektiv geschrieben, ich hatte es lediglich aufgegriffen.
          Belassen wir es einfach dabei, ich denke nicht, dass wir andere Dinge grundlegend meinen. :)

  6. Buddy sagt:

    das Thema hat mich schon immer beschäftigt. Ich habe früh schon Transen gespielt. Mit meinen Vox Valvetronix habe ich von vielen Musikern gelobte rock sounds gespielt . Die konnten es alle nie glauben. Für mich war immer der breakup von Röhren das Problem. Ich spiele Vox valvetronix und röhre ac 10 und 15 – auch vox new tube und nen harley benton board amp. Auf tour nur noch transe oder direkt in die pa.

  7. Jörn sagt:

    Röhre ist gut, Röhre ist toll! Nur muss Röhre aufgerissen werden…und ich finde v.a. in kleineren Locations gibt es nicht schlimmeres als wenn alles schön aus der PA kommt, außer natürlich die Leadgitarre, weil dort eben die Hosenbeine flattern müssen ;). Klar gibt’s Powersoaks & Co. Aber Live sind Modeler und Kemper für mich einfach praktikabler. Und warum aus diesem Grund immer noch 100W Fullstacks propagiert werden, verstehe ich schon gar nicht. Denn weniger ist hier garantiert mehr

  8. Johannes Raggam sagt:

    Röhre, lass mich aber gerne von Transistor überzeugen.
    Ich spiele einen Sovtek MIG 50 Head mit Austrovok 15“ Bassbox und einen Kitty Hawk Junior Kombo. Beides 50 Watt Teile. Bin damit im Prinzip sehr zufrieden, v.a. die Sovtek-Austrovox Kombi klingt super – fett, voll, aber kaum übersteuert. Der Sovtek ist im Moment kaputt – die Lautstärke bricht plötzlich ein und dann gibts Fuzz ähnliche Zerre, dann wieder normal usw. Weiß noch nicht, ob das an den Röhren oder den Kondensatoren liegt..?
    Wie auch immer. Die Teile sind sauschwer. V.a. der Kitty Hawk, als Kombo mit richtig großen Transformatoren. Ich heb mir da noch einen Bruch. Nix gegen den Fender Twin Amp, den ich vor kurzem ausprobiert hab, der ist nochmal ein gutes Stück schwerer.
    Deshalb, und wegen der Zuverlässigkeit möchte ich mal einen guten Transistorverstärker ausprobieren. Der Verstärker selbst ist nur ein Teil des Sounds und da ich die Röhrenzerre kaum nutze könnte eigentlich gleich ein Transistorverstärker sein. Alles vor und nach dem Verstärker ist in meinem Fall soundtechnisch wahrscheinlich wichtiger.

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